In der “Neuen Zürcher Zeitung” stellte Christian Gasser “Wimbledon Green” (Edition 52) des kanadischen Autoren Seth vor und führt aus, wie sich nicht zuletzt der Autor selbst in dieser Geschichte um den titelgebenden Comicsammler reflektiert.
Sammler und Neider
Der Traum von einem goldenen Zeitalter und die Melancholie des Nostalgikers: Der kanadische Comic-Autor Seth setzt in «Wimbledon Green» zu einer Satire der Comic-Sammler an – und reflektiert gleichzeitig seine eigene Passion für die Pop-Kultur der Vergangenheit.
Am 9. November erscheint ein vielversprechender neuer Sekundärliteraturband über Comics. Klaus Schikowski, vor allem aus seinen Artikeln für die Comiczeitschrift “Comixene” bekannt, gibt anhand der “Großen Künstler des Comics” (Edel) einen Überblick über die Geschichte und maßgeblichen Entwicklungen der Kunstform. Dabei werden Graphic Novels, ihre Vorläufer und auch aktuelle Vertreter, eine wichtige Rolle spielen wenn sie als aktuellste nennenswerte Entwicklung anhand von Portraits von Art Spiegelman, Will Eisner, Hugo Pratt, Jacques Tardi, Ralf König, Chris Ware, Marjane Satrapi, Alan Moore, Lewis Trondheim, Joann Sfar und Jiro Taniguchi mit den abschliessenden Kapitel hervorgehoben werden.
Wussten Sie, dass Wilhelm Busch großen Einfluss auf den amerikanischen Comic-Strip hatte? Oder dass der Comic bei einem »Zeitungskrieg« entstanden ist? Dass es schon in den 20er-Jahren einen Comic über einen allein erziehenden Vater gab? Dass die Erfinder von Superman in Armut lebten, während der Verlag Millionen machte? Dass Walt Disney gar nicht der Erfinder von Entenhausen ist? Oder dass Asterix in einem Bistro entstanden ist? Dass Alan Moore die Verfilmungen seiner Comics hasst? Oder dass es für einen Comic sogar den renommierten Pulitzer-Preis gab? Die Geschichte des Comics ist eine Geschichte der Zeichner und Autoren, die ihn geprägt und Figuren erschaffen haben, die zu Ikonen geworden sind. Sie ist voller Anekdoten und Geschichten, so bunt wie die Comics selbst. In sechs Kapiteln reicht Die großen Künstler des Comics von den Anfängen bis zur Gegenwart, von Wilhelm Busch bis zu Frank Miller.
Hier ein exklusiver Blick ins Inhaltsverzeichnis:
Kapitel 1 – Frühe Meister einer neuen Form
Rudolph Dirks So etwas ähnliches wie Wilhelm Busch
Winsor McCay: Träume auf Papier
Lyonel Feininger: Ein kurzes deutsches Abenteuer
George Herriman: Bizarres Liebes-Dreieck
Frank King: Der Alltag im Comic-Strip
Kapitel 3 – Der Comic boomt Der Comic von 1945 bis 1960
Carl Barks: Der gute Zeichner
Osamu Tezuka: Der Gott des Mangas
Franquin, Peyo und Morris: Wer hat den Schlumpf geschlumpft?
Charles Schulz: Good ol’ Charlie Brown
Goscinny & Uderzo. Ganz Gallien?
Kapitel 4 – Neue Themen Der Comic von 1960 bis 1975
Stan Lee und Jack Kirby: Das Gesicht der Superhelden
Moebius oder Giraud: Das offene System
Hugo Pratt: Auf Reisen
Robert Crumb: Mein Ärger mit den Frauen
Keiji Nakazawa: “Ich habe es gesehen”
Kapitel 5 – Die Graphic Novel und der Comic-Roman Der Comic von 1975 bis 1990
Will Eisner (Teil 2): Die erste Graphic Novel
Jacques Tardi: Erinnerungen an die Geschichte
Art Spiegelman: Mauschwitz – Das Unmögliche zeichnen
Frank Miller: Schatten der Großstadt
Ralf König: Bewegende Comics
Kapitel 6 – Der Comic im 21. Jahrhundert Der Comic ab 1990
Alan Moore: Der Magier aus Northhampton
Lewis Trondheim/Joann Sfar: Die Erneuerer
Chris Ware: Moderne Nostalgie
Jirô Taniguchi: Der Spaziergänger zwischen den Comic-Welten
Marjane Satrapi: Persepolis von innen
Die großen Künstler des Comics, ISBN 978-3-941378-13-1, 256 Seiten, 28 x 21 cm, erscheint am 9. November bei Edel.
