Im Mai erscheint nach “Drei Schatten” ein neuer umfangreicher Comic von Cyril Pedrosa beim Berliner Verlag Reprodukt: “Portugal” wurde auf dem Festival International de la BD d’Angoulême im Januar 2012 mit dem “Fauve d’or – Prix de la BD Fnac” ausgezeichnet. Auf dem Comic-Salon Erlangen vom 7. bis zum 10. Juni ist Cyril Pedrosa zugegen, um sein neues Werk vorzustellen.
“Ich hatte plötzlich unheimliche Lust zu rauchen. Dabei hatte ich vor zwei Jahren aufgehört. Zu allem Überfluss war mir das auch noch scheißegal. Ich war einfach froh, dass man mich zu diesem Festival eingeladen hatte. Über zwanzig Jahre war ich nicht mehr hier. Meine ersten Schritte als Erwachsener in diesem Land. Ich war fasziniert und glücklich. Wie ein Trottel. Und ich fragte mich, woher dieser seltsame Zorn und dann diese sanfte Melancholie gekommen waren, die mich in weniger als vierundzwanzig Stunden ohne Vorwarnung überfallen hatten.”
Simon Muchat steckt in einer Schaffenskrise. Ihm ist jede Inspiration abhandengekommen, und langsam aber sicher treibt er seine Freundin mit seiner Lethargie zur Verzweiflung – bis eines Tages eine Einladung ins Haus flattert: eine Cousine in Portugal heiratet. Die Heimat seiner Großeltern, die er seit Kindertagen nicht mehr besucht hat, rührt ihn eigentümlich an, hier entdeckt er einen Lebensstil, der ihn fasziniert, und findet die Quelle neuer Lebenslust.
Cyril Pedrosa zeichnet die Geschichte einer Selbstfindung durch die Wiederentdeckung der Kindheit.
Cyril Pedrosa, geboren 1972, hat sich bereits in früher Jugend für “Asterix” und “Micky Maus” begeistert und entschieden Comic-Zeichner zu werden. Als Animationszeichner für Disney hat er an “Der Glöckner von Notre Dame” und “Herkules” mitgearbeitet und in Zusammenarbeit mit dem Szenaristen David Chauvel vier Bände der Serie “Ring Circus” (Salleck Publications) gezeichnet. Desweiteren sind bei Fluide Glacial zwei Bände der Reihe “Auto-Bio” und bei Dupuis zwei Teile der Kinderserie “Brigade Fantôme” erschienen (ebenfalls nach einem Szenario von David Chauvel).
Auf tagesspiegel.de stellt Waldemar Kesler heute den Comic-Autoren Manuele Fior vor, dessen Bücher beim Berliner avant-verlag erscheinen.
Die Verbindung zum Verlag kommt nicht von Ungefähr, verbrachte Fior doch eine Weile in der Hauptstadt, noch bevor er in seinem Heimatland Italien Bücher veröffentlichte. So erscheinen seine Bücher, vom Erstling “Menschen am Sonntag” bis zu seinem aktuellen Band “5000 Kilometer in der Sekunde” beim vom Johann Ulrich geleiteten avant-verlag.
Waldemar Kesler portraitiert in “Die Farben des Lebens” nun ausführlich Fior und seine Bücher.
Gleich zwei Artikel im Zürcher “Tagesanzeiger” befassten sich aus aktuellem Anlass mit der Edition Moderne:
Der ebenfalls in Zürich beheimatete Verlag feierte bereits im vergangenen Jahr das dreissigste Verlagsjubiläum. Das nimmt Alexandra Kedves zum Anlass, die Edition Moderne in einem Portrait vorzustellen: Das Besondere am Verlagsprogramm, besonders erfolgreiche Titel und nicht zuletzt Verleger David Basler werden vorgestellt: “Visionen des Realen”.
Drei aktuelle Titel werden in einem weiteren Beitrag von Alexandra Kedves vorgestellt “Bilderbücher für Erwachsene”. Alle drei sind Comicreportagen: “Reisen zu den Roma” von Alain Keler, Emmanuel Guibert und Frédéric Lemercier, “Die Mauer” von Maximilien Le Roy sowie “Out of Somalia” von Andrea Caprez und Christoph Schuler (letzterer nur im Vertrieb der Edition Moderne). Kedves stellt hier besonders heraus, wie unterschiedlich die Autoren sachlichen Bericht mit persönlicher Reportage vermengen.
Für die “taz” vom 28. April hat Katja Lüthge einen Artikel über Guy Delisle und seine Reportagecomics geschrieben, mit dem Fokus auf “Aufzeichnungen aus Jerusalem” (Reprodukt), dem neuesten Buch des Frankokanadiers.
Entdeckungsreisen mit feinem Blick
Angstfrei auch in komplizierten Gegenden: Guy Delisle und seine “Aufzeichnungen aus Jerusalem”
Die Nahrungsaufnahme ist ein unbestrittenes Grundbedürfnis des Menschen. Die Esskulturen, die sich um diesen Akt gebildet haben, variieren jedoch erheblich. Es gibt religiöse, politische, gesundheitliche, ethische, soziale, jahreszeitliche, hygienische, traditionelle, moralische, nachvollziehbare und idiosynkratische Gründe, die für oder gegen den Konsum bestimmter Dinge sprechen. Keines dieser Kriterien scheint für Guy Delisle zu gelten. Wie in seinen tagebuchartigen Comics “Shenzhen”, “Pjöngjang”, “Aufzeichnungen aus Birma” und “Aufzeichnungen aus Jerusalem” nachzulesen ist, nähert sich der weitgereiste kanadische Zeichner mit erstaunlicher Offenheit den jeweiligen Speisegepflogenheiten. mehr
Die frankobelgische Comickultur ist seit jeher auch für den deutschen Markt prägend: Humor, Abenteuer, Science Fiction und Fantasy im traditionellen Albumformat, aber auch aktuelle Graphic Novels aus den französischsprachigen Nachbarländern erfreuen sich im deutschsprachigen Raum einer großen Beliebtheit.
