Graphic Novels
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Monatsarchiv für Dezember 2010

“Siegeszug unter falscher Flagge”

Freitag, den 31. Dezember 2010

In der “FAZ” vom 30. Dezember 2010 macht sich Andreas Platthaus kritische Gedanken ĂŒber Graphic Novels und ihre Bedeutung fĂŒr den Buchmarkt. “Die Comicbranche wittere Morgenluft”, nimmt er an, und stellt im Folgenden drei Titel aus dem Jahr 2010 vor: “Rembetiko” von David Prudhomme (Reprodukt), “Logicomix” von Apostolos Doxiadis und Christos H. Papadimitriou, sowie “Anne Frank” von Ernie Colon und Sid Jacobson (Carlsen).

Siegeszug unter falscher Flagge

Das ist ihre Chance bei Buchhandel und Publikum: Comics heißen jetzt „Graphic Novels“ und verĂ€ndern ihr Image. Der Mut bei den Verlagen wĂ€chst dementsprechend, doch von drei besonders hoch gehandelten Neuerscheinungen kann nur eine restlos ĂŒberzeugen.

Wenn es nur einen einzigen neuen Comic zu benennen gĂ€lte, der die VorzĂŒge dessen, was man heute „Graphic Novel“ nennt, beweisen mĂŒsste, dann hieße die Wahl: „Rembetiko“. Dieser Band, den der 1969 geborene David Prudhomme im vergangenen Jahr in seiner französischen Heimat herausgebracht hat, ist jetzt sehr schnell auch ins Deutsche ĂŒbersetzt worden: von Reprodukt, einem kleinen Berliner Verlag, der sich mit am kompromisslosesten dem neuen Genre der Graphic Novels verschreibt. Andere deutsche Verlage hatten „Rembetiko“, der in Frankreich gefeiert wurde, abgelehnt. Aber ist dieses Genre ĂŒberhaupt neu?  mehr

Graphic Novels in den Medien – Dezember 2010 (2)

Donnerstag, den 30. Dezember 2010

Kurz vor Jahresschluss noch einmal ein Blick auf die vielfĂ€ltige Berichterstattung ĂŒber Graphic Novels in den Medien. Leider kann nicht auf alles verlinkt werden, wie zum Beispiel auf Andreas Platthaus eine ganze Seite fĂŒllenden Bericht ĂŒber die Bedeutung von Graphic Novels in der heutigen Ausgabe der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (update: Der Artikel “Siegeszug unter falscher Flagge” ist nun auch online abrufbar). Auf eine Reihe von Berichten und Rezensionen kann an dieser Stelle jedoch wie gewohnt verwiesen werden.

Die am heutigen Donnerstag in den Kinos startende Verfilmung von Posy Simmonds “Tamara Drewe” (Reprodukt) unter dem Titel “Immer Drama um Tamara” findet natĂŒrlich breite Beachtung in den Feuilletons, wobei die Vorlage zumindest hingewiesen wird. Auf “tagesspiegel.de” stellt Sven Jachmann das Buch noch einmal ausfĂŒhrlich vor und legt: “Die Begierden der Intellektuellen” dar.

Ralf Königs “Antityp” (Rowohlt) ist die Buchempfehlung im Dezember des “Radiofeuilletons” im “Deutschlandradio”. Knut Cordsen legt das Buch in “Fundgrube fĂŒr Kokolores” “jedem Frömmler ans Herz”. Christian Möller stellt im “Deutschlandradio Wissen” Peer Meters und Isabel KreitzÂŽ “Haarmann” (Carlsen) vor: “Serienmörder als Comic”. Derselbe Band wird von Thomas Hummitzsch auf “BerlinerLiteraturkritik.de” besprochen: “Der Tatort unter den Comics”. Und auf “satt.org” schreibt Andre Kagelmann ĂŒber eben jenen Band unter der Überschrift “Ratten im Hirn …”.

Weitere biografische Comics fanden in den Medien Beachtung: Auf fm4.orf.at stellt Zita Bereuter “Logicomix” von Apostolos Doxiadis und Christos H. Papadimitriou (Atrium) vor: “Russell, Wittgenstein und Gödel als Superhelden”. “Ginsberg, Kerouac und Co. waren homophob, antisemitisch. Und prĂ€gten die Popkultur” schreibt Brigitte Preissler in “Dichter sind gefĂ€hrlich” fĂŒr “Die Welt” ĂŒber die von Harvey Pekar und Paul Buhle herausgegebene Portraitsammlung “The Beats” (Weidle+Graf). Vor allem die “gewohnt exzellenten” Zeichnungen von Autor Reinard Kleist in seinem Buch “Castro” (Carlsen) haben es Markus Lippold angetan, wie er in seiner Besprechung auf n-tv.de schreibt: “Vaterland oder Tod – oder Diktatur”. Der Band ist Buchtipp auf “blickpunkt-lateinamerika.de”, wo Thomas Völkner “Fidel Castros Leben als Comic” vorstellt.

Auf “Aviva-Berlin.de”, dem “Online-Magazin fĂŒr Frauen” stellt Claire Horst den dritten Band von Joann Sfars “Klezmer” vor: “gewohnt farbenfroh und traumartig versponnen”. Gerade die “brillante Inszenierung” hat es Benjamin Vogt bei der LektĂŒre von Bastien VivĂšsÂŽ “In meinen Augen” angetan, wie er auf “comicgate.de” schreibt.

