Bereits im Mai berichtete Lotte Everts in der “Zeit” über die für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierte Graphic Novel “5 Songs” von Gipi (avant-verlag). Der Artikel soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden:
“Ein Ort ganz für uns alleine
Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008: Ein umstrittener Comic-Roman über vier Jungs und ihre Band
Wie gern wäre ich dabei gewesen. Aber Jungs, die in einer Band spielten und nach Verlassen ihres heiligen Kellers nur diesen unwiderstehlichen Nihilismus durch die Außenwelt trugen, kannte ich immer nur aus der Ferne: Ich wusste ihre Namen; umgekehrt, Fehlanzeige. Ganz anders Nina. Nina, die mitten in eine Bandprobe platzen darf, Nina, die sich vor dem Proberaum auf der Wiese ausstreckt, von Blumen umgeben, und schon wird sie hineingebeten in die Höhle der Jungs – im einzigen bunten Panel des sonst schmutzfarben aquarellierten Comic-Romans 5 Songs.” mehr
Einen Streifzug durch die verschiedenen Arten nicht-fiktionaler Comics unternimmt Joachim Allgeier heute im Kulturmagazin auf www.heise.de, telepolis. Dabei streift er verschiedene Reportagecomics (unter anderem “Pjöngjang” von Guy Delisle und “Der Fotograf” von Didier Léfévre, Emmanuel Guibert und Frédéric Lemercier), (auto)biografische Comics (etwa “Fun Home” von Alison Bechdel) und auch wissenschaftlich orientierte Sachcomics:
Gezeichnete Wirklichkeiten: Realität und Comic-Kultur
Der Comic hat sich zum Bildungs-, Wissens- und Reportagemedium gemausertIn der Vergangenheit wurden Comics vielfach mit billigem bunten Schund gleichgesetzt, der Kinderköpfe verdummt, ihnen ihre Vorstellungskraft raubt und die Entwicklung ihrer Lesefähigkeit hemmt. Doch das Medium Comic ist inzwischen längst erwachsen geworden und hat weitaus mehr zu bieten als einfältige Superheldengeschichten und infantile Kindwelten im Stil von Mickey Maus und Donald Duck.
Das Medium Comic eignet sich nicht nur zum Erzählen anspruchsvoller fiktionaler Geschichten, es erlaubt auch eine Auseinandersetzung mit der Realität und hat bereits bewiesen, dass es auch das Zeug dazu hat, sich als Bildungs-, Wissens- und Reportagemedium verdient zu machen.
Was macht man, wenn man bildlich von einem Land wie zum Beispiel Nordkorea berichten möchte, in dem es strengstens verboten ist, Fotoaufnahmen zu machen? Hat man das entsprechende Talent dazu, zeichnet man seine Erlebnisse vom Besuch des Landes einfach und veröffentlicht sie als Comics. mehr
Mit dem zweiten Teil der preisgekrönten Trilogie “Der Fotograf” erscheint im August eine weitere Graphic Novel in der Edition Moderne:
Léfévre / Guibert / Lemercier – Der Fotograf Band 2: Ärzte ohne Grenzen
„Kennst du die Redensart «mit euch gehe ich bis ans Ende der Welt»? Nun, das ist es. Jeder von uns ist in der Lage, Dinge zu tun, für die er nicht ausgebildet worden ist. Wir sind alle dazu verdammt, von einem Moment auf den anderen grosse Verantwortung auf uns nehmen zu müssen. Das schweisst uns zusammen.“
Sommer 1986, Afghanistan ist von der Sowjetunion besetzt. Nachdem der Fotograf Didier Lefèvre eine Equipe der Organisation Ärzte ohne Grenzen von Pakistan bis ins Innere Afghanistans begleitet hat, schildert er im vorliegenden Album den Alltag der Mediziner, die Bedingungen, unter denen sie ihre Arbeit verrichten, den Umgang mit der lokalen Bevölkerung, die dramatischen und die anrührend menschlichen Erfahrungen, aber auch die Feindschaft, die ihnen manchmal entgegenschlägt.
Dieses Buch soll ebenso eine Würdigung der Arbeit der Mediziner sein als auch eine Dokumentation des Mutes und der Würde ihrer Patienten.
Für jedes verkaufte Buch geht 1 Euro bzw. 2.-sFr. an Ärzte ohne Grenzen!