Wer englischsprachige Comics im Original lesen möchte, dem steht eine Vielzahl von Bezugsmöglichkeiten offen – fast jede Comichandlung hat die aktuellen Comic Books der großen amerikanischen Verlage im Sortiment. Einen französischsprachigen Comic zu erstehen, ist hierzulande ungleich schwieriger. Die Berliner Buchhandlung Zadig ist spezialisiert auf Bücher aus Frankreich und führt auch ein breites Sortiment an Bandes Dessinées, das in den letzten Monaten noch weiter ausgebaut wurde.
Claudia Sandberg ist Buchhändlerin und Übersetzerin und leitet bei Zadig die Comicabteilung. Sie beantwortet heute unsere “Fünf Fragen”.
Merken Sie bei Zadig eine erhöhte Aufmerksamkeit Comics und Graphic Novels gegenüber?
Bei unseren französischen Kunden war das Interesse für Comics und insbesondere Graphic Novels von Anfang an groß. Die jungen Franzosen, die es gerade nach Berlin zieht und oft im Kreativbereich arbeiten, interessieren sich vor allem für Neuerscheinungen im Graphic Novel Bereich. Französischen Touristen verkaufen wir deutsche Comiczeichner auf Französisch, am liebsten mit Berlin-Bezug, wie Mawil (“Die Band“, Reprodukt) oder Simon Schwartz (“drüben!“, avant-verlag).
Deutsche Kunden kaufen in erster Linie die Klassiker: “Tintin” (“Tim & Struppi”)- oder “Astérix”-Alben. Mancher deutsche Kunde entdeckt bei uns erst, dass es in Frankreich auch eine blühende aktuelle Comicszene gibt. Da muss man manchmal Aufklärungsarbeit leisten. Seit einigen Jahren bemerken wir aber auch bei den deutschen Kunden ein verstärktes Interesse an Graphic Novels. Regelmäßig gefragt wird nach “Le combat ordinaire” von Manu Larcenet (“Der alltägliche Kampf”, Reprodukt), “Le chat du Rabbin” von Joann Sfar (“Die Katze des Rabbiners”, avant-verlag), “Persepolis“ von Marjane Satrapi (dt. bei Edition Moderne), Guy Delisle-Titeln (z.B. “Aufzeichnungen aus Jerusalem”, Reprodukt) oder aktuell nach “Quai d’Orsay“ von Abel Lanzac & Christophe Blain (erscheint im Herbst bei Reprodukt). Eben jene Titel, die auch in der deutschen Presse besprochen werden. Manche davon sind schon zu neuen Klassikern bei uns geworden.
Natürlich spielt in einer kleinen Buchhandlung wie der unseren auch immer die Beratung eine Rolle. Häufig kommen Kunden zu uns und wollen ein Geschenk für jemanden kaufen, ohne aber selbst Französisch zu sprechen. Ich empfehle dann immer Comics, weil das einfach ein schönes Geschenk ist und sich jeder, auch ohne die Sprache zu verstehen, ein Bild von dem Buch machen kann, das er da verschenkt. Manchmal kommen die Beschenkten dann etwas später selbst zu uns und kaufen sich den zweiten Teil von “Quai d’Orsay” oder “Rosalie Blum” von Camille Jourdy (erscheint im Juni in einem Band bei Reprodukt).
Bisher sind französische Comics in Deutschland nur schwer erhältlich. Warum ist das so?
Die Transportkosten aus Frankreich sind mitunter sehr hoch. Wir müssen unsere Bestellungen nach einzelnen Zulieferern trennen und gruppieren, sonst steigen die Transportkosten pro Buch erheblich an. Das erfordert ein gewisses Bestellvolumen, das eine deutsche Buchhandlung, die nur einzelne Titel auf Französisch führen möchte, nicht haben kann. Für uns ist das nur möglich, weil wir auf französische Literatur spezialisiert sind und nicht nur Comics, sondern auch andere französische Verlagserzeugnisse bestellen.
Hinzukommt, dass die Bücherauslieferung in Frankreich noch recht altmodisch funktioniert. Vieles geht nur über den persönlichen Kontakt zu Verlagen und Zulieferern. Patrick Suel, der Inhaber der Buchhandlung Zadig, hat über Jahre solche Kontakte aufgebaut. Natürlich spielt dabei auch eine Rolle, dass er selbst Franzose ist und alle Aushilfen perfekt zweisprachig sind. So lässt sich manchmal durch Hinterhertelefonieren erreichen, dass ein kleiner Verlag doch bereit ist nach Deutschland zu liefern oder es kann bei Lieferfristen – vor allem während der Sommerferien in Frankreich – Druck gemacht werden. Manches funktioniert in Deutschland unproblematischer. So ist es ein Luxus, dass deutsche Buchhändler Kundenbestellungen oft schon über Nacht geliefert bekommen. Franzosen müssen auch innerhalb Frankreichs länger auf ihre Bestellung warten.
Wie entstand konkret die Idee, französische Comics in Deutschland zu vertreiben?