Gleich zwei BĂ€nde von Bastien VivĂšs finden sich in den lesenswerten Jahres-Top 10 der besten Comic auf “titel-magazin.de”. Dort wurden vor Weihnachten noch eine Reihe weiterer Graphic Novels vorgestellt: Marc-Antoine Mathieus “Gott höchstselbst” (Reprodukt) findet nur bedingt das Wohlwollen des Rezensenten Falk Straub, der in “Der Schöpfer im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” jedoch relativierend feststellt: “Manch anderer Autor und Zeichner wĂŒrde sich wĂŒnschen, einen Ausrutscher auf solch hohem Niveau ĂŒberhaupt einmal zustande zu bringen.” Gleich zwei neue BĂ€nde von David B. stellt Alexander Frank in “Ornamentale MenschenknĂ€uel und kopflose Piraten” vor: “Auf dunklen Wegen” und “KapitĂ€n Scharlach” (letzterer zusammen mit Emmanuel Guibert, beide avant-verlag).

Weiterhin auf “titel-magazin.de” erkennt wieder Falk Straub eine “herausragende Meditation ĂŒber Lust und Gewalt” in der Piraten-Trilogie “Jeronimus” von Christophe Dabitch und Jean-Denis Pendanx (Schreiber & Leser): “Homo homini lupus”. Christian Neubert kann dagegen der Manga-Trilogie “Furious Love” von Kazuo Kamimura (Carlsen) nicht besonders viel abgewinnen: “Weiter wie gehabt…”.

“Eine zutiefst melancholische und gleichzeitig an Zynismus kaum zu ĂŒberbietende Geschichte” erkennt Felix Giesa auf “satt.org” in “Sun Village” von Inio Asano (Schreiber & Leser): “Leben und Tod sind bloß ein GeschĂ€ft”. Und an gleicher Stelle stellt Giesa drei aktuelle Abenteurcomics vor: “Der letzte Mohikaner” von Cromwell (nach James Fennimore Cooper, Splitter), “An Bord der Morgenstern” von Riff RebÂŽs (Carlsen) und “Mouse Guard – Winter 1152″ von David Petersson (Cross Cult).

“Immer Drama um Tamara”

Donnerstag, den 30. Dezember 2010

Zum heutigen Filmstart von “Immer Drama um Tamara” eine kurze Übersicht der bisher erschienenen deutschen Besprechungen:

“Frears hat seine Freude an den psychologischen Spielchen, die alle in Ewedown miteinander treiben, er liebt die Kollisionen zwischen den Charakteren. Irgendwie, in ihrem tiefsten Inneren, ist Tamara Drewe auch eine komische Marquise de Merteuil” – Susan Vahabzadeh, SĂŒddeutsche Zeitung

“Das ist es denn auch, was “Immer Drama um Tamara” aus den ĂŒblichen romantischen Komödien herausstechen lĂ€sst: Wo sonst Moral ĂŒber SĂŒnde und Kompromiss ĂŒber Eigensinn siegen, mĂŒssen die Filmheldinnen hier nicht erst in sich gehen. Sie kriegen alles – nicht nur Sex und Liebe, sondern auch das letzte Wort. Was fĂŒr ein Triumph!” – Hannah Pilarczyk, Spiegel online

“Denn der bitterböse Blick des Regisseurs schĂ€lt aus den Figuren ihre Vielgesichtigkeit heraus. Noch die scheinbar Eindimensionalsten unter ihnen bekommen im Laufe der 110 Minuten Tiefe, und am Schluss hat man fĂŒr alle eine gewisse Sympathie.” – Andreas Platthaus, faz.net

“Stephen Frears jongliert damit brillant… Genau das garantiert wunderbar beschwingende Unterhaltung.” – Peter Claus, dpa

“Und genau das macht die launige Komödie zu einem VergnĂŒgen. Denn “Immer Drama um Tamara” ist ein großer Spaß.” – Andrea Burtz, WDR 2

“Das Phantom des Harems”

Mittwoch, den 29. Dezember 2010

Die farbenfrohe Graphic Novel “Am falschen Ort” von Brecht Evens wird heute in der “SĂŒddeutschen Zeitung” von Stephanie Drees mit großem Lob bedacht. Wobei  auch der Verlag ein paar der Lorbeeren erntet: “‘Am falschen Ort’ ist im Reprodukt-Verlag erschienen, der fĂŒr innovative Ästhetiken steht.”

Das Phantom des Harems

Sozialstudie in Wasserfarben: Brecht Evens’ “Am falschen Ort”

Manchmal scheint die Welt zu verschwimmen, fließen die Konturen ineinander. Auf Papier ist dieses GefĂŒhl nicht einfach abzubilden, sowohl Worte als auch Bilder mĂŒssen fĂŒr eine Bewegung stehen, die sich im Kopf des Lesers in Gang setzt. Brecht Evens hat mit seiner Graphic Novel ‘Am falschen Ort’ den Versuch unternommen und eine Welt der tragisch-komischen Verlierer geschaffen. mehr

“Tamara Drewe” – “Immer Drama um Tamara” startet in deutschen Kinos

Dienstag, den 28. Dezember 2010

An diesem Donnerstag startet die Verfilmung von Posy Simmonds Graphic Novel “Tamara Drewe” unter dem Titel “Immer Drama um Tamara” in den deutschen Kinos. Regie fĂŒhrte Stephen Frears, die Hauptrolle spielt Gemma Arterton. Wie auch im Buch spielt die Handlung im Film auf einem großzĂŒgigen Anwesen im SĂŒden Englands. Schriftsteller ziehen sich hierhin zurĂŒck, um in Abgeschiedenheit an ihren Manuskripten zu arbeiten.

