Für die “Zeit” hat Christian Möller ein Gespräch mit Jason Lutes geführt, der ausführlich über die Entstehung seiner Graphic Novel-Trilogie “Berlin” (Carlsen) erzählt:
Berlin in vielen Strichen
Der Künstler Jason Lutes arbeitet seit zwölf Jahren an einer Berlin-Trilogie. Ein Gespräch über den Zauber der zwanziger Jahre und die tägliche Arbeit eines Zeichners
Seit 1996 arbeitet Jason Lutes schon an seiner hochgelobten Berlin-Trilogie, und immer noch ist der Abschluss des Comic-Projekts, dessen zweiter Band Berlin – bleierne Stadt gerade in Deutschland erschienen ist, nicht in Sicht. Angelegt auf 24 Einzelkapitel komponiert der 41-jährige Zeichner aus New Jersey in seiner Graphic Novel eine Sinfonie der Großstadt am Ende der Weimarer Republik, von der blutigen Niederschlagung der Maikundgebungen 1929 bis zur Machtergreifung Hitlers 1933. Ein Gesellschaftspanorama Berlins in all seiner Widersprüchlichkeit – zwischen sexueller Befreiung und bitterer Armut, schwarzem Jazz und brauner Gesinnung.
ZEIT ONLINE: Herr Lutes, wie haben Sie ihren ersten Berlinbesuch erlebt?
Jason Lutes: Oh, da war ich ziemlich nervös! Ich hatte damals schon sechs Kapitel des ersten Teils fertig, ohne auch einen Fuß in die Stadt gesetzt zu haben. Und als ich dann dort durch die Straßen lief, war das ein erschreckendes Erlebnis. mehr
Nach der chinesischen Freihandelszone Shenzhen, dem nordkoreanischen Pjöngjang und Birma hat es Guy Delisle erneut an einen Ort verchlagen, der kurz nach seiner Ankunft ins Zentrum des Weltinteresses gerät. Schon eine Weile wohnt er mit seiner Familie nun in Israel und hat die kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Wochen vor Ort erlebt. Auch wenn er schon mehrfach betont hat, darüber in diesem Fall keine autobiografische Graphic Novel schreiben zu wollen (“Shenzhen” und “Pjöngjang” sind bei Reprodukt erschienen, “Aufzeichnungen aus Birma” ist in Vorbereitung), lässt er seine Umwelt doch an seinen Erfahrungen teilhaben – ganz zeitgemäß in Form eines Blogs. Neben ganz alltäglichen Beobachtungen und Skizzen hat natürlich auch die aktuelle politische Lage dort ihren Niederschlag gefunden.
In der heutigen Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” bespricht Christoph Haas Alan Moores und Eddie Campbells “From Hell” (Cross Cult):
Tyrannei der Muttermilch
Wer war Jack the Ripper? Unglaublich lebendig und dokumentarisch genau nähern sich Alan Moore und Eddie Campbell in ihrem Comic “From Hell” einer Antwort in Bildern.
Fünf Mal schlägt er im Herbst 1888 zu. Sein Revier ist das Whitechapel-Viertel im bitterarmen Osten Londons. Stets sind seine Opfer Frauen, und stets werden sie erst erwürgt, dann auf grausamste Weise verstümmelt. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren. Falsche Selbstbezichtigungsschreiben gehen stapelweise ein. Die Medien überschlagen sich. Gerüchte gehen um: Hohen, sogar höchsten gesellschaftlichen Kreisen soll der Täter angehören. Gefasst wird er nie. Noch heute aber kennt jeder den klangvoll-schauerlichen Namen, den man ihm damals verlieh: Jack the Ripper. mehr
Die aktuelle Ausgabe der amerikanischen Kulturzeitschrift “The New Yorker” ziert ein Cover von Adrian Tomine (“Halbe Wahrheiten”, Reprodukt). Es liegt wohl an der verantwortlichen Redakteurin Francoise Mouly, dass immer wieder Comiczeichner für die Covergestaltung gewonnen werden können – war sie doch mit ihrem Mann Art Spiegelman (“Die komplette Maus”, Fischer) auch Herausgeberin der in den 80er-Jahren wegweisenden Comic-Anthologie “Raw”.