Bei Zadig gibt es schon seit der Eröffnung 2003 neben Belletristik, Essay und Kinderbüchern, auch Bande dessinée. Schließlich wollen wir die gesamte französische Verlagsproduktion abbilden und Comics sind da nicht wegzudenken. Mit den Jahren ist das Comicsortiment im hinteren Raum der Buchhandlung angewachsen. Ganz einfach weil das Interesse auf beiden Seiten gestiegen ist: bei den Kunden, aber auch auch bei uns selbst. Eine schöne Buchhandlung lebt und verändert sich eben auch immer mit dem Geschmack und den Vorlieben des Buchhändlers. Seit ein paar Monaten verzeichnen wir auch bei den Bestellanfragen etwas mehr Comics. Das liegt sicher daran, dass – seitdem der Buchimport-Dienst Passe-Partout aufgehört hat zu existieren – eine Lücke entstanden ist.
Welche Verlage haben Sie im Angebot?
In unserem Laden führen wir zum Beispiel Titel von L’Association, Actes Sud, Çà et là, Casterman, Dargaud, Fluide Glacial oder Futuropolis. Bestellen können wir grundsätzlich jeden in Frankreich verfügbaren Titel. Wir haben Kontakte zu allen großen Zulieferern und können oft – auch wenn es manchmal langwierig sein kann – sogar von kleineren Verlagen direkt Bücher beziehen.
Wie kann man die Bücher bei Ihnen bestellen?
Eine Bestellanfrage kann bei uns im Laden, per Telefon, per Mail oder über das Bestellformular auf unserer Website www.zadigbuchhandlung.de aufgegeben werden. Wir bemühen uns die Anfrage immer zeitnah zu bearbeiten und über Verfügbarkeit, Lieferfristen und Preise zu informieren. Als kleine Buchhandlung können wir leider keinen Onlineshop mit kompletter Auflistung aller in Frankreich verfügbaren Titel betreiben, vor allem weil das Angebot täglich wächst. Aber eine kurze Anfrage genügt, wir recherchieren auch den Originaltitel oder welche verfügbaren Editionen es gibt und bestellen, sobald der Kunde sich entschieden hat, was er gern haben möchte. Die Lieferung aus Frankreich dauert dann zwischen einer und zwei Wochen. Auch wer nicht in Berlin wohnt, kann so Comics bei uns auf Rechnung bestellen. Wir verschicken deutschlandweit per Post zu günstigen Tarifen.
Passend zum Comic-Salon Erlangen Anfang Juni und der dort gezeigten Ausstellung zu Comics aus dem nahen Osten, erscheint in der Edition Moderne “Metro – Kairo Underground” von Magdy El-Shafee.
Schihab, ein junger Software-Ingenieur aus Kairo, gerät in die Fänge von korrupten Geschäftemachern. Nachdem er den Mord an einem Geschäftsmann, der ihn unterstützen wollte, beobachten musste, beschliesst er eine Bank zu überfallen, um seine Schulden begleichen zu können.
Nun sind ihm nicht nur seine Gläubiger, sondern auch die Polizei auf den Fersen. Es beginnt eine abenteuerliche Flucht durch die pulsierende Metropole Kairo.
Korruption, Willkür, sexuelle Frustration, Jugend ohne Zukunft: Bereits drei Jahre vor dem Arabischen Frühling hat Magdy El-Shafee die Ursachen thematisiert, die zu den aktuellen Ereignissen führten. Eine eindrückliche Geschichte von Jugendlichen in Kairo, kurz vor dem Arabischen Frühling. In Ägypten verboten!
METRO Kairo Underground, ISBN 978-3-03731-099-1, 96 Seiten, schwarzweiss, 17 x 24 cm, Klappenbroschur, EUR (D) 18.- / EUR (A) 18.50 / sFr. 22.80, erscheint im Juni
Vor einigen Wochen wurden die Gewinner des erstmals ausgelobten “AFKAT – Der Hamburger Graphic-Novel-Förderpreis” bekannt gegeben. Mit einer Förderung bedacht wurde unter Anderem der Titel “Flash Preußen” von Jan Kottisch und Tilo Richter. Der Band ist inzwischen im mairisch verlag erschienen.
Flash Preußen, der Superheld in Badehose, ist in Aufruhr: Eine letzte Aufgabe liegt noch vor ihm, bevor er abtreten kann. Zusammen mit seiner Nachbarin Simone begibt er sich in seine Vergangenheit — auf der Suche nach etwas, das er als Kind verloren hat, und das ihn seitdem nicht mehr loslässt.
Die Wuppertaler Edition 52 bietet ab sofort einen 16-seitigen Katalog des Verlagsprogramms an, der hier auch als PDF-Version heruntergeladen werden kann. Das Cover gestaltete der Kinderbuchillustrator und Comiczeichner Ulf K., von dem mit den “Dolomiti-Jahren” für den Sommer auch eine Novität im Programm angekündigt ist.
Für die “Kulturzeit”-Sendung vom 26. April hat Lotar Schüler ein Porträt des in Frankreich lebenden Frankokanadiers Guy Delisle erstellt. Ein Artikel auf der Website von 3sat wirft einen Blick auf dessen aktuelle Arbeit “Aufzeichnungen aus Jerusalem” (Reprodukt).
Kosmos Jerusalem
Guy Delisle zeichnet den Alltag der Bewohner
Nordkorea, China, Birma sind Länder, die im Westen gerne als moralisch fragwürdige Gegenden angesehen werden, in denen aber gleichzeitig ein Großteil der lustigen Trickfilme für unser hiesiges Kindervorabendprogramm produziert wird. Der Kanadier Guy Deslisle beobachtete und kontrollierte solche Produktionen in China und Nordkorea. Er ist aber auch ein international mit vielen Preisen gewürdigter Comic-Zeichner. Und er ist Reporter, wenn er Graphic Novels über jene Länder zeichnet, in denen er gearbeitet und die er bereist hat. Sein neues Werk heißt “Jerusalem” und beruht auf einem einjährigen Aufenthalt in Israel und Palästina. mehr
Im Rahmen des Theaterfestivals “Lila Risiko Schachmatt II”, bei dem im Berliner Heimathafen Neukölln deutsche Erstaufführungen aus Syrien, Palästina und Marokko aufgeführt werden, zeigt das Café Rix im Heimathafen Neukölln Seiten aus der Graphic Novel “Metro” des ägyptischen Autors Magdy El-Shafee.
