Nach Sara Varons “Robo und Hund” und der Comicversion des Jugendbuchs “Die Welle” von Morton Rhue und Stefanie Kampmann ist bei Ravensburger nun eine weitere Graphic Novel erschienen, die sich an ein jüngeres Publikum wendet: Gudrun Pausewangs beklemmendes Jugendbuch “Die Wolke” wurde von Anike Hage in Comicform umgesetzt.
“Versagen gehört zu unserer Welt. Es gibt keine absolute Sicherheit. Jede Technik hat Schwachstellen. Versagen ist menschlich. Mit Versagen nicht zu rechnen, ist verantwortungslos und unmenschlich. Die Atomwirtschaft setzt auf technische Wunderwerke, die nicht versagen. Sie haben versagt.” Ein Land nach dem atomaren GAU. Die fünfzehnjährige Janna und ihr kleiner Bruder Uli fliehen nach Bad Hersfeld. Dort, so heißt es, seien sie sicher. Wovor genau sie sich in Sicherheit bringen müssen, wissen sie nicht. Alle reden immer nur von einer Wolke, die den Tod bringt.
Den mit dem “Deutschen Jugendbuchpreis 1988″ ausgezeichneten Klassiker adaptierte die Zeichnerin Anike Hage als Comic. Bislang war Anike Hage vor allem für ihre Manga-Serie “Gothic Sports” (erschienen bei Tokyopop) bekannt.
Die Wolke, ISBN 978-3-473-35294-4, 176 Seiten, Hardcover, 16,95 EUR
Für das Kulturportal satt.org bespricht Christopher Pramstaller Rutu Modans “Blutspuren” (Edition Moderne):
Hadera, Israel. Ein Bombenanschlag am Busbahnhof. Eine der fünf Leichen ist so stark verbrannt, dass ihre Identität nicht geklärt werden kann. Doch niemand ist gekommen, um sie zu identifizieren: keine Angehörigen, keine Freunde. Schon wenige Tage später scheint der Anschlag in Vergessenheit geraten zu sein. In Haifa hat es eine noch größere, noch mehr Tote fordernde Explosion gegeben.
Auch für den Taxifahrer Kobi Franco ist der Anschlag in Hadera eigentlich kein Thema mehr, als er drei Wochen danach von der Soldatin Numi eine Nachricht erhält, und sich mit ihr in einem Park trifft. Zu alltäglich ist die Bedrohung durch den Terror, als dass jeder Anschlag lange im Gedächtnis verhaftet bleiben würde. Doch Numi, die sich als Geliebte seines Vaters ausgibt, äußert die Vermutung, dass es sich bei der nicht identifizierten Leiche um Kobis Vater Gabriel handelt. mehr
Am Dienstag, dem 30. September, wird im Berliner Monarch im Rahmen der Verbrecherversammlung, der regelmäßigen Veranstaltungsreihe des Berliner Verbrecher Verlags, Ulli Lusts Buch “Fashionvictims, Trendverächter – Bildkolumnen und Minireportagen aus Berlin” (avant-verlag) vorgestellt.
Kai Pfeiffer (Redakteur/Koautor, Comiczeichner) wird das Buch per Gedankensprung, Bildbetrachtung und zielgerichteter Abschweifung vorstellen. Danach liest und kommentiert Ulli Lust ausgewählte Strips und Comic-Passagen, gefolgt von einer kleinen Diskussionsrunde, bei der sich Oliver Grajewski (Comiczeichner, “Tigerboy”) und Jörg Sundermeier (Verleger und Journalist, Verbrecher Verlag) zusammen mit Ulli Lust und Kai Pfeiffer über die Form des Reportagecomics und die Berlin-Darstellung in Ulli Lusts Werk unterhalten.
Ulli Lust lebt seit Mitte der 90er Jahre in Berlin und zeichnet mittlerweile vorrangig Comics für erwachsene Leser. Neben der erotischen Serie “springpoems”, die auf einem prähistorischen Frühlingsritual basiert, gilt ihr Hauptinteresse der Comicreportage und dokumentarischen Comics. Sie betreibt den Webcomic-Verlag www.electrocomics.com, der internationale Autorencomics publiziert. 2009 erscheint der umfangreiche autobiographische Comicroman ihrer exzessiven Jugend, “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” im avant-verlag .