Die Idylle wird gestört, als Tamara Drewe, Klatschkolumnistin aus London, an diesen Ort ihrer Jugend zurĂŒckkehrt, um ein Erbe anzutreten. Mit ihrer Anziehungskraft auf die MĂ€nner vor Ort bringt Tamara lang unterdrĂŒckte Konflikte zum Ausbruch. Als zwei pubertierende MĂ€dchen aus dem Dorf das allgemeine emotionale Durcheinander zum Anlass fĂŒr eine Intrige nehmen, kommt es zu einem Todesfall


Zur Buchvorlage bemerkte der amerikanische Schriftsteller Tom Wolfe:

“Mit treffsicheren Linien durchleuchtet Posy Simmonds in ‘Tamara Drewe’ die Charaktere und zeigt uns, aus welchem Holz die Literaten, Autoren, Verleger, Kritiker und Akademiker gleichermaßen geschnitzt sind, all die Eitelkeiten, Begehrlichkeiten, EifersĂŒchteleien und die anderen gekrĂ€nkten GefĂŒhle, die sie mit sich herumtragen – genauso wie die Lust, die sie nur notdĂŒrftig in ihren Jeans verbergen.” – Tom Wolfe

Die Verfilmung feierte im FrĂŒhjahr auf dem Filmfestival in Cannes Premiere und wurde seitdem mit Kritikerlob bedacht (siehe unten). Zur Einstimmung auf die gelungene Umsetzung hier noch einmal der deutschsprachige Trailer.

„Kluge und amĂŒsante Komödie ĂŒber Schriftsteller und ihre Marotten und
Liebschaften im idyllischen Hardy-Land.“
– The Hollywood Reporter

„Eine Wonne von der ersten bis zur letzten Sekunde … Gemma Arterton, Roger
Allam, Dominic Cooper, Luke Evans, Tamsin Greig und Bill Camp sind einfach
großartig.“
– The Daily Mail

„Diese Komödie spielt auf dem Land in England, wo das plötzliche Auftauchen einer
Sexbombe (Gemma Arterton) die kleine dörfliche Welt total aus den Fugen geraten
lĂ€sst.“
– Le Parisien

„Stephen Frears fidel-romantische Komödie IMMER DRAMA UM TAMARA war fĂŒr
mich der witzigste Film in Cannes.“
– New York Post

„Mit IMMER DRAMA UM TAMARA inszeniert Stephen Frears ein urwĂŒchsiges
Vaudeville-StĂŒck, in dem desillusionierte Schriftsteller auf Rocker und verfĂŒhrerische
junge MĂ€dchen treffen. Über die vier Jahreszeiten hinweg werden ihre LĂŒgen entlarvt
und ihr Verstand hinweggefegt.“
– Excessif

„Fans von sarkastischen Kommentaren und Wortwitz kommen auf ihre Kosten.“ – OutNow.CH

„Die Komödie des Sommers!“ – TĂ©lĂ© 7 Jours

„Ein Film, der von Anfang bis Ende beflĂŒgelt.“ – TĂ©lĂ©rama

Graphic-Novel-Wettbewerb zum Jahresende

Montag, den 27. Dezember 2010

2010 sind eine Reihe hervorragender Graphic Novels erschienen, die viele Leserinnen und Leser begeistert haben. Fiktives, biografisches, autobiografisches, Reportagen, Sachcomics – jeder konnte bei der enormen Bandbreite der Veröffentlichungen etwas fĂŒr sich finden. Das beweisen auch die steigenden Auflagen und das hohe Medieninteresse an Graphic Novels.

Wir möchten nun wissen, welche Graphic Novel euch, unseren Blog-Besuchern, 2010 am besten gefallen hat. Der beste Schmöker, das unterhaltsamste Buch, die entspannendste StrandlektĂŒre. Und vielleicht lag auch zu Weihnachten noch ein toller Titel unter dem Baum. Schickt ein Foto von euch mit eurer liebsten Graphic Novel an gewinnen@graphic-novel.info und schreibt noch ein bis zwei SĂ€tze dazu, in denen ihr kurz erklĂ€rt, was euch an diesem Buch so begeistert.

Unter allen Einsendern verlost www.graphic-novel.info zwei große Pakete mit BĂŒchern von avant-verlag, Carlsen Comics, Edition 52, Edition Moderne und Reprodukt. (Eure Favoriten mĂŒssen natĂŒrlich nicht von diesen Verlagen stammen.) Einsendeschluss ist der 2. Januar 2011. Die schönsten Einsendungen werden auf www.graphic-novel.info veröffentlicht.

Wir freuen uns auf zahlreiche Zusendungen.

Reinhard Kleist im Deutschlandfunk, Isabel Kreitz bei Deutschlandradio

Sonntag, den 26. Dezember 2010

Anfang Dezember war Reinhard Kleist zu Gast in der Sendung “Corso” des Deutschlandfunks. Im Interview berichtet Reinhard Kleist ĂŒber seine Motivation, dem kubanischen RevolutionsfĂŒhrer Fidel Castro mit “Castro” (Carlsen) eine Biografie zu widmen, ĂŒber seine erzĂ€hlerischen AnsĂ€tze und ĂŒber seine Einstellung zum Begriff “Graphic Novel”. Das GesprĂ€ch lĂ€sst sich hier online nachhören.

Bereits Ende November widmete Christian Möller Peer Meters und Isabel Kreitz’ Graphic Novel “Haarmann” (Carlsen) ein umfangreiches Radio-Feature, das nicht zuletzt die Zeichnerin selbst zu Wort kommen lĂ€sst. Auch der ursprĂŒnglich bei “DRadio Wissen” ausgestrahlte Beitrag lĂ€sst sich im Internet hören.

Warte, warte noch ein Weilchen, dann kommt Haarmann auch zu dir…

“Ich will geköppt werden. Köppen – und damit fertig.” Diesen Wunsch Ă€ußerte ein Mann, der als der brutalster Seriennmörder Europas galt: Fritz Haarmann, der in Hannover 1924 zum Tode verurteilt wurde. In den Jahren davor hatte er mindestens 24 jungen MĂ€nnern auf bestialische Weise das Leben genommen.