Auch Art Spiegelman selbst hat eine Reihe Cover gestaltet, die vor einigen Jahren bei Zweitausendeins gesammelt und von erklärenden Texten begleitet als Buch erschienen. (“Küsse aus New York” ist derzeit leider vergriffen). Neben Art Spiegelman und Adrian Tomine gestalteten so im Laufe der letzten Jahre u.a. Eric Drooker, Richard McGuire, Ivan Brunetti und David Heatley Cover.
Eine Sammlung sämtlicher Cover des “New Yorker” seit 1925 findet sich hier.
Wie kürzlich berichtet erscheint im März mit “Der Jude von New York” (avant-verlag) erstmals ein Buch des bekannten amerikanischen Comicautoren Ben Katchor in deutscher Sprache. Nun lassen sich zehn Seiten des Inhalts in Form einer PDF-Leseprobe online ansehen, bzw. herunterladen (ca. 2MB).
Besessen von einer utopischen Vision rief Mordecai Noah, ein New Yorker Politiker und Amateurdramatiker, im Jahre 1825 alle verlorenen Stämme Israels auf, sich zu einer Insel nahe Buffalo zu begeben, um dort einen jüdischen Staat zu errichten. Sein fehlgeschlagener Plan, eine bloße Fußnote der jüdisch-amerikanischen Geschichte, ist der Ausgangspunkt für Ben Katchors brillant imaginiertes Epos, das sich einige Jahre später auf den Straßen von New York entfaltet.
Der Jude von New York, 120 Seiten, Klappenbroschur, s/w, 19,95 EUR, erscheint im März
In der gestrigen Ausgabe des “Tagesspiegel am Sonntag” befasst sich Lars von Törne mit Graphic Novel-Neuerscheinungen kanadischer oder in Kanada lebender Autoren. Im Besonderen bespricht er Michel Rabagliatis “Pauls Ferienjob” (Edition 52) und Regis Loisels & Jean-Louis Tripps “Das Nest” (Carlsen), kommt aber auch auf die im Laufe des Jahres in der Edition 52 erscheinende “Essex County”-Trilogie von Jeff Lemire zu sprechen.
Die Rache der Holzfäller
Natur und Alltag, Abenteuerspielplätze und nationale Mythen: Neue kanadische Comics laden zu Entdeckungsreisen ein.
Ein Kanadier ist jemand, der in einem Kanu Liebe machen kann, hat der Autor Pierre Berton einmal festgestellt – eine Metapher für die Naturverbundenheit seiner Landsleute und für den besonderen Hang zur Ausgeglichenheit, den man ihnen nachsagt. mehr
Die von Alan Moore geschriebene und von Eddie Campbell gezeichnete Interpretation der Legende um Serienmörder Jack the Ripper, “From Hell” (Cross Cult), wurde seit Erscheinen im Dezember mehrfach besprochen, zuletzt samt Interview mit dem Autor im Zündfunk des Bayerischen Rundfunks. Anlass für eine kleine Presseschau:
Christian Meyer schreibt auf intro.de:
Zwischen 1989 und 1997 ist dieses Monstrum einer Graphic Novel entstanden, Cross Cult bringt die deutsche Übersetzung nun in einer überarbeiteten Neuauflage heraus. Der Inhalt ist monströs, schließlich erzählt Autor Alan Moore die Geschichte Jack the Rippers. 1888 wurden innerhalb weniger Monate fünf Prostituierte in London ermordet und verstümmelt. mehr
Jens Pacholsky im “Goon-Magazin”:
Groschenhefte und Grabsteine
Das Kriminalmeisterwerk »From Hell« von Alan Moore und Eddie Campbell ist eine teuflische Autopsie unserer selbst
Es gibt im europäischen Raum der Moderne wenige Grausamkeiten, die wie die Geschichte von Jack The Ripper noch immer für unzählige Spekulationen, Verschwörungstheorien und Erstaunen sorgen. Eigentlich gibt es zu den Mordfällen, die im Jahre 1888 fünf Prostituierten im Londonder Stadtteil Whitechapel das Leben kosteten, nur die Gewissheit der Morde. mehr
Markus Köbnik im BR-Zündfunk:
Der Comic-Epos von Alan Moore ist wieder da
In Alan Moores “From Hell” geht es auf 600 Seiten in düsteren Schwarz-Weiß-Zeichnungen um den vielleicht schlimmsten Serienmörder der Geschichte: Jack The Ripper. Moore hat zehn Jahre an diesem Buch gearbeitet. Jetzt ist es in einer neuen Gesamtausgabe wieder bei uns erhältlich.