Das auf dem Münchner Comicfestival vorgestellte Buch “kleiner vogel rot” (Zwerchfell) von Veronika Mischitz und Christopher Bünte ist nun auch im Handel erhältlich.
Mari lebt in einer grauen und gesichtslosen Diktatur. Eine unantastbare Regierung bestimmt das alltägliche Leben, normiert und kontrolliert, wo sie nur kann. Künstler werden verfolgt und verschwinden spurlos. Allmählich wird Mari bewusst, dass es so nicht weitergehen kann. Soll sie aus ihrer tristen Welt fliehen? Den Widerstand wagen? Alles aufs Spiel setzen? Das Risiko ist groß. Sie spielt mit ihrem Leben. Aber welche Alternative gibt es zur Freiheit?
Schon in Frankfurt gab es den ersten Band zu Lesen, der zweite der Trilogie ist schon angekündigt: Mit “Kirihito” ist ein weiterer Klassiker des Manga-Autoren Osamu Tezuka (“Adolf”) bei Carlsen Comics erschienen.
Der junge Arzt Kirihito Osanai wird mit einer mysteriösen Krankheit konfrontiert, die in einer entfernten Gebirgsregion der Insel Shikoku ihren Ursprung zu haben scheint: sie lässt Gesichter mutieren, erzeugt eine Gier nach rohem Fleisch und scheint Menschen in hundeähnliche Bestien zu verwandeln, bevor sie innerhalb weniger Monate sterben. Eine Rettung scheint nicht in Sicht. Kirihito versucht, hinter die Ursachen zu kommen und den Opfern zu helfen, die von der Gemeinschaft verstoßen und verfolgt werden. Eine Reise um den halben Erdball wartet auf ihn, in die Abgründe menschlicher Verhaltensweisen – mit einem medizinischen Establishment im Nacken, das Kranke nur als Versuchskaninchen betrachtet und für gute Forschungsergebnisse über Leichen geht.
Mit “Kirihito” erscheint eines der großen Meisterwerke der Comic-Geschichte erstmals in deutscher Sprache. Osamu Tezuka, als “Gott des Manga” verehrt, entwarf diesen düsteren Thriller zu Beginn seiner späten Schaffensphase und erschütterte damit nicht nur allzu naive Vorstellungen über die menschliche Natur, sondern sprengte auch die Erwartungshaltungen an ihn und seine erzählerischen Fähigkeiten.
Auf der Website von Carlsen Comics lässt sich eine neunseitige Leseprobe als Online-Buch durchblättern. Der zweite Band der Trilogie ist für Anfang Februar 2010 angekündigt.
Kirihito (1 von 3), ISBN 978-3-551-79180-1, 14,5 x 21 cm, 288 Seiten, schwarzweiß, Klappenbroschur, erschienen bei Carlsen Comics
Wie bereits berichtet, finden im nächsten Jahr zwei Fachtagungen statt, die sich mit dem Themenfeld Rechtsextremismus aus Comic-Perspektive beschäftigen. Schon im November finden zwei weitere Tagungen statt, die näher am Medium bleiben.
Vom 6. bis zum 8. November 2009 findet an der Universität zu Köln die 4. Wissenschaftstagung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) zum Thema “Erzählen im Comic” statt.
Die Geschichte des Comics ist auch eine vom Geschichtenerzählen. Die Form und die Art und Weise des Erzählens haben sich in der Geschichte des Comics ebenso immer wieder gewandelt wie Inhalte, Themen und Genres. Die Rolle des Erzählens im Comic und die damit einhergehenden Veränderungen sollen im Laufe der Tagung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden.
