Graphic Novels
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Monatsarchiv für Dezember 2009

Politische Bildergeschichten im Hamburger Kunstverein

Mittwoch, den 30. Dezember 2009

PalästinaVom 19. Dezember 2009 bis zum 14. März 2010 zeigt der Hamburger Kunstverein unter dem Titel “Wo ist der Wind, wenn er nicht weht? – Politische Bildergeschichten von Albrecht Dürer bis Art Spiegelman” Arbeiten von 130 sehr unterschiedlichen Künstlern. Die Ausstellung wird in den Medien durchaus unterschiedlich, mitunter nicht ganz unkritisch, bewertet.

Petra Schellen dazu in der “taz nord”:

Von der begrenzten Demokratie des Comics

Eigentlich beginnt die Geschichte des Comics im Mittelalter. Damals, als Kirchenfenster biblische Geschichten zeigten, weil außer Mönchen und Priestern kaum jemand lesen konnte. Dem selben Zweck dienten Bildteppiche und Gemälde: der Verbreitung christlicher Inhalte – die Drohung mit Hölle und Verderbnis, so man nicht gefügig sei, stets inklusive. mehr

Auf shz.de kritisiert Peter Comes die Ausstellung unter der Überschrift “Viele Bilder, überforderte Besucher”.

Der Ansatz einer Ausstellung, die Graphic Novels wie “Maus” oder “Persepolis” oder Joe Saccos Comicreportagen zu Arbeiten von unter anderem Picasso oder Goya in Bezug setzt, ist jedenfalls sicherlich interessant genug, um sich selbst ein Bild davon zu machen. Die Ausstellung im Hanburger Kunstverein ist noch bis zum 14. März 2010 zu sehen.

Hamburger Kunstverein, Klosterwall 23, D-20095 Hamburg
Tel. (040) 32 21 57, Fax (040) 32 21 59
hamburg@kunstverein.de , www.kunstverein. de
Öffnungszeiten: Di-So und Feiertage 12-18 Uhr

“Scharia auf italienisch”

Dienstag, den 29. Dezember 2009

lust_der_letzte_tag_01_titelKulturredakteur Andreas Fanizadeh am 26. Dezember auf den Seiten der “taz” über “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” von Ulli Lust (avant-verlag):

Scharia auf italienisch

Punk-Mädchen treffen Italo-Machos: Die Comic-Autorin Ulli Lust hat ein starkes Werk von Aus- und Einbruch zweier Mädchen gezeichnet: “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens”.

Es ist so: Gesellschaften, die zu viel verbieten, erzeugen oft eine eruptiv aufblitzende, blindwütige Gewalt. Noch in den 80er-Jahren war Europas Süden von einer katholischen Sexualmoral geprägt, die bis in die heutige USA hinein den Stoff für Mafia-Geschlechtsparodien wie “Die Sopranos” liefert. 1984 reiste die Österreicherin Ulli Lust als junges Punkmädchen von Wien nach Italien. Ohne Geld, mit einer Freundin bis nach Sizilien. Was sie auf ihrer zweimonatigen Reise erlebte, schildert sie in der Comicreportage “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens.” mehr

“Der Geschmack von Chlor” von Bastien Vivès bei Reprodukt

Mittwoch, den 23. Dezember 2009

9783941099487Im Juni 2010 erscheint mit “Der Geschmack von Chlor” ein erster deutschsprachiger Titel von Bastien Vivès bei Reprodukt. Bastien Vivès ist ein junger Autor und Zeichner, der in Frankreich bereits mit mehreren Büchern für das Label KSTR (ein Ableger von Casterman) auf sich aufmerksam gemacht hat.

Schwimmen! Und das regelmäßig! Der dringliche Rat seines Physiotherapeuten stößt beim schmalbrüstigen Protagonisten von Bastien Vivès’ “Der Geschmack von Chlor” auf wenig Gegenliebe. Bis der junge Mann im Hallenbad die Bekanntschaft einer echten Athletin macht, die sich seiner ungelenken Schwimmversuche annimmt. Der Widerwillen weicht bald einer Vorfreude auf den regelmäßigen Termin und einer vagen Hoffnung…

Berührend und mit bemerkenswert präziser Beobachtungsgabe erzählt Bastien Vivès von der zufälligen Begegnung zweier Menschen. Er zeichnet, als bewege er sich selbst mit seinen Figuren im Bassin – den Geschmack von Chlor auf der Zunge.

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“Wäre Comiczeichnen olympische Disziplin, dann gewänne Vivès für Le goût du chlore mit einigen Längen Abstand eine Goldmedaille.” – Roger Aeschbacher, FAZ

Bastien Vivès, geboren 1984 in Frankreich, besticht bereits in jungen Jahren durch enorme Produktivität auf hohem Niveau. “Der Geschmack von Chlor” ist bereits das dritte Album des 25-jährigen Zeichners, für das er 2009 in Angoulême den Preis als Bester Nachwuchszeichner erhielt. Bastien Vivès lebt und arbeitet in Paris. Mehr Infos zum Autor unter bastienvives.blogspot.com.

Der Geschmack von Chlor, ISBN 978-3-941099-48-7, 144 Seiten, farbig, 27 x 18,5 cm, Klappenbroschur, 18 EUR, erscheint im Juni 2010 bei Reprodukt

Neue Rezensionen – Dezember 2009 (2)

Dienstag, den 22. Dezember 2009

Zum Jahresende noch einmal ein kleiner Rundumschlag mit Rezensionshinweisen im Netz.

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Für titel-magazin.de bespricht Christian Neubert unter dem Titel “Trau ihm, er ist ein Cop” den Auftakt zu Pierre Dragons und Frederik Peeters’ Reihe “RG – Verdeckter Einsatz in Paris” (Carlsen).

Auf comicgate.de gab es seit Anfang Dezember einen ganzen Schwung an Besprechungen von neuen Graphic Novels: Andreas Völlinger über “Elende Helden” von Baru (Edition 52), Benjamin Vogt über “Bäche und Flüsse” von Pascal Rabaté (Reprodukt), Thomas Kögel über “Jenseits” von Kerascoët & Fabien Vehlmann (Reprodukt) und noch einmal Benjamin Vogt über “Liebe + Helden” von Andi Watson (Modern Tales).