Mit dem kleinen Hackebeilchen macht er Schabefleisch aus dir

Über den psychisch gestörten Massenmörder, der seine Opfer nach der Tat mit einem Beil sĂ€uberlich zerlegte – und das Fleisch wahrscheinlich verkaufte – ist nun im Carlsen Verlag ein außergewöhnlicher Comic erschienen. DĂŒster sind die Bleistiftzeichnungen von Isabel Kreitz, dĂŒster die Texte von Peer Meter. mehr

“Transatlantischer NachzĂŒgler”

Samstag, den 25. Dezember 2010

Bereits Ende Oktober hat sich Kai Löffler fĂŒr “Mosaik”, das Kulturmagazin auf WDR 3, mit Daniel Clowes’ Graphic Novel “David Boring” (Reprodukt) beschĂ€ftigt. UnterstĂŒtzt vom Comic-Experten Andreas Platthaus geht der Autor dabei u.a. der Frage nach, warum die Veröffentlichung einer deutschsprachigen Ausgabe erst mit mehrjĂ€hriger VerspĂ€tung erfolgt ist.

“Transatlantischer NachzĂŒgler”

Daniel Clowes’ „David Boring“ und die Graphic Novel

Er wurde in den USA als erzĂ€hlerischer Meilenstein gefeiert und unter anderem mit Samuel Beckett und J.D.Salinger verglichen. Die Rede ist von “David Boring”, einer Graphic Novel von Daniel Clowes, dem Autor und Drehbuchautor von “Ghost World”. Jetzt erscheint “David Boring” in Deutschland – zehn Jahre nach der amerikanischen Erstveröffentlichung. Warum hat es so lange gedauert und was genau ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Graphic Novel und einem Comic? Mosaik ist diesen Fragen auf den Grund gegangen.

Kai Löfflers Beitrag lÀsst sich auch online nachhören.

FĂŒnf Fragen: Klaus Schikowski (2)

Freitag, den 24. Dezember 2010

Klaus Schikowski ist einer der wenigen Journalisten, der sich komplett dem Medium Comic verschrieben hat. Neben vielen Artikeln, unter anderem fĂŒr den “Tagesspiegel”, das “Comic!-Jahrbuch” und das Fachmagazin “Comixene” ist er Autor des Buches “Die großen KĂŒnstler des Comics” (edel). ErlĂ€uternde EinfĂŒhrungen und Nachworte des Kölners finden sich unter anderem in Jiro Taniguchis “Vertraute Fremde” (Carlsen) und im noch nicht veröffentlichten Krimi “Die Tote im Pelzmantel” von Fred Vargas und Edmond Baudoin (Aufbau). Nachdem er sich schon vor einiger Zeit anlĂ€sslich der Veröffentlichung seines Buches unseren “FĂŒnf Fragen” stellte, wirft er heute einen Blick zurĂŒck auf das vergangene Jahr.

In diesem Jahr gab es einige Graphic-Novel-Veröffentlichungen, die in der Presse und beim Publikum große Beachtung fanden. Woran, meinen Sie, lag das?

NatĂŒrlich hat in den letzten Jahren die ProfessionalitĂ€t von einigen Verlagen bezĂŒglich der Pressearbeit zugenommen und zudem ist auch die Zahl der comicaffinen Journalisten und Redakteure gestiegen. Aber obwohl dies zwei wichtige Punkte sind, wĂ€re es zu einfach, die diesjĂ€hrige Akzeptanz in den Medien damit zu erklĂ€ren.

Es hat auch mit der steigenden QualitĂ€t vieler BĂ€nde zu tun, mit Themen, die sich leichter im Kulturteil unterbringen lassen. Und vor auch mit den deutschen Zeichnern, die deutsche Themen bearbeiten. Das ist ein relativ neues PhĂ€nomen und davon wĂŒrde man sich noch viel mehr wĂŒnschen.

Was waren die wichtigen Themen der Graphic-Novel-Berichterstattung?

Es sind in erster Linie Rezensionen und Artikel zu Einzelwerken. Dabei fanden natĂŒrlich besonders die einheimischen Zeichner großen Anklang, was sehr erfreulich ist. Das macht deutlich, dass Deutschlands Comickreative einen Standard entwickelt haben, der auch internationalen MaßstĂ€ben standhĂ€lt. In diesem Jahr waren die herausragenden Titel, die auch ein mehr als ordentliches Presseecho hervorriefen: “Gift“ von Peer Meter und Barbara Yelin (Reprodukt), „Alpha“ von Jens Harder, „Haarmann“ von Peer Meter und Isabel Kreitz, „Castro“ von Reinhard Kleist (alle Carlsen) und natĂŒrlich “Baby’s in Black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Suttcliffe“ von Arne Bellstorf (Reprodukt).

Aber mittlerweile schnĂŒren Journalisten auch kleine Artikel-Pakete wie zum Beispiel bei den Comics, die sich mit Religion beschĂ€ftigten. Das ist sehr erfreulich, dass dort auch ĂŒber den Tellerrand geschaut wird.

Meinen sie, dass die steigende Wahrnehmung von Graphic Novels im Buchhandel auch anderen Arten von Comics zugute kommt?

Ach, die Gretchenfrage Deutschlands, ĂŒber die sich in Foren nĂ€chtelang die Köpfe zerbrochen wurde. Die steigende Wahrnehmung in den Medien ist fĂŒr das gesamte Medium gut, denn tendenziell schadet natĂŒrlich jeder positiv besprochene Comic oder Graphic Novel nicht dem Gesamtgebilde Comic, ganz im Gegenteil. Allerdings wĂ€re es auch mal schön, im Kulturteil eben nicht nur ĂŒber die neuesten Titel zu lesen, sondern ĂŒber weitere PhĂ€nomene, ich denke da beispielsweise an die Kindercomics fĂŒr junge MĂ€dchen von Tokyopop oder die Krimireihe “Noir” von Schreiber & Leser. Der Comic als Thema ist noch nicht angekommen. Es ist aber natĂŒrlich einfacher, sich gezielt ĂŒber wenige Titel zu informieren, als den Gesamtoutput an Comics im Auge zu haben.