Neben dem Eröffnungsvortrag von Herrn Professor Dr. Karl Clausberg werden sich vierzehn Wissenschaftler(innen) aus dem In- und Ausland mit dem Thema beschäftigen. Sieben jüngere Kolleginnen und Kollegen präsentieren ihre Thesen auf einem Forum der Nachwuchswissenschaftler(innen). Eine Führung durch die Mittelalterabteilung des Wallraf-Richartz-Museums, die dem sequentiellen Erzählen in der Kölner mittelalterlichen Malerei gilt, macht Sie zudem mit einigen Ahnen des Comic Strips bekannt.
Neben allgemein comictheoretischen Themen wie “Comics als interdiskursive Erzählungen” werden auch Graphic Novels und ihre Autoren in Vorträgen vorgestellt und einzelne Aspekte näher erläutert. So wird es unter anderem Beiträge zum Reportagecomic “Der Fotograf”, Allgemeines über autobiografische Comics und Spezielles zu David B.s “Die heilige Krankheit” (beide Edition Moderne) geben. Das gesamte Programm und alle weiteren Details zur Tagung finden sich auf hier. Das Postermotiv stammt übrigens von Mawil (“Wir können ja Freunde bleiben”, Reprodukt).
Ob Pop Art, Nouvelle Vague, Mangas oder Tarantino – der Comic gehört seit dem späten 20. Jahrhundert zum festen Bestandteil eines Spiels mit high and low culture. Comiczeichner haben nicht nur Plakate und Cover der Rockmusik von Jimi Hendrix bis Janis Joplin gezeichnet, die Ästhetik von bestimmten Musikrichtungen hat auch Autoren wie Robert Crumb in ihrem Zeichenstil inspiriert. In einem solchen Wechselspiel wird der Comic sowohl remedialisiert als auch selbst von intermedialen Praktiken neu definiert. Zu diesen Grenzüberschreitungen stellt sich eine neue soziale Legitimität des Comics ein. So wird Art Spiegelmans Holocaust-Comic Maus insbesondere von einer intellektuellen Leserschaft rezipiert. Mangas überschwemmen den Massenmarkt und heben aber ebenso den Anteil der weiblichen Leserschaft wie Marjane Satrapis Autorencomic Persepolis. Nicht nur die legitime Kunst benutzt damit das Spiel von high and low für ihre avantgardistischen Distinktionen gegen akademisch anerkannte Kunst, diese Strategie differenziert längst auch die Comicproduktion selbst. Die Konferenz wird der Frage nachgehen, wie diese Überschreitungen zwischen kulturellen und sozialen Grenzen im intermedialen Wechselspiel ästhetisch zu fassen sind.
Auch hier werden Graphic Novels ein zentraler Punkt der Betrachtungen sein. Vorträge befassen sich unter anderem mit Robert Crumbs “Genesis” (Carlsen) und Formen des epischen Erzählens und der Comic-Umsetzung von Morton Rhues “Die Welle” von Stefanie Kampmann (Ravensburger). Den genauen Veranstaltungsplan für die öffentlichen Vortragsreihe samt Adressen- und Raumangaben kann man sich hier ansehen.
Auch in den letzten Tagen wurde vielerorts über Comics berichtet. An dieser Stelle wieder ein kleiner Überblick.
“Sex and Crime und Gottes Wort” betitel der Bayrische Rundfunk eine Artikel über die neuen Comics von Ralf König (“Archetyp”, Rowohlt) und Robert Crumb (“Genesis”, Carlsen Comics). Passend dazu kann man noch Beiträge aus dem Radioprogramm anhören, die sich ebenfalls mit dem Thema auseinandersetzen.
Crumbs “Genesis” greift auch “FAZ”-Feuilletonist und Comicblogger Andreas Platthaus auf und befasst sich dabei speziell mit der Übersetzung. In “Die Genesis-Genese” geht er der Frage nach, warum man sich bei der deutschen Fassung an die Übersetzung der Lutherbibel von 1912 hält.
Wie gestern angekündigt findet sich in der heutigen Ausgabe des “Tagesspiegels” erstmals eine eigene Comicseite, die ab jetzt regelmäßig erscheinen soll. Lars von Törne schreibt dort unter der Überschrift “Geteilte Erinnerung” unter anderem über die unterschiedlichen Comics, die sich mit der Wendezeit auseinandersetzen, darunter Simon Schwartz’ “drüben!” (avant-verlag) und claire Lenkovas “Grenzgebiete” (Gerstenberg).