Auf comicradioshow.com schreibt Michael Hüster zu “Pünktchen und Anton” von Isabel Kreitz (Cecilie Dressler). Michael Fredrich rezensiert “Vier Augen” von Sascha Hommer und schließlich schreibt Jochen Garcke zu “Prosopopus” von Nicolas de Crécy (beide Reprodukt).

tagesspiegel.de wartet mit Rezensionen zu folgenden Büchern auf: Lutz Göllner schreibt unter dem Titel “Taniguchi auf der Rutschbahn” zu “Von der Natur des Menschen” von Jiro Taniguchi (Carlsen), Katja Schmitz-Dräger unter “Vergoldeter Herbst” zu “Bäche und Flüsse” von Pascal Rabaté (Reprodukt) und schließlich Redakteur Lars von Törne unter dem Titel “Wege der Wut” zu “Elende Helden” von Baru (Edition 52).

Auf textem.de stellt Britta Madeleine Woitschig das erste Buch einer interessanten neuen Krimi-Reihe bei Ariel Press vor: “Harker Book One: The Book of Solomon” von Roger Gibson (Serienidee und Szenario) und Vince Danks (Zeichnungen). Keine Graphic Novel, aber eine interessante Veröffentlichung eines namhaften amerikanischen Kritikers wird ebenfalls von Britta Madeleine Woitschig empfohlen: “Unpopular Culture” von Bart Beatty (University of Toronto Press), dessen mehr oder minder regelmäßig erscheinende Kolumne zu europäischen Comics auf comicsreporter.com ebenfalls immer mal wieder einen Blick wert ist.

Neue Graphic Novels bei Eichborn und Knesebeck

Freitag, den 18. Dezember 2009

86413db7e0Im Frühjahrsprogramm 2010 erscheint im Programm des Eichborn Verlags eine erste Graphic Novel: Tim Hamilton hat mit Ray Bradburys “Fahrenheit 451″ einen der bekanntesten Romane der Science-Fiction-Literatur als Comic adaptiert.

Fahrenheit 451 spielt in einem totalitären Staat, der die Menschen im Zustand der Unmündigkeit hält. Selbstständiges Denken ist tabu, das Fernsehen dient der Ruhigstellung der Gedanken, niemand vermisst etwas. Auch der Feuerwehrmann Guy Montag nicht, der sein Geld nicht damit verdient, Brände zu löschen, sondern Bücher aufzuspüren und sie zu verbrennen. Doch dann begegnet er einem Mädchen namens Clarisse, das begeistert ist von Ideen, von Literatur! Als sie ihn fragt, ob er glücklich ist, berührt sie etwas in Montag, wovon er nicht wusste, dass es existierte. Er beginnt eine gefährliche Reise, die ihn auf die Seite derer führt, die Widerstand leisten: Sie lernen Bücher auswendig, um sie zu bewahren.

Tim Hamiltons Adaption überführt Bradburys Meisterwerk in die Gegenwart: In pulsierenden, eindringlichen Bildern, die geprägt sind von Art Deco und Film Noir, erzählt er eine beklemmend aktuelle Geschichte neu und zeigt, was eine Graphic Novel vermag.

German+WHTTWOTAuch der Münchner Knesebeck Verlag legt im Frühjahr eine Graphic Novel vor: Nach “Mutter hat Krebs” erscheint mit “Und wir träumten von der Zukunft” im Februar ein zweiter Titel von Autor und Zeichner Brian Fies.

New York 1939, Buddy ist aufgeregt: Er darf mit seinem Vater zur Weltausstellung, um dort die Stadt von morgen zu entdecken. Er ist beeindruckt von einem Zigarette rauchenden Roboter und einem Gerät, welches das Kino ins Wohnzimmer bringt… In Europa droht Krieg, doch Amerika hält ungebrochen an seiner Vision einer strahlenden Zukunft ohne Grenzen fest. Der Mensch auf dem Mond, ein Flug zum Mars, all das scheint zum Greifen nah. Buddy und sein Vater verfolgen über die Jahre hinweg die technischen Fortschritte mit Begeisterung. Bis der Kalte Krieg den Teenager Buddy zum Nachdenken bringt: Welchen Preis müssen wir für den Fortschritt zahlen? Eine Graphic Novel, die auf mehreren Ebenen das Schwanken zwischen Hoffen und Verzagen der Menschheit schildert. Darüber hinaus eine bewegende Vater-Sohn-Geschichte und eine Story vom Erwachsenwerden, ohne den Glauben an die Zukunft zu verlieren.

Fahrenheit 451, ISBN 978-3821861067, 160 Seiten, 22,95 EUR, erscheint im Februar 2010 bei Eichborn

Und wir träumten von der Zukunft, ISBN 978-3868731507, 208 Seiten, 24,95 EUR, erscheint im Februar 2010 bei Knesebeck

“Maria und ich” von Maria Gallardo & Miguel Gallardo bei Reprodukt

Freitag, den 18. Dezember 2009

9783941099289Im April 2010 erscheint bei Reprodukt mit “Maria und ich” eine erste Graphic Novel des spanischen Autors Miguel Gallardo in deutscher Sprache.

Maria liebt es, stundenlang dabei zuzusehen, wie der Sand durch ihre Finger rinnt. Sie lächelt gern und sie merkt sich dein Gesicht, auch wenn sie dich nur einmal gesehen hat. Wenn sie dich lieb hat, kneift sie dich. Wenn sie dich nicht lieb hat, kneift sie dich auch. Oft tut Maria Dinge, die fremde Menschen nicht verstehen können. Maria hat Autismus – für Miguel Gallardo ist sie die beste Tochter, die ein Vater haben kann.

Liebevoll und sachlich zugleich erzählt Miguel Gallardo in “Maria und ich” von sich, seiner Tochter und ihrem Anderssein.

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Miguel Gallardo, geboren 1955 in Lérida, Spanien, hat sich vor allem als Illustrator einen Namen gemacht. Seine wenigen Comics hat er unter anderem in der Anthologie “Nosotros somos los muertos” (herausgegeben von Max und Pere Juan) veröffentlicht. “Maria und ich”, in Spanien bei Astiberri erschienen, wurde mit mehreren Preisen bedacht; derzeit produziert das spanische Fernsehen eine Dokumentation über Vater und Tochter.

