Über die Veröffentlichung der deutschen Ausgabe von David Mazzuchellis“Asterios Polyp” bei Eichborn freut sich Clemens J. Setz in “Die Welt” vom 30. Juli. Den Band, der in den USA bereits im vergangenen Jahr für Furore gesorgt hat, stellt der Autor in eine Reihe mit Klassikern wie Art Spiegelmans “Maus” und Chris Wares “Jimmy Corrigan”.
Alles und mehr Alles und mehr
David Mazzucchellis Graphic Novel “Asterios Polyp” ist Zeichnung, Essay und Roman in einem und bleibt dabei immer: Meisterwerk
Stets habe ich mich über die Vielzahl im Chor der griechischen Tragödiendichtung gewundert. Warum reden da immer so viele gleichzeitig über das Schicksal (und dessen mögliche Bedeutung im Weltgeschehen) eines bestimmten Menschen? Es müsste doch auch mit einem Einzelnen funktionieren, solange er nur, wie der Chor, auch außerhalb der Zeit steht. Eine Stimme aus dem Off, die mühelos in den Zeitebenen hin- und hergehen kann und trotz ihrer enthobenen Sicht die größtmögliche Empathie für das von ihr kommentierte Subjekt besitzt. mehr
Über Neuerscheinungen, Autoren, aktuelle Trends und Entwicklungen im Comicbereich berichten seit einigen Jahren in steigender Zahl auch TV-Magazine: In Magazinen wie “aspekte” oder das “NDR Kulturjournal”und diverse Sendungen auf arte werden immer wieder Comicthemen aufgegriffen und über Hintergründe berichtet. Einen großen Schritt weiter geht man nun bei “aufgezeichnet.tv”, dem ersten Videomagazin, das sich ausschließlich mit Comic und Manga auseinandersetzen wird – das erste seiner Art in Deutschland.
Schon auf dem Comicfestival München war die Anwesenheit des Kamerateams um die Redakteure Klaus Schikowski, Anne Delseit und Produzent Carsten Meißner nicht zu übersehen. Moderiert wird die Sendung, von der bisher vier Folgen terminiert sind, von dem für seine Comics und Lesungen bekannten Berliner Comiczeichner Flix (im Foto unten rechts), der im folgenden Kurzinterview die Sendung vorstellt.
Was genau erwartet den Zuschauer bei “aufgezeichnet.tv”?
“aufgezeichnet.tv” ist eine Büchersendung, die sich ausschließlich mit graphischer Literatur beschäftigt. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Comic und Manga, aber auch Bilderbücher, Ausstellungen oder Animationsfilme sollen darin Platz finden. Jede Sendung ist 30 Minuten lang, besteht aus redaktionellen Beiträgen, Reportagen und Portraits und hat dabei immer ein Schwerpunktthema. Wir wollen mit dieser Sendung gezeichneten Geschichten einen Rahmen geben, den sie verdienen: Zeitgemäß, seriös, witzig. Das Ziel ist es, mit “aufgezeichnet.tv” einerseits Leute zu unterhalten, die Comics mögen und andererseits Leute zu erreichen, die von sich sagen, dass sie “eigentlich keine Comics lesen”.
Was ist dabei Ihre Aufgabe?
Ich bin als Moderator in der Sendung und mache genau das: Ich bin für die Begrüßung zuständig, führe durch das Magazin, sage die einzelnen Beiträge an und stelle zwischendrin dumme Fragen.
Was werden die Themen der ersten Sendung(en) sein?
Der Schwerpunkt der ersten Sendung ist eine Nachlese des Comicfestivals München. Die zweite Sendung beschäftigt sich u.a. mit der “Apokalypse im Comic“. Und die dritte Sendung wird sicher auch die Frankfurter Buchmesse thematisieren.
Wie und wann wird die Sendung zu empfangen sein?
Premiere ist am Sonntag, den 31.07.2011. Da zeigen wir die erste Sendung und machen dazu eine “aufgezeichnet.tv“-Premierenfeier in Köln. Für dieses Jahr sind vier Sendungen geplant, die zunächst online zu sehen sein werden. Damit testen wir, ob “aufgezeichnet.tv” funktioniert. Langfristig ist es dann der Plan, das Format bei einem Fernsehsender zu platzieren. Wofür wir gute Chancen sehen. Denn ein solches Format gibt es einfach noch nicht.
