Nachdem bereits der avant-verlag, Edition Moderne und Reprodukt in Österreich über den Wiener Comic- und Buchvertrieb Pictopia erhältlich sind, kommt mit der Wuppertaler Edition 52 nun ein weiterer Deutscher Comicverlag hinzu. Damit sind viele Graphic Novels – beispielsweise von Michel Rabagliati (“Pauls Ferienjob”), Seth (“Eigentlich ist das Leben schön”) und Joe Matt (“Peepshow”) – nun auch für den österreichischen Buch- und Comichandel auf dem kürzesten Wege zu beziehen.
Zeitgleich ist der neue Webshop der Edition 52 online gegangen, in dem neben dem kompletten lieferbaren Programm noch viele weitere Comics, Artbooks und Merchandise erhältlich sind, darunter Siebdrucke und Poster von Ulf K. oder Calle Claus sowie Sketchbooks von Robert Crumb oder Chris Ware.
Anlässlich des Open Air Festival “Frequenzen 08″ in Meldorf, das am 30. August stattfindet, wird in Zusammenarbeit mit dem Dithmarscher Landesmuseum und dem Paul Derouet (Contours) zwei Wochen vor dem Musikevent eine Ausstellung eröffnet.
Gezeigt werden Werke von Max, der das Festivalplakat entworfen hat. Der katalanische Zeichner erhielt im vergangenen Jahr den mit 15.000 Euro dotierten spanischen Nationalpreis für Comics für seinen Buch “Bardin der Superrealist”, das in deutscher Übersetzung bei Reprodukt erschienen ist.
Die Vernissage findet am 15. August um 20 Uhr in der Zingelstraße 16 statt. Anschließend ist sie vom 16. bis zum 30. August täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
Soeben ist Dirk Schwiegers Reisetagebuch “Moresukine” (Reprodukt) in einer amerikanischen Lizenzausgabe beim Verlag NBM Publishing erschienen. Pünktlich zum größten Comicfestival der USA in San Diego trafen die ersten Exemplare ein, die Dirk Schwieger, der extra dafür von Deutschland eingeflogen wurde, am Verlagsstand signierte.
Das Fotojournal des amerikanischen Buchbranchenmagazins “Publishers Weekly” war ebenfalls dort zu Gast und hat den Autor prompt fotografisch festgehalten.
“What a fun idea” – Neil Gaiman
“A hell of a lot of fun to read, and a great idea for a comics/journal blog” – Evan Dorkin
Moresukine, englischsprachige Ausgabe, ISBN 978-1-56163-537-5, 13 x 22 cm, 176 Seiten, schwarzweiss, Softcover, $15.95, erschienen bei NBM Publishing
Perfektes Timing! Gerade am Wochenende in San Diego bei den Eisner Awards mit dem Preis als “Best Graphic Album-New” ausgezeichnet, legt die Edition ModerneRutu Modans “Exit Wounds” als “Blutspuren” vor. Jetzt frisch in der Auslieferung via Medien Service Wuppertal!
In Tel Aviv erhält der junge Taxifahrer Kobi einen mysteriösen Anruf von Numi, einer jungen Frau, die behauptet, sein Vater sei bei einem Selbstmordattentat ums Leben gekommen. Kobi kennt seinen Vater kaum und hat sich nie um ihn gekümmert. Widerwillig lässt er sich von Numi in die Suche einbeziehen. Im Laufe ihrer Ermittlungen erfährt er Überraschendes über einen Vater, der sich seinem Sohn immer entzogen hat, sondern auch viel über seine eigene Identität.
