Am gestrigen Sonntag ging das Comicfestival im französischen Angoulême zu Ende. Über das Festival, zu dem wieder über 200.000 Besucher erwartet wurden, berichteten im Vorfeld und im Laufe der letzten Tage einige Medien in erfreulicher Breite. Andreas Platthaus wies in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” unter anderem darauf hin, dass die dem diesjährigen Präsidenten Art Spiegelman gewidmete Retrospektive nicht nur auf dem Festival zu sehen sein würde:
Art Spiegelman im Spiegel seiner selbst
Niemand hat so viel für den Comic geleistet wie er: Retrospektiven in Paris und Köln warten auf den Zeichner Art Spiegelman. 2012 soll endlich sein Befreiungsjahr werden.mehr
Für den Berliner “Tagesspiegel” war Redakteur Lars von Törne während des gesamten Festivals vor Ort. In einem ersten Bericht gibt er einen Überblick über die Stadt, das Festival allgemeine und die disjährige Ausgabe im Besonderen.
Angoulême: Stadt der Sprechblasen
Das französische Angoulême hat sich dem Comic verschrieben. Davon profitieren auch Berliner Künstler.mehr
Der deutsch-französische Kulturkanal arte berichtete in den vergangenen Tagen mehrmals und ausführlich über verschiedene Aspekte des Festivals. Erste Beiträge fasst der YouTube-Kanal Mediacontainer in einem Video zusammen, darunter zusätzlich ein Bericht über das Comicfestival, der Ende der 1980er Jahre für das schweizer Fernsehen entstand. In einem weiteren Beitrag kommen Zeichner wie Blutch (“Der kleine Christian”, Reprodukt; “Peplum”, avant-verlag) und Winshluss (“Pinocchio”, avant-verlag) zu Wort. Das Video ist ganz oben zu sehen.
In der Sendung “28 Minuten” diskutierten Experten über das Thema “Können Comics die Wirklichkeit besser vermitteln?”. Zu Gast: Guy Delisle, dessen “Aufzeichnungen aus Jerusalem” (erscheint im März bei Reprodukt) auf dem Festival mit dem Preis für das beste Buch ausgezeichnet wurde. Weitere Berichte können online angesehen und nachgelesen werden. Dafür richtete der Sender eigens das Special “arte wirft Blasen” ein.
Ein Bericht über die weiteren Preisträger des diesjährigen Festivals folgt in Kürze.
Zwei Beiträge im Radio, beziehungsweise Fernsehen, stellen aktuelle Grpahic Novels vor.
Frank Meyer zeigt sich von der Bildsprache in Blutchs “Peplum” (avant-verlag) beeindruckt, wie er in seinem Beitrag für das “Radiofeuilleton” im Deutschlandradio Kultur ausführt.
Die Frau im Eis
Mit harten, drängenden, surrealen Bildern stürmt der Comic-Autor Blutch hinein in diese Geschichte. Sie spielt an der äußersten Grenze des römischen Imperiums, im Jahr der Ermordung Julius Cäsars.
Dick vermummte Männer, kurz davor, einander an die Gurgel zu gehen, kämpfen sich durch einen Sturm, bis sie eine Höhle erreichen. Dort herrscht Stille, und vor allem wartet SIE dort: eine fantastisch schöne Frau, vielleicht eine Göttin, eingeschlossen in einen anscheinend unzerstörbaren Eisblock. mehr
Eigentlich hört Astrid nur Jazz. Aber an diesem Abend, Oktober 1960, geht sie auf die Große Freiheit. Und sie hört eine neue Band aus Liverpool … Und da passiert es. Da sieht sie ihn: Den Mann, den sie nie mehr vergessen wird. Ein Comic erzählt jetzt die Liebesgeschichte von Astrid Kirchherr und Stuart Sutcliffe, dem ersten Bassisten der Beatles.
“Seine Coolness”, sagt Astrid Kirchherr, “später dann, als ich ihn kennenlernte, seine Intelligenz, sein künstlerisches Sein und einfach die Liebe zwischen uns. Das hat mich fasziniert. Dieses Einmalige. Und dieses nie wieder Gefundene.” mehr
Der Beitrag wird heute um 23 Uhr und am kommenden Samstag um 22 Uhr auf BR-alpha wiederholt.
Zwei neue Titel liefert der avant-verlag ab Montag aus: “Peplum” von Blutch und den dritten Band der Reihe “Klezmer” von Joann Sfar.