So ergeht es auch dem Buchhandel. Findige und informierte BuchhĂ€ndler können sich natĂŒrlich eher ein schönes durchmischtes Sortiment hinstellen als jene, die sich nur partiell informieren. Aber letztlich sollte man die Graphic Novel als TĂŒröffner sehen und gute Comics werden es nicht schwer haben, auch eine Ă€hnliche Aufmerksamkeit zu bekommen.

Können Sie etwas zur Wahrnehmung ursprĂŒnglich deutschsprachiger Graphic Novels im Ausland sagen?

AuslĂ€ndische Verlage und auch vereinzelt Kritiker schauen, was in Deutschland erscheint und es ist nicht mehr illusorisch, einen Band auch ins Ausland zu verkaufen. Die vielen deutschen Titel, die im Ausland verlegt werden beweisen ja, dass man den deutschen Markt sehr aufmerksam verfolgt. Eine Anthologie wie “Orang“ wird in Independentkreisen auch international wahrgenommen, da hat schon eine Hinwendung zur Globalisierung stattgefunden.

Dass mit Ulli Lust (“Heute ist der letzte Tag vom Rest Deines Lebens”, deutsch bei avant-verlag) im zweiten Jahr ein deutscher Band in AngoulĂȘme nominiert ist, daran kann man sich fast gewöhnen.

Ein Blick ins Jahr 2011: Welche bedeutenden Titel und Events zeichnen sich am Horizont ab?

2011 bleibt alles anders – und natĂŒrlich sehr spannend. Freuen dĂŒrfen wir uns hoffentlich und endlich auf Chris Wares “Jimmy Corrigan“ (Reprodukt) im Herbst; auch auf David Mazzucchellis verkopft-grandiosen “Asterios Polyp“ (Eichborn). Dann werden auch sehr viele deutsche Neuerscheinungen veröffentlicht, vor allem von Zeichnern und Zeichnerinnen, die noch keinen großen Namen besitzen, da wird sicherlich die eine oder andere Überraschung dabei sein. Allerdings wĂŒrde ich mich freuen, wenn noch mehr professionelle Autoren und Literaten mit Comiczeichnern zusammenarbeiten, denn da sehe ich eine große Chance – auch was die Außendarstellung angeht.

Was die Events angeht, da wird es spannend. Denn die “SĂŒddeutsche Zeitung” hat ja fĂŒr das FrĂŒhjahr ihre Edition von Graphic Novels angekĂŒndigt, da muss man schauen, inwieweit das zu Synergieeffekten fĂŒhrt oder ein singulĂ€res Ereignis bleibt.

DarĂŒber hinaus wird natĂŒrlich auch der Begriff der Graphic Novel noch einmal gehörig auf den PrĂŒfstand gestellt, denn wenn man sich beispielsweise das Programm von Knesebeck anschaut, so finden dort fast ausschließlich Comicadaptionen von Literaturvorlagen statt. Auch Suhrkamp will ja 2011 GN’s veröffentlichen, auch dort soll es sich um Adaptionen handeln. Da darf man gespannt sein, ob denn nicht der Begriff „Graphic Novel“ plötzlich als Adaption wahrgenommen wird.

Wichtig wĂ€ren deshalb fĂŒr 2011 wieder genĂŒgend originĂ€re Graphic Novels, die formal und inhaltlich das gesamte Medium weiter nach vorne bringen. Die beste Werbung fĂŒr den Comic und die Graphic Novel sind schlicht und einfach Meisterwerke.

“drĂŒben!” in dritter Auflage – 8 Bonusseiten

Donnerstag, den 23. Dezember 2010

FĂŒr die inzwischen dritte Auflage von Simon Schwartz’ autobiografischer Graphic Novel “drĂŒben!” (avant-verlag) wurde der Band um einige Bonusseiten mit Hintergrundinformationen erweitert.

So findet sich darin ein Interview mit Simon Schwartz, das fĂŒr das “COMIC!-Jahrbuch 2011″ entstand. Das Interview fĂŒhrten Britta Keutgen und Felix Giesa.

DarĂŒber hinaus gibt es viele Skizzen und verworfene Zeichnungen zu sehen, eine Original geschwĂ€rzte Stasi-Akte (siehe unten) und zudem eine Vorschau auf “Packeis”, das kommende Buch von Simon Schwartz.

Wer sich fĂŒr die Hintergrundinformationen interessiert, kann die Bonusseiten auch hier als PDF herunterladen (1,4 MB).

Neu im Januar bei Reprodukt: “Orang” 9

Mittwoch, den 22. Dezember 2010

In der zweiten JanuarhĂ€lfte erscheint die neunte Nummer des Comic-Magazins “Orang” (Reprodukt). Siebzehn Zeichnerinnen und Zeichner aus Berlin, Bielefeld, Hamburg, Kassel, Leipzig und MĂŒnchen sammeln und markieren, zeichnen und kartografieren Kurzgeschichten zum Thema “Atlas”. Das Magazin entstand an der HAW Hamburg zunĂ€chst als Experimentierfeld fĂŒr Comics aus einem studentischen Umfeld gedacht und prĂ€sentiert Comics von jungen nationalen und internationalen Zeichnerinnen und Zeichnern.

Unter anderem veröffentlichten hier Line Hoven (“Liebe schaut weg”), Arne Bellstorf ““Baby’s in Black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe”) und Sascha Hommer (“Vier Augen”, alle Reprodukt) frĂŒhe Arbeiten

Und auch in der neuen Ausgabe finden sich wieder einige BeitrĂ€ge von KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstlern, die Graphic Novels veröffentlichen, wobei. “Alien” von Aisha Franz im Januar erscheinen wird, “Wandering Ghost” von moki im MĂ€rz und im Juni dann “Roxanne & George” (alle Reprodukt). Weitere Geschichten stammen von Klaas Neumann, Paul Paetzel, Sharmila Banerjee, Judith Mall, Anna Haifisch, Ana Albero, Michel EsselbrĂŒgge, Verena Braun, Marlene Krause, Jul Gordon, Gosia Machon, Christina Gransow, Sophia Martineck und Jannis EsselbrĂŒgge.