Blutspuren, ISBN 978-3-03731-035-9, 168 Seiten, farbig, Klappenbroschur, 19 x 26 cm, 28 EUR
Rutu Modan bei der Verleihung der Eisner Awards – Foto geklaut von Tom Devlin, www.drawnandquarterly.com
Noch warten wir auf seine erste Graphic Novel, auch wenn “Smalltown Boy”, bereits 1999 bei Reprodukt erschienen, ein erster Versuch in diese Richtung und ursprünglich auf weitaus mehr Seiten angelegt war. Derzeit zeichnet Andreas Michalke nach wie vor jeden Mittwoch eine Folge von “Bigbeatland” für die “Junk Word”-Seite der Wochenzeitung “Jungle World”. Eine Ausstellung seiner Arbeiten und die der Kollegen 18Metzger (“Totes Meer”), Digirev (“Zuhause während der digitalen Revolution”), Leo Leowald (“Zwarwald”), Fil (“Mädchenworld”), Oliver Naatz (“Lilli & Poldi”) und Minou Zaribaf (“Rockrätseln”) ist für Mitte August im Neurotitan, Berlin in Vorbereitung.
Bereits seit November 2007 führt Andreas Michalke den Blog “Berlin Beatet Bestes”, bei dem er hauptsächlich über sein Hobby, das Sammeln alter Vinyl-Singles aus den 50er, 60er und 70er Jahren berichtet und besondere Schallplattencover und manche Illustration von deutschen Cartoonisten aus dieser Zeit online stellt. Auch Reiseberichte wie zum Beispiel eine kurze Reportage vom Comic-Salon 2008 in Erlangen gibt es zu lesen.
Einen Aufruf an die Leserschaft richtet Reprodukt derzeit im Comicforum.
Das Comicforum ist der größte deutschsprachige Treffpunkt für Online-Diskussionen bezüglich Comics und bietet in verschiedenen Unterforen viele Möglichkeiten zum Austausch zwischen Lesern, Händlern und Verlagen. Von den Verlagen Carlsen, Panini und Edition Moderne abgesehen sind hier alle nennenswerten deutschsprachigen Comicverlage mit eigenen Bereichen vertreten. Rund 20.000 Mitglieder sind registriert von denen ca. 800 pro Tag aktiv sind. Wie es in der Begründung zur Verleihung des ICOM Sonderpreises, den die Website und ihre Macher 2004 verliehen bekamen, treffend heisst: “Das Comicforum ist ein nicht mehr wegzudenkender Faktor in der deutschen Comiclandschaft”.
Verlage nutzen das Forum nicht nur um neue Titel anzukündigen, sondern suchen auf diesem Weg auch aktiv Kontakt zur Leserschaft – Feedback und Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht. Ein besonderer Post weist nun noch darüber hinaus: Da kleinere Unternehmen nicht über die vertrieblichen Möglichkeiten wie größere Verlage mit etabliertem Vertreternetz verfügen, stellte Reprodukt-Mitarbeiter Sebastian Oehler nun einen Beitrag ins Forum, in dem die Leserschaft dazu aufgerufen wird, dem Berliner Verlag bei der Vertriebsarbeit zu unterstützen. Ob es damit gelingt, die aktive Comicszene zu mobilisieren, wird sich zeigen. Der Beitrag kann in ganzer Länge hier gelesen und kommentiert werden.
Schon seit einiger Zeit veröffentlicht der Brandenburger Verlag Eidalon unter dem Label Modern Tales auch Graphic Novels. In den ansehnlich aufgemachten Bänden, zum Großteil als Hardcover mit Schutzumschlag, widmet man oft dem Zwischemenschlichen: Es geht um Romanzen (“12 Gründe, dich zu lieben”), ganz allgemein um Beziehungen (“Breakfast after noon”), ums Erwachsenwerden (“Lost At Sea”) oder um Teenager-Komödien (“Banana Sunday”). Das Programm bietet leichte aber gut geschriebene und in schwungvollen Bildern erzählte Lektüre, bestens geeignet für den Strandkorb.
Neuester Titel im Programm ist die episodisch erzählte Romanze “12 Gründe, dich zu lieben” von Jamie S. Rich und Joelle Jones. In zwölf Episoden erzählt der Band aus dem Leben von Gwen und Evan und den Aufs und Abs ihrer Beziehung.
Aus der chronologischen Ordnung herausgebrochen, konzentrieren sich diese Episoden auf jene Dinge, die zwei Menschen aneinander finden – seien so winzig wie das Erzählen eines Witzes, oder größer, wie der Bericht eines Traumes und die Geheimnisse, die man versteckt. Erst zusammengelegt, ergeben diese Splitter ein ganzes Bild.