Mehr Infos zu Miguel Gallardo und viele Illustrationen finden sich auf seiner Website: miguel-gallardo.blogspot.com

Maria und ich, ISBN 978-3-941099-28-9, 68 Seiten, zweifarbig, 24 x 17 cm, Hardcover, erscheint im April 2010 bei Reprodukt

“Widerstand mit Zeichenfedern”

Donnerstag, den 17. Dezember 2009

In der heutigen Ausgabe der “Neuen Zürcher Zeitung” wirft Mona Sarkis anlässlich des Verbots der Graphic Novel “Metro” von Magdy al-Shafee einen Blick auf die Comicszenen im nahen Osten. Zu Wort kommen dabei unter anderem Isabel Kreitz (“Die Sache mit Sorge”, Carlsen), die kürzlich einen Workshop in Kairo leitete, Edition Moderne-Verleger David Basler und der bisher in Deutschland unveröffentlichte Zeichner Mazen Kerbaj (“Beyrouth, Juillet-Aout 2006″, L’Association).

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Widerstand mit Zeichenfedern

Ägyptens erste Graphic Novel, «Metro», ist seit kurzem verboten. Auch in den Nachbarländern blockiert die Staatskontrolle das Medium, welches für die zahlreichen jungen Leser in der arabischen Welt eigentlich prädestiniert wäre.

Nun ist es offiziell: «Metro» ist verboten. Der Autor des Comic-Romans, der 47-jährige Magdy al-Shafee, ist empört, und das Arab Network for Human Rights Information spricht von einem Rückschlag für die Meinungsfreiheit in Ägypten. Sonderlich überrascht dürfte aber keiner sein. Der jetzige Gerichtsspruch ist nur der Schlussstrich unter die Ereignisse vom April 2008. Damals hatte die Kairoer Polizei das Büro von Muhammad al-Sharakawi, dem Verleger von «Metro», gestürmt. Al-Sharakawi sass damals wegen eines Aufrufs zum Generalstreik gegen Hungerlöhne bereits im Gefängnis; Ziel der Razzia war also nicht er, sondern der Lagerraum, in dem die Restexemplare von «Metro» standen. Des Landes erste Graphic Novel hatte, wie des Landes Gummiparagrafen lupenrein belegten, gegen die «guten Sitten» verstossen. mehr

Abbildung © PD / Mazen Kerbaj

Reprodukt-Vorschau Frühjahr 2010

Mittwoch, den 16. Dezember 2009

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Die Frühjahrsvorschau 2010 von Reprodukt ist in Druck und wird Anfang Januar zur Auslieferung kommen. Barbara Yelin hat die Titelillustration gezeichnet, es handelt sich um eine Szene aus “Gift” (nach einem Szenario von Peer Meter); das Buch erscheint im März 2010.

Wie gewohnt wird die Frühjahrsvorschau als PDF-Datei (1,6 MB) zum Download angeboten: Vorschau Frühjahr 2010

Für den Buch- und Comichandel ist die Frühjahrsvorschau über die jeweiligen Auslieferungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in 25er-Verpackungseinheiten zu beziehen.

BUCHHANDEL DEUTSCHLAND:
LKG, An der Südspitze 1-12, D-04579 Espenhain
Ansprechpartner LKG: Brunhild Knipfer
Tel. (034206) 65 224, Fax (034206) 65 1733
e-mail: bknipfer@lkg-service.de, www.lkg-va.de

COMICFACHHANDEL DEUTSCHLAND:
MSW Medien Service, Linde 72-74, D-42287 Wuppertal
Tel. (0202) 55 50 41, Fax (0202) 55 55 21
e-mail: info@msw-medienservice.de, www.msw-medienservice.de

SCHWEIZ:
kaktus verlagsauslieferung, Langfeldstr. 54, Postfach 459, CH-8501 Frauenfeld
Tel. +41 (0) 52 722 31 90, Fax +41 (0) 52 722 17 82
e-mail: kaktus@solnet.ch, www.kaktus.net

ÖSTERREICH:
Pictopia Verlagsauslieferung, Böckhgasse 7/10/8, A-1120 Wien
Tel. +43 (0) 676 93 00 789, Fax +43 (0) 1 904 35 84
e-mail: office@pictopia.at, www.pictopia.at

“Wo ist der Wind, wenn er nicht weht?” – Ausstellung im Hamburger Kunstverein

Dienstag, den 15. Dezember 2009

Am Freitag, den 18. Dezember eröffnet im Hamburger Kunstverein die Ausstellung “Wo ist der Wind, wenn er nicht weht?”, die von früher Druckgrafik und Meisterzeichnungen bis hin zu aktuellen Kunstwerken und Comics einen weiten Bogen spannt. Schon die Liste der ausgestellten Künstlerinnen und Künstler (siehe unten) verspricht eine hochinteressante Schau, treffen doch hier die Werke einer Reihe renommierter Comic- bzw. Graphic Novel-Autorinnen und -Autoren auf Arbeiten bildender Künstlerinnen und Künstler. Deutlich wird, wie nahe sich die grafischen Kunstformen stehen und wo es zu Überschneidungen kommt – wobei bei den Comics der erzählerische Aspekt im Vordergrund steht.

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Die Ausstellung „Wo ist der Wind, wenn er nicht weht? – Politische Bildergeschichten von Albrecht Dürer bis Art Spiegelman“ versammelt international politisch motivierte Bildergeschichten von der Erfindung der Buchdruckkunst bis heute. Anhand ausgewählter Arbeiten von mehr als 130 KünstlerInnen wird die „Geschichte der Bildergeschichte“ erzählt und die Entwicklung der Bildsprache, der Medien und der Inhalte deutlich gemacht.