Natürlich muss an dieser Stelle auch nach Ihren eigenen Plänen gefragt werden: Können Sie schon etwas zu einer neuen Graphic Novel von sich selbst sagen?
Grade stecke ich mitten in den Vorbereitungen einer längeren Geschichte. Dabei handelt es sich um eine relativ freie Adaption von Cervantes’ “Don Quijote”. Das Ganze wird in der “FAZ” vorveröffentlicht. Der Abdruck dort beginnt Mitte September. Bis dahin ist noch viel zu tun.
Im Kulturmagazin “Scala” auf WDR 5 stellte am Dienstag Christian Möller das neue Buch von Manuele Fior “Fünftausend Kilometer in der Sekunde” (avant-verlag) vor und lässt den Autor im Interview selbst zu Wort kommen.
Literaturservice: “Fünftausend Kilometer pro Sekunde”
Piero und Nicola sind Schulfreunde in einer italienischen Kleinstadt. Zurückhaltend und strebsam der eine, ein Frauenheld ohne sonstige Ambitionen der andere. Als Lucia mit ihrer Mutter in die Nachbarschaft zieht, ändert sich Pieros Leben für immer. Und die Lebenswege der drei driften bald auseinander. Während Lucia zum Studium nach Norwegen geht, arbeitet Piero als Archäologe in Ägypten. Nur Nicola bleibt in Italien zurück. mehr
Direkt zur Sendung gelangt man hier (MP3-Datei, der Beitrag lief im letzten Viertel der Sendung)
In einem Beitrag für “Spiegel Online” berichtet Stephan Ort aus Thessaloniki über griechische Musiker, die den Rembetiko spielen, eine Art orientalisch angehauchten Blues, der in den 1920ern entstand. Ein Musiker, auf den sich im Artikel berufen wird – Markos Vamvakaris – ist auch einer der Protagonisten von David Prudhommes “Rembetiko” (Reprodukt), in dem die damalige Musikszene, ihr Lifestyle und ihre Querelen mit der Obrigkeit im Mittelpunkt stehen.
Schunkel-Blues der Gangster
In Haschisch-Höhlen und Gefängnissen entstand in Griechenland eine einzigartige Musik: der Rembetiko. Die Songs handeln von Liebe und Leid, vom Knast und von Drogen – wer sie in ihrer authentischen Form erleben will, entdeckt in düsteren Seitenstraßen-Spelunken die Seele des Landes.
Das Tombourlika hat geschlossen, und Vangelis kann sich kaum halten vor Lachen. Er deutet auf den handgeschriebenen Zettel hinter einem der Fenster des Lokals. “48 Stunden Generalstreik”, steht darauf. “Das ist so typisch Rembetiko, immer protestieren gegen die Obrigkeit”, gluckst der 22-Jährige. mehr
In Kürze wird auf aufgezeichnet.tv eine Pilotfolge des neuen Magazins gezeigt, das sich ausschließlich mit Comics und Manga befasst. Aktuelle Trends und Neuerscheinungen werden vorgestellt, Künstler porträtiert und interviewt. Auf dem Comicfestival München war Autor und Zeichner Flix (“Faust”, Carlsen) bereits mit einem Kamerateam gesichtet worden – er wird in der neuen Sendung die Moderation übernehmen. Redaktionell begleitet wird die Reihe von Klaus Schikowski (“Die großen Künstler des Comics”, edel) und Anne Delseit.
Weitere Details, Ausstrahlungstermine und die Inhalte der ersten Sendung werden in Kürze bekannt gegeben. Bisher gibt es eine Website und eine Seite im sozialen Netzwerk facebook, die schon einmal das Interesse wecken sollen.
Der zuerst gewählte Name “ausgezeichnet.tv” darf aus rechtlichen Gründen nicht für die Sendung verwendet werden.
Seit inzwischen 20 Jahren erscheinen die von Armin Abmeier herausgegebenen “Tollen Hefte” in der Edition Büchergilde. Hier trifft seit eh und je Literatur auf Comic und Illustration, aufwändig gedruckt in mehrfarbigem Flachdruck. Dazu liegt jedem Heft eine Grafik bei.
