Zur Veröffentlichung von Art Spiegelmans “Breakdowns” bei S. Fischer gibt es nun auf einer Sonderseite eine ganze Reihe von Texten bei “FAZ.Net”, die in der “Frankfurter Allgemeine Zeitung” vom 29. November erschienen sind. Einige der Artikel sind nur für Abonnenten zugänglich, andere sind in ihrer gesamten Ausführlichkeit auch im Netz zu lesen. Neben einer “Breakdowns”-Einführung in vier Teilen hat Andreas Platthaus einen Artikel zu “Maus” II geschrieben und Patrick Bahners referiert über “Holocaust und Hitler im Comic”. Leseproben, eine kurze Biografie und ein Interview mit Art Spiegelman runden die Serie ab.
In den nächsten Tagen wird die Serie auf “FAZ.Net” noch fortgeführt. Bereits online sind ein Comic zum Thema “Breakdowns”, den Volker Reiche (“Strizz”) gezeichnet hat und ein Kommentar von Ralf König.
Bei Carlsen Comics sind für das Sommerprogramm 2009 neben vielen neuen Alben aus dem französischsprachigen Raum auch eine Handvoll neue Graphic Novels angekündigt.
Im April 2009 erscheint “Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen” , eine amüsante und tiefsinnige Geschichte um den kleinen Jean, der bei seinem Vater aufwächst und sich das Leben der abwesenden Mutter in Gedanken ausmalt. Der im Original bei Gallimard veröffentlichte Comic wurde von Émile Bravo nach einem Szenario von Jean Regnaud gezeichnet. Émile Bravo, der sich lange ein Atelier mit Lewis Trondheim und anderen bekannten jungen französischen Zeichnern geteilt hat (und auch einen Gastauftritt in “Approximate Continuum Comics” bestreitet), ist in Deutschland bislang nur durch ein ebenfalls bei Carlsen erschienenes “Spirou Spezial”-Album (Band 8 der Serie) aufgefallen.
Ebenfalls im April erscheint “Der spazierende Mann”, ein neues Werk des vielbeachteten Jiro Taniguchi. “Der spazierende Mann”, mit dem Jiro Taniguchi in der französischen Fassung bei Casterman in den Neunzigerjahren seinen Durchbruch im frankobelgischen Sprachraum erlebte, ist ein Meisterwerk über das stille Glück und die kleinen Überraschungen des täglichen Lebens, vergleichbar mit der Atmosphäre in den Filmen Ozu Yasujirōs.
“RG” ist eine weitere Übersetzung aus dem Hause Gallimard. Bei Gallimard erscheint die Serie unter dem Label Bayou in einer Reihe, die von Joann Sfar herausgegeben wird und aus der bereits Maguerite Abouets und Clément Oubreries “Aya” bei Carlsen vorgelegt wurde (ein vierter Band von “Aya” ist in Frankreich angekündigt).
Im Juli 2009 erscheint bei Carlsen der erste Band der mit dem zweiten Teil bereits beendeten Fortsetzungsgeschichte “RG” von Autor Pierre Dragon und dem Genfer Zeichner Frederik Peeters (“Blaue Pillen”, Reprodukt). Held und Autor dieser Geschichte tragen denselben Namen: Hinter dem Pseudonym Pierre Dragon verbirgt sich ein Mitglied der Direction centrale des Reseignements Generaux (abgekürzt RG), des französischen Nachrichtendienstes. Authentisch führt er sein Alter Ego bei der Ermittlung gegen terroristische Netzwerke durch die dunklen Seiten der Vorstädte von Paris.
Hervorzuheben ist aber vor allem die packende Umsetzung des Stoffes durch Frederik Peeters, der sowohl die Atmosphäre des ewigen Wartens in muffigen Hinterzimmern als auch rasante Actionszenen hervorragend in Bilder umzusetzen weiß.
