Graphic Novels
News Termine Presse Erste Schritte Buchhandel / Vertrieb Bibliotheken Über uns Impressum

Archiv des Tags ‘Berichte aus der Ukraine’

Graphic Novels in den Medien – 3. Januar 2013

Donnerstag, den 3. Januar 2013

Am gestrigen Mittwoch erschien in der SĂĽddeutschen Zeitung ein Beitrag von Christoph Haas ĂĽber den 2012 verstorbenen Comic-Autors Moebius: “Space Cowboy”. Anlass dazu ist die Veröffentlichung von “Arzak – Der Raumvermesser” (Ehapa Comic Collection), zu dem er bemerkt: “Der Raumvermesser ist das wĂĽrdige Vermächtnis eines Giganten der Neunten Kunst.” Auch die weiteren bei Cross Cult und Splitter erschienenen Bände lässt Haas nicht unerwähnt.

Wie Reiner Metzger in der tageszeitung schreibt, ist einem Reportage-Comic wie “Kriegszeiten” von David Schraven und Vincent Burmester (Carlsen) eine groĂźe Leserschaft zu gönnen, damit auch in Zukunft solche Projekte entstehen können: “Die Bilder, die fehlen”.

Christian Gasser stellt in seiner Besprechung von Anders Nilsens “GroĂźe Fragen” (Atrium) in der Neuen ZĂĽrcher Zeitung (“Grosse Fragen, kleine Antworten”) fest, dass man dem Buch seine lange Entstehungszeit durchaus anmerkt. “Wer sich dennoch auf Anders Nilsens mehrfach gebrochene und gespiegelte und ins Surreale oder gar Phantastische abdriftende Reflexion philosophischer Grundfragen einlässt, wird reich belohnt. Nicht mit Antworten, aber mit umso mehr Anregungen und vor allem einem ungewöhnlichen Blick auf uns selber.”

In ihrer Buchvorstellung “Bilderrausch” der Schnitzler-Adaption “Die Traumnovelle” von Jakob Hinrichs (Edition BĂĽchergilde) bemerkt Zita Bereuter auf fm4.orf.at, dass man den Comic ohne die Vorlage zu kennen, nicht ganz verstehen wĂĽrde. Praktischerweise findet sich der Originaltext ebenfalls im Buch.

AusfĂĽhrlich stellt Erik Wenk auf tagesspiegel.de die zwei bei Reprodukt erschienenden Bände “Berichte aus der Ukraine (Erinnerungen an die Zeit der UDSSR)” und “Berichte aus Russland (Der vergessene Krieg im Kaukasus)” von Igort vor. Sein ResumĂ©e: “grafisch beeindruckende und inhaltlich bestĂĽrzend”, wie er in “Ein postsowjetischer Archäologe” schreibt.

An gleicher Stelle stellt Christian Endres “Atar Gull oder das Schicksal eines vorbildlichen Sklaven” von Fabien Nury und BrĂĽno (avant-verlag) vor, dem er attestiert, “mit prägnanten Dialogen, hĂĽbschen Zeichnungen, abwechslungsreichen Seitenaufteilungen und immens stimmungsvollen Farben” zu zeigen, dass der größte Feind des Menschen immer noch der Mensch selbst ist: “Der Preis der Rache”.

Bereits am 19. Dezember starb der japanische Comic-Autor Keiji Nakazawa, dessen “BarfuĂź durch Hiroshima” auf deutsch bei Carlsen erschienen ist. Nachrufe finden sich unter anderem von Stefan Pannor auf Spiegel Online (“Zeichnen, um zu ĂĽberleben”) und von Lars von Törne auf tagesspiegel.de (“Keiji Nakazawa 1939-2012″).

Comictipps im “arte Journal”

Freitag, den 18. November 2011

Im “arte Journal” vom vergangenen Dienstag hat Sven Waskönig drei Comics empfohlen. Diesmal werden vorgestellt: “Kiki de Montparnasse” von JosĂ©-Louis Bocquet & Catel Muller (Carlsen), “Stuck Rubber Baby” von Howard Cruse (Cross Cult) sowie “Berichte aus der Ukraine” von Igort (Reprodukt).

“Berichte aus der Ukraine” von Igort

Montag, den 12. September 2011

Mitte Oktober und damit rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse erscheint im Berliner Verlag Reprodukt mit “Berichte aus der Ukraine – Erinnerungen an die Zeit der UdSSR” ein neues Werk des italienischen Zeichners Igort.

2008/2009 verbrachte Igort mehrere Monate in der Ukraine. Er sprach dort mit Zeitzeugen des Stalinismus und verarbeitete die ihm anvertrauten Erinnerungen zu einer Comic-Reportage, die sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit bewegt.

“Berichte aus der Ukraine” gibt Einblick in ein Land, in dem ein durch Mord und Korruption geprägter Alltag die Gulags und die stalinistische Schreckensherrschaft abgelöst hat, und erinnert an die in Vergessenheit geratenen Geschehnisse des letzten Jahrhunderts: zum Beispiel den Holodomor, die von Stalin organisierte Hungersnot, welche zur Auslöschung der lokalen Bevölkerung dienen sollte und der Millionen von Menschen zum Opfer vielen.

Die Erinnerungen der Überlebenden setzt Igort mit viel Verständnis, Menschlichkeit und Respekt um und wirft damit zwangsläufig die Frage auf: Was bleibt fünfundzwanzig Jahre nach Glasnost von diesem grausamen Epos großer Hoffnungen und kollektiver Tragödie noch übrig? Die Antwort liefern die Alltagserfahrungen der unsichtbaren Protagonisten der Geschichte: das einfache Volk.

Igort, eigentlich Igor Tuveri, geboren 1958 in Cagliari auf Sardinien, lebt und arbeitet in Paris und auf Reisen. Er war MitbegrĂĽnder der KĂĽnstlergruppe Valvoline, der auch Lorenzo Mattotti angehörte, und veröffentlicht seit den 1980er-Jahren in den unterschiedlichsten europäischen Magazinen wie “MĂ©tal Hurlant” oder “L’Écho des savanes”.

Igort arbeitete als einer der ersten europäischen Comicautoren für japanische Verlage. Im Jahr 2000 gründete er seinen eigenen Verlag Coconino Press, der sich ausschließlich dem Autorencomic verschrieben hat.

Zahlreiche Ausstellungen wurden ihm bereits gewidmet, unter anderem 1994 auf der Biennale in Venedig und 2008 beim Fumetto-Festival in Luzern. Igort wurde mehrfach ausgezeichnet, fĂĽr “5 ist die perfekte Zahl” erhielt er 2003 den Preis der Frankfurter Buchmesse fĂĽr den Comic des Jahres. “5 ist die perfekte Zahl” sowie weitere Werke wie “Baobab” 1 & 2 und “Fats Waller” sind im Berliner avant-verlag erschienen.

“Berichte aus der Ukraine” ist der erste Teil eines den Staaten der ehemaligen Sowjetunion gewidmeten Diptychons.

“… und wer diese scheinbar kleinen Geschichten von vier ganz normalen Personen und diese eine fĂĽrchterliche Geschichte eines nicht ganz normalen Landes nicht kennt, wird zwar besser schlafen können, aber auch kein komplettes Bild des zwanzigsten Jahrhunderts besitzen.” – Andreas Platthaus, FAZ

Berichte aus der Ukraine, ISBN 978-3-941099-61-6, 176 Seiten, farbig, 17 x 24 cm, Klappenbroschur, 24 EUR, erscheint im Oktober 2011 bei Reprodukt