Die abgebildete Seite stammt aus Carolin Walchs Geschichte “Fuck Yeah Van Halen”.

Orang 9, ISBN 978-3-941099-78-4, 176 Seiten, schwarzweiß & farbig, Softcover, 15 EUR, erscheint bei Reprodukt

Ralf König bei “Druckfrisch”

Dienstag, den 21. Dezember 2010

Am vergangenen Freitag war Ralf König zu Gast bei Denis Scheck im ARD-BĂŒchermagazin “Druckfrisch”, um mit ihm ĂŒber seinen neuen Comic “Antityp” (Rowohlt) zu plaudern. Den Beitrag kann man in der ARD Mediathek ansehen, zum Textbeitrag gelangt man hier.

“Love Rehab” von Jule K. – Leseprobe online

Dienstag, den 21. Dezember 2010

Ende Dezember erscheint “Love Rehab” von Jule K. in der Edition 52. Ab sofort ist eine Leseprobe verfĂŒgbar, die als PDF heruntergeladen werden kann (4,1 MB).

Zentrale Figur ist Charlotta, fĂŒr die das Leben eigentlich nicht schöner sein könnte. Sie hat einen Comicladen, beste Freundinnen und einen Freund, mit dem sie geradezu lĂ€cherlich glĂŒcklich ist. Bis er ihr unvermittelt eröffnet, dass er nach Australien auswandert und zwar sofort. Als dann noch ihre beste Freundin Lilly mit ihrem Exfreund rumknutscht, bricht fĂŒr Charlotta die Welt zusammen. Ihre Eltern bringen sie in eine Liebesentzugsklinik. Dort lernt sie ihren neuen besten Freund kennen, der ebenfalls versucht, ein gebrochenes Herz zu ĂŒberleben. Gemeinsam fliehen sie aus der Klinik und entwickeln ihre eigene Kur gegen Liebeskummer. Ein bisschen abgedreht, ein bisschen melancholisch, dabei aber immer mit einem heftigen Augenzwinkern erzĂ€hlt!

Love Rehab, ISBN 978-3-935229-80-7, Softcover, 88 Seiten, schwarzweiß, 8 EUR, erscheint Ende Dezember 2010 bei Edition 52

Neue Graphic Novel bei Ravensburger

Montag, den 20. Dezember 2010

Mit “Asphalt Tribe” ist bei Ravensburger eine neue Graphic Novel fĂŒr das FrĂŒhjahr 2011 angekĂŒndigt. Und auch dieser Band basiert, wie zuvor schon “Die Welle”, auf einem Jugendbuch von Morton Rhue und wird von Stefani Kampmann als Comic umgesetzt.

“Asphalt Tribe” von Stefani Kampmann nach Morton Rhue

Sie nennen sich “Asphalt Tribe” und leben auf den Straßen von New York. Die 15-jĂ€hrige Maybe erstattet schonungslos Bericht ĂŒber ihren Überlebenskampf, ĂŒber Momente der Angst und des GlĂŒcks, ĂŒber Aussichtslosigkeit und ZukunftstrĂ€ume.

Sie nennen sich “Asphalt Tribe” – eine Gruppe Jugendlicher, die versucht, auf der Straße zu ĂŒberleben: Rainbow, die an der Nadel hĂ€ngt, und der Anarchist Maggot, 2Moro und Jewel, die sich auf dem Strich den Rausch der ClubnĂ€chte verdienen, OG und sein Hund Pest, die kleine Tears und Maybe, die Berichterstatterin. Sie erzĂ€hlt von KĂ€lte und Hunger, von Sozialarbeitern und ZuhĂ€ltern, von Stolz und Erniedrigung. Doch der Preis der Freiheit ist hoch und fordert einen tödlichen Tribut.

Asphalt Tribe, ISBN 978-3-473-35336-1, 160 Seiten, schwarzweiss, Hardcover, 16,95 EUR, erscheint im Februar 2011 bei Ravensburger

20 Jahre Reprodukt

Samstag, den 18. Dezember 2010

2011 feiert der Berliner Comicverlag Reprodukt sein 20-jĂ€hriges Bestehen. Zu diesem Anlass sind Ausstellungen in Leipzig (MĂ€rz), MĂŒnchen (Juni) und Berlin (September) geplant – und es werden einige Comics in neuer Aufmachung vorgelegt, die das Programm des Verlags ĂŒber die vergangenen zwanzig Jahren besonders geprĂ€gt haben.

Am Anfang der Reihe von Neuausgaben steht das wohl bekannteste Werk des Berliner Zeichners Mawil. Im Januar erscheint die vierte Auflage von “Wir können ja Freunde bleiben” in neuer Aufmachung. Im MĂ€rz folgt die Neuausgabe eines Klassikers der amerikanischen Independent Comics: “Wie ein samtener Handschuh in eisernen Fesseln” von Daniel Clowes – termingerecht zum Internationalen Comix-Festival Fumetto Luzern, bei dem Daniel Clowes als Stargast mit einer großen Ausstellung geehrt wird. Im Mai erscheint “Black Hole”von Charles Burns als Gesamtausgabe, die auf 368 Seiten sĂ€mtliche BĂ€nde der ursprĂŒnglichen Veröffentlichung beinhalten wird.

Weitere Neuausgaben sind fĂŒr Herbst 2011 in Planung – unter anderem wird Manu Larcenets “Der alltĂ€gliche Kampf” komplett in einer Ausgabe erscheinen.