Mit Craig Thompsons“Blankets” schließlich erfährt ein moderner Klassiker im August 2009 eine längst fällige Neuauflage. Das ursprünglich bei Speed Comics erschienene, 582-seitige Magnum Opus von Craig Thompson, das die Geschichte der zartbitteren Liebe von Craig und Raina erzählt, wird in einer überarbeiteten Neuedition veröffentlicht.
“Blankets”, das gerne als wegweisende Graphic Novel bezeichnet wird und auf der Frankfurter Buchmesse 2005 als “Comic des Jahres” ausgezeichnet wurde, erscheint nun bei Carlsen in gehobener Ausstattung im Hardcover und mit neuem Handlettering.
Auf der sehr empfehlenswerten Seite The Comics Reporter empfiehlt Tom Spurgeon neben vielen anderen Neuerscheinungen aus dem laufenden Jahr die englischsprachige Ausgabe von “Wir können ja Freunde bleiben” als Weihnachtsgeschenk: “The cartooning is lovely.”mehr
Unter dem Titel “Geheimnisvolle Bilderwelten – Comics aus Deutschland” stellt das Goethe-Institut auf einer deutlich umfangreicheren Website als bisher Comics von deutschsprachigen Zeichnerinnen und Zeichnern vor.
Auf einen kurzen Überblick zur Geschichte der deutschsprachigen Comics folgen Abhandlungen über verschiedene Genres wie etwa “Autobiografische Comics”, “Avantgarde” oder “Cartoon/Humor”. Unter diesen verschiedenen Rubriken wiederum werden die wichtigsten Autoren des jeweiligen Genres vorgestellt. So findet man etwa bei “Avantgarde” sowohl Anke Feuchtenberger als auch ATAK oder CX Huth, bei “Autobiografische Comics” Mawil und Andreas Michalke und viele andere mehr.
Neben den Autorenporträts von Matthias Schneider, die zu einem großen Teil vom Goethe-Institut Stockholm in Auftrag gegeben wurden, haben auch Jan-Frederik Bandel und Andreas Platthaus neue, aufschlußreiche Texte beigesteuert. Eine Liste von zwei Buchtipps zu jedem Autor ist eine zusätzliche neue Ergänzung der Seite.
Sämtliche Texte sind sowohl in deutscher Sprache als auch in Englisch, Portugiesisch, Schwedisch und Spanisch abzurufen – insgesamt eine sehr gelungene Präsentation, die es vor allem den Interessierten im Ausland einfach macht, sich über deutsche Comics zu informieren.
Zu recht unterschiedlichen Bewertungen von Art Spiegelmans neu aufgelegter und um eine 19-seitige Einführung erweiterter Kurzgeschichtensammlung “Breakdowns” (S. Fischer Verlage) kommen Thomas von Steinaecker in der heutigen Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” und Andreas Platthaus auf “FAZ.net”.
Während Thomas von Steinaecker die Komplexität des Bandes dahingehend bemängelt, dass sich Art Spiegelmans Arbeit nur Experten wirklich erschliesst, hebt Andreas Platthaus in seiner umfangreichen Untersuchung gerade das als qualitatives, geniales Moment heraus.