Monarch, Skalitzer Str. 134, D-10999 Berlin
Beginn: Dienstag, 30. September, 20.30 Uhr
Christiane Krämer bespricht auf dem Berliner Frauenportal aviva Ulli Lusts “Fashionvictims, Trendverächter” (avant-verlag):
Ulli Lust – Bildkolumnen und Minireportagen aus Berlin
Ein scharfes Bild von “Fashionvictims und Trendverächtern” die eine ähnliche Mode zelebrieren zeichnet die zugezogene Künstlerin in der Ansammlung ihrer schönsten Berliner Momentaufnahmen
Ulli Lust hat in ihren in verschiedenen Tageszeitungen abgedruckten Zeichnungen BerlinerInnen portraitiert und ihre Gespräche belauscht. Dabei fielen der “Alltagsspionin” die witzigen und tragischen Situationen quasi vor die Füße: unterwegs in den Öffentlichen, auf den kinderüberschwemmten Bürgersteigen des Prenzlauer Bergs und in Kreuzberger Kaschemmen, in den piefigen Shopping Malls in Ost und West und unzähligen aufgesuchten Orten bespitzelt Ulli Lust die Szenerien der Metropole.
Im drastisch zu spürenden Wandel der Zeit nähern sich Fashionvictims und Trendverächter“modemäßig immer mehr an”. Cafeschlürfende DesignerInnen und hawaiihemdtragende Zugezogene sind von gealterten Cowboys und Jutebeutel schwingenden Alteingesessenen kaum zu unterscheiden. Die solventen MittdreißigerInnen vom Prenzelberg mit ihren Trendholzfahrräder tretenden Kindern finden Sinnstiftung beim Kauf von Gummistiefeln und unzähligen Milchcafes. Einige Arbeitslose laufen morgens vor dem Behördengang diszipliniert und pünktlich am Imbiss auf und schauen denen hinterher, die eine Arbeit haben. mehr
Eine eintägige Fachtagung des Berliner Anne-Frank-Zentrums, die in der Nordrhein-Westfälischen Landesvertretung in Berlin stattfinden wird, befasst sich am 10. Oktober 2008 mit dem pädagogischen Aspekt des Comics “Die Suche” von Eric Heuvel, Ruud van der Rol und Lies Schippers.
Im Jahr 2007 erschien im Anne-Frank-Haus der pädagogische Comic “Die Suche”, der in den Niederlanden entwickelt und erprobt wurde. Von Februar bis Juli 2008 testete das Anne-Frank-Zentrum den Einsatz von “Die Suche” im Geschichtsunterricht an verschiedenen Schulen in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Parallel zu der Testphase in Deutschland wurde das Material an Schulen in Polen und Ungarn erprobt.
Auf der Fachtagung werden in Vorträgen und Workshops Fragen zur pädagogischen Arbeit mit Graphic Novels zum Thema Holocaust diskutiert. Die Veranstaltung soll einen Diskurs über die historisch-politische Bildungsarbeit anregen und gleichzeitig eine Plattform für Erfahrungsaustausch unter Fachkolleginnen und -kollegen bieten.
Neben verschiedenen Pädagogen, die aus der Praxis berichten, wird es eine Podiumsdiskussion und eine Signierstunde mit Co-Autor und Zeichner Erik Heuvel geben. Die Podiumsdiskussion befasst sich mit “Herausforderungen, Chancen und Grenzen der pädagogischen Arbeit mit Graphic Novels zum Thema Holocaust” und wird vom Kölner Comic-Publizisten Klaus Schikowski moderiert. Als Gäste geladen sind der Germanist Dr. Jens Birkmeyer (Münster), die Pädagogin Jutta Weiler (Düren), Thomas Heppener vom Anne Frank-Zentrum Berlin, die Publizistin und Comic-Herausgeberin Jutta Harms, und als Vertreter der Kultusministerkonferenz Robert Siegel.
Das Programmheft kann hier als PDF-Dokument heruntergeladen werden, eine Anmeldung ist bis zum 30. September und online hier möglich. Das Buch kann im Online-Shop des Anne Frank-Zentrums bestellt werden.
Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund, Hiroshimastr. 12-16, D-10785 Berlin-Tiergarten
Bereits in der August-Ausgabe berichtete Florian Hunger für die “Jüdische Zeitung” über Shaun Tans “Ein neues Land”:
“Ein neues Land” von Shaun Tan
Ein Mann packt seinen Koffer, streicht zärtlich über ein gerahmtes Foto seiner Familie, bevor er auch dieses sorgsam auspolstert und vorsichtig verstaut. Seine Frau legt liebevoll tröstend ihre Hand auf seine, dann erwacht die kleine Tochter, es folgt ein letztes gemeinsames Frühstück, schon brechen die drei auf. Die zeitlos-düsteren Straßen der Stadt werden von furchterregenden Schatten verdunkelt, die an riesenhafte Drachenschwänze erinnern. Es ist eine trostlose, kafkaesk anmutende, graue Graphitstift-Welt, die der namenlose Protagonist in Shaun Tans großartiger, ganz ohne Worte auskommenden Graphic Novel verlässt. mehr
Dank an Heiko Kaminski / Buchhandlung Rombach, Freiburg
Eine Blick in die Comic- und Graphic-Novel-Szene aus jüdischer Sicht wirft Sonja Galler in der aktuellen Ausgabe der “Jüdischen Zeitung”:
Bom! Bom! Bom! Bom!
Über jüdische Comicwelten
«Lest mehr Comics!», rufe ich von Zeit zu Zeit meinen Freunden zu. Deren spontane Begeisterung hält sich dann oft in Grenzen. Verbinden die meisten von ihnen mit Comics doch vor allem altbekannte Klassiker: die mit den großohrigen Mäusen, den düsteren Superhelden und den streitbaren Galliern. Erschienen in Massenproduktion und in einfacher Paperback-Qualität, erhältlich vor allem am Zeitungskiosk. Meist ein Relikt aus Kindheitstagen und ein unerschütterlich im Gedächtnis eingegrabener Zitatfundus. Aber darüber hinaus?
Dass es außerhalb einer allzeit florierenden Heftchen-Industrie, neben all den Fix und Foxis, erzählerische Eleganz und die unterschiedlichsten Bilderwelten zu entdecken gibt, beginnt hierzulande erst allmählich bekannt zu werden. Und dennoch gibt es auch in Deutschland längst eine kleine lebendige Comicszene: Mit einer Reihe fabelhafter Independent-Verlage wie Reprodukt und Avant. Mit Comic-Läden, in denen zwischen Kundschaft und Verkäufern so kenntnisreich und beherzt gefachsimpelt wird, wie man es sich in manch anderen Buchhandlungen wünschen würde. Mit Musenstuben und Galerien, in denen in bester «Support your local heroes»-Manier produziert und druckfrisch Handverlesenes verkauft wird. Und mit einem Angebot, das von Heftchen mit dem Charme des Schäbigen, Billigen ebenso lebt wie von in Druck und Koloration höchst aufwendig gestalteten Bänden. Comicleser sind Bücherliebhaber, soviel steht fest. mehr
Im Luftschacht-Verlag ist ab sofort eine neue Graphic Novel der beiden Österreicher Nicolas Mahler und Heinz Wolf lieferbar. Nicholas Mahler, vor allem bekannt als Autor und Zeichner der Comicserie “Flaschko – Der Mann in der Heizdecke” (Comic-Strip aus der “Welt Kompakt”, Alben erschienen bei Edition Moderne) und seiner autobiografischen Bücher wie “Kunsttheorie versus Frau Goldgruber” (Reprodukt) tritt hier nur als Autor auf und lässt seine kühle Mördergeschichte von Zeichnerfreund Heinz Wolf in dynamische Bilder umsetzen.
Schwarz-weißer Alltag und grauenerregende Morde in der Großstadt: „Molch“ lautet die mit Blut verfasste Signatur eines Serienkillers, zu dessen Opfern vornehmlich schöne Frauen zählen. Und während sich ein deprimierter Gebrauchtwagenhändler mit den Lasten des Alterns und Vereinsamens plagt, gerät er – nicht ganz zu Unrecht – ins Visier der polizeilichen Ermittlungen.
Eine mehrseitige Leseprobe zum Band lässt sich hier im PDF-Format herunterladen.
Molch, ISBN 978-3-902373-37-3, Klappenbroschur, 21 x 14,8 cm, 92 Seiten, schwarzweiß, 14,90 EUR
… und den “Bernd Pfarr-Sondermann für Komische Kunst” erhält 2008 Stephan Rürup (“Rürups bessere Welt”, “Monstersonntag”). Das berichten erstmals schon vor der Verleihung der Preise am Samstag, den 18. Oktober die Frankfurter Buchmesse und das “Börsenblatt”.