Didier Lefèvre wurde 1957 in Paris geboren, machte Lefèvre erst eine Ausbildung als Drogist und gab in eritreischen Spitälern Kurse in Mikrobiologie, bevor er als Fotoreporter zu arbeiten begann.
Bekannt wurde er mit Arbeiten über Länder und Gegenden wie Sri Lanka, das Horn von Afrika, Malawi, Kambodscha oder Kosovo; aber auch seine Porträts von Menschen wurden in vielen Magazinen und Zeitschriften abgedruckt, so z.B. über Toreros, Feuerwehrmänner, Gärtner, über die Hazara in Afghanistan, über die Bewohner der Salomonen-Insel Bougainville, über die äthiopischen Weltmeister im Laufen, oder die afghanischen Mudschaheddin vor 1992. Er kehrte jeweils gerne an die Orte seiner Reportagen zurück und nahm sich dort Zeit, Veränderungen zu registrieren und Bekannte wiederzusehen.
Nachdem im französischen Verlag Ouest ein Buch mit Lefèvres Bildern aus Afghanistan erschienen war, begannen er und sein guter Freund Emmanuel Guibert, ein erfahrener Zeichner, mit der Arbeit an drei Comic-Alben über Lefèvres Erfahrungen in Afghanistan. Dieses Werk wurde beim belgischen Verlag Dupuis im Jahre 2003 unter dem Titel “Le Photographe” veröffentlicht.
Didier Lefévre starb im Januar 2007 an einem Herzinfarkt.
Emmanuel Guibert kam 1964 in Paris zur Welt. In den Achtzigerjahren besuchte Guibert verschiedene Kunstakademien, entdeckte die Welt der Illustration und der Storyboards, was 1992 zur Veröffentlichung seines ersten Albums „Brune“ im Verlag Albin Michel führte. Dies verschaffte ihm die Aufmerksamkeit des Verlags L’Association und ermöglichte ihm den Abdruck einer Serie höchst origineller Geschichten im Magazin Lapin.
Nach seinem Umzug ins Atelier des Vosges (gelegen an der Place des Vosges, Paris) lernte er die bekannten Zeichner und Szenaristen Fréderic Boilet, Tronchet, Emile Bravo, Christophe Blain und Joann Sfar kennen. Zusammen mit Sfar verfasste er eine Geschichte über ein kleines Mädchen, das im London um 1900 verloren geht. 1997 bei Dupuis veröffentlicht, erntete „La Fille du Professeur“ grossen Applaus und erhielt den Alph’Art Coup de Coeur sowie den Prix René Goscinny.
Andere international bekannte Bücher Guiberts sind “Le Capitaine Ecarlate”, “Les Olives noires” und “La Guerre d’Alan”.
Frédéric Lemercier wurde 1962 in Rouen geboren. Er trifft Lemercier während seiner Ausbildung an der Ècole Nationale Supèrieure des Arts Dècoratifs auf Emmanuel Guibert.
Der Fotograf 2 – Ärzte ohne Grenzen, ISBN 978-3-03731-033-5, 80 Seiten, Hardcover, 23×30 cm, Euro 24.-/ sFr. 38.-, Edition Moderne, erscheint im August
Mit “Blutspuren” erscheint im August die erste Graphic Novel der israelischen Künstlerin Rutu Modan in der Edition Moderne
Rutu Modan – Blutspuren
„Wenn die Realität um uns herum so kompliziert oder zu beängstigend ist, tendieren die Menschen dazu, sich von ihr loszulösen. (…) Ignorieren ist eine Variante, makaberer Humor eine andere. Er ist wie ein Schild, das du um dich herum aufbaust. Das Problem ist, dass dieses Schild zu einem Teil deiner Persönlichkeit wird. Du kannst es nicht an und ausziehen wie ein Hemd.“ Rutu Modan, in einem von Joe Sacco geführten Interview, Comics Journal 288, USA 2008
“Blutspuren” von der Israelin Rutu Modan ist eine echte, preisverdächtige, 168seitige Graphic Novel. Die französische Ausgabe wurde im Frühling 2008 anlässlich des internationalen Comicfestivals in Angoulême mit dem Prix France Info ausgezeichnet. Die englische Ausgabe ist für den berühmten „Eisner-Award“ in den USA nominiert.