Zeichen der Leidenschaft (Thomas von Steinaecker in der “Süddeutschen Zeitung” vom 27. November 2008)
[...] Mal im Drogenfarbrausch, mal holzschnittartig, am deutschen Expressionismus geschult, mal mit dünnem Strich karikierend, mal höchst realistisch: die formale Bandbreite Spiegelmans ist bestechend. Seine Themen sind es weniger. Der Titel, „Breakdowns”, wird hier ganz wortwörtlich genommen. Entweder liegt in tagebuchartigen Einträgen der Fokus auf Spiegelmans mannigfachen Neurosen; oder es werden in einem trockenen intellektuellen Spiel die Comics auf ihre Bestandteile „heruntergebrochen” und die Kombinationsmöglichkeiten von Text und Bild ausgelotet. So schleichen sich in die Groschenromanhandlung von „Kleine Zeichen der Leidenschaft” Zitate aus einem Handbuch für kreatives Schreiben sowie pornografische Zeichnungen ein. All das wird dann in immer anderer Zusammenstellung durcheinander gewirbelt, bis die Formelhaftigkeit der Sätze und Bilder hervortritt. mehr
Was der Comic zu leisten vermag (Andreas Platthaus auf “FAZ.net” vom 26. November 2008)
[...] Man spürt den Ernst des Inhalts, und deshalb steht die Form gar nicht mehr in Frage. Doch das Terrain dazu wurde durch „Breakdowns“ bereitet. Schon das macht den Band zu einem der interessantesten der Comic-Geschichte. Durch die Zugabe der gezeichneten Autobiographie hat Art Spiegelman diese Bedeutung aber noch erhöht. Denn daran kann man nicht nur ablesen, wie dieser Künstler wurde, was er ist, sondern auch, was für eine gewaltige Entwicklung er hinter sich gebracht hat. Denn gegen die meisterhaften Bildfindungen der neuen Einleitung verblasst sogar die Leistung von „Maus“. Spiegelman hat sein zweites Hauptwerk geschaffen – paradoxerweise mit seinem Debüt. Ein Endpunkt aber ist das gewiss nicht. mehr
Mitte Dezember erscheint mit “Fuck” bei Reprodukt eine Neuausgabe der ursprünglich Mitte der Neunzigerjahre in deutscher Sprache bei Jochen Enterprises veröffentlichten Graphic Novel des kanadischen Zeichners Chester Brown.
Zwischen Orientierungslosigkeit, Selbstzweifeln und stummer Wut: Chester Brown dokumentiert in “Fuck” seine Jugend in einer kanadischen Kleinstadt. Für Chester beginnt die Zeit der ersten Gefühlsregungen für Mädchen aus der Nachbarschaft, die er bislang nur als Spielkameradinnen wahrgenommen hatte. Die Krankheit seiner Mutter und ihr Bedürfnis nach Liebesbeweisen ihres Sohnes verkomplizieren die Welt des pubertierenden Jungen noch zusätzlich. Chester Browns genaue Beobachtungsgabe und die pointierte Auswahl der geschilderten Episoden erzeugen eine persönliche, beinah intime Wirkung.
Chester Brown, 1960 in Montréal geboren, begann seine Laufbahn als Comiczeichner mit der Veröffentlichung von “Yummy Fur”, das zunächst als selbstverlegter Mini-Comic erschienen ist und später bei Drawn & Quarterly als Heftreihe fortgeführt wurde. Neben “Fuck” gehören “Die Playboy-Stories” und “Ed the Happy Clown” zu seinen bekanntesten Arbeiten. Chester Brown hat vor allem mit seinen autobiografischen Comics einen großen Einfluss auf die junge amerikanische Szene und auch auf deutsche Zeichner wie Arne Bellstorf, Sascha Hommer oder Mawil.
“Chester Browns Seitenarchitektur ist ein Modell von Erinnerung: Einzelne Szenen ragen aus dem Wust vergessenen Alltags und machen die Zwischenräume unsichtbar. In den Abenteuern von Browns Alter Ego meint man zwar die eigene Jugend zu entdecken, doch es bleibt auch eine seltsame Distanz. Das Autobiografische ist immer das Wahre und das Unwahre zugleich – uns dies mit großer Sparsamkeit der Mittel vorzuführen, ist das Kunststück dieses Buches.” – Sascha Hommer
“Mein Lieblingscomic!” – Mawil
Fuck, ISBN 978-3-938511-96-1, 192 Seiten, schwarzweiß, 21,5 x 13,9 cm, Softcover
Auch in den bunten Bildern mit den Sprechblasen finden sich zahlreiche Bezüge zu jüdischen Themen: Superhelden und ihre jüdischen “Väter”, witzige, skurrile und tragische Geschichten, jüdischer Alltag und die Schatten des Holocaust. “Superman” ist trotz seiner jüdischen Schöpfer kein jüdischer Held, und das Medium Comic wurde auch nicht von jüdischen Zeichnern erfunden. Dennoch fällt auf, dass sich viele bedeutende Comickünstler auf jüdische Geschichte oder individuelle jüdische Biografien beziehen. Sie tragen so selbst wiederum zur Ausformung eines kollektiven jüdischen Gedächtnisses und Selbstbildes bei.