Die Bildergeschichte ist die demokratischste aller Kunstformen, weil jeder sie „lesen“ und verstehen kann. In ihr ist ein Vermittlungsmoment schon grundsätzlich angelegt, indem sie keine kulturgeschichtliche Kenntnis und Vertrautheit mit Sujets oder Kompositionsprinzipien und allegorischen Gehalten voraussetzt. Das der Bildergeschichte eigene demokratische Bildverständnis kondensiert letztlich den Anspruch von Institutionen, denen es um die Vermittlung von Kunst und die Überbrückung der Kluft zwischen Kunstproduktion und Publikum geht.

kunstverein_comics1Die ausgestellten Künstlerinnen und Künstler: Ad Reinhardt, Martin Arnold, Gerd Arntz, Ferdinand Barlog, Berthold Bartosch, Harold Begbie / Francis Carruthers Gould, Steve Bell, Shirley Bogart, Klaus Budzinski / Rainer Hachfeld, Stanley Brouwn, Jacques Callot, Clavé / Godard, Edmond Calvo, Jake & Dinos Chapman, Sue Coe, M. Philip Copp, Stephen Croall, Robert Crumb (“Genesis”, Carlsen), Jari Pekka Cuypers, Honoré Daumier, Lin Da-we, Dave Decat, James Dyrenforth / Max Kester, Walt Disney, Gábor Friedrich, Gustave Doré, Albrecht Dürer, Ekkes, Martin Gray, Guibert / Lefévre / Lemercier (“Der Fotograf”, Edition Moderne), Olaf Gulbransson, Masist Gül, Will Eisner (“Ein Vertrag mit Gott”, angekündigt bei Carlsen), Max Ernst, Öyvind Fahlström, Jules Feiffer, Lyonel Feininger, Ari Folman (mit David Polonsky: “Waltz with Bashir”, Atrium), Jean-Claude Forest, Rube Goldberg,  Francisco de Goya, Vernon Greene, Keith Haring, George Herriman, Hergé, Hans Holbein d. J., Paul Hogarth, William Hogarth, Laurence Hyde, Jörg Immendorff, Sid Jacobson / Ernie Colón, Henri Gustave Jossot, Rolf Kauka, Reinhard Kleist (“Cash – I see a Darkness”, Carlsen), Joe Kubert (“Yossel 19. April 1943″, Ehapa), John Leech, Herbert Lehmann, Ján Mancuska, Stefan Marx, Frans Masereel, David Mazzucchelli (mit Paul Karasik: “Paul Austers Stadt aus Glas”, Reprodukt), Winsor McCay, Scott McCloud (“Comics machen”, Carlsen), Carl Meffert, Alfred von Meysenbug, Jürgen Metz / Charly G. Schütz, Mike Mignola, Henry Moore, Iain Morris, Keiji Nakazawa, Otto Neurath, Otto Nückel, Erich Ohser, Michael O’ Donoghue, Dan O’Neill, Henrik Olesen, Karl Ewald Olszewski, George Orwell, Richard Felton Outcault, Giacomo Patri, Gladys Parker, Guy Peellaert / Pierre Bartier, Grayson Perry, Raymond Pettibon, Pablo Picasso, Fritz Raab, Alfred Rethel, Henry Ritter, Rius, Spain Rodriguez, Rose, Joe Sacco (“Palästina”, Edition Moderne), Petr Sadecky, Marjane Satrapi (“Persepolis”, Edition Moderne), Gerald Scarfe, Gerhard Seyfried, Ben Shahn, Jim Shaw, Situationistische Internationale, Ernst Scheller, Manfred Schmidt, Adolf Schrödter, William Siegel, Otto Soglow, Art Spiegelman (“Die komplette Maus”, Fischer), Robert & Philip Spence, Christoph Steinegger, Ernst Steingässer, Théophile-Alexandre Steinlen, Lou Tji-gui, Mathilde ter Heijne, Rodolphe Toepffer, Gary Trudeau, Wang Tschun-bsin / Yang Scha, Félix Vallotton, Lynd Ward, Klaus Wiese / Christian Ziewer, Adolphe Willette, Oscar Zarate u.a.

Die Ausstellung wird bis zum 14. März 2010 zu sehen sein, in Kürze wird eine begleitende Publikation veröffentlicht.

Der Kunstverein, Klosterwall 23, D-20095 Hamburg
Tel. (040) 32 21 57, Fax (040) 32 21 59
hamburg@kunstverein.de , www.kunstverein. de
Öffnungszeiten: Di-So und Feiertage 12-18 Uhr

Morgen, 16.12.2009: Neue Comicseite im “Tagesspiegel”

Dienstag, den 15. Dezember 2009

Neben der umfangreichen themenbezogenen Onlineseite leistet der in Berlin erscheinende “Tagesspiegel” mit einer regelmäßig erscheinenden Print-Seite, die sich ausschliesslich Comics widmet, Pionierarbeit im deutschen Zeitungsfeuilleton. Am morgigen Mittwoch erscheint die Seite zum zweiten Mal und auch diesmal stehen Graphic Novels im Mittelpunkt der Berichterstattung.

tagesspiegelcomicseite12_09Auf der Seite – oben ein Gestaltungsentwurf aus der Layoutwerkstatt des “Tagesspiegels” – werden unter anderem zu lesen sein: eine Rezension von Pascal Rabatés “Bäche und Flüsse” (Reprodukt) gibt, Texte zu Winshluss’ “Pinocchio” (avant-verlag), Pierre Pelots und Barus “Elende Helden” (Edition 52), Ryuichiro Utsumis und Jiro Taniguchis “Von der Natur des Menschen” (Carlsen) und Robert Vendittis und Brett Weideles “The Surrogates” (Cross Cult), sowie ein Interview mit Shaun Tan (“Ein neues Land”, Carlsen).

“Pinocchio” – Leseprobe und erste Kritiken online

Montag, den 14. Dezember 2009

Pinocchio CoverZum kürzlich im Berliner avant-verlag veröffentlichten “Pinocchio” des französischen Comicautors Winshluss ist neben einer mehr als zwanzig Seiten umfassenden Leseprobe auch eine neue Besprechung erschienen.