Zum Jubiläum hat sich der Herausgeber etwas Besonderes einfallen lassen: Armin Abmeier hat seine zwanzig Lieblingssätze aus der Literatur von allen Zeichnerinnen und Zeichner der bisherigen Hefte in Bilder umsetzen lassen. Das so entstandende “Tolle Heft 36: Charakter ist nur Eigensinn” ist ab sofort im Buchhandel und bei der Edition Büchergilde erhältlich.
Für die zeichnerische Umsetzung zeigen sich verantwortlich: ATAK, Rotraut Susanne Berner, Blexbolex, Sophie Dutertre, Wolf Erlbruch, Christoph Feist, Anke Feuchtenberger, Moritz Götze, Kitty Kahane, Yvonne Kuschel, Gosia Machon, Max, Thomas M. Müller, Franziska Neubert, Christoph Niemann, Volker Pfüller, Axel Scheffler, Stefanie Schilling, Katrin Stangl, Henning Wagenbreth. Die Sätze stammen unter anderem von Ambrose Bierce, Groucho Marx, Paul Scheerbart, Francis Picabia, Gertrude Stein, Kurt Schwitters, Walter Serner, Joris Karl Huysmans und Maurice Sendak.
Über das Jubiläum berichtet das “Börsenblatt des deutschen Buchhandels” und gibt in “Noch eine Messerspitze gelb, bitte!” mit einer Bildergalerie Einblick in den Druck des neuen Heftes.
Anfang August erscheint bei Reprodukt die Gesamtausgabe von Manu Larcenets“Der alltägliche Kampf”, eine vielbeachtete Arbeit des französischen Zeichners, die zunächst zwischen 2004 und 2008 in vier Teilen im Albumformat erschienen ist.
Marco, ein junger Fotograf, zieht infolge einer Schaffenskrise aufs Land, um dort seinem Leben einen neuen Sinn zu geben. Am Ende seiner Suche nach dem eigenen Platz in der Welt steht die Erkenntnis, dass die Menschen sich verändern, und dass man – manchmal – eine Wahl hat. Und so stellt sich Marco den Herausforderungen seiner Kunst, seiner Familie und der Liebe…
“Der alltägliche Kampf” ist eine melancholische Komödie über das Erwachsenwerden, die Liebe und ihre Konsequenzen. Das erste Kapitel der Serie wurde 2004 auf dem Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême als “Bestes Album” ausgezeichnet.
“Anrührend erzählt und wunderschön gezeichnet.” – Ralf König
Manu Larcenet, geboren 1969 im französischen Issy-les-Moulineaux, zählt mit seinen scheinbar mühelosen Kompositionen aus Humor, Poesie und pointierter Alltagswiedergabe zu den wichtigsten europäischen Comicautoren der Gegenwart. Seine Comics verweigern sich jeder Schublade, sein Spektrum reicht vom Kindercomic über humoristische und satirische Titel bis hin zu fantastischen Geschichten.
“Dass sich die großen Themen der Menschheit am besten in den kleinen Abenteuern der Kinder spiegeln lassen, ist keine neue Erkenntnis. Aber sie wurde nur selten fruchtbar gemacht für große Kunst. Und das ist es, was Bill Watterson und Manu Larcenet hervorbringen: große Kunst. Geschickter und ergreifender als sie erzählt kaum jemand. Und dieses Urteil ist keineswegs auf das Feld der Comics beschränkt.” – Andreas Platthaus
Der alltägliche Kampf, 252 Seiten, farbig, 19 x 25,5 cm, Klappenbroschur, 29 EUR, erscheint im August 2011 bei Reprodukt
Ende Oktober veröffentlicht der Prestel Verlag zwei Künstler-Biografien in Comicform. “Albrecht Dürer” und “Vincent Van Gogh” stellen die zwei bedeutenden Maler und ihr bewegtes Leben vor. Der Text zu beiden Titeln stammt von Mona Horncastle, zeichnerisch umgesetzt wurde alles von der in Berlin lebenden Barbara Yelin, deren Graphic Novel um die historische Bremer Serienmörderin Gesche Gottfried unter dem Titel “Gift” (Text: Peer Meter) im letzten Jahr bei Reprodukt erschienen ist.