Ein Opfer, dem alle Organe entfernt wurden: So einen Tatort haben Inspektor Abberline und sein Kollege noch nie gesehen. Von der ermordeten Prostituierten ist nicht mehr viel übrig. Genau wie bei den vier Opfern vor ihr. Und obwohl die Londoner Polizei immer noch im Dunklen tappt, wer hinter den Morden steckt, kennt die Presse bereits seinen Namen: Jack the Ripper. mehr
Auch der Berliner avant-verlag veröffentlicht im Frühjahr 2009 eine Reihe interessanter Graphic Novels. Mit “Der Jude von New York” wird dabei erstmals ein Buch des international renommierten amerikanischen Zeichners Ben Katchor vorgelegt, der bereits mit einer Reihe von Comicvorträgen in Deutschland zu Gast war und im April diesen Jahres wieder für einen Vortrag ins Berliner Jüdische Museum eingeladen wurde. In “Klezmer – Band 2″ setzt Joann Sfar (“Die Katze des Rabbiners”) die Geschichte um eine jüdische Musikgruppe im frühen 20. Jahrhundert fort. Mit “Blotch – Der König von Paris” erscheint nun im Frühjahr gleich ein zweites Buch des französischen Autors Blutch bei einem deutschen Verlag. Im Gegensatz zum autobiografisch inspirierten “Der kleine Christian” (Reprodukt) erzählt Blutch hier eine fiktive Geschichte um einen erfolgreichen Karikaturisten im Paris der 30er-Jahre.
Besessen von einer utopischen Vision rief Mordecai Noah, ein New Yorker Politiker und Amateurdramatiker, im Jahre 1825 alle verlorenen Stämme Israels auf, sich zu einer Insel nahe Buffalo zu begeben, um dort einen jüdischen Staat zu errichten. Sein fehlgeschlagener Plan, eine bloße Fußnote der jüdisch-amerikanischen Geschichte, ist der Ausgangspunkt für Ben Katchors brillant imaginiertes Epos, das sich einige Jahre später auf den Straßen von New York entfaltet.
Ein in Ungnade gefallener koscherer Schlachter, ein Importeur religiöser Artikel und Strumpfwaren, ein Pilger, der mit Erde aus dem gelobten Land hausieren geht, ein moderner Kabbalist, ein Mann mit dem Plan, den Erie-See mit Kohlensäure zu versetzen – dies sind nur einige der Charaktere, die sich durch Ben Katchors Universum bewegen und deren Lebenswege miteinander verknüpft sind. Ihnen gemeinsam ist das Bemühen, einen Platz in der Neuen Welt zu finden, als diese einem wirtschaftlichen Rausch verfällt, der unsere Helden genauso leicht in die Zukunft tragen, wie bankrott zurücklassen kann.
Der Jude von New York, 120 Seiten, Klappenbroschur, s/w, 19,95 EUR, erscheint im März
“Klezmer – Band 2″ von Joann Sfar
Die Fortsetzung der abenteuerlichen Odysee. Die uneinheitlichen Mitglieder der Klezmergruppe hatten sich im ersten Band gefunden und gemeinsam Odessa erreicht. Nach einem Auftritt werden sie als Musiker zur Geburtstagsfeier einer alten Dame eingeladen. Dieses Fest wird die ganze Nacht über andauern und bietet Joann Sfar Gelegenheit, einige Geschichten innerhalb der Geschichte zu erzählen: Geschichten von Kosaken, Wölfen, Rabbinern und Pogromen.
Die alte Dame erweist sich nicht nur als Musikfreundin sondern auch als großzügige Gönnerin. Sie bietet den Musikern eine luxuriöse Bleibe für die Nacht und im Verlauf des Abends kommen sich Jaacov und Chava bei einem gemeinsamen Bad mit verbundenen Augen näher. Aber auch der Engel des Todes streicht um das Haus…
“Klezmer” ist Joann Sfars osteuropäisches Pendant zu “Die Katze des Rabbiners”. Vor allem aber ist es für den Autor eine Möglichkeit, seine Zeichnungen mit leuchtenden Aquarellfarben zu kolorieren. In einem ausführlichen Nachwort geht Joann Sfar auf seine persönliche Sicht der Aquarellmalerei ein.