Im schweizer-deutschen Comic-Magazin “Strapazin” schreibt Christian Gasser:

Furios und fulminant

Das Cover sticht ins Auge: Bunt, verschnörkelt und nostalgisch die Gestaltung der Almanache des frühen 20. Jahrhunderts beschwörend. Auch der Titel “Pinocchio” verweist in die Vergangenheit: Carlo Collodi verfasste seine rabenschwarze Erziehungsmoritat 1883, Walt Disney versüsslichte sie 1940 in seinem wunderbaren Film, seither ist Pinocchio eine immer wieder neu interpretierte Ikone der populären Kultur.
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Genau das reizte auch Winshluss. Der 1970 geborene Franzose ist nicht in erster Linie aus dem Strapazin bekannt, sondern als Vincent Paronnaud, Co-Regisseur von Marjane Satrapis “Persepolis”. Wo aber auch Winshluss drauf steht, ist auch Winshluss drin: Winshluss ist eine unerschrockene und kompromisslose Underground-Größe, der ohne Furcht vor Tabus und Unkorrektheiten das subversive Potential der Comics erforscht und zelebriert. mehr

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Bisherige Kritiken finden sich auf der Verlagswebsite. Die Leseprobe zum Band kann als PDF-Datei hier heruntergeladen werden. (8,8 MB)

Peer Meter – Neue Website online

Samstag, den 12. Dezember 2009

Seit Anfang Dezember ist die neue Website von Peer Meter online: Auf www.peermeter.de stellt der Schriftsteller, Dramatiker und Szenarist neben seinem literarischen Schaffen auch verschiedene aktuelle Projekte mit deutschen Comiczeichnerinnen und – zeichnern vor.

Haarmann

Peer Meter ist Anfang der Neunzigerjahre bekannt geworden als Szenarist von “Haarmann”, erschienen im Carlsen Verlag. “Haarmann” gezeichnet von Christian Gorny, war eine auf drei Bände angelegte, auch international viel beachtete Serie, die leider nach dem ersten Band abgebrochen wurde. An einer neuen Version des Stoffes um den hannoverschen Serienmörder Fritz Haarmann arbeitet nun Isabel Kreitz – ebenfalls für den Carlsen Verlag.

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Bereits angekündigt ist “Gift” eine weitere Graphic Novel, die mit der Berliner Zeichnerin Barbara Yelin entsteht und im März 2010 zur Leipziger Buchmesse bei Reprodukt erscheinen wird. “Gift” ist ein historisches Drama, dessen Handlung im Bremen des Jahres 1831 angesiedelt ist. Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Kriminalfall um Gesche Margarethe Gottfried, der man vorwarf, von 1813 bis 1827 fünfzehn Menschen vergiftet zu haben.

Über weitere Projekte des Worpsweder Autors mit Nicola Maier-Reimer, Gerda Raidt oder David von Bassewitz informiert die Vorschau auf der neuen Website.

Abbildung aus “Haarmann” © Peer Meter – Isabel Kreitz – Carlsen
Abbildung aus “Gift” © Peer Meter – Barbara Yelin – Reprodukt

“Du lieber Himmel, ein Comic!”

Freitag, den 11. Dezember 2009

Cover_GenesisFür “Zeit online” zeigt Christina Rietz unter anderem, wie der für seine nicht besonders zimperlichen Comics bekannte Robert Crumb im Bibelcomic “Genesis” (Carlsen) sich anbietende Gelegenheiten, Sex und Gewalt darzustellen, weitgehend auslässt.

Du lieber Himmel, ein Comic!

Mit Gott kann man reden: Der Underground-Comic-Künstler Robert Crumb hat sich die Genesis vorgenommen und zeigt den Schöpfer ganz menschlich.

Recht überlegt ist die Bibel nicht jugendfrei. Die Evangelien nicht, das Alte Testament noch weniger, und geradezu eklig geht es im Buch Genesis zu: Brudermord, Inzest, Masturbation – das wären die Aufreger in absteigender Reihenfolge. Es klingt wie geschaffen für einen meisterhaften Comiczeichner und Überzeichner wie Robert Crumb, die Legende der Underground-Comics aus den sechziger Jahren. Zurechtlegen könnte er sich die Genesis, Orgien kolorieren, mal richtig obszön werden. mehr

Carlsen Sommerprogramm 2010

Freitag, den 11. Dezember 2009

Von April bis September 2010 konzentriert man sich bei Carlsen Comics vor allem auf Bewährtes: Farbige Faksimile-Ausgaben von “Tim & Struppi” sowie Neuauflagen von “Spirou & Fantasio” und “Gaston” und neue Bände sattelfester Serien wie “Thorgal” oder “Prinz Eisenherz” dominieren das neue Programm.

zoo_im_winterAber auch im Segment Graphic Novels gibt es einige Neuerscheinungen anzukündigen: Mit “Ein Zoo im Winter” erscheint ein neuer Titel von Jiro Taniguchi, bekannt und beliebt durch “Vertraute Fremde” und “Die Sicht der Dinge”.

Der Verlag zu “Ein Zoo im Winter”: Der 2008 entstandene Band “Ein Zoo im Winter” ist das neueste Schwarzweiß-Werk von Jiro Taniguchi und mit Sicherheit eines seiner besten. Autobiographisch inspiriert, bietet dieses Buch keine autobiographisch-chronologische Nabelschau, sondern eine sehr stimmungsvolle, in sich geschlossene Erzählung. Es geht um den jungen, introvertierten und etwas schüchternen Fabrikarbeiter Hamaguchi, der von Kyoto aus nach Tokyo kommt und sich dort als Assistent in einem Comiczeichner-Team verdingt – und natürlich um zwischenmenschliche Beziehungen, ob beim Zeichnen im Studio, draußen in der Stadt oder im Nachtleben Tokyos. Nicht nur thematisch und erzählerisch, auch grafisch ist dies eines der schönsten Taniguchi-Bücher.

Der dritte und abschließende Band von Osamu Tezukas düsterem Thriller “Kirihito” erscheint im Juni 2010. Der erste Band der Serie wurde hier bereits vorgestellt.

faustAuch Jens Harders “Alpha – Directions” ist angekündigt und soll im Juni 2010 erscheinen, wie an anderer Stelle auf graphic-novel.info bereits erwähnt.

Ebenfalls im Segment Graphic Novel wird “Faust” von Flix präsentiert. In insgesamt 80 Strips ist Flix’ neue Serie von Juli bis Mitte Dezember 2009 in der “Frankfurter Allgemeine Zeitung” vorveröffentlicht worden. Die Albenausgabe verweist gestalterisch auf die bekannten gelben Klassiker aus dem Reclam Verlag.