12 Gründe Dich zu lieben, ISBN: 978-3-939585-11-4, 160 Seiten, Hardcover, schwarzweiss 16 Euro, erscheint bei Modern Tales
Für den aktuellen “Buchreport” hat Daniel Lenz ein kurzes Interview mit Dirk Rehm (Reprodukt) geführt, das bereits seit dem 23. Juli online ist.
Der Buchhandel ist nur schwer zu erobern
Comicverfilmungen boomen, Publikumsverlage wie KiWi nehmen Comics in ihr Programm auf, Graphic Novels erzielen hohe Auflagen – die so genannte Neunte Kunst ist auf dem Höhenflug. Im Interview gibt der Comicverleger Dirk Rehm (Reprodukt) einen Ausblick.
Comicverfilmungen sind so erfolgreich wie nie in den Kinos – der jüngste „Batman“ hat angeblich den besten Kinostart aller Zeiten hingelegt. Profitieren auch Comicverlage mit einem Portfolio wie Ihrer von diesem Boom?
Nein, von der Aufmerksamkeit, die die Superheldenverfilmungen derzeit haben, profitiert unser Programm – das eher eine Nähe zur Belletristik aufweist – natürlich nicht. Allerdings kann sich das jederzeit ändern, wenn ein spezifischer Titel aus unserem Programm erfolgreich verfilmt werden würde (eine Adaption von Charles Burns´ “Black Hole” ist in Vorbereitung). mehr
Nach Serverproblemen ist die Website von Line Hoven, der 2008 mit dem ICOM Independent Preis ausgezeichneten Zeichnerin, nun wieder online. Zu diesem Anlass wurde die Seite mit einigen neuen Bildbeiträgen ausgestattet. Aktuell gilt es zum Beispiel bei einem Bilderrätsel die Unterschiede herauszufinden, das auch in der “Spielkiste” – Thema der Ausgabe Nr. 91 des Comicmagazins “Strapazin” – abgedruckt wurde.
Sven Jachmann hat für die “Junge Welt” vom 23. Juli eine Rezension von Cyril Pedrosas “Drei Schatten” geschrieben:
Wer reitet so spät…
Gibt’s auf dem Styx eine Handelsschiffahrt? Cyril Pedrosas tieftrauriger Comic »Drei Schatten«
Es ist dem neuen Comic von Cyril Pedrosa durchaus anzumerken, daß er sich eine Zeit lang als Animationszeichner bei Disney verdingt hat. Zum einen erinnert die Stilisierung der Figuren, wenn auch entfernt, an Disney-Massenware. Zum anderen spart Pedrosa an entscheidenden Stellen nicht gerade am Pathos. Allerdings ist er keineswegs darauf aus, mit gedehnten Momenten großer Gefühle von läppischen Plotkonstruktionen abzulenken.
»Drei Schatten« hat den Tod eines Kindes zum Thema. Es geht um jene Momente der Trauer, die aus der Hoffnungslosigkeit kommen. Sie ist es, die die Flucht vor den titelgebenden Schatten durchweg begleitet.Unvermittelt tauchen die Schatten am Anfang als Boten des Todes vor dem beschaulich im Wald gelegenen Häuschen des kleinen Joachim und seiner Eltern auf. Um das Schicksal seines Sohnes noch abzuwenden, tritt der Vater auf einem Handelsschiff eine aussichtslose Odyssee an.Pedrosas Finesse erweist sich nicht nur am prägnanten, expressiv-ausfransenden Pinselstrich. Gelegentlich sind die Bilder mit Kreide angereichert, was dem Setting eine regelrecht ornamentale Bedrohung verleiht. Dies allein ist eine pure Augenweide. Meisterhaft werden zudem verschiedene Gattungen verwoben. Märchen-, Fantasy- und Abenteuerbausteine vermitteln immer wieder Ahnungen eines vorhersehbaren Handlungsverlaufs. mehr
Ebenfalls in der “taz” vom 26. Juli findet sich ein Artikel von Wiebke Porombka zur schwierigen Situation auf dem Buchmarkt. Kleine und mittelgroße Verlage drohen im Kampf um die Präsentationsplätze in den Buchhandelsregalen unterzugehen, wenn sie nicht erfolgreich Nischen besetzen. Eine Problematik, von der Comicverlage nicht verschont bleiben.