Klezmer – Band 2, 128 Seiten, Softcover, vierfarbig, 17,95 EUR, erscheint im März
“Blotch – Der König von Paris” von Blutch
Paris 1936. Frankreich ist am Boden: Die Volksfront regiert, bolschewistische Bücher vergiften den französischen Geist und zudem wird die Grande Nation von teuflischen Kubisten heimgesucht. Blotch entschließt sich, sein Talent in den Dienst der satirischen Zeitschrift “Fluide Glacial” zu stellen. Er ist das Bollwerk, das Frankreich vor dem Schlimmsten zu bewahren sucht. Sicher, sein Heiligenschein ist nicht ganz makellos, aber dennoch verkörpert Blotch wie kein anderer den “wahren Geist” Frankreichs. Er sieht sich wahlweise als einen “Rubens der Neuzeit”, einen “Prinz der Künstler” oder schlicht als den “König von Paris”. In Wirklichkeit aber befindet er sich in einem endlosen Strudel an Intrigen um Macht und Anerkennung. Umgeben von künstlerischem Mittelmaß macht es Blotch rasend, dass sein Genie zu wenig gewürdigt und sein Name nicht allnächtlich in feurigen Buchstaben vom Himmel über Paris herabregnet.
Ausgezeichnet in Angoulême mit dem Alph´Art für das “Beste humoristische Album”.
Blotch – Der König von Paris, 96 Seiten, Softcover, s/w, 17,95 EUR, erscheint im April
“Heute ist der letzte Tag vom Rest Deines Lebens” von Ulli Lust
Ein komödiantisches Drama um Geschlechterkonflikte und Vertrauensverluste.
 Die Autorin berichtet aus ihrer vom “Unwertesystem” des Punk 
motivierten Jugend in Wien und Italien. Zwei Mädchen, die glauben, wenn man nichts mitnimmt auf die Reise, dann hat man auch nichts zu verlieren. 
”Nichts” ist allerdings auch der Wert einer männerlosen Frau im Sizilien der 80er-Jahre.
Ein autobiografischer Comicroman von epischem Ausmaß.
Heute ist der letzte Tag vom Rest Deines Lebens, 400 Seiten, Softcover, zweifarbig, 24,95 EUR, erscheint im Juli
“Das Ende der Welt” von Pierre Wazem und Tom Tirabosco
Eine regnerische Nacht. Eine Familie ist auf dem Weg ins Krankenhaus. Bei der schwangeren Mutter haben die Wehen eingesetzt. Ein Baum fällt vom Blitz getroffen auf die Straße. Zwei Jahrzehnte später. Eine junge Frau liegt auf dem Boden ihrer Wohnung und hört dem prasselnden Regen zu. Einige Augenblicke später erfährt sie, dass ihr Vater einen Herzinfarkt erlitten und ins Krankenhaus gebracht wurde. Trotz des Regens und der Warnung vor Hochwasser macht sich die junge Frau auf den Weg, um im Haus ihres Vaters die verwaiste Katze zu füttern. Durch die steigenden Wassermassen wird ihr der Rückweg abgeschnitten und dann taucht plötzlich eine alte Frau in ihrem Rücken auf, die mit Katzen sprechen kann und die sich scheinbar gut in dem Haus auskennt. Unter dem Dach befindet sich ein Zimmer, das nie betreten wurde…
Ein melancholisch-traumhafter Comicroman von Pierre Wazem mit wunderbaren Monotypie-Bildern von Tom Tirabosco.
Das Ende der Welt, 118 Seiten, Softcover, zweifarbig, 17,95 EUR, erscheint im August
Als Präsidenten machen sie Programm: Dupuy-Berberian haben die beiden jungen französischen Zeichner Ruppert & Mulot (“Affentheater”, Edition Moderne) für das diesjährige Festival de la BD Angoulême um eine Ausstellung gebeten. Das hat die beiden nur bedingt interessiert – in Angoulême gibt es schließlich ohnehin so viele Ausstellungen, was macht da eine mehr oder weniger schon für einen Unterschied…
In diesem Bordell wartet hinter jeder Tür ein kleines Abenteuer – Türsteher und Experte für Sicherheitsfragen ist kein Geringerer als Lewis Trondheim. Aber ACHTUNG, die Uhren laufen schnell in diesem eigenwilligen Puff, allein der Weg durch das eindrucksvolle Championnat ist verschlungen und fordert Zeit.