Die Originalzeichnungen des Comic-Romans sprechen durch direkte Sprache und Zeichnungen drängende soziale und politische Probleme des vorrevolutionären Ägypten an: Korruption, Polizeiwillkür, Aussichtslosigkeit der Jugend, sexuelle Frustration, die Rolle der Medien. Lila Risiko Schachmatt öffnet mit der Ausstellung “Metro” seinen Theaterfokus für weitere künstlerische Ausdrucksformen aus arabischen Ländern.
In einem Beitrag El-Shafees, das sich auf der Website des Goethe-Instituts Kairo nachlesen lässt, wird dieser als “Vorreiter des politischen Comics” in Ägypten portraitiert: “Der Zeichensetzer”.
Die Bilder werden bis zum 14. Mai gezeigt.
Café Rix im Heimathafen Neukölln, Saalbau Neukölln, Karl-Marx-Straße 141, D-12043 Berlin www.heimathafen-neukoelln.de
Eine steigende Zahl von Comics beschäftigt sich – mehr oder minder gelungen – mit der Zeit des Nationalsozialismus und mit dem Holocaust. Die Ausstellung setzt sich anhand von Beispielen differenziert mit Holocaust-Abbildungen in Comics auseinander und vermittelt Kriterien zur qualitativen Bewertung. Das Ausstellungsmotiv spendete der Zeichner Gabriel Nemeth. Vor Ort liegt der vom Kurator Ralf Palandt herausgegebene Sammelband „Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics“ (Archiv der Jugendkulturen) aus.
Am gestrigen Mittwoch referierte Kurator Ralf Pallandt vor Ort zum Thema “Braune Comics?! Bilder vom rechten Rand der Gesellschaft”, in dem er auch Bezug auf aktuelle Ereignisse nahm.
Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, Alte Römerstraße 87, 85221 Dachau www.versoehnungskirche-dachau.de
Öffnungszeiten: Montag 10-12 Uhr; Dienstag-Samstag 10-16 Uhr; Sonntag 10.30 – 13 Uhr
Einen in der “Frankfurter Neuen Presse” erschienenen Artikel zum Thema Graphic Novels ergänzt eine Online-Bildergalerie, die “Die besten Graphic Novels” zeigt, darunter “Habibi” von Craig Thompson (Reprodukt), “5000 Kilometer in der Sekunde” von Manuele Fior (avant-verlag), “Persepolis” von Marjane Satrapi sowie “Watchmen” von Alan Moore und Dave Gibbons (Panini).
Vom 27. April bis 16. Juni 2012 ist in der Berliner Galerie Ida Illuster die Ausstellung “Neo-Fabulist” des Illustrators, Malers und Comiczeichners ATAK zu sehen. Gezeigt werden freie Malerei sowie gemalte Illustrationen zu den Büchern “Der unheimliche Fremde” von Mark Twain (Carlsen Verlag, Ende 2012), “Comment la mort est revenue à la vie” von Muriel Bloch (Editions Thierry Magnier, 2007) und “Verrückte Welt” (Jacoby & Stuart, 2009).
ATAK, der sich selbst als Neo-Fabulist bezeichnet, ist einer Tradition des Erzählerischen verpflichtet, die sich mit zeitgenössischen Themen aller Couleur und den Provokationen des Alltags auseinandersetzt. Der Künstler hat bilderzählerische Welten revolutioniert, indem er grenzüberschreitend mit Comic, Illustration und Malerei arbeitet, Versatzstücke aus High- und Low Art mit Leichtigkeit jongliert und dem erzählenden Bild mit verspielter Frechheit eine neue Persönlichkeit verleiht.
ATAK, geb. 1967 als Georg Barber in Frankfurt/Oder, absolvierte eine Ausbildung zum Schrift- und Grafikmaler, um sodann Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste Berlin zu studieren. Zahlreiche Preise und Dozenturen im In- und Ausland festigten seinen Rang als stilbildenden Künstler. Derzeit unterrichtet er als Professor für Illustration an der Burg Giebichenstein in Halle. ATAK lebt und arbeitet in Berlin.
Zur Eröffnung am 26. April 2012 ab 19 Uhr spricht Dr. Michail Lailach, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek. Der Künstler ist anwesend.
Am Dienstag, dem 22. Mai 2012 findet um 19 Uhr ein Gespräch zwischen ATAK und Prof. Dr. Winfried Fluck vom John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien, Berlin statt.
Galerie Ida Illuster, Sophienstraße 32, D-10178 Berlin
Tel. (030) 27 59 21 66
www.idailluster.net
Öffnungszeiten: Mi+Sa 11-18 Uhr, Do+Fr 12-20 Uhr sowie nach Vereinbarung
Sonderöffnungszeiten Gallery Weekend:
Fr, 27. April 2012, 12-21 Uhr, Sa, 28. April 2012, 11-19 Uhr, So, 29. April 2012, 11-19 Uhr
am Mittwoch, den 25.4.2012, starten wir mit dem Berliner Kolloquium zur Comicforschung. Wir wollen damit allen interessierten Forschenden eine Plattform zur Präsentation und Diskussion ihrer Aktivitäten bieten, die ihnen in ihren sonstigen Arbeits- und Forschungsumfeldern eventuell manchmal fehlt. Das Kolloquium ist interdisziplinär ausgerichtet und richtet sich an alle, die ihre Abschlussarbeiten – seien sie noch im Werden oder gerade abgeschlossen – und andere Forschungs- oder Ausstellungsprojekte in den Bereichen Comics, Cartoons und Mangas gerne mit anderen Interessierten diskutieren möchten. Im Sommersemester 2012 werden wir in der Regel zweiwöchentlich im Institut für Europäische Ethnologie (Raum 312, Mohrenstr. 40/41, U Hausvogteiplatz) immer von 19 bis 21 Uhr zusammenkommen. Jeder ist eingeladen vorbeizuschauen! Es wird eine Moodle-Unterstützung geben, damit vor- und nachbereitende Unterlagen den TeilnehmerInnen zur Verfügung gestellt werden können. Wer Zugang zu dem Material haben möchte, möge sich bitte untercomic-kolloquium@gmx.de melden.