Blutch: Peplum
Peplum führt uns an die äußersten Grenzen des römischen Reiches, in eine barbarische und feindliche Umgebung. Publius Cimber, Nachkomme einer angesehenen Patrizierfamilie, wurde ins Exil in diese unwirtliche Gegend geschickt. Er findet in einer Höhle eine geheimnisvolle Frau, schön wie eine Göttin, die in einem Eisblock gefroren ist. Fasziniert vom Antlitz dieser Frau nehmen er und seine Band von Vagabunden sie mit auf die Reise.
Dieses Epos in zehn Kapiteln strotzt vom zeichnerischen Können des Autors und der faszinierenden Darstellung der Schönheit der Antike, gepaart mit Szenen extremer Gewalt: ein üppiger Comic-Roman, inspiriert durch Passagen des “Satyricon” von Petronius, entfesselt einen unvergesslichen Bildersturm.
Blutch, 2009 geehrt mit der wichtigsten europäischen Comic-Auszeichnung, dem Grand Prix der französischen Stadt Angouleme, zeigt mit Peplum eine neue Facette seines Schaffens: nicht die bitterböse Ironie eines “Blotch – Der König von Paris” oder die humorvollen Jugenderinnerungen aus “Der kleine Christian” (Reprodukt), sondern die Grausameit der antiken Welt, die Unterdrückung und die Qual stehen im Mittelpunkt dieses ausdrucksstarken und experimentellen Werks.
Eine Leseprobe des Bandes lässt sich hier als PDF herunterladen (4,4 MB).
Peplum, ISBN 978-3-939080-44-2, Softcover, schwarzweiß, 160 Seiten, 25 EUR
Joann Sfar: Klezmer Band 3: Diebe, alles Diebe!
Die turbulente Erzählung über die bunte Klezmergruppe findet ihre Fortsetzung. Im Haus ihrer Gönnerin in Odessa finden unsere Freunde ein paar Tage Erholung, aber die örtlichen Kriminellen wittern leichte Beute… Im Russland der Zarenzeit bekommen sie es mit Anarchisten und dem legendären jüdischen Gangsterboss Mischka Japontschik zu tun.
Joann Sfar gehört derzeit sicherlich zu den interessantesten europäischen Szenaristen und begabtesten französischen Zeichnern. Der rührige Franzose wechselt beständig die Genres: Fantastische Geschichten, Abenteuer, Mystische Folklore, Science Fiction, Autobiografisches und Heroic-Fantasy wechseln sich im Werk von Sfar beständig ab. Zudem ist er mittlerweile zu einem bekannten Kinderbuchautoren avanciert und ist mit dem auch in Deutschland gezeigten Publikumserfolg “Gainsbourg” auch unter die Filmemacher gegangen.
Eine Leseprobe des Bandes lässt sich hier als PDF herunterladen (4,2 MB).
Klezmer Band 3: Diebe, alles Diebe!, ISBN 978-3-939080-47-3, Softcover, farbig, 160 Seiten, 19,95 EUR
In der gestrigen Sendung “Büchermarkt” des Deutschlandradios standen drei Graphic Novels im Mittelpunkt: “drüben!” von Simon Schwartz, “Blotch” von Blutch (beide avant-verlag) und “Gift” von Peer Meter und Barbara Yelin (Reprodukt). Als Gäste hatte Literaturkritiker Denis Scheck den Comic-Journalisten und -Herausgeber Andreas C. Knigge sowie Daniela Seel, Herausgeberin und Lektorin des kookbook-Verlags, eingeladen.
Der Beitrag kann in ganzer Länge hier nachgehört werden.
Die Vorstädte, die der Handlungsort der Kurzgeschichten von Mezzo und Pirus sind, könnten überall und nirgends sein. Die einzelnen Geschichten werden jeweils von einem anderen Protagonisten erzählt, aber bald wird offensichtlich, dass sie miteinander verwoben sind und in ihrer Gesamtheit eine einzige große Erzählung ergeben. So formt sich das Bild von Erik, einem drogenkonsumierenden Teenager, der nicht nur mit seinem Stiefvater, sondern mit der ganzen Welt im Streit lebt.
Hyperdetaillierte Bilder, hypnotische Farben und knallharte Geschichten. Die beiden französischen Autoren bringen die Kraft und den Punch eines Charles Bukowski in die Welt der Comics.