Bereits am 29. Dezember hat Sascha Hommer für den Blog zum Anthologieprojekt “Orang” einen informativen Artikel über neue Comic-Magazine und andere unabhängig produzierte Publikationen geschrieben, die auf dem Hamburger Comicfestival erstmals präsentiert wurden.
In einem Rundumschlag werden neue Comics von “Aua! Aua! Heiss! Heiss” (herausgegeben von Ludmilla Bartscht und Simon Schwartz) über “OHA” 1 von Haina bis hin zu “wehwehwehsupertraene.de” (MamiVerlag) von Anke Feuchtenberger vorgestellt.
Unabhängige Publikationen zum Jahresende
Zum Ende des Jahres, und damit pünklich zum 3. Hamburger Comicfestival, sind im Umfeld der Armgartstrasse eine ganze Reihe von Comicpublikationen erschienen, denen gemein ist, dass ihre Produktion auf Selbstorganisation beruht, also nicht von etablierten Verlagen initiiert ist.
MamiVerlag
Mit sage und schreibe vier Neuveröffentlichungen, und damit mehr als einer Verdopplung des bislang noch schmalen Verlagsprogramms, war der Mamiverlag zum Festival angereist. Wie auch immer man die ökonomische Zukunft des noch jungen Verlagsprojekts einschätzen will – die Produkte überzeugen auf ganzer Linie. mehr
Auch wenn Comics für den Buchhandel immer interessanter werden, gibt es natürlich weiterhin ein umfangreiches Netz von spezialisierten Comicläden, in denen sich neben Graphic Novels auch klassische Superhelden- und Fantasy-Hefte sowie Alben und Cartoons finden lassen. Lars von Törne stellt auf www.tagesspiegel.de unterschiedliche Comicläden in Berlin vor und auch einige ihrer Inhaber kommen zu Wort. Interessanterweise stellt Micha Wießler, Inhaber der Modern Graphics-Läden und “Tagesspiegel”-Kolumnist, fest, dass sich seine Klientel weg von szenekundigen Comicexperten hin zu einem allgemeinen Publikum verändert und dass sein Job immer mehr dem eines Buchhändlers gleicht.
Wo die bunten Kerle wohnen
Für jeden die richtige Sparte: Berlins Comicläden sind so vielfältig wie die Interessen ihrer Betreiber und ihrer Kundschaft. Seit hier das erste Fachgeschäft Deutschlands eröffnete, hat sich einiges geändert. Nach den Sammlern kommen jetzt die Leser.
Vielleicht sieht es so im Comic-Himmel aus: In der Luft schwebt die rot-weiße Rakete, mit der Tim und Struppi zum Mond flogen. Es gibt ein Ebenbild von Fone Bone, der Hauptfigur aus dem „Bone“- Epos, das bei Comiclesern einen Status hat wie „Der Herr der Ringe“ bei Lesern unbebilderter Literatur. Daneben hängen und stehen weitere Ikonen: Spider-Man, Charly Brown oder Didi und Stulle, die aus den „Zitty“-Comics bekannten Figuren des Berliner Zeichners Fil. In einem Bilderrahmen entdeckt man gar ein von Disney-Meisterzeichner Carl Barks höchstpersönlich signiertes Bild Donald Ducks und seiner Verwandtschaft.
Wer den Kreuzberger Comicladen „Modern Graphics“ betritt, merkt sofort, dass es um eine Leidenschaft geht, die Betreiber und Kunden teilen. Buchläden sehen anders aus, sachlicher, funktionaler. Dabei haben sich manche von Berlins Comicläden in den letzten Jahren von Insider-Treffpunkten zu Anlaufstellen für ein breiteres Publikum entwickelt, wie Micha Wießler sagt, Chef und vor 17 Jahren Gründer von „Modern Graphics“. mehr
Ab heute ist eine Broschüre erhältlich, in der der Verlag Reprodukt die dort erscheinenden Graphic Novels und die dazugehörigen AutorInnen vorstellt. Auf 40 vierfarbigen Seiten im A5-Format kann man sich anhand von Leseproben und einleitenden Texten einen Überblick über die vielfältigen Bücher verschaffen, die seit vielen Jahren bei dem Berliner Verlag erscheinen.