Reinhard Kleists Musikerbiografie “Cash – I see a Darkness” (Carlsen bzw. Edition 52) ist inzwischen auch in Großbritannien erschienen. Über die bei Self Made Hero erschienene Ausgabe schreibt in der englischen Tageszeitung “The Guardian”Michael Faber und ist vor allem vom künstlerischen Wagemut des Autors beeindruckt.
Die in Berlin erscheinende Tageszeitung “Der Tagesspiegel” führt nun auch in der Printausgabe als erste überregional erscheinende Tageszeitung einen eigenen Comicbereich ein. Nachdem sich die Comic-bezogene Website www.tagesspiegel.de/comics durch vielfältige Berichterstattung seit einer Weile etabliert hat, werden sich nun alle sechs bis acht Wochen Rezensionen, Interviews, Berichte und Meldungen auch auf einer eigenen Zeitungsseite finden lassen. Dort wird auch ein Schwerpunkt auf Graphic Novels liegen. So wird in der morgigen Ausgabe unter anderem eine Besprechung von Ulli Lusts “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” (avant-verlag) zu finden sein.
Das Felleshus – das Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften in Berlin – feiert sein zehnjähriges Bestehen mit einem vielfältigen Kulturprogramm, unter anderem mit einer Ausstellung, die Comics von achtzehn Autorenzeichnern aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden zeigt. Weder der amerikanischen, der frankobelgischen noch der japanischen Comictradition verpflichtet, ist in den nordischen Ländern eine eigenständige und eigenwillige Bilderwelt entstanden, in die die Austellung einen Einblick gewährt.
Es gibt großformatige Drucke und Originalseiten in verschiedenen Techniken sowie Objekte, Figuren und einen Animationsfilm zu sehen – und selbstverständlich das, worum es beim Comic eigentlich geht: Bücher, Hefte und Magazine.
Mit dabei unter anderem: Max Andersson, dessen “Bosnian Flat Dog”, in Zusammenarbeit mit Lars Sjunnesson, bei Reprodukt erschienen ist; Amanda Vähämäki und Tommi Musturi, mit denen für 2010 Buchprojekte bei Reprodukt geplant sind. Außerdem liegt im Felleshus ein “Mumins”-Spielboot vor Anker, eine Leihgabe von Kulturhus Berlin und dem Finnland-Institut. Die Ausstellung ist vom 4. bis zum 29. November zu sehen.
In den nächsten Wochen wird Ralf König (“Hempels Sofa”) seinen neuen Band “Archetyp” (beide Rowohlt), der seine in der “Frankfurter Allgemeine Zeitung” ursprünglich veröffentlichten Strips versammelt, in verschiedenen Buchhandlungen in Westdeutschland signieren.
Los geht es am 31. Oktober bei Thalia in Bonn, am 5. November folgt Presse und Buch Grauert in Düsseldorf, weiter geht es am 27. November bei Schmorl & von Seefeld in Hannover und tags darauf beschliesst Ralf König seine Mini-Tour in der Buchhandlung Graff in Braunschweig.
Die genauen Adressen und Uhrzeiten kann man hier nachsehen.
Einmal im Monat zeichnet Mawil großformatig für den “Tagesspiegel” und auch beim “Zeichnen auf Zuruf“ in einer großen Berliner Buchhandlung hat er nun gezeigt, was er kann. Auf dem Blog von Reprodukt findet sich ein kurzer Bericht der Aktion im KulturKaufhaus Dussmann mit einigen Fotos. Insgesamt dauerte die Aktion etwas mehr als zwei Stunden und Mawil (“Action Sorgenkind”) zeichnete fleißig beinah 40 gewünschte Motive. Die fertigen Zeichnungen konnten dann gleich von den Zuschauern mitgenommen werden:
Für die “Süddeutsche Zeitung” führte Titus Arnu ein Interview mit dem medienscheuen Robert Crumb anlässlich der Veröffentlich seiner Bibel-Adaptation “Genesis” (Carlsen). Das Interview erschien im Feuilleton in der heutigen Printausgabe und ist auf der Website der “SZ” im “jetzt”-Jugendbereich versteckt.