Beide Bände richten sich an Leserinnen und Leser ab 9 Jahren und werden – trotz Aufmachung eines klassischen Albums (ca. A4, je 48 Seiten) – als Graphic Novel angeboten.
Bildergeschichten zum Pop-Kanon Musik-Comics thematisieren die Geschichte verschiedener Pop-Traditionen
Comics über Geschichte und Geschichten unterschiedlicher Pop-Traditionen bilden auf dem Markt der Graphic Novel ein eigenständiges Genre. Jüngst erschienene Comics-Bände thematisieren Stile wie den griechischen Rembetiko und den Blues, aber auch Pop- und Rock-Legenden wie die Beatles oder Bob Dylan.
Pop ist sich selbst historisch geworden. Seit Jahren schon stürzt er sich in seine Ruhmeshallen und seine Asservatenkammern, weil Patina immer schon Relevanz verheisst, die in Zeiten zunehmender Unübersichtlichkeit immer schwerer herzustellen ist. Der Musik-Comic, der sich auf dem boomenden Graphic-Novel-Markt zu einem gar nicht mehr so kleinen und kommerziell mitunter erfolgreichen Untersegment gemausert hat, übernimmt diese regressiven Tendenzen und arbeitet sich ebenfalls am Kanon ab. In den letzten Monaten sind wieder ein paar einschlägige Bände erschienen. mehr
Über Sarah Gliddens Reisebericht “Israel verstehen in 60 Tagen oder weniger” (Panini Comics) wurde seit Erscheinen Ende Juni vielfach in der Presse berichtet. “Gibt es in dieser Geschichte keine Guten?” fragt Rupert Koppold in der “Stuttgarter Zeitung” und lobt die “wunderbar leichtfüßige Mischung aus Tagebuch und Reportage”. Etwas zurückhaltender, aber dennoch positiv, urteilt Georg Howahl in seiner Besprechung für das Portal der WAZ-Gruppe “derwesten.de” in seinem Artikel “Mit einem Comic-Reisebericht Israel verstehen”. Bereits im Vorfeld zur Veröffentlichung traf sich “Tagesspiegel”-Redakteur Lars von Törne mit der Autorin zu einem Interview, in dem er Sarah Glidden zu den Hintergründen und der Entstehung des Buches befragte: “Wahrheit ist immer subjektiv“.
Weiterhin erscheinen auf tagesspiegel.de beinahe täglich neue Artikel, Interviews und Rezensionen zu Comics. In “Zwischen Klo und Kalorien” stellt Elke R. Steiner“41,3 kg – Magersucht?” von Ingrid Sabisch (Gütersloher Verlagshaus) vor. Marco Behringer erkennt in Dani Monteros “Kein Blick zurück” (Edition 52) ein “beeindruckendes Debüt”: “Flucht nach vorn”.“Gewalt und Romantik” bestimmen Fred Vargas’ und Edmond Baudoins neue Zusammenarbeit, “Die Tote im Pelzmantel” (Aufbau), wie Werner von Bebber feststellt. Daneben zeigt er sich von der atmosphärischen Darstellung der Stadt Paris fasziniert. Christian Endres findet vor allem die differenzierte Darstellung der freundschaftlichen Bande in “Die drei Musketiere” von Nicolas Juncker (Carlsen) gelungen: “Freundschaft ist ein seltsam Ding”.
In der “Neuen Osnabrücker Zeitung” stellt Dominic Benedict“Black Hole” von Charles Burns vor und zeigt darin Parallelen zu Superhelden-Comics auf: “Jugend, eine Horrorgeschichte”.
“Nur wenige Krimis sind intensiver erzählt und vermögen den Leser ähnlich zu fesseln”, resümiert Jons Marek Schiemann auf comicgate.de in seinem Review von “RG 2 – Bangkok Belleville” von Pierre Dragon & Frederik Peeters (Carlsen).