Eine ausführliche Vorstellung von Flix und “Faust” findet sich auf den Seiten der “FAZ” – einen weiteren umfangreichen Einblick in das neue Buch erhält man aktuell auf der Startseite zur Homepage des Berliner Zeichners.

plastik-madonnaGezeichnet von David Prudhomme nach einem Szenario von Pascal Rabaté (“Bäche und Flüsse”, Reprodukt) erscheint im September 2010 “Plastik Madonna”.

Begeistert schreibt Kai Wilksen auf www.pp-buch.de zum Inhalt der französischen Originalausgabe “La Marie en plastique”: In ihrem kleinen Haus mit Garten könnte die Familie Garnier glücklich und zufrieden leben, lägen sich die frömmelnde Großmutter und der kommunistische Großvater nicht ständig in den Haaren. Nachdem er ein Bild von Lenin an die Wand hinter der von ihr aus Lourdes mitgebrachten Plastik-Madonna aufgehängt hat, scheint ein wackliger Waffenstillstand erreicht zu sein. Doch dann beginnt die Figur, Blut zu weinen… Das alles ist mit leichter Hand und in beschwingten Bildern erzählt – ein wirkliches kleines Wunder.

“Faust” von Flix, ISBN 978-3-551-78977-8, 96 Seiten, 17 x 24 cm, Hardcover € (D) 14,90, erscheint im April 2010
“Ein Zoo im Winter” von Jiro Taniguchi, ISBN 978-3-551-75284-0, 232 Seiten, 14,5 x 21 cm, Klappenbroschur, € (D) 16,-, erscheint im Mai 2010
“Alpha – Directions” von Jens Harder, ISBN 978-3-551-78980-8, Hardcover matt, 360 Seiten, 19,4 x 30,5 cm, € (D) 49,90, erscheint im Juni 2010
“Kirihito” 3 von Osamu Tezuka, ISBN 978-3-551-79182-5, 288 Seiten, 14,5 x 21 cm, Klappenbroschur, € (D) 16,90, erscheint im Juni 2010
“Plastik Madonna” von Pascal Rabaté & David Prudhomme, ISBN 978-3-551-78969-3, 128 Seiten, 17 x 24 cm, € (D) 18,90, erscheint im September 2010

Neue Comics und Graphic Novels bei Knesebeck

Donnerstag, den 10. Dezember 2009

3896603566titellargeBereits im Frühjahr 2006 machte der Münchner Knesebeck Verlag mit einer Neuheit im Segment Graphic Novel auf sich aufmerksam, die im Feuilleton viel Beachtung fand: “Mutter hat Krebs”, eine autobiografische Geschichte des amerikanischen Autors Brian Fies über den Alltag einer Familie in einer extremen Lebenssituation.

Wie das aktuelle “Börsenblatt” meldet, soll das Segment Comic bei Knesebeck im Frühjahr 2010 nun erweitert werden: vier Neuheiten sind geplant, allerdings werden die Titel noch nicht im einzelnen genannt.

Neue Rezensionen – Dezember 2009 (1)

Donnerstag, den 10. Dezember 2009

Vor allem auf den Seiten von Online-Feuilletons und auf Blogs wurden in den vergangenen Wochen Graphic Novels vorgestellt und besprochen. Eine Auswahl findet sich hier.

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Für das Autorennetzwerk suite101.de wirft Marco Behringer einen Blick in Joe Saccos “Palästina” (Edition Moderne) und ordnet die “journalistische Graphic Novel über den Alltag der Palästinenser” in das Graphic Novel-Subgenre der Comicreportage ein.

Das Interesse für Simon Schwartz’ Debüt “drüben!” blieb auch in den vergangenen Wochen beständig hoch und weitere Medien berichteten über die Ost-West-Familiengeschichte des Berliners. Für einheits-brei.de, ein Onlineprojekt des 6. Jahrgangs der electronic media school (ems) in Potsdam, wurde der Autor interviewt, der Text findet sich hier: “Endlich drüben – eine Ausreisegeschichte als Comic”. Ein weiteres Interview führte Simon Schwartz mit einem Vertreter von visuellepolitik.at, das Ergebnis ist hier zu lesen: “Die DDR im Kopf”. Auch in Dänemark fand “drüben!” Beachtung: Autor und Buch wurden von Benjamin Krasnik im “Kristeligt Dagsblad” unter dem Titel “Muren er vigtig for mig og landets historie” vorgestellt.

Kriminalcomics stehen im Mittelpunkt des Artikels “Crime and Punishment”, den Benjamin Vogt für das österreichische Kulturportal “The Outfit” verfasst hat. Vorgestellt werden unter anderem “RG – Riad an der Seine” (Carlsen) von Pierre Dragon & Frederik Peeters sowie “M – Eine Stadt sucht einen Mörder” (Cross Cult) von Jon J. Muth.

“Üppig grünes Grauen” liest Brigitte Helbling in Fabien Vehlmanns und Kerascoëts modern-morbiden Märchen “Jenseits” (Reprodukt) und schreibt darüber auf der Website von titel-magazin.de. Über den gleichen Titel schreibt auch Markus Dewes auf tagesspiegel.de und fasst dort zusammen: “Märchenfiguren im Blutrausch”.

Ebenfalls auf tagesspiegel.de stellt der Politikwissenschaftler Thomas Greven in seiner Kolumne einen politischen Comic vor; den hierzulande noch unveröffentlichten “A.D. – New Orleans after the Deluge” (Pantheon Books) von Josh Neufeld, der sich mit der “Amerikanischen Sintflut” in New Orleans befasst. Ressortchef Lars von Törne schreibt an gleicher Stelle über “Miller und Pynchon” (Luftschacht): “Männer weinen heimlich”.

Auf echo-online.de stellt Heide Germann fest, dass “Der Krieg der Knöpfe” (Kinderbuchverlag Wolff) von Mathieu Gabella & Valérie Vernay nach Louis Pergaud nicht nur für Comicleser interessant ist.