An folgenden Terminen wird das Kolloquium zu folgenden Themen zusammen kommen:
25. April. Einführung in das Kolloquium / Thomas Becker: Legitimität des Comics 9. Mai Matthias Harbeck: Das Deutschenbild im amerikanischen Mainstream-Comic 23. Mai Hans-Joachim Hahn – Comics als Erinnerungsmedium 6. Juni Melanie Stumpf – Im Spiegelkabinett von expressionistischem Stummfilm, Film Noir, Manga, Anime und japanischem Computerspiel 20. Juni Jane Redlin – Das Konzept der Ausstellung “Comicleben” 27. Juni Anna Gabai – Arabische Comics / Kalina Kupczynska – Autobiographische Comics 4. Juli Lars von Törne – Politisierung des Comics nach 9/11
Wir hoffen, dass das Kolloquium im nächsten Semester fortgeführt werden kann und freuen uns über Präsentationsvorschläge (bitte an: comic-kolloquium@gmx.de).
Herzliche Grüße, die Organisatoren (Thomas Becker, Ole Frahm, Matthias Harbeck, Jens Meinrenken, Lars von Törne)
Darüber hinaus wurde bekannt gegeben, dass der italienische Comic-Autor Lorenzo Mattotti mit dem Preis für das herausragende Lebenswerk ausgezeichnet wird. Zuletzt erschien von ihm die Märchenadaption “Hänsel und Gretel” (Carlsen).
Aus der Hotlist mit 25 Titeln werden von der Festivaljury die PreistägerInnen in verschiedenen Kategorien ausgewählt, zusätzlich wird es einen Publikumspreis geben. Hier die Liste der Nominierten:
• „Alois Nebel“ von Jaroslav Rudiš und Jaromír 99 (Übersetzung: Eva Profousová. Verlag Voland & Quist)
• „Alte Meister“ von Nicolas Mahler nach Thomas Bernhard (Suhrkamp Verlag)
• „Annas Paradies“ von Daniel Schreiber (Splitter Verlag)
• „Asterios Polyp“ von David Mazzucchelli (Übersetzung: Thomas Pletzinger. Eichborn Verlag)
• „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ von Guy Delisle (Übersetzung: Martin Budde. Reprodukt)
• „Baby Blues“ von Rick Kirkman und Jerry Scott (Übersetzung: Michael Bregel. Bulls Press / Achterbahn im Lappan Verlag)
• „Castro“ von Reinhard Kleist (Carlsen Verlag)
• „Das tapfere Prinzlein und die sieben Zwergbären“ von Émile Bravo (Übersetzung: Ulrich Pröfrock. Carlsen Verlag)
• „Dédé – Eriks Detektiv Deschamps“ von Erik (Epsilon Verlag) > nominiert durch das Publikum
• „Der Mann, der seinen Bart wachsen ließ“ von Olivier Schrauwen (Übersetzung: Helge Lethi. Reprodukt)
• „Der Staub der Ahnen“ von Felix Pestemer (avant-verlag)
• „Die Ballade von Seemann und Albatros“ von Nick Hayes (Übersetzung: Henning Ahrens. mareverlag)
• „Essex County“ von Jeff Lemire (Übersetzung: Thomas Schützinger. Edition 52)
• „Fennek“ von Lewis Trondheim und Yoann (Übersetzung: Kai Wilksen. Reprodukt)
• „Fünftausend Kilometer in der Sekunde“ von Manuele Fior (Übersetzung: Maya della Pietra. avant-verlag)
• „Gaza“ von Joe Sacco (Übersetzung: Christoph Schuler. Edition Moderne)
• „Grablicht“ von Daniela Winkler (Droemer Knaur) > nominiert durch das Publikum
• „Haarmann“ von Peer Meter und Isabel Kreitz (Carlsen Verlag)
• „Lou!“ von Julien Neel (Übersetzung: Thomas Schöner. Tokyopop)
• „Packeis“ von Simon Schwartz (avant-verlag)
• „Pluto“ von Naoki Urasawa nach Osamu Tezuka. Co-Autor: Takashi Nagasaki (Übersetzung: Jürgen Seebeck. Carlsen Verlag)
• „Riekes Notizen“ von Barbara Yelin (Frankfurter Rundschau)
• „Schöne Töchter“ von Flix (Der Tagesspiegel)
• „Summer Wars“ von Mamoru Hosoda, Iqura Sugimoto und Yoshiyuki Sadamoto (Übersetzung: Nadine Stutterheim. Carlsen Verlag)
• „The Walking Dead“ von Robert Kirkman, Charlie Adlard und Cliff Rathburn (Übersetzung: Marc-Oliver Frisch. Cross Cult) > nominiert durch das Publikum
Die Preise werden in folgenden Kategorien vergeben: „Bester deutschsprachiger Comic“, „Bester internationaler Comic“, „Bester Comic-Strip“ und „Bester Comic für Kinder“, in den Kategorien „Bester deutschsprachiger Comic-Künstler“,„Beste studentische Comic-Publikation“, und Spezialpreis der Jury werden keine Nominierungen vorgenommen.
