“Zwischen Blut und Ebenholz”
In der heutigen Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” bespricht Christoph Haas gleich drei biographische Graphic Novels, die bei Carlsen Comics erschienen sind: “Martin Luther King” von Ho Che Anderson, “Houdini – König der Handschellen” von Jason Lutes und Nick Bertozzi sowie “Che” von Héctor Oesterheld sowie Alberto und Enrique Breccia.
Zwischen Blut und Ebenholz
Tuschebilder, die im Leser so herb nachhallen wie der Klang einer perkussiv gespielten akustischen Gitarre: Für „I see a darkness”, seine Schilderung des bewegten Lebens von Johnny Cash, hat Reinhard Kleist vor einigen Wochen beim Comic-Salon in Erlangen den Preis für das beste deutschsprachige Album erhalten. Das war fast eine Premiere. Gerade ein Mal hat die Jury in früheren Jahren ein vergleichbares Werk gewürdigt: Hugo Pratts „Saint-Exupéry – Sein letzter Flug.” Anders als autobiographische Comics, die mit einem beträchtlichen Hipness-Faktor wuchern können, haben Comic-Biographien aus zwei sehr unterschiedlichen Gründen keinen allzu guten Ruf. Einerseits kann ihnen etwas Unseriöses, leicht Schmuddeliges zu eigen sein; in den USA locken Star-Porträts in Heftchenform gerne mit Schlüssellochreizen. Andererseits gelten Comic-Biographien, weil sie zum weiten Feld der Sachcomics gehören, vielen als dröge und belehrend; ästhetisch Aufregendes erwartet man von ihnen nur bedingt.
Die dickleibige Graphic Novel, die Ho Che Anderson, der wichtigste afroamerikanische Comic-Zeichner, Martin Luther King gewidmet hat, scheint solche Vorbehalte auf den ersten Blick zu bestätigen. Das Cover-Bild weckt Erinnerungen an den Sozialistischen Realismus; die zahlreichen, mit Text vollgestopften Sprechblasen sind nicht immer glücklich in den Panels plaziert; das Maschinenlettering ist von ausgesuchter Hässlichkeit. Überwindet man diese Hemmschwellen, eröffnet sich allerdings eine faszinierende Lektüre. mehr
Tags: Alberto Breccia, Carlsen Verlag, Che, Enrique Breccia, Hector Oesterheld, Ho Che Anderson, Houdini. König der Handschellen, Jason Lutes, Martin Luther King, Nick Bertozzi