Kampf um den Platz im Regal
Dass ein Verleger das Handtuch wirft, mag ein Einzelfall sein. Trotzdem sind die Probleme des Aufbau-Verlags symptomatisch für den Buchmarkt.
[...] Gleichzeitig ist man an dieser Stelle längst mittendrin in der anderen, noch größeren Erzählung. Entwicklung des gesamtdeutschen Buchmarkts heißt sie und ist vor allem mit einem Schreckwort behaftet: Konzernisierung. Die Marginalisierung von kleineren und unabhängigen Verlagen ist die Kehrseite dieses Schreckwortes. Gemeint ist damit, dass der Buchmarkt in den letzten Jahren zunehmend durch drei große Medienkonzerne bestimmt wird: durch Holtzbrinck, zu dem unter anderen Rowohlt, S. Fischer und Kiepenheuer & Witsch gehören, die Bonnier Media Holding und schließlich durch Random House, das neben Luchterhand, DVA und Manesse mehr als 30 Verlage unter seinem Dach vereint.
Was Kritiker an dieser Entwicklung mit Sorge betrachten, sind einerseits die internen Folgen, die sich für einen Verlag aus der Übernahme durch einen Konzern ergeben. Denn der agiert natürlich vorderhand als Wirtschaftsunternehmen: Das heißt vor allem, dass Personalstrukturen optimiert – also Mitarbeiter entlassen – werden und der Renditedruck enorm steigt. Es gehe immer mehr um Verkaufszahlen als um Inhalte, schwere Stoffe könnten sich immer weniger durchsetzen. mehr
Andreas Fanizadeh stellt in der “taz” vom 26. Juli kenntnisreich den französischen Comic “Muchacho” von Emmanuel Lepage vor, der im Original in zwei Bänden erschienen ist, die Carlsen nun in einer 168-seitigen Gesamtausgabe im Kleinformat vorgelegt hat.
Comic zur Revolution in Nicaragua Als die Sandinisten noch recht hatten
Eine spannende und leicht schwule Episode aus dem Bürgerkriegsalltag der 70er-Jahre in Mittelamerika: “Muchacho” vom französischen Comic-Autor Emmanuel Lepage.
Nicaragua, November 1976. Ein Überlandbus wird auf morastiger Fahrbahn im Dschungel Nicaraguas gestoppt. Die Passagiere – Kinder, Junge, Alte – stehen aufgereiht vor der Seite des gelben Fahrzeugs. Gewehrläufe sind auf sie gerichtet. Nationalgardisten von Diktator Anastasio Somoza sind auf der Suche nach Aufständischen. Die Szene beobachten aus dem Hintergrund ein jüngerer und ein älterer Padre. In den Farben des Dschungels, gelb und grün gemalt, bildet diese den Auftakt von Emmanuels Lepages gerade erschienenem Comic “Muchacho”. mehr
Sommer 1986, Afghanistan ist von der Sowjetunion besetzt. Nachdem der Fotograf eine Equipe der Organisation Ärzte ohne Grenzen von Pakistan bis ins Innere Afghanistans begleitet hat, schildert er im vorliegenden Album den Alltag der Mediziner, die Bedingungen, unter denen sie ihre Arbeit verrichten, den Umgang mit der lokalen Bevölkerung, die dramatischen und die anrührend menschlichen Erfahrungen, aber auch die Feindschaft, die ihnen manchmal entgegen schlägt.
Vom Bucherlös gehen 1 Euro bzw. 2.- SFr. für jedes verkaufte Buch an die Organisation Ärzte ohne Grenzen!
Ab dem 1. August wird der zweite Band von “Der Fotograf” ausgeliefert. Eine Rezension im Kölner Magazin “StadtRevue”, die sich dem ersten Band widmet, macht jetzt schon Lust aufs Weiterlesen… Christian Möller über die Comic-Reportage »Der Fotograf«:
Neue Helden im Comic-Universum. Statt Superman und Hulk heißen sie nun Johnny Cash und Che Guevara. Sie nehmen Drogen und zetteln Revolutionen an. Sie retten nicht mehr die Welt, sondern erzählen ihre eigene Geschichte: düster, realistisch und hart.