Auf eine Einleitung und einen Comic, die zum einen den Verlag präsentieren und zum anderen den Begriff “Graphic Novel” noch einmal erklären, folgen reich bebilderte Vorstellungen der einzelnen Zeichnerinnen und Zeichner und der von ihnen veröffentlichten Bücher. Abgerundet wird die Broschüre durch eine Vorschau auf Arne Bellstorfs für den Herbst angekündigte Graphic Novel “Baby´s In Black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe”. Das Cover wurde von Mawil (u.a. “Action Sorgenkind”) gestaltet.
Der gleichermaßen für Händler und Leser gedachte Katalog lässt sich als PDF (7,4 MB) herunterladen und kann über den Medien Service bzw. LKG (Deutschland), Pictopia (Österreich) und kaktus (Schweiz) in Einheiten zu 25 Stück bestellt werden: Graphic Novels 2009
Seitdem es sie gibt, haben sich Anthologien als Forum junger Talente bewährt. Entweder dort oder in eigenen Heften entwickelten und entwickeln sie ihr erzählerisches Können und schulen ihre grafischen Fähigkeiten. Ob es die von Art Spiegelman und Francoise Mouly herausgegebenen “Arcade” und “Raw” in den USA, “Lapin” in Frankreich oder in jüngster Zeit “Spring”, “PlusPlus” oder das von Sascha Hommer betreute “Orang” aus Deutschland, bzw. der Schweiz: Junge Talente schaffen sich immer wieder ein publizistisches Forum, mit dem sie nicht nur ihr eigenes Schaffen bekannt machen. Viele wagen den Blick über den eigenen Tellerrand, laden Gäste aus dem Ausland ein und zeigen sich stilistisch offen.
Dass es im Bereich der Anthologien spannend bleibt, dürfte kaum eine Anthologie der letzten Zeit so gut bewiesen haben wie das von Sammy Harkham editierte “Kramers Ergot” (inzwischen verlegt bei Buenaventura Press), das im Dezember in die siebte Runde ging. Waren die letzten Ausgabe schon zu einer bemerkenswerten Ansammlung junger Talente und neuer, überraschender, individueller Stile geworden, hat man sich nun etwas Besonderes überlegt: Die neue Ausgabe erscheint als Hardcoverbuch, das mit seinem Format von 53 x 40 cm dem Begriff “coffee table book” mehr als gerecht wird.
Dass es in “Kramers Ergot” 7 neben den narrativen Comics auch eine ganze Reihe an der Illustration interessierte Beiträge gibt, das gesamte Buch aber dennoch wie aus einem Guss erscheint, ist dabei die eigentliche editorische Leistung. Dieses Mammutprojekt zeigt höchst anschaulich, wie lebendig, ambitioniert und mit jedem Recht selbstbewusst die Anthologie-Szene auftreten kann.
Kramers Ergot 7, 96 Seiten, Hardcover, farbig, 53 x 40cm, $ 125, erschienen bei Buenaventura Press
Nachdem die fünfte Ausgabe bereits im Sommer 2008 in Hamburg vorgestellt wurde, zieht es das Frauenkollektiv um die Anthologie “Spring” nun im Januar nach Berlin in die Galerie Neurotitan, um die neueste Sammlung von Comics und Illustrationen auch in der Hauptstadt gebührend zu feiern. Die fünfte Ausgabe der ausschließlich von Zeichnerinnen gestalteten Anthologie widmet sich dem Thema “Alter Ego”.
Zeichnungen von Nina Pagalies, Carolin Löbbert, Maria Luisa Witte, Natalie Huth und Barbara Yelin
Da hierzulande leider kaum ausführlichere Interviews mit jungen deutschen Zeichnern geführt werden, muss das Ausland in die Bresche springen: Bart Croonenborghs hat für “Broken Frontier” anlässlich der Veröffentlichung von “Sparky O´Hare” (Blank Slate Books) ein Interview mit Mawil geführt, das am 12. Januar veröffentlicht wurde.
Mawil and the heartbreak of youth
Mawil, a strange name in a stranger land: German alt comics. He was introduced to American audiences through his Top Shelf publication Beach Safari, but firmly cemented his name on the english language scene with his second book We can still be friends, published by UK resident Blank Slate. From funny animals, We can still be friends to the trouble with girls and publishers, Mawil bears it all in this Crossing Borders interview.
BROKEN FRONTIER: How did you get started doing comics? What attracted you to this form of expression?
MAWIL: As a child I stayed at home a lot. I didn’t have many friends around my block because I went to a special school further away. I just drew a lot and imagined my own stories (like all kids do, I guess). The first comic I made was when I was 8 years old. It felt great, it was just the best thing for me, drawing and telling stories in one medium.