Gezeigt werden Werke von mehr als vierzig Comiczeichnern von Comic-Strips aus Zeitungen des frühen Zwanzigsten Jahrhunderts über Comic Books, die in den 1930er Jahren einen Boom erlebten, bis hin zu aktuellen Titeln und Projekten. Neben den “Superman”-Erfindern Joe Shuster und Jerry Siegel sind beispielsweise Altmeister des Comics wie Will Eisner (“Ein Vertrag mit Gott”, Carlsen) und Joe Kubert (“Fax aus Sarajevo”, Carlsen) vertreten, es werden aber auch Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie etwa Art Spiegelman (“Maus”, S. Fischer), Rutu Modan (“Blutspuren”, Edition Moderne), Ben Katchor (“The Jew of New York”, in Vorbereitung beim avant-verlag), Elke R. Steiner (“Die anderen Mendelssohns”, Reprodukt) oder Joann Sfar (“Die Katze des Rabbiners”, avant-verlag) ausgestellt.
Die Ausstellung wird mit einer Einführung in das Thema eröffnet. Am Mittwoch, dem 17. Dezember 2008 um 18.30 Uhr referiert Anne-Hélène Hoog, Paris, über “Superhelden und Holocaust im Comic”. Der Vortrag ist Teil einer begleitenden Veranstaltungsreihe, die im Januar fortgesetzt wird, bei der eine Reihe namhafter Comic-Experten Comics vor allem in Hinblick auf jüdische Aspekte untersuchen werden. Zusätzlich wird am 1. März 2009 die israelische Comicautorin Rutu Modan zu Gast sein, um ihr preisgekröntes Werk “Blutspuren” (Edition Moderne) vorzustellen.
Jüdisches Museum Frankfurt am Main, Untermainkai 14/15, D-60311 Frankfurt am Main
Tel. (069) 212 350 00, Fax (069) 212 307 05 info@juedischesmuseum.de
Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr
In der aktuellen Ausgabe der “Zeit” schreibt David Hugendick über einen Werkstattbesuch bei Arne Bellstorf, der von seiner Arbeit als Comiczeichner und seinem nächsten Buch “Baby´s in black – The story of Astrid Kirchherr and Stuart Sutcliffe” erzählt. Verlinkt wird ebenfalls auf ein Porträt von Reprodukt, das Frank Schäfer im März 2008 für “Zeit Online”geschrieben hat.
Stuart liebt Astrid
Vorstadtödnis, Vaterfreuden und die Beatles: Ein Werkstattbesuch beim Comic-Künstler Arne Bellstorf
Es gibt in Buchläden einen Ort fern der Tellkamps und Eragons, im Sicherheitsabstand zum reclamgelben Goethe. Das Comicregal, brr, da schüttelt es immer noch manchen Literaturkenner. Etwas für Kinder, spotten die einen; aber nein, widersprechen die anderen und sagen: Graphic Novel. Ein Genre, das sich deutsch kaum übersetzen lässt, obwohl einige Deutsche es beherrschen. Arne Bellstorf ist einer der interessantesten. Seit ein paar Wochen sind die ersten Seiten seines neuen Comics zu sehen, auf der Homepage des Reprodukt-Verlags, Grund für einen Werkstattbesuch. Auf nach Hamburg-Eimsbüttel! mehr
Auf der Website der Berliner Tageszeitung “Der Tagesspiegel” ist ein neues Comicportal erreichbar. Dort werden ab sofort Artikel, Rezensionen und Bilder aus der Welt der Comics präsentiert, die zum Teil exklusiv für diese Seite erstellt, zum Teil aus der Printausgabe übernommen werden. Ebenfalls wird der jeweils aktuelle Comic aus der Sonntags-Ausgabe dort zu finden sein. Seit rund zwei Jahren werden im “Tagesspiegel” exklusive Comics von Mawil, Flix, Tim Dinter und Arne Bellstorf abgedruckt. Für die Zukunft sind auch wöchentliche Artikel und Kolumnen von Lars von Törne und weiteren, bisher nicht benannten AutorInnen geplant, die sich mit dem aktuellen Geschehen in der Comicszene auseinandersetzen.