Produzent Rick Rubin hat ihm ein musikalische Denkmal gesetzt, der Kinohit “I walk the Line” ein filmisches. Der deutsche Künstler Reinhard Kleist hat Johnny Cash nun in einem Comic verewigt: “Cash – I see a Darkness”. In eindringlichen Schwarz-Weiß-Bildern schildert Kleist das bewegte Leben des “Man In Black”, des Idols von Musik-Fans aller Generationen. Seine frühen Sessions mit Elvis, seine Drogenexzesse, das Konzert im Folsom Prison, das Cash Ende der 60er Jahre zu einer der berühmtesten Stimmen Amerikas machte, die Liebe zu June Carter, bis hin zu seinem spektakulären Comeback an der Seite von Rubin. mehr
Aus Kriegsregionen, Geisterstädten und Shoppinghöllen
Superman als Clark Kent beim “Daily Planet”, Tim als rasender Zeitungsreporter aus den belgischen Kolonien – eigentlich ist die Verbindung von Comic und Journalismus so alt wie das Genre selbst. Trotzdem erschienen die ersten wirklichen Comicreportagen erst Mitte der 90er Jahre, als der gelernte Journalist Joe Sacco in Comicform aus Palästina und Gorazde berichtete. Seitdem gehört die Reportage neben der Autobiographie zu den Genres, durch die die Realität immer stärker in die einstige Fantasiewelt der Bildergeschichten Einzug hält. Wir stellen euch die wichtigsten Comicreportagen der letzten Jahre vor.mehr
Vor einigen Tagen ist die neue Website des frankokanadischen Comicautors Guy Delisle online gegangen. Der Zeichner ist vor allem für seine autobiografischen Reiseberichte aus der chinesischen Freihandelszone und aus Nordkorea bekannt – “Shenzhen” und “Pjöngjang” sind beide bei Reprodukt erschienen. In Vorbereitung ist sein neuester Band, in dem er von seinem Aufenthalt in Birma berichtet: “Aufzeichnungen aus Birma” erscheint im Januar 2009.
Auf www.guydelisle.com kann man sich einen Überblick über sein abwechslungsreiches Werk verschaffen. Neben den Reiseberichten finden sich noch Verweise auf seine Albenproduktionen von “Aline et les autres” (erschienen bei L´Association) bis “Louis fährt Ski”, Reprodukt). Besonders interessant sind kleine Extras wie ein Scan aus der brasilianischen Ausgabe von “Pjöngjang”, die den im Buch gezeigten nordkoreanischen Sehenswürdigkeiten genaue Längen- und Breitengrade zuweisen.
Zu “Louis fährt Ski” finden sich die beiden Daumenkinos aus dem Album in animierter Form, die beweisen, dass Guy Delisle sein Animatorenhandwerk versteht.
Zur auf dem Comic-Salon in Erlangen erschienenen Anthologie “Pomme d´amour – 7 Geschichten über die Liebe” (Die Biblyothek) findet in der Hamburger Galerie Linda eine Ausstellung statt. Es werden Beiträge aller Künstlerinnen (Barbara Yelin, Claire Lenkova, Élodie Durand, Laureline Michon, Paz Boira, Ulli Lust und Verena Braun) gezeigt und alle in Deutschland wohnhaften Teilnehmerinnen werden anwesend sein.
Die Vernissage findet am Freitag, den 25. Juli ab 20 Uhr statt. Danach ist die Ausstellung noch bis zum 3. August zu sehen.
Im August erscheint bei Schreiber & Leser ein zweiter Comic der japanischen Comiczeichnerin Kiriko Nananan. Nach “Blue” zeigt sie auch mit “Liebe und andere Lügengeschichten” ihr Talent, Beziehungsgeschichten in behutsamen Bildern umzusetzen. Mit ihrem zum Teil an Pop Art-Comics erinnernden, unaufgeregten, aber emotional aufgeladenen Stil fügt sie den in Deutschland erscheinenden Manga eine weitere, interessante Facette hinzu.