Alexander Frank schreibt der Autorin Kati Rickenbach auf titel-magazin.de einen Brief, schließlich ist er mit einigen Personen, die in “Jetzt kommt später” (Edition Moderne) auftauchen, vertraut: “Und schöne Grüße an Priska”. Einige Zutaten zuviel hat der “Crime-Cocktail” “Swinging London” von Thomas Bénet & Christian De Metter (Schreiber & Leser), schreibt Christian Neubert an gleicher Stelle: “Vermixt und Zugenäht”.
FAZ-Feulletonist Andreas Platthaus stellt auf seinem Blog “Alien” von Aisha Franz (Reprodukt) vor “Mädchen vs. Alien” und adelt die Autorin als “eine der großen deutschen Comic-Hoffnungen”.
Christoph Haas nimmt Kati Rickenbachs “Jetzt kommt später” (Edition Moderne) zum Anlaß, das Genre der autobiografischen Comics etwas näher zu beleuchten. Seine Rezension für die gestrige Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” findet sich nun auf buecher.de.
Zeiten ändern dich
Sehr luftig: Kati Rickenbachs Comic „Jetzt kommt später“
Als vor rund zwanzig Jahren der Boom der autobiographischen Comics begann, lag in ihnen eine dreifache Provokation. Die Künstler verweigerten sich nicht nur dem Gesetz der Serie, das die Comic-Produktion bis heute weitgehend beherrscht. Sie verzichteten auch darauf, erfundene Figuren bunte Abenteuer erleben zu lassen. Stattdessen entblößten sie sich selbst, schilderten die Wechselfälle ihres Alltags; Peinliches und Banales wurde ausdrücklich nicht ausgespart. mehr
Am gestrigen Dienstag eröffnete im BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung in München die Ausstellung “Holocaust im Comic”. Anhand vieler Beispiele aus acht Jahrzehnten werden unterschiedliche Behandlungen des Themas im Comic gezeigt, angefangen von Schmähschriften aus den 1930ern hin zu aktuellen Mangas, frankobelgischen Alben und Graphic Novels.
Die Ausstellung ist bis zum 19. August zu sehen, der Eintritt ist frei. Geöffnet ist die Ausstellung wochentags von 9-17 Uhr, weitere Besuchszeiten – auch für Schulklassen – sind nach Vereinbarung möglich.
“Holocaust im Comic” ist Gegenstand eines Berichts auf “Focus Online”. Jacob Biazza geht direkt in seiner Einleitung auf eine indirekte Fragestellung des Ausstellungstextes ein:
Äch bin wieder da!
Eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung in München zeigt Comics, die sich mit den Gräueltaten der Nazis beschäftigen. Ob sie das geeignete Medium dafür sind? Ja – wenn sie gut gemacht sind.
Bringen wir die falsche Frage schnell hinter uns: Darf man das? Darf man das Schreckensthema Holocaust mit all seinen unvorstellbaren Gräueltaten in einem Comic darstellen, oder ist die Fallhöhe zwischen Gegenstand und vermeintlich primitivem Medium zu hoch? In aller Kürze also: Ja, das darf man. Wie jede andere Kunstform darf auch der Comic die Nazi-Herrschaft und die systematische Vernichtung von Leben zum Inhalt haben. mehr
Ralf Palandt – Kurator der Ausstellung und Herausgeber des Bandes “Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus” (Archiv der Jugendkulturen) – wurde anlässlich der Eröffnung von Tobias Dorfer für die “Süddeutsche Zeitung” interviewt.
“Superman hat Hitler bekämpft”
Holocaust und Comic – passt das zusammen? Eine Ausstellung in München sucht Antworten. Organisator Ralf Palandt über die Gefahr der Verharmlosung, Propaganda von Nazi-Gegnern und NPD – und was Hitlers “Mein Kampf” auf einer Müllkippe in Entenhausen zu suchen hat.
sueddeutsche.de: Comics spitzen häufig zu, sind satirisch oder wollen einfach nur unterhalten. Besteht da nicht die Gefahr, dass Themen wie der Holocaust oder das Dritte Reich verharmlost werden?
Ralf Palandt: Diesen Vorwurf höre ich häufig. mehr
“Sie sind der wichtigste Buchtrend der letzten Jahre”, stellt Julia Kospach in ihrem einführenden Artikel über Graphic Novels für das österreichische Magazin “Format” fest. Die Begeisterung dafür teilt auch Karikaturist Gerhard Haderer, der neben einer Reihe von Verlagsvertretern, unter anderem von Reprodukt, Luftschacht und Suhrkamp, zu Wort kommt. Der mehrseitige Artikel in dem auch eine Reihe aktueller Bücher empfohlen werden, ist – inklusive einer Bildergalerie – nun auch online abrufbar.