Erstmalig findet dieses Jahr vom 20. bis zum 23. November die Buch Wien 2008 statt. Im Rahmen eines Gemeinschaftsstandes der Jungen Verlage ist der Berliner Verlag Reprodukt vor Ort, um in der Vorweihnachtszeit Neuerscheinungen und Backlist einem österreichischen Publikum vorzustellen. Neben dem in Wien lebenden Nicolas Mahler (“Die Zumutungen der Moderne”, Reprodukt) wird auch Wahlberliner Max Andersson (“Bosnian Flat Dog”, Reprodukt) zugegen sein!
Die Buch Wien soll von nun an jährlich und als Publikumsmesse mit internationalem Fachbesucherbereich veranstaltet werden. Als Kooperationspartner fungiert der Hauptverband des österreichischen Buchhandels. Außerdem ist die Buch Wien die neue Heimat der erfolgreichen “Buchwoche”, die 2007 bereits zum sechzigsten Mal im Wiener Rathaus abgehalten wurde.
Am Samstag, den 22. November findet ab 21 Uhr in Zusammenarbeit mit Pictopia eine Comic-Party im Phil statt, die Max Andersson mit einem Vortrag zum Thema “Wie kranke Ideen entstehen” einleitet. Anschließend wird die Journalistin Karin Krichmayr den Verlag in einem Gespräch mit Max Andersson und Dirk Rehm vorstellen und Nicolas Mahler zeigt Zeichentrickilme und signiert seine Bücher.
Die Welt der Graphic Novels mag man sich wie eine Etage in einer Buchhandlung vorstellen, in der es neben den bestimmenden Titeln aus den Segmenten “Romane” und “Biographien” noch eine Vielzahl von Veröffentlichungen gibt, die an anderer Stelle zu finden wären. Da gibt es eher lyrische Titel, eher humorige – und auch jene, die ins Fantasyregal eingeordnet werden würden. Der wahrscheinlich bekannteste und prägendste Titel in diesem Sub-Genre feiert in diesen Tagen ein rundes Jubiläum.
Im November jährt sich das Erscheinen des ersten Heftes der von Neil Gaiman entwickelten und geschriebenen Serie “The Sandman” zum zwanzigsten Mal. Die in 75 monatlich veröffentlichten Heften erschienene Geschichte wurde inzwischen in zehn Büchern gesammelt (auf Deutsch ehemals bei Egmont, derzeit in Neuauflage bei Panini Comics), die jeweils für sich stehen können, aber ein alle Bände überspannendes, über 2000-seitiges Narrativ behandeln. Im Mittelpunkt des Fantasy-Epos steht Morpheus, der Herr der Träume, der zu Beginn der Erzählung Anfang des 20. Jahrhunderts von einem englischen Mystiker gefangen genommen wird. Die Auswirkungen dieser Gefangenschaft sind wiederkehrendes Element in den zum Teil ausschweifenden Erzählungen. Die übergeordnete Handlung spielt in der Zeit der Erscheinung der Hefte, grob gesagt in den frühen 1990ern, und Neil Gaiman webt immer wieder Elemente und Personen aus Mythologie und Geschichte ein.