Die Bibel ist bizarr
Underground-Zeichner Robert Crumb über seinen Genesis-Comic, Gott und die Welt
Robert Crumb war nie etwas heilig. Seine Comicfiguren “Fritz the Cat” und “Mr. Natural” setzen sich über alle Konventionen hinweg, der Stil seiner Zeichnungen wirkt, vorsichtig ausgedrückt, recht drastisch. Nun hat er sich an der Bibel versucht: “Robert Crumbs Genesis” (Carlsen, 228 Seiten, 29,90 Euro) erzählt das erste Buch des Alten Testaments nach. Aus der Sicht seiner Fans sind Crumb-Comics meisterhaft gezeichnete, subversive Satire. Manche Kritiker halten seine Werke dagegen für pornographischen, frauenfeindlichen Schrott. Vor allem ist Crumb ein ausgezeichneter Handwerker: In den sechziger Jahren zeichnete er zunächst Glückwunschkarten und psychedelische Poster, später illustrierte er Plattencover von Rockstars wie Janis Joplin. Einen Auftrag der Rolling Stones lehnte er ab, weil er deren Musik nicht mochte. Heute lebt der 66-Jährige zurückgezogen in einem Dorf in Frankreich. Er ist ziemlich medienscheu und gibt so gut wie nie Interviews. Für die SZ machte er eine Ausnahme. mehr
Vom 13. bis zum 15. November findet in diesem Jahr die Buch.09, das Buch- und Literaturfestival in Basel, statt. Nicht nur der Schweizer Buchpreis wird auf der Messe vergeben, ein umfangreiches und vielfältiges Programm soll für eine attraktive Veranstaltung in der Stadt am Rhein sorgen.
Auch Comics und Graphic Novels sind ein Thema bei der Buch.09: Neben Gesprächen mit Schweizer Comiczeichern und Cartoonisten wie Enrico Marini (“Die Adler Roms”, Carlsen) oder Felix Schaad und einem Cosplay-Wettbewerb gibt es folgende Veranstaltungstermine:
Freitag, 13. November, 14.30 Uhr Graphic Novel
Michael Groenewald, Redakteur bei Carlsen Comics und Dirk Rehm, Verleger von Reprodukt im Gespräch mit Hannes Nüsseler (“Basler Zeitung”) über das Revival des Comicromans.
Samstag, 14. November, 14.30 Uhr Die Comic-Szene heute
Urs Hangartner im Gespräch mit der Zeichnerin Kati Rickenbach (“Filmriss”) und Diego Balli (“unerhört”).
Das komplette Programm kann man auf der Website der Buch.09 einsehen.
Britta Madeleine Woitschig widmet sich auf www.textem.de kenntnisreich und ausführlich der von Andreas C. Knigge herausgegebenen Sonderausgabe von “Text+Kritik” zum Thema “Comics, Mangas, Graphic Novels”. Der Artikel wurde bereits am 21. Oktober veröffentlicht.
Pflicht mit Bravour
Anfang September 2009 wurde die dritte, völlig neu bearbeitete, 18 Bände umfassende Neuausgabe von Kindlers Literatur Lexikon (kurz KLL), eines der Standardwerke für diejenigen, die sich professionell mit Literatur befassen, in den Handel gebracht. Hauptverantwortlicher dieser jahrelangen Kärrnerarbeit war Heinz Ludwig Arnold, der das Mammutwerk herausgab und der achtköpfigen Redaktion vorstand. Damit sich die Übersicht bei den 1500 Autoren nicht verflüchtigte, bildeten 75 Fachberaterinnen und Fachberater für jene Bereiche, in denen diese sich durch Expertisen bewiesen hatten, eine mittlere Leitungsebene. Für das neue Thema Comic wurde Andreas C. Knigge hinzugezogen, der in grauer Vorzeit als Schüler das Fachmagazine Comixene mitgegründet, als Programmverantwortlicher sowohl im Kleinverlag Becker & Knigge als auch im renommierten Kinderbuchverlag Carlsen Verlag Erfahrung und Meriten gesammelt sowie regelmäßig Artikel und Bücher für das breite Publikum geschrieben hatte. mehr
Viel wurde darüber gesprochen auf der Frankfurter Buchmesse; das Branchenmagazin “Börsenblatt” widmet dem Thema in der aktuellen Ausgabe diverse Kommentare: Birk Meinhardts Artikel über die Buchhandelskette Thalia auf der “Seite 3″ der “Süddeutschen Zeitung” vom 13. Oktober 2009.