In Tel Aviv erhält der junge Taxifahrer Kobi einen mysteriösen Anruf von Numi, einer jungen Frau, die behauptet, sein Vater sei bei einem Selbstmordattentat ums Leben gekommen. Kobi kennt seinen Vater kaum und hat sich nie um ihn gekümmert. Widerwillig lässt er sich von Numi in die Suche einbeziehen. Im Laufe ihrer Ermittlungen erfährt er Überraschendes über einen Vater, der sich seinem Sohn immer entzogen hat, sondern auch viel über seine eigene Identität.
“Blutspuren” ist bereits in Spanien, Frankreich, Italien, England und den USA erschienen.
Rutu Modan, wurde 1966 in Tel Aviv geboren, wo sie heut noch lebt und als Comicautorin und Illustratorin arbeitet. In Israel mehrfach als Kinderbuchautorin ausgezeichnet, wurde sie international als Comiczeichnerin erst dank Actus Tragicus, einer israelischen Künstlergruppe, bekannt. Diese wurde 1995 von Mira Friedmann, Batia Kolton, Rutu Modan, Yirmi Pinkus und Itzik Rennert gegründet und hat sich mit ihren nur in Englisch erschienenen Anthologien international einen ausgezeichneten Ruf erworben.
Nachdem sie die Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem erfolgreich abgeschlossen hatte, begann sie, regelmässig Comic-Strips und Geschichten in führenden Zeitungen Israels zu veröffentlichen. Ausserdem war sie Mitherausgeberin der israelischen Ausgabe von MAD-Magazine.
Rutu Modan ist in Israel und im Ausland auch als Ilustratorin und Texterin für Magazine und Bücher tätig, inklusive New York Times, New Yorker und Le Monde.
Blutspuren, ISBN 978-3-03731-035-9, 168 Seiten, farbig, Klappenbroschur, 19 x 26 cm, Euro 28.- / sFr. 45.-, Edition Moderne, erscheint im August
Mehr als ein Jahr weilte Guy Delisle mit seiner Familie im südostasiatischen Birma, das offiziell eigentlich Myanmar heißt. Während seine Frau dort für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeitet, erfährt Guy Delisle die politische und soziale Realität des von einer geächteten Militärjunta beherrschten Landes. Als er die Gelegenheit erhält, birmesischen Künstlern Unterricht in Trickfilmanimation zu geben, erschließt sich ihm ein ganz persönlicher Einblick in das Leben und Leiden der einfachen Bevölkerung. Auf fast dreihundert Seiten entstehen so Aufzeichnungen aus einem familiären Mikro- und einem birmesischen Makrokosmos.
Nach “Shenzen” und “Pjöngjang” ist “Aufzeichnungen aus Birma” der dritte autobiografische Reisebericht des in Frankreich lebenden Kanadiers über ein ostasiatisches Land. Ob China, Nordkorea oder Birma: Guy Delisle versteht es meisterhaft zu beobachten, ohne zu bewerten. So entsteht ein sehr persönliches, aber vorurteilsfreies Bild eines Landes, welches für kurze Zeit vor allem aufgrund der brutalen Gewalt gegenüber friedlich demonstrierenden Mönchen ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt ist.
Guy Delisle, geboren 1966 in Quebec, studierte plastische Kunst in Toronto. Von 1986 bis 1988 arbeitete er für das Zeichentrickstudio CinéGroupe in Montréal, anschließend ging er nach Europa und zeichnete für Studios in München, Berlin und Valencia. Seit 1991 lebt und arbeitet Guy Delisle in Montpellier.
“Aufzeichnungen aus Birma” erscheint im Januar 2009 bei Reprodukt.
ISBN 978-3-941099-01-2, 272 Seiten, schwarzweiß, 24,5 x 16,5 cm, Klappenbroschur, 20 EUR
Arne Bellstorf hat die ersten Probeseiten für “Baby´s in Black – Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe” vorgelegt, die wir hier präsentieren. Derzeit arbeitet er an den Storyboards für sein neues Buch bei Reprodukt, in dem die Geschichte der Beatles in Hamburg, der Kunsthochulszene und der Jugend- und Subkultur um 1960 erzählt werden. Im Mittelpunkt steht das Aufeinandertreffen der Fotografin Astrid Kirchherr und des Musikers und Künstlers Stuart Sutcliffe, den John Lennon am Liverpooler College of Art kennen gelernt hatte. “Baby´s in Black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe”, ISBN 978-3-941099-12-8, 192 Seiten, schwarzweiß, 23 x 16 cm, Klappenbroschur, 16 EUR
Erscheint im Herbst 2009 bei Reprodukt
Der am vergangenen Sonntag im Kulturmagazin der ARD “titel, thesen, temperamente” ausgestrahlte Beitrag über Guy Delisle lässt sich ab sofort in der Mediathek des Senders ansehen.