“Wir können ja Freunde bleiben” von Mawil

Ob es nun Begegnungen mit dem anderen Geschlecht oder das Leben in der Plattenbausiedlung sind – Mawil versteht es wie kaum ein anderer deutscher Zeichner, die Leser mit seinen dynamischen, schwarzweißen Zeichnungen in den Bann zu ziehen und sie ein StĂŒck seiner Welt miterleben zu lassen.

Mawil setzt das ewige Scheitern seiner Hauptfigur in ein dermaßen komisches Licht, dass man darin nicht nur Trost findet, sondern zumindest fĂŒr ein paar Momente nie wieder einer von diesen langweiligen Gewinnern sein möchte. – Die Welt

Mawil, geboren 1976 in Ost-Berlin, gehört zu den bekanntesten deutschen Comiczeichnern. Neben seinen autobiografischen ErzĂ€hlungen (“Die Band”, “Action Sorgenkind”) hat sich Mawil vor allem mit den humorvollen Abenteuern seines Alter Egos Supa-Hasi eine große Fangemeinde erobert.

Wir können ja Freunde bleiben, ISBN 978-3-938511-16-9, 64 Seiten, schwarzweiß, Softcover, 10 EUR, erscheint im Januar 2011

“Wie ein samtener Handschuh in eisernen Fesseln” von Daniel Clowes

Auf der Suche nach seiner Frau trifft Clay Loudermilk auf die Sekte eines Massenmörders, der die amerikanische Regierung stĂŒrzen will und auf Verschwörungstheoretiker, die ĂŒberzeugt davon sind, dass die Geschicke der Welt von kleinen Spielzeugfiguren bestimmt werden. Mit jeder neuen Wendung der Geschichte öffnen sich verschlossen geglaubte TĂŒren einer labyrinthischen Albtraumwelt des Unterbewusstseins.

Kein anderer Comic von Daniel Clowes ist dem Werk von David Lynch so nahe wie dieser. “Wie ein samtener Handschuh in eisernen Fesseln” ist eine Herausforderung an Lese- und Sehgewohnheiten und eine Konfrontation mit menschlichen UrĂ€ngsten.

Daniel Clowes, geboren 1961 in Chicago, gehört zu den herausragendsten amerikanischen Comicautoren der vergangenen Jahrzehnte. Zu den populĂ€rsten Arbeiten des durch seine Heftreihe “Eightball” bekannt geworden Daniel Clowes zĂ€hlt “Ghost World”, das auch in Terry Zwigoffs Verfilmung ein Erfolg wurde.

Wie ein samtener Handschuh in eisernen Fesseln, ISBN 978-3-941099-76-0, 136 Seiten, schwarzweiß, Klappenbroschur, 18 EUR, erscheint im MĂ€rz 2011

“Black Hole” von Charles Burns

Charles Burns, einer der bekanntesten und profiliertesten amerikanischen Comicautoren, hat mit “Black Hole” ein grandios verzerrtes Spiegelbild amerikanischer RealitĂ€t zwischen Sex, Drogen und Horror geschaffen. “Black Hole” ist die albtraumhafte Geschichte einer Teenagerkrankheit, die grotesk verformte Gesichter und Körper zurĂŒcklĂ€sst.

Eine Coming-of-Age-Geschichte mit Horrorelementen, ein ZeitportrĂ€t, eine Graphic Novel, die lĂ€ngst zu den Klassikern des Genres zĂ€hlt – kaum jemand hat die Schrecken der PubertĂ€t so aufregend beschrieben wie Charles Burns.

Charles Burns wurde 1955 in Washington, D.C. geboren und gilt dank seiner atmosphĂ€rischen, von starken Schwarz-Weiß-Kontrasten geprĂ€gten Zeichnungen als einer der großen Stilisten des Comic. Zudem wurde er mit Illustrationen fĂŒr “The New Yorker” oder Plattencover bekannt.

Black Hole, ISBN 978-3-941099-75-3, 368 Seiten, schwarzweiß, Klappenbroschur, 24 EUR, erscheint im Mai 2011

* Reprodukt bei Äpfel, NĂŒsse, Fink & Star, Hamburg 2006, Foto © Mawil

“Nie eingestandene Liebe”

Samstag, den 18. Dezember 2010

Christoph Haas schreibt in der “taz” vom heutigen Samstag, dem 18. Dezember, ĂŒber “Insel der MĂ€nner” von Luca de Santis & Sara Colaone (Schreiber & Leser).

Nie eingestandene Liebe

Luca de Santis und Sara Colaone erzĂ€hlen in “Insel der MĂ€nner” eine Geschichte aus der Zeit des italienischen Faschismus

Der Großmachtwahn war geringer, die Kulturpolitik weniger völkisch-nationalistisch verblendet, und eine Entsprechung zu Auschwitz gab es nicht: Mit dem deutschen Nationalsozialismus verglichen, hatte die Bösartigkeit des italienischen Faschismus ihre Grenzen. Aber auch im Reich Mussolinis wurden Lebenswege untergraben, viele Menschen ermordet, Körper und Seelen maltrĂ€tiert. Damit einem dies widerfuhr, war es nicht nötig, eine abweichende politische Meinung zu vertreten. Es reichte schon, einer sexuellen Minderheit anzugehören. “In Italien gibt es nur echte MĂ€nner”, verkĂŒndete der “Duce” apodiktisch, und das hieß: Schwule waren geĂ€chtet. mehr

“Amerikanische Tristesse”

Freitag, den 17. Dezember 2010

Klaus Schikowski hat fĂŒr die Comicseite des Berliner “Tagesspiegel” vom 15. Dezember einen Artikel geschrieben, in dem er zwei Werke des amerikanischen Autors Daniel Clowes vorstellt. Eine ausfĂŒhrliche Version des Textes zu “Wilson” (Eichborn) und “David Boring” (Reprodukt) ist ab sofort online auf www.tagesspiegel.de zu lesen.