Eine Besonderheit des Erfolges von “The Sandman” war, dass die Serie, die im hauptsächlich für ein junges, männliches Publikum ansprechendes Superhelden-Programm bekannten Verlag DC Comics (“Superman”, “Batman” etc.) erschien, ihrerseits von Mittzwanzigern und zu über der Hälfte von Frauen gelesen wurde. Der Comic-Mainstream öffnete sich damit nicht nur inhaltlich neuen Horizonten, sondern wurde auch für neue Leserschichten interessant, die mit dem sonstigen Comic-Mainstream nichts zu tun hatten. Der Serie folgten eine Vielzahl weiterer Titel, die sich der in “The Sandman” kreierten Welt widmen. Neil Gaiman hat inzwischen auch als Autor von Fantasyliteratur (“Niemalsland”, Heyne), Kinderbüchern (“Die Wölfe in den Wänden”, Carlsen) und nicht zuletzt von Drehbüchern (unter anderem “Stardust”) Bekanntheit erlangt.
“THE SANDMAN lesen heisst, mehr als einen einfallsreichen neuen Comic zu lesen: es heisst, einen kraftvolle neue Art Literatur zu lesen, in der auf erfrischende Art zeitlose Mythen mitschwingen.” – Rolling Stone
“Das sind großartige Geschichten und wir können uns glücklich schätzen, sie zu haben. Wir können sie jetzt oder später lesen, wenn wir das brauchen, was nur eine gute Geschichte vermag: uns in Welten entführen, die nie existierten, in Begleitung von Leuten, die wir gerne selbst wäre… oder Gott sei Dank nicht sind.” – Stephen King
“Ein Comic Book für Intellektuelle.” – Norman Mailer
Neil Gaimans deutsche Website (vom Heyne-Verlag betrieben) findet sich hier, ein Bericht zu einem öffentlichen Interview Neil Gaimans anlässlich des Jubiläums auf der Website von “Publisher´s Weekly”.
Bereits zum fünften Mal findet in diesem Jahr die Veranstaltungsreihe “New Literature from Europe” in New York statt. Verschiedene Kulturinstitutionen schliessen sich dabei zusammen und präsentieren ab dem 17. November einen europäischen Querschnitt durch ein literarisches Themengebiet. In diesem Jahr steht die Reihe ganz im Zeichen der Graphic Novels, und es werden sechs europäische Comic-AutorInnen eingeladen, deren Werke zum Teil auch umfassend ausgestellt werden.
Das Goethe-Institut New York lädt als deutschsprachige Repräsentantin Isabel Kreitz (“Die Sache mit Sorge”, Carlsen) ein, die am 19. November an einer Diskussionsrunde zum Thema Graphic Novels und am folgenden 20. November im Museum of Comic and Cartoon Art (MoCCA) an einem Buchpräsentation mit anschließender Signierstunde teilnehmen wird. Neben Isabel Kreitz sind zu beiden Veranstaltungen David B. (“Die heilige Krankheit”, Edition Moderne), Nicolas de Crécy (“Prosopopus”, Reprodukt), Max (“Bardín der Superrealist”, Reprodukt), Jaromír 99 und Jaroslav Rudiš eingeladen.
Bereits am 17. November eröffnet das Instituto Italiano di Cultura eine Ausstellung mit Werken Igorts (“5 ist die perfekte Zahl”, avant-verlag). Tags darauf wird in der Kulturabteilung der Französischen Botschaft eine Ausstellung aller beteiligter KünstlerInnen eröffnet. Am 19. November sind diese dann an der School of Visual Arts zur besagten Diskussionsrunde unter der Leitung David Mazzucchellis (“Paul Austers Stadt aus Glas”, Reprodukt) zu Gast. Am folgenden 20. November findet die Buchpräsentation im MoCCA statt, bevor die Reihe am 21. November im Maison Francaise an der NYU mit einer Diskussion mit Nicolas de Crécy ihren Abschluss findet.