Graphic Novels definieren die Grenze zwischen Kunst und Pop neu
Comics – Schundhefte für Kinder? Schon lange nicht mehr. Gezeichnete Romane, Reportagen und Geschichten sind einer der wichtigen neuen Trends des Buchmarkts. In den Graphic Novels trifft Literatur auf Kunst.
Das Klischee: Comics sind gezeichnetes Fastfood für Kinder und Kindische, bevölkert von Superhelden, Außerirdischen und sprechenden Tieren. Etwas, das Erwachsene mit ein wenig Würde im Leib nur dann freiwillig angreifen, wenn sie es ihrem Kind entreißen, um ihm stattdessen ein gutes Buch in die Hand zu drücken. Ähem: nicht ganz! Um genau zu sein: Schon ziemlich lange nicht mehr. Die Comics sind in der Hochkultur angekommen. mehr
In der gestrigen Sendung des WDR 5-Kulturmagazins “Scala” stellte Christian Möller den französischen Autoren Baru und dessen neuen Band “Hau die Bässe rein, Bruno!” (Edition 52) vor.
Chronist der Außenseiter
Der französische Comic-Zeichner Baru
Ein Franzose nordafrikanischer Herkunft auf der Flucht vor rassistischen Schlägern, ein Boxer, der sich aus der Arbeitersiedlung heraus kämpft, ein schwarzes Fußballtalent ohne gültige Papiere – drei der Charakteren, von denen Baru in seinem Comics erzählt. 1947 als Hervé Baruela in Lothringen als Sohne einer italienischstämmigen Arbeiterfamilie geboren, arbeitete erst als Sportlehrer, bevor er, als Chronist von Migration und Arbeiterklasse in Frankreich bekannt wurde. mehr
Zur Audiodatei der Sendung als MP3-Datei gelangt man hier.
Für das 3Sat-Magazin “Kulturzeit” traf sich Nicolette Feiler-Thull mit Stéphane Heuet, um mit ihm über die fortwährende Arbeit an seiner Adaption von Marcel Prousts “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” (Knesebeck) zu sprechen. Der Beitrag, bereits Anfang des Monats ausgestrahlt, lässt sich weiterhin online ansehen (siehe unten).
Sprach-Bilder – Marcel Proust als Comic
Der Bretone Stéphane Heuet traut sich was: Er macht aus einem Schwergewicht der Weltliteratur, aus Marcel Prousts “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” eine Bildergeschichte, aus sieben Romanen einen Zyklus von Graphic Novels. Ist das Blasphemie?
“Es ist nicht möglich, seltenere Arten an einem Ort vereint zu finden als diese jungen Blüten, die vor mir die Linie des Meeres wie eine luftige Hecke unterbrechen.” Marcel Proust spricht an dieser Stelle seines Romanwerks über junge Mädchen, Stéphane Heuet zeichnet Möwen. Wie passt das zusammen, was bleibt von der Literatur, wenn jemand sprachmächtige Texte in bunte Bilder überführt? mehr
Ab sofort erhältlich ist die neue Ausgabe des Comicfachmagazins “Comixene”. Aus aktuellem Anlass wirft man einen Blick auf “Das atomare Trauma in Manga & Anime”: Kernenergie und atomare Zerstörung wurden in der japanischen Comickultur immer schon aufgegriffen. Auf welche Art das geschah und was die Katastrophe von Fukushima bedeutet, wird hier beleuchtet.
Darüber hinaus stehen auch Graphic Novels wieder im Mittelpunkt einer Reihe von Artikeln: So werden in längeren Porträts der australische Comic- und Kinderbuchauchtor und Oscar-Gewinner Shaun Tan (“Ein neues Land”, Carlsen) sowie der amerikanische Comicautor Daniel Clowes (“David Boring”, Reprodukt) vorgestellt.