Die Jury besteht in diesem Jahr aus: Christian Gasser (Schriftsteller und Journalist, Luzern), Herbert Heinzelmann (Journalist und Medienwissenschaftler, Nürnberg), Brigitte Helbling (Journalistin, Arbeitsstelle für Graphische Literatur der Universität Hamburg), Andreas C. Knigge (Autor und Journalist, Hamburg), Andreas Platthaus (Journalist und Autor, Frankfurt am Main), Jan Taussig (Bulls Press, Frankfurt am Main) und Bodo Birk (Internationaler Comic-Salon Erlangen).
Für den Publikumspreis kann hier abgestimmt werden. Die Preisverleihung findet während des Comic-Salons am Freitag, dem 8. Juni im Erlanger Markgrafentheater statt.
Am kommenden Sonntag, dem 29. April, findet in Berlin die “Comic Invasion” statt, ein von Marc Seestaedt (“lifestrips”) und Wandrille Leroy (Warum / Vraoum) organisiertes Comicfestival, das erstmalig im HBC in der Karl-Liebknecht-Straße (Nähe Hackescher Markt und Alexanderplatz) stattfinden wird.
Vor Ort präsentieren sich vor allem Berliner Verlage, Comicläden und Comiczeichner: avant-verlag, JaJa Verlag, Modern Graphics, Die Musenstube, Renate Comics, Reprodukt, The Treasure Fleet oder Vraoum/Warum Verlag haben ihr Erscheinen ebenso angekündigt wie die KünstlerInnen Klaus Cornfield, Tim Dinter, Aisha Franz, Thomas Gilke, Ulli Lust, Nettmann, Maki Shimizu, Till D. Thomas und viele andere mehr – nähere Details erfährt man auf der Facebook-Seite zum Event.
Das Veranstaltungsprogramm der “Comic Invasion Berlin” beginnt am Sonntag dem 29. April ab 12 Uhr, geboten werden Workshops, Konzerte – unter anderem von Orchestre Miniature in the Park – Kurzfilme und eine Laser Graffitti Show.
Comic Invasion Berlin, HBC, Karl-Liebknecht-Str. 9, D-10178 Berlin
Öffnungszeiten: So 12-open end
In der Samstagsausgabe der “Neuen Zürcher Zeitung” stellte Judith Leister in einer Doppelbesprechung zwei Titel des tschechischen Autors Jaroslav Rudiš vor: Den Roman “Die Stille in Prag” (Luchterhand) sowie die in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls tschechischen Zeichner entstandene Graphic Novel “Alois Nebel” (Voland & Quist).
In “Geschichte auf Gleisen” wird der Comic um den Titelgebenden Hauptcharakter als düster und melancholisch beschrieben, gleichwohl differenziert in der Aussage.
Ende der achtziger Jahre. Alois Nebel arbeitet als Fahrdienstleiter an einem kleinen Bahnhof in Bílý Potok, einem abgelegenen Ort an der tschechoslowakischpolnischen Grenze, dem früheren Sudetenland. Er ist ein Einzelgänger, der das Sammeln alter Fahrpläne der Gesellschaft von Menschen vorzieht. Doch manchmal legt sich der Nebel über die Bahnstation, und dann sieht er Züge mit Geistern und Schatten aus der dunklen Vergangenheit Mitteleuropas.
Michael Meier studierte Illustration und Comic an der Kunsthochschule Kassel bei Hendrik Dorgathen und schloss sein Studium 2007 mit der Graphic Novel “Die Menschenfabrik” ab, einer Romanumsetzung nach Oscar Panizza. Dafür wurde er auf der Frankfurter Buchmesse 2009 mit dem Sondermann als “Bester Newcomer” ausgezeichnet.
Im vergangenen Jahr hat Michael Meier den täglich auf der Rätselseite der “Frankfurter Rundschau” erschienenen Comic-Strip “Das Inferno” gezeichnet, der seit Februar gesammelt als Buch erhältlich ist. Neben seiner Tätigkeit als Comiczeichner und Illustrator führt er zusammen mit Lisa Röper und Rita Fürstenau in Kassel den Verlag rotopolpress. Grund genug, ihm fünf Fragen zum Comiczeichnen und -verlegen zu stellen.
Wie kam es zu “Das Inferno”, und wie waren die Reaktionen auf das Buch?
Christian Schlüter, dem ich unter anderem den Sondermann zu verdanken habe, rief mich eines Tages an und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, den Daily Strip der “Frankfurter Rundschau” zu übernehmen. Gemeinsam haben wir uns dann gefragt, ob es nicht auch möglich sei, einen bekannten Stoff als Comic-Strip umzusetzen. Anfangs haben wir mit dem Gedanken gespielt, den “Zauberberg” von Thomas Mann zu interpretieren. Das stellte sich dann allerdings als zu komplex für dieses Projekt heraus, außerdem hatte ich Lust auf eine Abenteuergeschichte, der die Leser ohne weiteres ein ganzes Jahr folgen können.
Bei der Suche nach einem geeigneten Stoff hat mich dann Lisa Röper auf die “Göttliche Komödie” gebracht, die ich bis dahin allerdings noch gar nicht gelesen hatte. Ich war ein bisschen skeptisch, weil es sich ja schließlich um einen Text aus dem ausgehenden Mittelalter handelt. Es hat mich dann aber sehr überrascht, wie eingängig Alighieri die Geschichte geschrieben hatte, trotz der Versform. Und eine Fahrt in die Unterwelt ist natürlich eine tolle Vorlage für einen Zeichner. Ich musste also nicht lange überredet werden.