An der Kette
Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage. Die Buchwelt klagt zwar stets über das Internet. Doch inzwischen ist klar, dass es zur Zerstörung einer ganzen Branche keiner neuen Medien bedarf: Ein Konzern wie Thalia besorgt das auf seine Weise.
Das ist eine Geschichte, in der, obwohl sie vom Kulturgut Buch handelt, nicht wenige Leute Angst haben. Dazu gehört auch die Angst, zitiert zu werden, weshalb man diesen Leuten andere Namen geben muss. mehr
Gleich zwei Tagungen finden im nächsten Jahr statt, die sich mit dem Thema Comics und Rechtsextremismus beschäftigen. Im Spannungsfeld von Comics wie “Die Suche” von Eric Heuvel (Anne Frank Zentrum) oder Art Spiegelmans Klassiker “Maus” (Fischer) auf der einen Seite und den etwa von der NPD und der österreichischen FPÖ publizierten Propagandaheften auf der andere Seite will man dieser politisch-didaktischen Herausforderung begegnen.
Die Fachkonferenz greift zunächst einmal die Frage auf, wie ein zeitgemäßer Unterricht zu den beiden in enger Verbindung stehenden Themen Holocaust und Nationalsozialismus aussehen sollte. Sie stellt sich hauptsächlich deshalb, weil es immer weniger gelingt, Jugendliche mit herkömmlichen Mitteln für die mit moralischer Last befrachteten Zusammenhänge zu interessieren oder gar Abwehrreaktionen zu verhindern. Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass die Nutzung geeigneter Comics/Graphic Novels durchaus dazu beitragen kann, den genannten Defiziten entgegenzuwirken. Selbstverständlich erfordert das einen altersgemäßen und auf die jeweilige Lerngruppe mit ihren besonderen Fähigkeiten zugeschnittenen Einsatz.
In Zusammenarbeit mit dem Anne Frank Zentrum Berlin soll den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vermittelt werden, wie man Comics in der Bildung sinnvoll einsetzt und wie man rechter Propaganda in Comicform begegnet. Ein Einblick in die Praxis eines Comiczeichners soll die Konferenz abrunden. Das genaue Programm und Informationen zur Unterbringung, Anmeldemodalitäten etc. findet sich auf der Website der BPB.
Auch das “Archiv der Jugendkulturen” veranstaltet im nächsten Jahr zum gleichen Themengebiet eine Tagung: Vom 29. bis zum 31. März wird es allgemein um das Thema “Comics & Rechtsextremismus” gehen.
Wir haben zu diesem hochaktuellen Themenkomplex gemeinsam mit der Gesellschaft für Comicforschung eine Fachtagung organisiert, an der hochkarätige ExpertInnen aus vier Ländern referieren und miteinander diskutieren werden. Die Tagung und der geplante Begleitband sollen dazu dienen, im interdisziplinären Rahmen Untersuchungen und Erfahrungen über Inhalte, Funktionen, Mechanismen und Wirkung von Comics aus dem Themenkreis Rechtsextremismus und Rassismus vorzustellen und zu diskutieren sowie modellhaft Möglichkeiten für die Bearbeitung des Themas und den zielgruppenadäquaten Einsatz entsprechender Comics in Schule und politischer Bildung zu erarbeiten.
Das genaue Programm kann man sich hier als PDF herunterladen, weitere Fragen über den Ablauf kann man direkt an das Archiv der Jugendkulturen richten, ein Anmeldeformular für interessierte TeilnehmerInnen wird zum Download angeboten.
Der in Münster lebende Zeichner und Illustrator Jörg Hartmann arbeitet an einer Comic-Version der bekannten Krimi-Figur Wilsberg. Pünktlich zum zwanzigsten Jubiläum des Erscheinens des ersten “Wilsberg”-Romans im nächsten Jahr soll das Buch veröffentlicht werden – ein Verlag steht noch nicht fest.