Die birmanische Militärjunta, seit 1962 an der Macht, schottet das Land konsequent ab. Sie kontrolliert die eigenen Medien und behindert die Berichterstattung im Ausland. Nach der Wirbelsturmkatastrophe im Mai hat sie Journalisten die Einreise verweigert und mit ihrer harten Haltung gegenüber internationalen Hilfsangeboten die Weltöffentlichkeit schockiert.
Umso mehr überraschen die Comic-Reportagen des Franko-Kanadiers Guy Delisle, die soeben als „Chroniques Birmanes“ in Frankreich erschienen sind. 2005 verbrachte Guy Delisle einige Monate mit seiner Familie in Birma. Seine damals entstandenen Zeichnungen erzählen vom Alltag in einem totalitären Staat und geben Einblicke in die grotesken Strukturen der Unterdrückungsmaschinerie. ttt hat den Künstler in seiner französischen Wahlheimat Montpellier besucht.
In der heutigen Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” bespricht Christian Kortmann “Olaf G.” von Lars Fiske und Steffen Kverneland (avant-verlag):
“Angst und Schrecken am Tegernsee: Zwei Norweger auf den Spuren von Olaf Gulbransson
Ein Norweger in einem Bauernhof in den bayerischen Alpen, ein Frauenschwarm und eingefleischter Nudist, der seinen muskelbepackten Körper nur mit einer Schürze und einem Handtuch auf dem Kopf bekleidet durch den Garten bewegt, während er ein „Mmmmh”-Dauergeräusch emittiert: Als Exzentriker ist der Maler Olaf Gulbransson (1873-1958) eine dankbare Vorlage für die Comic-Figur, zu der er in Lars Fiskes und Steffen Kvernelands gezeichneter Biografie „Olaf G.” geworden ist. 1902 ging Gulbransson auf Einladung des Verlegers Albert Langen nach München, um für das Satiremagazin „Simplicissimus” zu zeichnen, und zog wenig später an den Tegernsee.” mehr
Am Sonntag, den 22. Juni 2008, zeigt die ARD um 23 Uhr in “titel thesen temperamente” einen Beitrag über Guy Delisle, in dem neben dem für Januar 2009 angekündigten “Aufzeichnungen aus Birma” auch “Pjöngjang” und “Shenzhen” vorgestellt werden:
Nachrichten aus einem totalitären Land – Die birmanische Comic-Chronik des Guy Delisle
Die birmanische Militärjunta, seit 1962 an der Macht, schottet das Land konsequent ab. Sie kontrolliert die eigenen Medien und behindert die Berichterstattung im Ausland. Nach der Wirbelsturmkatastrophe im Mai hat sie Journalisten die Einreise verweigert und mit ihrer harten Haltung gegenüber internationalen Hilfsangeboten die Weltöffentlichkeit schockiert.
Umso mehr überraschen die Comic-Reportagen des Franko-Kanadiers Guy Delisle, die soeben als „Chroniques Birmanes“ in Frankreich erschienen sind. 2005 verbrachte Guy Delisle einige Monate mit seiner Familie in Birma. Seine damals entstandenen Zeichnungen erzählen vom Alltag in einem totalitären Staat und geben Einblicke in die grotesken Strukturen der Unterdrückungsmaschinerie. ttt hat den Künstler in seiner französischen Wahlheimat Montpellier besucht.
Mit “Houdini” ist bei Carlsen dieser Tage eine neue Graphic Novel des amerikanischen Autors Jason Lutes – gezeichnet von Nick Bertozzi – erschienen. Der bereits durch seine Graphic Novels “Berlin” (Carlsen) und “Herbstfall” (zusammen mit Ed Brubaker, Reprodukt) bekannte Autor befasst sich hier mit dem zu seiner Zeit weltberühmten Magier Harry Houdini.