Barbara Yelins Geschichten erscheinen in deutscher Sprache regelmäßig in “Spring”, dem von einem Kollektiv von Zeichnerinnen herausgegebenen Magazin für Comics und Illustrationen. In französischer Sprache sind bei Editions de l´an 2 mit “Le visiteur” und “Le retard” bereits zwei Bücher von ihr erschienen. Ihr neuester Comic wurde in dem Sammelband “Pomme d’ amour – 7 Geschichten über die Liebe” (Die Biblyothek) veröffentlicht. Nach einem Szenario von Peer Meter (“Haarmann” mit Christian Gorny, Carlsen) arbeitet die Berliner Zeichnerin derzeit an einer Geschichte über die Bremer Giftmörderin Gesche Gottfried, die im Herbst 2009 bei Reprodukt erscheinen wird und aus der auch die folgende Abbildung entnommen ist.
Barbara Yelin, Jahrgang 1977, hat an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg Illustration studiert und arbeitet seit 2004 freiberuflich als Illustratorin und Comiczeichnerin.
“Robo und Hund”, die Graphic Novel von Sara Varon, wurde in die “Kid´s Reading List” von Oprah Winfrey aufgenommen. Ebenso findet sich das Buch in der Liste der “150 besten Bücher 2007″ von “Publisher´s Weekly”. In den USA ist “Robo und Hund” bei First Second (ein Ableger von Holtzbrinck) erschienen, die deutsche Übersetzung hat der Ravensburger Verlag veröffentlicht.
Aus dem Pressetext von Ravensburger: Robo und Hund sind die besten Freunde. Robo putzt, Robo räumt auf und Robo kocht Hund jeden Tag etwas Leckeres. Nach einem gemeinsamen Badeausflug am Strand kann Robo nicht mehr aufstehen und Hund geht alleine nach Hause. Was soll das? Robo hat doch bisher immer funktioniert! Hund beschließt sich neue Freunde zu suchen, doch schließlich erkennt er, was wahre Liebe ist … Eine Geschichte über Freundschaft und Loyalität, die (fast) ganz ohne Worte auskommt.
Robo und Hund, ISBN 978-3473347407, 212 Seiten, farbig, 20,8 x 15 cm, 12,95 EUR
An ein interessiertes Publikum aus dem Bereich Comic und Animation richtet sich eine Veranstaltung der im Kulturbereich tätigen Weiterbildungseinrichtung Focal in der Schweiz. Am 1. November wird dort eine Veranstaltung mit dem Regisseur und Comiczeichner Vincent “Winshluss” Parronaud stattfinden.
“Persepolis” ist eine rundum gelungene Produktion: ein niedriges Budget (weniger als 8 Mio. Euro), ein gutes Produktionsteam, eine erfolgreiche europäische Auswertung und eine gesicherte internationale Vermarktung. Vincent Parronaud, Comicfans vor allem unter dem Pseudonym “Winshluss” bekannt, trug mit seiner Erfahrung als Comiczeichner und Filmemacher massgeblich zur erfolgreichen Adaption der gleichnamigen Graphic Novel von Marjane Satrapi bei. In enger Zusammenarbeit schufen die beiden Drehbuch, Storyboard, Backgrounds, Cutouts und zeichneten einen Grossteil der Bilder. Szenekenner Christian Gasser wird im Gespräch mit Vincent Parronaud alle Aspekte rund um “Persepolis” diskutieren und die Vorgeschichte des unabhängigen Underground-Künstlers Winshluss ergründen.
Die in Luzern stattfindende Veranstaltung kostet pro Teilnehmer 150 CHF. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich hier.
In der Geschichtschreibung der Comics besteht nach wie vor Uneinigkeit darüber, ab wann man von einem Comic sprechen kann, bzw. welcher Comic der erste war. Die Startpunkte werden beim “Yellow Kid”, bei den Bildergeschichten Rodolphe Töpffers, beim Teppich von Bayeux oder gleich bei den alten Ägyptern gesehen.
Ähnlich verhält es sich bei den Graphic Novels. Die weitverbreitete Ansicht, dass Will Eisners“A Contract with God” die erste Graphic Novel war, wird ebenfalls von vielen Seiten in Frage gestellt. Je nachdem, wie der Begriff definiert wird, wird auch hier bis in vergangene Jahrhunderte zurückgegangen, zum Beispiel zu den illustrierten Büchern William Blakes (“The Marriage of Heaven and Hell”, 1793). Auch im Comicbereich werden frühe Graphic Novels erkannt, so bei einigen längeren, zusammenhängenden Geschichten wie Gil Kanes“His Name is… Savage” von 1968 oder Steve Ditkos“Doctor Strange”.