Wer die im Grafit-Verlag erscheinenden Romane um die etwas schrullige Figur Wilsberg von Jürgen Kehrer nicht kennt, ist vielleicht mit den Fernsehfilmen vertraut, die mit großem Erfolg im ZDF ausgestrahlt werden. Da Autor und Zeichner in Münster leben und auch die Reihe “Wilsberg” dort beheimatet ist, verspricht das Buch einige schöne Ansichten der Bischofsstadt und Fahrradmetropole an der Aa.
Jörg Hartmann, der sich zuletzt etwa für die dezente Kolorierung des Covers der neuesten Graphic Novel von Jiro Taniguchi (“Von der Natur des Menschen”, zusammen mit Ryuichiro Utsumi, erschienen bei Carlsen) verantwortlich zeichnete, setzt “Wilsberg” in aufwändige Farbbilder um.
Die Entstehung des Comics begleitet Jörg Hartmann mit einem Blog, auf dem er regelmäßig das Fortschreiten des Projekts dokumentiert: Dort finden sich Fotos, Skizzen und fertige Zeichnungen.
Anlässlich der Veröffentlichung des Jubiläumsbandes zum 50. Geburtstag von “Asterix” lässt “Spiegel Online” eine Reihe von Comiczeichnerinnen und -zeichner der Figur von Uderzo und Goscinny in Form von Comics und Cartoons Glückwünsche ausrichten. Ein Beitrag dazu stammt von Simon Schwartz (“drüben!”, avant-verlag).
In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut zeigte die Borgarbókasafn ReykjavÃkur (Reykjaviks Stadtbibliothek) in der vergangenen Woche eine Ausstellung mit Werken deutscher Comiczeichnerinnen und -zeichner. Eingeladen war Line Hoven (“Liebe schaut weg”, Reprodukt), die oben im Bild mit Hugleikur Dagsson (“Finden Sie DAS etwa komisch?”, Rowohlt) im Gespräch ist. Line Hoven gab im Zusammenhang mit der Ausstellung vor Ort auch zwei Schabkarton-Workshops.
Derzeit arbeitet Arne Bellstorf (“Orang”, “Acht, Neun, Zehn”) an seiner zweiten Graphic Novel für den Berliner Verlag Reprodukt. “Baby’s in Black – The Story of Astrid Kirchherr and Stuart Sutcliffe” soll im Herbst 2010 erscheinen. Darin erzählt Arne Bellstorf die Geschichte der Beatles in Hamburg, der Kunsthochschulszene und der Jugend- und Subkultur um 1960. Im Mittelpunkt steht das Aufeinandertreffen der Fotografin Astrid Kirchherr und des Musikers und Malers Stuart Sutcliffe, den John Lennon am Liverpooler College of Art kennengelernt hatte.
Den Produktionsprozess begleitet Arne Bellstorf mit einem Blog, der nun online gegangen ist und einen Einblick in die Entstehung der Graphic Novel geben soll.
Die in Berlin erscheinende “tageszeitung” berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über einen weiteren Comic. Sven Jachmanns Artikel ist zwar eine Übernahme seines Artikels für das Online-Feuilleton satt.org, soll hier aber doch noch einmal Erwähnung finden, denn wenn sich eine überregionale Tageszeitung beständig mit Graphic Novels beschäftigt, ist das sehr erfreulich.
Zerrbild des reaktionären Bürgertums
In “Blotch – Der König von Paris” erzählt Blutch, also Christian Hincker, eine Geschichte aus dem Pariser Kunst- und Intellektuellenmilieu von 1936. Dort sieht sich der wahre Geist Frankreichs umweht von Intrigen und Machtspielen, von Kubisten und Bolschewisten – und zu allem Überfluss von Friedensmahnern
Blotch ist der selbst ernannte Liebhaber alles Schönen. Aber eigentlich ist er bloß das karikaturesk nicht sonderlich verfremdete Zerrbild des reaktionären Bürgertums. Blotch ist auch der selbst ernannte Rubens der Neuzeit. Aber eigentlich ist er das Alter Ego seines Schöpfers Christian Hincker, besser bekannt als Blutch, nach Angoulême zuletzt beim Fumetto Comic Festival gefeierter Comicautor und Erzähltausendsassa aus Frankreich. mehr