Rick Marshall hat mit Dirk Schwieger zum Erscheinen der amerikanischen Ausgabe von “Moresukine” (NBM) ein Interview für die Website “Comicmix” geführt.
Interview: Dirk Schwieger on “Moresukine”
Online comic puts the creator’s fate in the hands of readers… in Japan!
Dirk Schwieger’s Moresukine is different from other series I’ve focused on in these weekly webcomic creator Interviews for a few significant reasons — first and foremost of which being that it’s no longer updated. The last comic was posted more than two years ago, back in in June 2006. However, when I saw that the German creator was a guest of NBM Publishing at this year’s Comic-Con International, I jumped at the chance to include a Q&A with him in this series. mehr
Bereits seit Mitte Oktober aufgeräumt und frisch gestrichen präsentiert sich die Website von Sondermann-Preisträgerin Barbara Yelin. Auf der neuen Website gibt es einen Überblick über die neuesten Illustrationsarbeiten und Buchveröffentlichungen. Und viele neue Bilder!
Wie er wurde, was er zeichnet: Art Spiegelman hat seine Autobiografie in einem großartigen Comicroman erzählt.
Die Rezeption Art Spiegelmans in Deutschland sei zu ignorieren, hat der Literaturwissenschaftler Ole Frahm einmal in einem Artikel zu »In the Shadow of No Towers«, Spiegelmans Auseinandersetzung mit dem 11. September, geschrieben, da sie entweder seine Kritik auf Antiamerikanismus verkürze oder aber, wie im Falle von »Maus«, dem Comic, mit dem Spiegelman über die Grenzen der Comicszene hinaus berühmt wurde, diesen positiv von der sonstigen »Bilderflut« aus Amerika abhebe, ansonsten dem Genre Comic aber kritisch gegenüber eingestellt sei. mehr
Mit dem nun erschienenen fünften Teil findet “Der Gipfel der Götter” (Schreiber & Leser) seinen Abschluss. In Zusammenarbeit mit Baku Yumemakura hat Jiro Taniguchi ein fesselndes Bergsteiger-Drama verfasst, das insgesamt über 1500 Seiten umfasst.
Acht Jahre lang hat sich Habu Yoshi auf seinen Alleingang auf den Everest über die Südwestflanke im Winter und ohne Sauerstoff vorbereitet. Er hat die Route bis ins kleinste Detail geplant, die Wetterverhältnisse am Berg studiert, an der Ausrüstung herumgetüftelt. Habu weiß, mit welchem Fuß er in eine Wand einsteigt, und mit welchem Fuß er oben ankommt. Jetzt ist es soweit.
Der Fotograf Fukamachi Makoto hat immer wieder Habus Nähe gesucht und es tatsächlich erreicht, dass der ihm gestattet, Aufnahmen von seinem Gipfelversuch zu machen. Doch unter einer Bedingung: „Jenseits des Basiscamps treten wir nicht mehr in Kontakt.“ Und damit das ganz klar ist, setzt Habu hinzu: „Glaub ja nicht, dass ich dir helfe, wenn du in Schwierigkeiten gerätst. Und du kümmerst dich nicht um mich, wenn ich vor einer vereisten Wand im Seil hänge.“
Die Geschichte um den genialen Alpinisten Habu Yoshi erschien von 2000 bis 2003 in der japanischen Zeitschrift “Business Jump” und wurde 2001 beim Festival für Kunst und Medien des japanischen Kultusministeriums mit dem 1. Preis für den besten Manga ausgezeichnet. Jiro Taniguchi ist hierzulande vor allem für seine bei Carlsen Comics erschienene Graphic Novel “Vertraute Fremde”, das als “Comic des Jahres 2007″ und auf dem Comic-Salon Erlangen 2008 mit dem “Max und Moritz-Preis” für den besten Manga ausgezeichnet wurde.