We didn’t have comics in the GDR, the former East Germany, except a really good historical adventure magazine called Mosaik (the only one without propaganda) and some stuff from West Germany, like Mickey Mouse and some Asterix. mehr
Thomas Hummitzsch schreibt für www.textem.de am 14. Januar 2009 sehr ausführlich über “Das Zeichen des Widders”, die Zusammenarbeit von Fred Vargas und Edmond Baudoin.
Die beiden französischen Autoren und Zeichner Charles Berberian und Philippe Dupuy (“Monsieur Jean”, Reprodukt) werden als Präsidenten des Festivals mit einer großen Ausstellung geehrt. Viele spannende internationale Gäste sind angekündigt, darunter auch Daniel Clowes, Adrian Tomine und Chris Ware. Aktionen und Ausstellungen unter anderem von Ruppert & Mulot, Shigeru Mizuki oder Winshluss versprechen für 2009 ein besonders buntes und vielfältiges Programm.
“Waltz with Bashir”, der bemerkenswerte Dokumentarfilm von Ari Folman, der bis auf eine Szene als Animation angelegt ist, hat den Golden Globe als “Best Foreign Language Film” gewonnen. In “Waltz with Basir” hat Regisseur, Autor und Produzent Ari Folman eine Reise in seine Vergangenheit – zurück zur Jugendkultur der 80er Jahre und nach West Beirut während des ersten Libanonkrieges – auf beeindruckende Art visualisieren lassen.
Wenigstens zwei der Zeichner hinter “Waltz with Bashir” haben auch Comics und Graphic Novels gestaltet: Asaf und Tomer Hanuka. Ein guter Grund, auf den Blog “tropicaltoxic” der beiden produktiven Brüder hinzuweisen, die das Aussehen des Films entscheidend mitgeprägt haben (oben ein Still aus dem Film, das von Tomer Hanuka gestaltet wurde).
Nachdem man bei Carlsen schon vor etwa einem Jahr einen Katalog der lieferbaren Graphic Novels vorgelegt hat, zieht Reprodukt jetzt nach. Ab kommender Woche wird ein Katalog ausgeliefert, in dem auf 40 Seiten die wichtigsten Autoren und Titel vorgestellt werden, die in den vergangenen siebzehn Jahren bei Reprodukt veröffentlicht wurden. Von Daniel Clowes bis zu Adrian Tomine, von Lewis Trondheim bis zu Cyril Pedrosa, von Martin tom Dieck bis zu Mawil stellen wir viele der besten nationalen und internationalen Autoren und Graphic Novels vor, die in deutscher Sprache erschienen sind. Leseproben ergänzen die Vorstellungen der einzelnen Titel.
Das Cover ziert ein aus “Wir können ja Freunde bleiben” entlehntes Motiv, das Mawil exklusiv für die Broschüre gezeichnet hat.
Hier eine Beispielseite:
Der gleichermaßen für Händler und Leser gedachte Katalog lässt sich als PDF (7,4 MB) herunterladen und kann über den Medien Service bzw. LKG bestellt werden: Graphic Novels 2009
Im Rahmen der laufenden Ausstellung “Superman und Golem: Der Comic als Medium jüdischer Erinnerung” hält der Comic-Experte und “FAZ”-Feuilletonist Andreas Platthaus am Mittwoch, den 14. Januar im Frankfurter Jüdischen Museum einen Vortrag über “Geschichtserzählungen in Comics – Möglichkeiten und Grenzen eines Mediums”:
“Dass in Comics Geschichten erzählt werden, wird niemanden überraschen. Dass aber auch Geschichte ein wichtiges Thema für Comics ist, trifft bisweilen auf Vorbehalte. Sind historische Ereignisse das richtige für eine Erzählform, die doch notwendig subjektiv und ästhetisiert sein muss? Tatsächlich hat es einige Jahrzehnte gedauert, ehe der Comic sich an Geschichtserzählungen heranwagte, und bis zur autobiographischen Bildergeschichte sollte es noch etwas länger dauern.” mehr
Passenderweise schreibt Andreas Platthaus heute auf seinem Blog über seinen Lieblingsautoren Jacques Tardi, dem er schon mehrere Aufmacher im “FAZ”-Feuilleton gewidmet hat, und dessen Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg.
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