Während bei vielen dieser Vorgänger noch die Verwandtschaft zu ihren Ursprungsgenres im Vordergrund steht (Roman, Superheldencomics etc.) gibt es mit den wortlosen Bildnovellen des frühen 20. Jahrhunderts Vorgänger, deren Ähnlichkeit in Aufmachung und Anspruch den heutigen Graphic Novels sehr nahe kommen. Zu diesem Thema ist soeben in den USA mit David A. Beronäs“Wordless Books: The Original Graphic Novels” bei Abrams ein Buch erschienen, das sich mit diesen Geschichten auseinandersetzt. Vorgestellt werden Frans Masereel, Otto Nückel, Lynd Wardund viele weitere Klassiker des grafischen Erzählens. Auf kurze biografische Texte folgen zum Teil umfangreiche Vorstellungen der Hauptwerke der Autorinnen und Autoren. Und tatsächlich werden die Bezüge zu heutigen Comicromanen offensichtlich: Abgeschlossene Geschichten, komplexe Plots, vielschichtige Charaktere und vor allem ein tiefgehender Bezug zum realen Leben kennzeichnet diese, ähnlich den heutigen Geschichten. Dass sie dabei weitgehend ohne Worte auskommen, ist zum einen der Tradition des Holzschnitts geschuldet – was in diesem Buch auch nachgezeichnet wird –, aber vor allem dem inhaltlichen Anspruch, allgemein verständlich zu sein. Nicht selten ging es, zum Beispiel bei Frans Masereel, um eine Zivilisations- und Kapitalismuskritik, die nicht plakativ, aber unmissverständlich sein sollte.
Mit E.O.Plauen nimmt David A. Beronä zwar auch einen Autoren in seinem Buch auf, dessen Strips wenig mit Graphic Novels gemein haben, trotzdem ist “Wordless Books: The Original Graphic Novels” eine gelungene Einführung in ein Gebiet, bei dem sich literarisches Erzählen mit der Umsetzung in Bildern verbindet.
Vier der auch in David A. Beronäs Buch erwähnten Geschichten sind passend dazu als Sammelband verlegt worden: In dem von George A. Walker herausgegebenen “Graphic Witness: Four Wordless Graphic Novels” finden sich abgeschlossene Erzählungen von Frans Masereel, Lynd Ward, Giacomo Patri und Laurence Hyde. Da die von David A. Beronä aufgeführten Werke nur noch antiquarisch oder im Ausland bestellbar sind, ist der Band eine lohnende Ergänzung. Im Großformat können die Geschichten darüber hinaus ihre grafische Kraft besser entfalten als in den kleinformatigen Originalausgaben.
Wordless Books: The Original Graphic Novels, ISBN 978-0-810994690, 256 Seiten, schwarzweiss, $35
Graphic Witness: Four Original Graphic Novels, ISBN 978-1-554072705, 424 Seiten, schwarzweiss, $29,95
Für www.satt.org hat Felix Giesa mit Sebastian Oehler ein kurzes Interview über die Intention des Graphic-Novel-Flyers geführt. Der Gegenstand des Interviews, die von Sascha Hommer gestaltete Broschüre mit dem Titel “Was sind Graphic Novels?”, ist aus einer Zusammenarbeit der Verlage Avant Verlag, Carlsen, Edition 52, Reprodukt und S. Fischer entstanden und soll Lesern und Buchhändlern als kurze Einführung – auch in das Thema dieser Website – dienen.
In der aktuellen Ausgabe von “Le monde diplomatique” ist mit “The Kiss of the Bee” ein neuer Comic von Line Hoven (“Liebe schaut weg”) erschienen. Es ist bereits seit ein paar Jahren eine schöne Tradition bei “Le monde diplomatique”, dass auf der letzten Seite der Zeitung ein exklusiv gezeichneter Comic erscheint. Demnächst: Olivier Schrauwen.
Der momentan in der Auslieferung befindliche verlagsübergreifende Graphic-Novel-Flyer kann nun auch online angesehen werde. Ab sofort steht ein PDF-Dokument (8,2 MB) zum Download bereit.
Im Auftrag von fünf Verlagen, die Graphic Novels veröffentlichen – Avant Verlag, Carlsen, Edition 52, Reprodukt und S. Fischer – haben Sebastian Oehler (Text) und Sascha Hommer (Text und Zeichnungen) einen Flyer gestaltet, in dem interessierten Lesern und Buchhändlern in einfachen Worten und anhand von Bildbeispielen erklärt wird, was eine Graphic Novel ausmacht.