Dabei erfährt der Leser nicht nur etwas über einige berühmte Tricks des Magiers, sondern auch über verschiedene Stationen seines Lebens. Als Ungar jüdischen Glaubens hat er sich in verschiedenen Varietés und Zirkussen Europas und Nordamerikas durchgeschlagen, bis er den Durchbruch als Entfesselungskünstler schaffte. Anfang des 20. Jahrhunderts gastierte er unter anderem im Berliner Varieté “Wintergarten”, wo er große Erfolge feiern konnte.
Houdini, ISBN 978-3-551-77963-2, 96 Seiten, Klaappenbroschur, 14 EUR
Eine erste Besprechung erschien am 17. Juni in der “Welt”:
“Ein Comic feiert den Zauberer Harry Houdini
Er war der größte Entfesslungskünstler aller Zeiten: Der Illusionist Harry Houdini konnte leicht zugeben, dass er mit Tricks arbeitet. Das Publikum staunte dennoch. Ein neuer Comic feiert den Pop-Star unter den Magiern – dabei wird nur ein ganz bestimmter Moment im Leben Houdinis gezeigt.
“Wird sich in hundert Jahren noch jemand an mich erinnern?” Das fragt sich der Held in der neuen Graphic Novel “Houdini: König der Handschellen” am 1. Mai 1908 in Cambridge, Massachusetts. Zuvor ist er in Badehose an Händen und Füßen mit Handschellen gefesselt von einer Brücke in das eiskalte Flusswasser gesprungen und hat sich in Minutenschnelle wieder befreit. Hundert Jahre später ist die Antwort einfach: Harry Houdini, 1874 in Budapest als Rabbinersohn Ehrich Weisz geboren und als Kind in die USA ausgewandert, war schon vor dem Zeitalter der Massenmedien ein Superstar und ist bis heute ein Mythos geblieben.” mehr
Sascha Hommer hat auf seinem Blog wieder neue Seiten aus der Arbeit zu “Vier Augen” online gestellt. Die Arbeit schreitet langsam aber sicher voran, und das fertige Buch soll nun anlässlich des Hamburger Comicfestivals Ende November 2008 erscheinen. Pünktlich zum Festival wird es dann auch eine Ausstellung und eine Buchreleaseparty in Hamburg geben!
Die Veröffentlichung von Mawils “We can still be friends” (“Wir können ja Freunde bleiben”, Reprodukt) stößt auf durchweg positive Resonanz. Besprechungen auf Blogs und anderen Webseiten heben dabei häufig hervor, dass es doch gerade im englischsprachigen Raum eine Reihe von autobiografischen Graphic Novels gibt, die sich mit dem enttäuschenden Liebesleben der Autoren beschäftigen, von denen sich Mawils Buch jedoch wohltuend absetzt.
“Since Richard’s reviewed one of the new releases from Blank Slate Books (Trains Are Mint, reviewed here), I thought I’d take a look at the other one: We Can Still Be Friends by German cartoonist Mawil. I picked the book up with some trepidation, because it seemed like a kind of book that I’d read before, more than once. There is no shortage of black-and-white autobiographical comics in which a slightly nerdy, white, male, middle-class cartoonist talks about his troubles with women. And sure enough, the content of We Can Still Be Friends is nothing new; but the way Mawil tells his stories makes it stand out from the crowd.” Mehr auf dem Blog von Forbidden Planet
“Mawil is one of the most popular comics creators in Germany. He has had 6 books published in his home country, with Beach Safari published in English by Top Shelf. Mawil created this 64-page comic as his MA thesis, and it deals humorously with 4 unrequited (naturally) crushes he had from when he was a boy up to a student. He maintains a lightness and humour, never descending to the narcissism or self-pity that many such autobiographical comics would have done. In part this is helped by having the stories told as if they were being discussed in a bar with friends (with the associated laughter, incredulity and commiserations). I’d be surprised if anyone didn’t find some sympathy with at least one of the situation that Mawil describes.” mehr: comixinflux.com
“Love Mawill’s book, too. I was dreading this on first skim, because if there’s one kind of comic book I can’t stand, it’s the “self pitying cartoonist fails with the ladies” sub-genre riddling the back catalogues of Top Shelf, Drawn & Quarterly, Fantagraphics, etc. But Mawill’s work is lacking entirely in melodrama and any real self-pity. It’s just touching, funny, and human, and exquisitely cartooned. Really – visit his website and have a hoke around. He’s cracking. I’ve a real hankering to see more of this guy’s work translated into English now.” mehr:badlibrarianship.com
Abschließend aus einer Besprechung im englischen Comicmagazin “Tripwire”:
“This collection is a real treat and showcases a creator who, I’m sure, will become an important and influential force amongst English language cartoonists as more of them are exposed to him. Mawil isn’t breaking new ground in terms of the content of his work. (…) He is a very interesting practitioner, who knows how to play with the grammar of comics without disrupting the narrative flow of his stories. He’s also a natural storyteller with a grasp of characterisation and plotting that puts several of his more experienced peers to shame.