Ausführlich wird auch in das neue Buch von David Mazzucchelli“Asterios Polyp” (Eichborn) eingeführt, das aufgrund der Turbulenzen um den Verlag noch nicht ausgeliefert wurde.
“Comixene” 110 ist im Comic- und Bahnhofsbuchhandel erhältlich.
Im August erscheint mit “Lauras Lied” eine neue Graphic Novel beim Münchner Verlag Schreiber & Leser. Der Band basiert auf dem Roman “Elle ne pleure pas, elle chante” von Amélie Sarn und wurde von Eric Corbeyran, dessen Kafka-Adaption “Die Verwandlung” (mit Richard Horne) bei Knesebeck erschienen ist, als Comic adaptiert. Die Zeichnungen stammen von Thierry Murat.
„Schon als Baby hat Papa dich vergöttert. Wenn du geschrien hast, sagte er: ‚Sie weint nicht, sie singt.‘“, erzählt Lauras Großmutter. Wenige Jahre später wurde aus Vaterliebe Sex.
Jetzt liegt Lauras Vater nach einem Unfall im Koma, hilflos – harmlos. Die Ärzte sagen, man soll zu ihm sprechen, er könnte es vielleicht verstehen.
Und dann beginnt Laura zu reden…
Lauras Lied, ISBN 978-3-941239-67-8, 104 Seiten, Softcover, farbig, 18,80 EUR, erscheint im August bei Schreiber & Leser
Comicautor James Sturm (“Markttag”, Reprodukt) traf sich am Rande des Comicfestivals in München Ende Juni mit Marc-Oliver Frisch, der ihn für das Online-Magazin Comicgate.de interviewte. Im ausführlichen Gespräch werden eine ganze Reihe der Betätigungsfelder des vielseitigen Amerikaners angesprochen.
“Weil man muss”: Interview mit James Sturm
Der US-amerikanische Cartoonist und Eisner-Award-Gewinner hatte seinen ersten Deutschland-Besuch mit einem Zwischenstopp in Berlin begonnen. Der Anlass war Sturms Debüt in deutscher Sprache, Markttag, eine übersetzte Ausgabe seines Buchs Market Day von 2010. Erschienen bei Reprodukt, dessen Chef Dirk Rehm in München mit dem ICOM-Independent-Sonderpreis für eine besondere Leistung ausgezeichnet wurde, befindet sich Markttag hierzulande in der Gesellschaft ansprechend aufgemachter Editionen der Werke von Cartoonisten wie Arne Bellstorf, Joann Sfar und Craig Thompson. mehr
Aisha Franz hat auf hr2 Kultur in der Sendung “Mikado” im aktuellen Kulturgespräch ein ausführliches Interview über ihre Arbeit und ihre Graphic Novel “Alien” (Reprodukt) gegeben. Anzuhören hier.
Zu Gast: Aisha Franz, Comic-Zeichnerin
Der Comic galt lange Zeit als das Schmuddelkind der Literatur. Inzwischen schafft es der eine oder andere auch ins Feuilleton. Die junge Zeichnerin Aisha Franz kennt sich in der Comicszene aus und hat jetzt ihren ersten Comic? Alien? veröffentlicht. Er erzählt die Geschichte einer Mutter und ihrer beiden Töchter, in der eine von Aliens bevölkerte Fantasiewelt eine wichtige Rolle spielt. mehr
Auch der Berliner Tolkemitt Verlag veröffentlicht in Kürze eine erste Graphic Novel: Will Bingley und Anthony Hope-Smith porträtieren in “Gonzo: Die grafische Biographie von Hunter S. Thompson” den eigenwilligen amerikanischen Journalisten. Im Zentrum des Buches stehen die 1960er und 1970er-Jahre, in denen viele seiner bekannten Reportagen – unter anderem über die Hell’s Angels – entstanden.
Aus dem Englischen übersetzt wird der Band von Jan-Frederik Bandel, der bereits selbst als Comicautor in Erscheinung getreten ist (“Im Museum”, mit Sascha Hommer, Reprodukt). Die von Juli bis Dezember geltende Vorschau nennt noch keinen Erscheinungstermin.
Gonzo – Die grafische Biographie von Hunter S. Thompson, ISBN 978-3-942048-43-9, 180 Seiten, Hardcover, 14,95 EUR