Christian Schlüter war auf die selbe Idee gekommen und bei unserem nächsten Telefonat begrüßten wir uns dann gegenseitig mit “Inferno”!
Viele Reaktionen hat es natürlich noch nicht gegeben, das Buch ist ja erst seit Februar im Handel. Aber das, was ich bisher gehört habe, war durchweg positiv. Am meisten habe ich mich über die vielen netten E-Mails von “Rundschau”-Lesern gefreut, die den Strip regelmäßig verfolgt haben und denen die beiden Protagonisten Dante und Vergil ans Herz gewachsen sind.
Gibt es einen Unterschied in der Herangehensweise zwischen Comic-Strips und Graphic Novels bzw. längeren Erzählungen?
Comic-Strips haben im Vergleich zu längeren Erzählungen ihre ganz eigenen Schwierigkeiten. Jeder Strip ist eine kleine abgeschlossene Geschichte auf sehr komprimiertem Raum, bei der man einige Abstriche machen muss. Dante Alighieri hat eine sehr bildgewaltige Erzählweise, die beim Strip zum Problem wird, da ich alles auf 5 x 21 cm komprimieren musste. Außerdem kann man nicht, wie in längeren Geschichten, das Tempo variieren. Das schränkt die erzählerischen Mittel dann doch etwas ein.
Meines Erachtens wirken Comic-Strips deshalb oft ein bisschen gehetzt. Die Geschichte marschiert unaufhaltsam voran und man hat kaum Platz zum Verschnaufen oder um Atmosphäre aufzubauen. Der Leser sollte sich aber, auch ohne den Strip regelmäßig zu verfolgen, von der Episode, die er sich rausgepickt hat, unterhalten fühlen und der Geschichte zumindest halbwegs folgen können.
Am Ende müssen alle diese Mini-Geschichten auch noch als großes Ganzes funktionieren. Diese Balance aufrecht zu erhalten war eine spannende Herausforderung, bei der ich viel dazugelernt habe.
Seit wann gibt es rotopolpress, und was waren die Beweggründe, den Verlag zu gründen?
Rita Fürstenau, Lisa Röper und ich haben den Verlag 2007 noch während unserer Zeit an der Kunsthochschule Kassel gegründet. Die Idee dazu enstand aus der Frage, wie wir uns ein Leben als Illustratoren außerhalb des schützenden “Uni-Kokons” vorstellen. Wir wollten in erster Linie ein Netzwerk schaffen, das es Illustratoren, Comiczeichnern und anderen Kreativen ermöglicht, sich auszutauschen, Projekte zu realisieren und dabei die Grenzen dessen, was wir gemeinhin unter Illustration verstehen, abzutasten. Und das gerne in beide Richtungen: Die kommerzielle und die künstlerische. Dass dabei auch ein Verlag, ein Studio und eine Galerie herausgekommen sind, war nur konsequent.
Im Studio haben wir die Möglichkeit, gemeinsam zu arbeiten, mit dem Verlag sind wir in der Lage, Projekte direkt zu veröffentlichen und zu vertreiben, und die Galerie dient als Treffpunkt für alle, die sich genauso für Illustration begeistern wie wir. Dieses Jahr können wir zwar schon unseren fünften Geburtstag feiern, aber rotopol soll auch weiterhin ein Experimentierfeld bleiben, auf dem wir viele unserer Ideen ausprobieren können.
Wie geht es mit dem Verlag weiter?
Ich denke, da wir ein von Illustratoren geführter Verlag sind und viele unserer persönlichen Vorlieben in die Verlagsarbeit einfließen, fällt es manchmal schwer, uns einzuordnen. Wir sind kein reiner Comic- oder Illustrationsverlag. Es geht uns um Illustration im Allgemeinen und um die vielen verscheidenen Facetten, die diese Kunstrichtung haben kann. Verlagssparten oder Genres sind uns dabei nicht wichtig. Der Stil und vor allem der Inhalt eines Projekts muss uns ansprechen und sich in den illustrativen Kontext einfügen. Am Ende kommen dann Comics, Illustrationsbücher, Giclée- und Siebdrucke oder Papierspielzeug dabei heraus.
Unser Ziel ist es, die Vielseitigkeit von Illustration abzutasten und das Interesse einer breiten Öffentlichkeit dafür zu wecken. Darum freuen wir uns natürlich umso mehr, dass wir seit Anfang diesen Jahres Auslieferer und Verlagsvertretungen haben.
Momentan bereiten wir die nächsten Veröffentlichungen vor. Dann haben wir dieses Jahr, parallel zur Documenta, einige Einzelausstellungen geplant, unter anderem mit Bene Rohlmann, Hellen Jo und Mcbess. Außerdem werden wir mit einem Stand beim Comic-Salon Erlangen vertreten sein. Im Winter wird es traditionell wieder eine große Gruppenausstellung geben. Und natürlich sind wir immer auf der Suche nach neuen, interessanten Projekten.
Kannst du schon einen Ausblick auf die nächsten eigenen Projekte geben?
Ich glaube, ich habe momentan fünf Geschichten in meiner Schublade, die ich gerne realisieren möchte. Ganz konkret werde ich als nächstes zusammen mit Reprodukt an einem Projekt arbeiten. Worum es dabei genau geht, möchte ich aber noch nicht verraten. Darüber hinaus ist es mir allerdings sehr wichtig, nicht nur Comiczeichner zu sein, sondern auch weiterhin als Illustrator zu arbeiten.