It comes as no surprise, therefore, that Mawil’s work has received appreciative nods from the likes of Joe Matt and Jeffrey Brown, two cartoonists who also use the mundane and the everyday to provide the grist for their creative mills. However, I’m going to go out on a limb here and say that, in my opinion, from what I’ve seen in this collection at least, Mawil is a better cartoonist than both.”
Und gleich noch einmal: Das arte-Magazin “Metropolis” hat ein Porträt über Isabel Kreitz und ihr Buch “Die Sache mit Sorge” produziert, das auch online zur Verfügung steht.
Comic-Zeichnerin Isabel Kreitz “Stalins Spion in Tokio”
Sie gilt als Deutschlands bekannteste und vielseitigste Comic-Zeichnerin. Mit WDie Sache mit Sorge – Stalins Spion in Tokio” hat die 40-jährige Hamburgerin ihr bisher umfangreichstes und vielschichtigstes Werk geschaffen. Über 250 Seiten verfolgt ihre Graphic Novel die letzten fünf Monate im Leben von Richard Sorge. Der 1885 geborene Deutsche war Kommunist, Journalist, vor allem aber ein erbitterter Feind des NS-Regimes. Von 1933 bis zu seiner Hinrichtung durch die Japaner im Jahr 1944 lebte er in Tokio. Getarnt als Journalist bewegte er sich dort in den höchsten diplomatischen Kreisen und lieferte der Sowjetunion Kriegs entscheidende Informationen, die unter anderen dazu führten, dass der Deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion erfolglos blieb. Isabel Kreitz zeichnet Richard Sorge als einen gespaltenen Charakter: Ein Trinker, Frauenheld, Großmaul, dabei hochintelligent und getrieben von seiner Mission. mehr
Maximilian Probst hat für die “taz” einen ausführlichen Artikel über Isabel Kreitz und “Die Sache mit Sorge” geschrieben.
Wenn Frauen besser zeichnen
Die Hamburger Zeichnerin Isabel Kreitz zieht Stoffe vor, die nichts persönlich mit ihr zu tun haben. In ihrer großartigen Graphic Novel “Die Sache mit Sorge” schildert sie die letzten Monate im Leben von Stalins Topspion in Tokio. Das Buch ist so dick wie ein Roman, und seine Lektüre dauert genauso lange. Ihr Ziel, “kleine schmuddelige Wegwerfheftchen” zu machen, hat Kreitz damit gründlich verfehlt
Du sitzt als Kind im Auto, auf der Rückbank. Lesen geht nicht, dir würde dabei übel, also musst du etwas anderes machen: Zeichnen zum Beispiel. Die zwei Hinterköpfe, auf die du die ganze Zeit starrst. Und ein paar Worte dazuschreiben, wie du sie gerade hörst: “Diese verdammten Radfahrer sollte man einfach mal überfahren”, heißt es von links, “Ach, reg’ dich nicht auf”, beruhigend von rechts. Aus Mangel an Alternative, resümiert Isabel Kreitz diese Geschichte, habe sie zum Comic gefunden, aus Langeweile wurde sie, was sie ist: Comiczeichnerin. mehr
Das Berliner Bücherfest 2008 findet am 21. und 22. Juni auf dem Bebelplatz neben der Staatsoper Unter den Linden statt. Etwa 120 Stände von Buchhandlungen und Verlagen, Lesungen für Kinder und Erwachsene, Signierstunden, Buchpräsentationen, Begegnungen mit Autorinnen und Autoren werden wieder viele Gäste anziehen. Der Eintritt zum Bücherfest und zu allen Lesungen und Veranstaltungen ist frei – und es gibt wie im vergangenen Jahr einen Stand von Reprodukt.