Bereits am 2. September besprach Andreas Platthaus Rutu Modans “Blutspuren” in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”:
Trümmer eines israelischen Lebens
Rutu Modan erzählt in ihrem Comic “Blutspuren” aus den Jahren der Attentate
Am Busbahnhof der israelischen Stadt Hadera, auf halbem Wege zwischen Tel Aviv und Haifa gelegen, besucht ein junges Paar die Cafeteria. Im Coca-Cola-Regal vor dem Eingang stehen Kerzen und Porträtfotos, Kränze liegen auf dem Boden, Blumen kleben an der Wand, und israelische Fahnen umrahmen das Ganze. Vor einigen Wochen ist hier im Lokal eine Bombe hochgegangen, die fünf Menschen das Leben gekostet hat: vier Gäste und Jossi, den Betreiber der Cafeteria. Nun sind die Räume wieder notdürftig gereinigt, das Gedenken wurde vor die Tür verbannt, und Jossis Frau führt, noch mit bandagierter rechter Hand, die Geschäfte fort – immer nahe an den Tränen, wenn ihr die Erinnerung an den Toten kommt oder ein Kunde sich beklagt: “Bei Jossi ging der Tee immer aufs Haus.” mehr
Auch in diesem Jahr wird auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Sondermann ein Comicpreis verliehen. In Erinnerung an Bernd Pfarr und seine vor allem aus dem Satiremagazin “Titanic” bekannten Figur Sondermann werden Preise in fünf Kategorien verliehen: Comic International, Comic National, Cartoons, Manga/Manhwa International und asiatisches aus deutschen Landen. Die Gewinner werden in einer Publikumsabstimmung ermittelt.
Nominiert sind mit Isabel Kreitz´“Die Sache mit Sorge” (Carlsen) und Ralf Königs “Hempels Sofa” (Rowohlt) auch zwei Graphic Novels in der Kategorie Comic National.
Der zusätzlich von einer unabhängigen Jury verliehene Sondermann für einen Newcomer wird wie alle anderen Preise Mitte Oktober auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben. In den vergangenen Jahren wurden Arne Bellstorf, Moki und Dirk Schwieger als beste Newcomer ausgezeichnet. Auch der Bernd-Pfarr-Sondermann für Komische Kunst wird von der Jury vergeben, die dieses Jahr mit Gaby Roth-Pfarr, Rudi Hurzlmeier, Constanze Döring, Christian Schlüter, Achim Frenz, Stefan Pannor und Andreas Platthaus besetzt ist.
Für die amerikanische Tageszeitung “The Herald” hat Autor Andy Rathburne in englischer Sprache ein Interview mit Daniel Clowes (”Ghost World”) geführt, in dem der in Oakland lebende Zeichner unter anderem über seine Erfahrungen mit dem Schreiben von Drehbüchern spricht.
Daniel Clowes an unusual figure in comic world
What can people expect from the Bumbershoot appearance?
I don’t want to promise anything, because I actually have no idea, but I think they put together slides, a PowerPoint kind of thing, and show various panels and images, and we use that as a springboard to talk about the process and the different aspects of the exciting world of cartooning.
Do you think of yourself as a cartoonist or screenwriter first?
As a cartoonist. But I think of screenwriting as a hobby, really, but it’s a hobby that pays more than my career. mehr
Für www.du9.org hat Nicolas Verstappen im August dieses Jahres eines der selten veröffentlichten Interviews mit Chester Brown geführt, dessen Buch ”Fuck” im Oktober bei Reprodukt erscheinen wird.
Chester Brown
Nicolas Verstappen: Aged twelve, you started with strips about your family (reminding of Doug Wright’s Family). Do you think it was already a need of working on autobiography or more a way of finding materials as you had a hard time on making fictional plots at that time?
Chester Brown: I wouldn’t say that those Doug-Wright-like strips had actual plots. They were short gaga-strips. And there was certainly no desire then to express any sort of autobiographical truth. Dough Wright’s strips gave me a formulaic template that looked easy to imitate. At that age I also did gag-strips that were fictional. mehr
Fuck, ISBN 978-3-938511-96-1, 200 Seiten, schwarzweiß, 21,5 x 13,9 cm, Klappenbroschur, 16 EUR