Warum der Aufschrei angesichts der Bibel-Umsetzung “Genesis” (Carlsen) von Robert Crumb ausblieb, ist dem Schweizer Rundfunk DRS2 klar. Online kann nachgehört werden, warum: “Crumbs ‘Genesis’ schockiert kaum”.

fm4.at, die Website des Jugendsenders des ORF, präsentiert ein Interview mit dem Autor und Zeichner der Fussballer-Biografie “Der Papierene, Band 1″ von Sascha Dreier (Ueberreuter), das Christian Achatzi und Reinhard Krennhuber für das Fussballmagazin “Der Ballesterer” führten. “Die sitzen alle auf meinem Tisch”, wird der Autor zitiert.

Guy Delisles Reisebericht “Aufzeichnungen aus Birma” (Reprodukt) bespricht Frédéric Villan für spreeblick.de und kommt zu dem Schluss, dass es sich um “ein großartiges, ein ausgezeichnetes Buch” handelt.

“Sélection Officielle” Angoulême – Titel zweier deutscher Autoren in Auswahl

Dienstag, den 8. Dezember 2009

poster_angouleme2010Das 37. Internationale Comicfestival in Angoulême wirft seine Schatten voraus: Bevor auf dem Festival, das vom 28. bis zum 31. Januar stattfinden wird, die besten Comics ausgezeichnet werden, wurde nun die “Sélection Officielle” vorgestellt. Aus den Titeln dieser 50 Bücher und Alben umfassenden Liste rekrutieren sich die späteren Preisträger der weltweit wohl bedeutendsten Comicauszeichnung. Seitens des Festivals ist diese Vorauswahl auch als eine Auflistung empfehlenswerter Titel gedacht.

Unter den ausgewählten Titeln befindet sich eine ganze Reihe von Comics, die bereits in Deutschland veröffentlicht oder angekündigt wurden. Bemerkenswert, dass sich darunter auch zwei Bücher deutscher Comiczeichner befinden: Sowohl Uli Oesterles Fantasythriller “Hector Umbra” (erschienen bei Carlsen und Edition 52) als auch Jens Harders Evolutionsgeschichte “Alpha” (angekündigt bei Carlsen) sind in der Auswahl.

Darüber hinaus befindet sich Robert Crumbs Bibel-Umsetzung “Genesis” (erschienen bei Carlsen) auf der Liste wie auch “Alans Krieg” von Emmanuel Guibert, die Biografie von Alan Ingram Cope, der im II. Weltkrieg als GI auf der Seite der Aliierten gekämpft hat (angekündigt bei Edition Moderne). Ebenfalls auf der Liste findet sich “Jenseits” (erschienen bei Reprodukt) ein Märchen für Erwachsene von Fabien Vehlmann und Kerascoët.

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Viele weitere Autoren, die mit anderen Titel bereits auf dem deutschen Markt vertreten sind, sind ebenfalls nominiert: Frederik Peeters, Michel Rabagliati, Pascal Rabaté, Seth, Daniel Clowes, Joann Sfar, Manu Larcenet und Ancco.

“Pinocchio” von Winschluss erschienen, erste Besprechung online

Dienstag, den 8. Dezember 2009

Pinocchio CoverAb sofort ist die vom französischen Comicautor Winshluss gestaltete Version von Carlo Collodis Kinderbuchklassiker “Pinoccio” im Handel erhältlich. Der großformatige Hardcoverband wurde auf dem bedeutendsten Comicfestival Europas mit dem Preis für das “Beste Album 2009″ ausgezeichnet. Winshluss, in seiner Heimat zunächst mehr für seine Comics bekannt, war mit Marjane Satrapi verantwortlich für die filmische Umsetzung von Satrapis autobiografischen “Persepolis”-Bänden (Edition Moderne).

Gepetto ist hier ein skrupelloser Waffenfabrikant, Pinocchio ein niedlicher Roboter mit Flammenwerfer (siehe Tezukas Astro Boy) und die Grille wird von einer verwahrlosten Wanze gegeben. Mit respektlosem Witz und voller Überraschungen erzählt uns Winshluss die Geschichte des kleinen Pinocchio auf seiner Reise durch eine alptraumhafte Welt, die mancherlei Bezüge zu unserer heutigen Welt aufweist: Atommüll, Sex, religiös motiviertem Fanatismus, Mord und Totschlag sowieso.

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Das Resultat: Pinocchio für das 21. Jahrhundert, garniert mit pechschwarzem Humor. Ein fulminanter französischer Underground-Comic von einem der wichtigsten Vertreter einer neuen Generation von französischen Comicautoren.
Neben seinen eigenen Filmen war er auch für die Animation von „Persepolis“ verantwortlich und wurde dafür für einen Oscar nominiert.

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Bereits am Freitag erschien die erste Besprechung des Bandes in der Wochenzeitung “der Freitag”, für die Thomas Hummitzsch “Pinocchio” rezensierte und prompt zu seinem Comic des noch laufenden Jahres kürte.

Irrfahrt eines Androiden

Der französische Autor Winshluss hat Pinocchio auf kongeniale Weise ins 21. Jahrhundert übertragen

Es gibt Autoren, die jahrelang als heimlicher Favorit für Buch- und Literaturpreise gelten und sie doch nie bekommen. Der französische Comicautor Vincent Paronnaud alias Winshluss war lange der Geheimtipp unter den Comiclesern. Doch auf den wichtigen Comicfestivals wollte sich der Erfolg nicht einstellen. Auf dem Internationalen Comicfestival im französischen Angoulême wurden mit Smart Monkey (2004) und Wizz and Buzz (2007) zwar schon zwei seiner Werke nominiert, doch schafften es seine Arbeiten nie bis hinauf auf das Podium.