Vom 13. Juni bis zum 6. September 2008 zeigt die Deutsche Nationalbibliothek Leipzig die Ausstellung “Comics made in Germany”, die im Frühjahr in der Dependance in Frankfurt gzeigt worden war. In Kooperation mit dem Institut für Jugendbuchforschung der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt entstanden, widmet man sich dem Deutschen Comic seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Exponate der Ausstellung stammen aus der Sammlung der Deutschen Nationalbibliothek und der Sammlung des Instituts für Jugendbuchforschung.
Am 12. Juni um 18 Uhr wird die Ausstellung mit einem einführenden Vortrag von Dr. Bernd Dolle-Weinkauff vom Institut für Jugendbuchforschung eröffnet, gefolgt von einem Vortrag von Guido Weißhahn von der Gesellschaft für Comicforschung in Dresden mit dem Titel “Mehr als MOSAIK – Streifzug durch die Comiclandschaft der DDR”.
In Begleitung zur laufenden Ausstellung wird am Dienstag, dem 26. August 2008 um 19 Uhr am gleichen Ort Andreas Platthaus über “Die verspätete Nation – Wie der Comic in Deutschland heimisch wurde” referieren.
Zur Ausstellung ist das Buch “Comics made in Germany – 60 Jahre Comics in Deutschland” erhältlich, in dem sich Einträge zu Anke Feuchtenberger, Martin tom Dieck, Mawil und vielen anderen deutschen Comiczeichnern finden lassen.
Deutsche Nationalbibliothek Leipzig, Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig
Tel. (0341) 227 10 , Fax (0341) 227 1444
email: info-l@d-nb.de, www.d-nb.de
Sven Jachmann auf www.textem.de über die erste deutschsprachige Komplettausgabe von Art Spiegelmans “Maus” bei S. Fischer:
Antiikonisches Bild von Auschwitz
In „Ist das ein Mensch?“ versucht Primo Levi in Ermangelung inhaltlich besetzter Begriffe mithilfe der „Hölle“ dem Leser eine Ahnung zu vermitteln, was Auschwitz sei. Im „Roman eines Schicksallosen“ kehrt Imre Kertesz dessen metaphysische Bestimmung mit härtester Empirie in eine nicht mehr greifbare Rationalität, indem er seinen aus Auschwitz heimkehrenden Protagonisten die Zeit, zerlegt in all ihre Einheiten, aufzählen lässt, die das Lager veranschlage, was sein Gegenüber, einen investigativen Reporter, der über die Gräuel der KZs aufklären möchte und dafür beständig die Höllen-Metapher verwendet, hilflos wie lakonisch mit „Nein, das kann man nicht verstehen“ quittiert. Die Metaphysik legt sich also wie ein Schleier über die Rationalität; ihr Spielraum ist einzig, das vermeintlich Verständliche mit dem Verständlichen ins Unverständliche zu transformieren, und so, mit der gebrochenen Naturalisierung, der Gefahr der Mythologisierung zu entgehen. mehr
In der Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Samstag bespricht Gottfried Knapp Christophe Blains “Das Getriebe” (Reprodukt).
Die Schrecken der Tiefe
Im Bauch eines gigantischen Schlachtschiffs: Christophe Blains Comic-Roman “Das Getriebe” zieht den Leser in gefährliche Tiefen, in die Zonen der Angst.
Der neue Comic-Roman des Franzosen Christophe Blain hält sich formal an ein klassisch bewährtes Spannungsrezept. Von der Einleitung und vom Ende abgesehen, spielt die erzählte Geschichte an einem genau begrenzten Ort, in einem Hohlkörper, aus dem es kein Entrinnen gibt: Wir begeben uns in den Bauch eines gigantischen, hermetisch geschlossenen Kriegsschiffs.
An diesem einheitlichen Ort könnte sich, wie in vielen klassischen Kriminalromanen, unter dem überschaubaren Personal ein Mord ereignen, bei dessen Aufklärung alle Anwesenden nacheinander in Verdacht geraten.
Blain hat sich für ein anderes, im Bildmedium Comic bewährtes Verfahren entschieden: Nicht die Handlungen der Menschen geben Rätsel auf, nein der Ort selber wird zum Geheimnis, zum unauslotbaren Tiefenraum, in dem sich ständig neue Ein- und Ausstiege, Abgründe und Fallen auftun.
Der vollständige Artikel samt Bildergalerie findet sich hier.