Vom 5. Mai bis zum 28. Oktober 2012 werden im Museum Dahlem in Berlin “Comicleben” vorgestellt. In Kooperation mit dem Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin, dem Masterstudiengang Bühnenbild Szenischer Raum der Technischen Universität Berlin und dem Internationalen Literaturfestival Berlin (ilb) werden sieben Menschen vorgestellt, deren Leben mit Comics eng verknüpft ist, darunter die Zeichnerin Ulli Lust (“Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens”, avant-verlag), der Galerist Carsten Lacqua, der Wissenschaftler Dietrich Grünewald oder der Verleger Dirk Rehm (Reprodukt). Wir haben Frau Dr. Jane Redlin, Initiatorin und Kuratorin dieser ungewöhnlichen Annäherung an Comics, fünf Fragen gestellt.
Wie ist überhaupt die Idee aufgekommen, im Museum Europäischer Kulturen eine Ausstellung zu machen, die sich mit Comics befasst?
Das Museum befasst sich schon sehr lange mit dem Thema der historischen Bildgeschichten. Es besitzt eine umfangreiche Sammlung von Bilderbögen, auch Moritatenbilder. Es war Zeit, das Thema bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen.
Die Ausstellung “Comicleben” gewährt Einblick in den Alltag von sieben Personen, die mit Comics arbeiten, oder denen Comics in anderer Hinsicht wichtig sind. Wie haben Sie diese Akteure der Comicwelt ausgewählt?
Zum einen sollten die Personen für die unterschiedlichen Richtungen im Comic stehen, um so dessen Vielfalt nahe zu bringen. So wird der Superhelden-Comic, der Independent/Autoren-Comic, die Graphic Novel, der Manga, die Anfänge der frühen US-amerikanischen Comics mit den Sonntagsseiten und “Micky Maus” sowie exemplarisch ein Blick in die deutsche Comicgeschichte und die frühen Formen der Bildgeschichte mit den Bilderbögen und Moritatenbildern thematisiert. Zum anderen sollte es in der Ausstellung möglich sein, das “Leben” eines Comics nachzuvollziehen, von der Zeichnung über den Verlag, den Handel bis hin zum Sammeln und wissenschaftlichen Reflektieren.
Die “Comicleben” finden überwiegend in Deutschland statt. Gibt es auch europäische Aspekte in der Ausstellung?
Der europäische Aspekt wird durch die einzelnen Porträts deutlich, da die vorgestellten Personen selber europäisch agieren. Oft auch über Europa hinaus. Das beste Beispiel ist Reprodukt mit seinen zahlreichen europäischen Autoren und seinen europäischen Vernetzungen sowohl zu Verlagen und Künstlern, als auch durch seine Präsenz auf dem größten europäischen Comicfestival in Angoulême, Frankreich. Die von Reprodukt betreuten Künstler werden ihrerseits in vielen europäischen Ländern verlegt. Das gilt auch für Ulli Lust, die für ihre Graphic Novel “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” 2010 einen Preis in Angoulême erhalten hat. Sie wird ebenfalls in der Ausstellung porträtiert. Auch die Manga- und Cosplayszene ist übernational aufgestellt. Und dass “Micky Maus” und “Spider Man” kein deutsches Kulturgut sind, sondern weltweites und damit auch europäisches, dürfte jedem klar sein.
In welchen Erscheinungsformen wird der Comic zu sehen sein?
Wir werden verschiedene Möglichkeiten nutzen, um den Comic zu präsentieren. Natürlich Comicbücher- und Comichefte, Originalseiten und Skizzen, historische Bilderbögen und gemalte Moritatenbilder in Formaten von drei Metern Höhe werden zu sehen sein, ebenso wie ein sehr frühes und seltenes, großformatiges “Micky Maus”-Filmplakat, um nur einiges zu nennen.
Da es uns aber nicht nur um den Comic, sondern auch um die Menschen geht, die für den Comic leben, werden wir Dinge zeigen, die mit ihrem Leben zu tun haben. Das war letztlich auch das Auswahlkriterium für alles, was ausgestellt wird, einschließlich der Comics. Die gezeigten Sachen haben immer etwas mit dem Porträtierten zu tun. Darum werden auch Cosplay-Kostüme zu sehen sein. Man kann Ausschnitte aus den Interviews mit den Porträtierten hören, die für die Ausstellung entstanden sind. Filme werden zum Einsatz kommen. Den digitalen Comic werden wir in einem besonderen Bereich vorstellen, losgelöst von einem Porträt. Er taucht aber im Porträt von Ulli Lust auch wieder auf. Vor allem hat man aber in der Ausstellung die Möglichkeit, sich in Ruhe hinzusetzen, und selber Comics zu lesen.
Lesen Sie selbst Comics, und wenn ja, welche?
Mit Sicherheit mehr, wenn die Ausstellung fertig ist. Mich fasziniert der kreative Reichtum und die verschiedenen Welten, die sich im Comic finden lassen.
Am kommenden Freitag stellt Carolin Walch im Rahmen einer Releaseparty ihr Buch “Roxanne & George” (Reprodukt) in der Hamburger Comichandlung Strips & Stories vor. Beginn ist um 19 Uhr.
Roxanne und George führen ein Leben, wie es glamouröser nicht sein könnte. Als Kinder zweier Rocklegenden ist ihr Leben geprägt von Partys, Luxus und Exzessen – dokumentiert durch die eigene Reality-Show auf MTV. Alles läuft perfekt, bis ihre Väter den Beschluss fassen, nicht mehr länger die Pausenclowns für ein Millionenpublikum zu spielen.
Carolin Walch, Jahrgang 1982, hat sich vor allem in der deutschen Manga-Szene als Zeichnerin von “Magic Mütze” einen Namen gemacht. Kurzgeschichten von ihr wurden in “Ballroom Blitz” oder “Orang” veröffentlicht. Carolin Walch lebt und arbeitet in München.