Beziehungsgeschichten aus dem Japan von heute, haarsträubend oder banal, von Sehnsucht und Eifersucht, von den uralten und ewig neuen Problemen. Kiriko Nananan erzählt davon mit Humor und ohne erhobenen Zeigefinger.
Liebe und andere Lügengeschichten, ISBN 978-3-937102-95-5, broschiert, s/w, 216 Seiten, 14,95 EUR
“Bosnian Flat Dog”, die groteske Graphic Novel der Wahlberliner Max Andersson (“Pixy”) und Lars Sjunnesson, wird verfilmt. Beide Autoren bilden zusammen mit Helena Ahonen das Produktionsteam, das das Buch adaptiert. Dabei soll der rauhe Charme der Vorlage nicht verloren gehen, wenn in einer Mischung aus digital und mit Super 8 gedrehten Passagen der ehemalige jugoslawische Diktator seinen ganz eigenen Weg auf die Leinwand findet. Über den Stand der unter dem Namen “Tito on ice” laufenden Produktion informiert eine neu eingerichtete MySpace-Website, auf der bereits einige Fotos den Produktionsprozess zeigen.
Ein Comicfestival führt Helena Ahonen, Max Andersson und Lars Sjunnesson nach Ljubljana. Dort erhalten sie einen Telefonanruf von Skledar, einem alten Bekannten, der ihnen seine Kriegstagebücher aus Bosnien anbietet. Ihre Suche nach Skledar und dessen Tagebüchern führt sie nach Sarajevo, vorbei an Eisbomben, Handgranaten aus dem Souvenir-Shop in Sarajevo und einem Kühlschrank mit der gefrorenen Mumie von Tito.
Max Andersson (“Container”, “Pixy”) und Lars Sjunnesson ist mit “Bosnian Flat Dog” ein wunderbar wilder und unterhaltsamer Mix aus Fakten und Fiktion gelungen, der nicht kurzweiliger hätte ausfallen können.
“‘Bosnian Flat Dog’ will nicht etwas Schlimmes noch schlimmer erscheinen lassen, sondern möchte es vielmehr ad absurdum führen. So erinnert der Comic in seinem Irrwitz an Werke wie etwa Joseph Hellers “Catch 22″ oder Vladimir Sorokins “Die Herzen der Vier”. Genauso schonungslos wie Sorokin spielen Andersson und Sjunnesson mit den Klischees des jugoslawischen Systems und der medial verarbeiteten Kriegsrealität: Sie lassen etwa Titos halbverweste Leiche in einem Kühlschrank sitzen, die dann das Geschehen teilnahmslos verfolgt. Traumatisierte Frauen aus Srebrenica, bei Andersson und Sjunnesson bereits zum medienwirksamen, inhaltsleeren Typus verkommen, verkaufen währenddessen Eiscrème in Granathülsen, in die Hirsche und Landschaften kunstvoll eingraviert sind.” – Thomas Meister, Tages-Anzeiger
Bosnian Flat Dog, ISBN 978-3-931377-94-6, 88 Seiten, schwarzweiß, 29,5 x 21 cm, Klappenbroschur, 88 Seiten 17 EUR
Das Goethe-Institut Kanada hat seit März 2008 seine Website um Biografien kanadischer Comic-Autorinnen und -autoren erweitert. Nachdem Matthias Schneider schon vor einigen Jahren im Auftrag des Goethe-Instituts Stockholm Texte zu deutschen Autoren wie Anke Feuchtenberger, ATAK, Andreas Michalke, Arne Bellstorf und vielen anderen mehr geschrieben hatte, findet man diese hier ergänzt um Texte von frankokanadischen Autoren, Bibliothekaren und Journalisten zu frankokanadischen Comiczeichnerinnen und -zeichnern.
Auch auf verschiedene Websites zur deutschen Comicszene wird verlinkt und brandaktuell sogar notiert, dass Mawils “Wir können ja Freunde bleiben” in englischer Sprache erschienen ist!