In diesem Jahr hat es endlich geklappt. Winshluss’ Pinocchio wurde in diesem Frühjahr als bestes Album ausgezeichnet und gewann damit einen der wichtigsten internationalen Comicpreise. In dem preisgekrönten Werk verlegt Winshluss die alte Geschichte der populären Holzmarionette in eine kalte, hässliche und abstoßende Moderne. Mord und Totschlag, Fanatismus, Pornografie und die atomare Umweltverschmutzung sind nur einige der modernen Phänomene, die Winshluss in seiner Pinocchio-Version kongenial verarbeitet. mehr

Pinocchio, ISBN 978-3-939080-40-4, 192 Seiten, HC, vierfarbig, 29,95 EUR, erschienen im avant-verlag

Vorschau Frühjahr 2010 Edition Moderne | Reprodukt

Sonntag, den 6. Dezember 2009

Vorschau_Fruehjahr_2010Die neue Vorschau Frühjahr 2010 für den Buchhandel, in der erstmals gemeinsam die Neuheiten von Edition Moderne und Reprodukt vorgestellt werden, befindet sich gerade in Produktion und wird Ende Dezember an den Handel verschickt.

Die jeweiligen Vorschauen von Edition Moderne und Reprodukt im bekannten Layout, in der die Titel den Lesern vorgestellt werden, werden ab Anfang Januar im Handel ausliegen.

Die Vorschau für den Buch- und Comichandel, inklusive Leseproben und Autorenporträts, steht ab sofort auch als PDF-Datei (1,6 MB) zum Download zur Verfügung: Vorschau Frühjahr 2010

Die Vorschau Frühjahr 2010 von Edition Moderne und Reprodukt ist für den Buchhandel über die Adresse der Verlagsvertretung, über den MSW Medien Service oder direkt über die Verlage zu beziehen. Kurze Anfrage genügt.

Verlagsvertretungen Grabert | Heckel | Krause
c/o G. V. V, Groner Str. 20, D-37073 Göttingen
Tel. (0551) 797 73 90, Fax (0551) 797 73 91
email: g.v.v@t-online.de

MSW Medien Service, Linde 72-74, D-42287 Wuppertal
Tel. 0049 (0) 202 55 50 41, Fax (0049 (0) 202 55 55 21
email: info@msw-medienservice.de, www.msw-medienservice.de

“Tamara Drewe” von Posy Simmonds bei Reprodukt

Samstag, den 5. Dezember 2009

9783941099319Anfang Januar erscheint bei Reprodukt die international vielfach ausgezeichnete Graphic Novel “Tamara Drewe” von Posy Simmonds in deutscher Sprache. Lose inspiriert von Thomas Hardys “Am grünen Rand der Welt” (“Far from the Madding Crowd”) setzt sich Posy Simmonds humorvoll und mit feinem Gespür für Charaktere mit der englischen Mittelklasse auseinander.

Fast beiläufig legt sie in ihren klaren Zeichnungen die Schwächen ihrer Figuren offen und entwirft ein Tableau eitler Künstlerexistenzen, die sie ebenso treffend und unterhaltsam in Szene zu setzen weiß wie die Vielschichtigkeit ihrer Protagonistin.

Das Leben in Stonefield ist idyllisch – zumindest bis Tamara Drewe auf den Plan tritt.

Das Schriftsteller-Refugium, das Beth und Nicholas Hardiman betreiben, ist ein Ort der Ruhe und Kreativität. Für das leibliche und seelische Wohl angehender und bereits etablierter Autoren sorgt vor allem Beth Hardiman, ungeachtet der Fehltritte ihres Gatten, der ein ebenso erfolgreicher wie eitler Schriftsteller ist. Als Tamara Drewe nach dem Tod ihrer Mutter in ihr nahe gelegenes Elternhaus zurückkehrt, um ihr Erbe anzutreten, wird die Idylle empfindlich gestört. Die junge Frau hat sich vom unscheinbaren Wildfang zur selbstbewussten Klatschkolumnistin gewandelt und ist unbestreitbar sexy. Binnen Kurzem liegen ihr alle Männer in Stonefield zu Füßen.

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Mit ihrer Anziehungskraft bringt Tamara lang unterdrückte Konflikte zum Ausbruch, und die Ordnung der ländlichen Gemeinschaft, die man bisher für unerschütterlich hielt, gerät allmählich aus den Fugen.

“Tamara Drewe” wurde im Januar 2009 auf dem Internationalen Comicfestival in Angoulême mit dem Prix de la critique ausgezeichnet. Derzeit ist eine Verfilmung von Stephen Frears (“Gefährliche Liebschaften”) in Arbeit, die voraussichtlich entweder auf den Filmfestspielen von Cannes im Mai oder in Venedig im September 2010 uraufgeführt werden soll.

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“Mit treffsicheren Linien durchleuchtet Posy Simmonds in ‘Tamara Drewe’ die Charaktere und zeigt uns, woraus Literaten, Autoren, Verleger, Kritiker und Akademiker gleichermaßen bestehen, all die Eitelkeiten, Begehrlichkeiten, Eifersüchteleien und die anderen gekränkten Gefühle, die sie mit sich herumtragen – genauso wie die Lust, die sie nur notdürftig in ihren Jeans verbergen.” – Tom Wolfe

Simmonds, Posy c Jane BownPosy Simmonds, geboren 1945 in Bershire, England, studierte Kunst und Grafikdesign in Paris und London. Seit den frühen Siebzigerjahren zeichnet sie regelmäßig für die englische Tageszeitung “The Guardian” und wurde für ihre Arbeiten zweifach als Cartoonist of the Year ausgezeichnet. Internationale Beachtung fand sie als Autorin und Zeichnerin von “True Love”, “Gemma Bovery” und “Tamara Drewe”. Für ihre Verdienste um die Zeitungsindustrie wurde sie 2002 zum Member of the British Empire ernannt.

Posy Simmonds ist für ihren entlarvenden und karikierenden Stil bekannt, mit dem sie überaus treffend die britische Mittelklasse ergründet. In ihren gesellschaftsanalytischen Geschichten porträtiert Posy Simmonds gern typische Vertreter der britischen Literaturszene. Neben Comics und Cartoons schreibt und zeichnet Posy Simmonds seit 1987 auch Kinderbücher. “Die Katze des Bäckers”, “Lulu im Museum” und weitere Titel sind in deutscher Sprache bei Diogenes erschienen.

Tamara Drewe, ISBN 978-3-941099-31-9, 136 Seiten, farbig, 26 x 23,5 cm, Klappenbroschur
ISBN 978-3-941099-31-9, erscheint Januar 2010 bei Reprodukt

Foto Posy Simmonds © Jane Bown