Weitere Informationen finden sich auch im Online-Magazin des Verlages.
Gipfel der Götter 5, ISBN 978-3-937102-99-3, 304 Seiten, broschiert, schwarzweiß, 16,95 EUR, erschienen bei Schreiber und Leser
Peer Goebel stellt in der Reihe “Neue Comics” bei www.zoomer.de“Insel Bourbon 1730″ von Appollo und Lewis Trondheim vor. Weitere Beiträge der Reihe befassen sich mit “Berlin” von Jason Lutes, “Die Sache mit Sorge” von Isabel Kreitz, der Sondermann-Nachwuchspreisträgerin Barbara Yelin und Graphic Novels ganz allgemein.
Mit “Insel Bourbon 1730″ legt einer der wichtigsten Zeichner des aktuellen französischen Comics ein fast 300-seitiges Buch vor. Seit der ersten Herrn-Hase-Geschichte von 1992 hat Lewis Trondheim nichts ähnlich Umfangreiches mehr gemacht. Nach Fantasy-, Funny-, Autoren- und Kunstcomic folgt eine Piratengeschichte, ein historischer Roman, ein mächtiger Kolonialkrimi in Schwarz-Weiß. Zusammen mit dem Literaturprofessor und Comicautor Apollo entwarf Trondheim eine fiktive Handlung, die an historische Begebenheiten anknüpft – wie das ausführliche Glossar am Ende des Buchs verrät. mehr
Prominenten Besuch erhielt am vergangenen Wochenende die Comicbörse “Intercomic” in Köln: Wie die “Kölnische Rundschau” berichtet, schaute Finanzminister Peer Steinbrück nicht nur auf eine Stippvisite vorbei, sondern gilt als Stammgast auf der vor allem für ihr Angebot an Second-Hand-Comics bekannten Veranstaltung. Darüber hinaus erklärte er sich als großer Fan der literarisch angehauchten Abenteuercomicsdes Italieners Hugo Pratt, vor allem von “Corto Maltese” (deutsch bei Kult Editionen). In den zahlreichen Abenteuern um den Kapitän ohne Schiff streift Pratt durch die Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts und lässt den charismatischen Protagonisten auf viele Personen der Zeitgeschichte treffen, darunter Ernest Hemingway oder Hermann Hesse.
Die “Intercomic”-Börse hatte darüber hinaus noch mehr zu bieten: Mit Pieter van Dongen (“Rampokan”, avant-verlag) und Reinhard Kleist (“Cash – I see a darkness”, Carlsen) waren noch einige namhafte Autoren zu Signierstunden geladen.
Auf der Frankfurter Buchmesse führte das Online-Video-Magazin “Folge” ein längeres Gespräch mit dem amerikanischen Graphic Novel-Autor Jason Lutes. Nach anderen Personen des öffentlichen Lebens wie Schauspieler Axel Prahl und Radiomoderator Klaus Fiehe ist Lutes nun der erste Comiczeichner, der vor die Kamera geholt wurde. Dieser erzählt dort unter anderem von den Vorzügen der Erzählung in Comicform und wie er gerade auf das Thema der ausgehenden Weimarer Republik für seine Buchtrilogie “Berlin” gekommen ist, von der aktuell der zweite Band bei Carlsen Comics erschienen ist. Das schick aufbereitete Interview kann man sich auf der Magazins-Website in voller Länge ansehen.
Guy Delisle has entered the comics scene like a breath of fresh air, and may all young autobiographically-minded cartoonists fill their lungs with his example. With endless curiosity but without seeming to try too hard, Delisle lives a life worth documenting. He has travelled to Shenzhen, China and Pyongyang, North Korea to supervise animation projects, and he turned those adventures into two critically- acclaimed works of comics (Shenhzen, A Travelogue From China and Pyongyang, A Journey In North Korea). mehr