Amerikanische Tristesse

Der Comic- und Drehbuch-Autor Daniel Clowes gehört zu den wichtigsten Vertretern des literarischen Comics – wie zwei neue Veröffentlichungen eindrucksvoll belegen.

Die Zukunft des Comics liegt in seiner Vergangenheit. Dieser Satz von Art Spiegelman bezieht sich auf die Experimentierlust in den Anfangstagen des Comics, die dabei helfen könne, die Kunst- und ErzĂ€hlform Comic in die Moderne zu geleiten. Aber dieser Aphorismus könnte auch dem neuen Band „Wilson“ von Dan Clowes zugrunde liegen, der jetzt auf Deutsch erschienen ist. Auch Clowes bedient sich der Tradition und erzĂ€hlt die Geschichte des redseligen, vereinsamten Zynikers Wilson Ă€hnlich alter Zeitungsstrips in sich abgeschlossenen Einseitern. Wilson, knapp ĂŒber vierzig, Vollbart, lichtes Haar, hat nur ein Problem: alle Versuche, sich auf Menschen einzulassen, sind zum Scheitern verurteilt. mehr

Neue Graphic Novel bei Panini Comics

Freitag, den 17. Dezember 2010

Mit “Israel verstehen – in 60 Tagen oder weniger” von Sarah Glidden erscheint im Juni 2011 eine neue Graphic Novel bei Panini Comics.

“Israel verstehen – in 60 Tagen oder weniger” von Sarah Glidden

Als die amerikanisch-jĂŒdische Autorin und Zeichnerin Sarah Glidden an einer “Birthright Israel”-Tour teilnahm, dachte sie, sie wĂŒsste, worauf sie sich einlassen wĂŒrde! Israel verstehen – in 60 Tagen oder weniger sind ihre Erinnerungen an die AusflĂŒge durch Tel Aviv, Jerusalem, die Golanhöhen, Masada und andere berĂŒhmte Orte. Eine emotionale Reise und eine Geschichte des Erwachsenwerdens: hier treffen Herz und Humor auf ein hoch politisches Thema.

Ich denke, das Erste, was wir alle verstehen sollten, die nicht in Israel oder in den besetzten Gebieten leben, ist, dass wir nicht dort leben. Ich glaube, dass viele Leute sehr, sehr feste Meinungen darĂŒber haben, was dort vor sich geht und wir haben nicht das geringste Recht dazu. Dieses Buch handelt also gewissermaßen davon, wie ich versuche, mit mir und meinen Meinungen ins Reine zu kommen. Es gibt genug Gezeter ĂŒber dieses Thema aus den beiden Extremlagern und ich denke, es sollten mehr Leute Ansichten ausdrĂŒcken, die nicht zum einen oder anderen Ende gehören. – Sarah Glidden

Israel verstehen, ISBN 978-3862011544, 208 S., 24,95 EUR, erscheint im Juni 2011 bei Panini Comics

Neue Graphic Novel im Aufbau Verlag

Donnerstag, den 16. Dezember 2010

Auch der Aufbau Verlag hat im FrĂŒhjahr 2011 eine neue Graphic Novel im Programm. “Die Tote im Pelzmantel” ist der zweite Krimi, der in Zusammenarbeit der bekannten Autorin Fred Vargas mit dem renommierten Comiczeichner Edmond Baudoin entsteht.

“Die Tote im Pelzmantel” von Fred Vargas & Edmond Baudoin

Kommissar Adamsberg ist ein hervorragender Überwinder von Hindernissen. Das muss auch der Stadtstreicher Pi erfahren, der in einer kalten Winternacht den Mord an einer prominenten jungen Frau beobachtet, gegenĂŒber der Polizei aber verdrossen schweigt. Nichts gesehen, nichts gehört. Auch ihm hilft ja keiner – zum Beispiel dabei, seine neuntausend SchwĂ€mme zu verkaufen, einen Havarieposten, den er in einem Einkaufswagen durch die Stadt schiebt. Adamsberg aber findet den SchlĂŒssel zu seiner verstockten Seele wie zu seiner MenschenwĂŒrde und hat am Ende einen genialen Einfall, der beider Problem löst.

Mit einem Nachwort von Klaus Schikowski.

Die Tote im Pelzmantel, ISBN 978-3-351-03351-4, Hardcover, 96 Seiten, erscheint im April 2011 im Aufbau Verlag

“Der Comic kann mehr – auch punkto Ehrlichkeit”

Donnerstag, den 16. Dezember 2010

FĂŒr den ZĂŒrcher “Tagesanzeiger” interviewte Alexandra Kedves den vor allem fĂŒr seine BĂŒcher “Bosnien” und “PalĂ€stina” (beide Edition Moderne) bekannten Autor Joe Sacco.

“Der Comic kann mehr – auch punkto Ehrlichkeit”

Er gilt als der Vater der Comicreportage: Joe Sacco reist an die Krisenherde der Welt. Dort recherchiert, schreibt, zeichnet er.

Tote Kinder, aufgereiht auf dem Boden. Hier ein aufgerissenes BĂ€uchlein, da ein abgerissenes Bein. Blut, Schreien, Weh ĂŒberall: Krankenhaus Gorazde, April 1994. Die UNO-Schutzzone hat sich in einen der ungeschĂŒtztesten Orte der Welt verwandelt. «Die Patienten lagen in der KĂŒche, im Kohlenkeller, in der WĂ€scherei. Was sollte ich tun, wenn zehn Patienten gleichzeitig darauf warteten, operiert zu werden?», fragt der Chirurg Alija Begovic spĂ€ter. Und der amerikanische KĂŒnstler Joe Sacco zeichnet Begovics Erinnerungen auf – und nach: Schwarz auf weiss, mit feinen, aber harten Strichen, widerstĂ€ndig und ohne Weichzeichner, mit NĂ€he und Distanz. mehr