Der König der Fliegen 1: Hallorave, ISBN 978-3-939080-38-1, 64 Seiten, farbig, Softcover, 19,95 EUR, erscheint im Herbst 2010
Der König der Fliegen 2: Die Entstehung der Welt, ISBN 978-3-939080-49-7, 64 Seiten, farbig, Softcover, 19,95 EUR, erscheint im Frühjahr 2011
“Klezmer 3: Alles Diebe!” von Joann Sfar
Russland zur Zarenzeit: In bester Tradition Tolstoischer Charakterepen wird ein bunt gemischtes Ensemble aus gesellschaftlichen Randfiguren durch allerlei Schicksalsschläge und widrige Umstände zusammengeführt.
Die turbulente Erzählung beginnt mit Noah Davidovich, auch “Baron” genannt, der mit seiner jüdischen Kapelle in der verschneiten russischen Provinz in den Hinterhalt eines konkurrierenden Klezmerorchesters gerät. Als einziger mit dem Leben davon gekommen, macht er sich auf den weiten Weg nach Odessa, wo auf talentierte Musiker ein Bett, eine warme Mahlzeit und – mit viel Glück – auch ein wenig Bares wartet. So entstand eine gelungene Mischung aus “Die Katze des Rabbiners” und “Der Kurier des Zaren”.
“Joann Sfars politischer ›Klezmer‹ Comic verdient eine Hymne.” – Tages-Anzeiger
“So lebendig wie hier ist die jüdische Musik nur selten.” – B5 Kulturnachrichten
“›Yam Bam Bom Bam Yom Schilibilibiliyom‹. So hat man Klezmer noch nie gehört und gesehen!” – Jüdische Zeitung
Klezmer 3: Alles Diebe!, ISBN 978-3-939080-47-3, 148 Seiten, farbig, Softcover, 19,95 EUR, erscheint im Herbst 2010
“Hair Shirt” von Patrick McEown
Ein Buch über das Ende der Kindheit und das Erwachsenwerden. In einer kanadischen Kleinstadt spielt die Geschichte von John und Naomi, die sich schon als Kinder kannten und nun als Jugendliche wieder begegnen.
Sie verlieben sich, müssen aber erkennen, dass sie die Erinnerung an die Vergangenheit aus sentimentalen Streifzügen, ersten sexuellen Erfahrungen, aber auch der Kindheitstraumata einholt. Denn schmerzliche Erfahrungen und dunkle Geheimnisse von früher treten plötzlich wieder in ihr Leben und ihre schlimmsten Alpträume sind zurück…
Patrick McEown schafft mit lockerem Strich die Atmosphäre eines David-Lynch-Films.
Hair Shirt, ISBN 978-3-939080-46-6, 128 Seiten, farbig, Softcover, 17,95 EUR, erscheint im Herbst 2010
“Peplum” von Blutch
Peplum führt uns an die äußersten Grenzen des römischen Reiches, in eine barbarische und feindliche Umgebung. Publius Cimber, Nachkomme einer angesehenen Patrizierfamilie, wurde ins Exil in diese unwirtliche Gegend geschickt. Er findet in einer Höhle eine geheimnisvolle Frau, schön wie eine Göttin, die in einem Eisblock gefroren ist. Fasziniert vom Antlitz dieser Frau nehmen er und seine Bande von Vagabunden sie mit auf ihre Reise.
Dieses Epos in zehn Kapiteln besticht durch das zeichnerische Können des Autors und die faszinierende Darstellung der Schönheit der Antike, gepaart mit Szenen extremer Gewalt: Ein üppiger Comic-Roman, inspiriert durch Passagen des “Satyricon” von Petronius, entfesselt einen unvergesslichen Bildersturm.
Blutch, 2009 geehrt mit der wichtigsten europäischen Comicauszeichnung, dem Grand Prix der französischen Stadt Angoulême, zeigt in “Peplum” eine neue Facette seines Schaffens: nicht die bitterböse Ironie eines “Blotch” oder die humorvollen Jugenderinnerungen aus “Der kleine Christian” (Reprodukt), sondern die Grausamkeit der antiken Welt, die Unterdrückung und die Qual stehen im Mittelpunkt dieses ausdrucksstarken und experimentellen Werks.
Peplum, ISBN 978-3-939080-34-3, 1044 Seiten, schwarzweiß, Softcover, 17,95 EUR, erscheint im Frühjahr 2011
“B. Traven – Porträt eines berühmten Unbekannten” von Golo
Wenig bis nichts ist über den bekannten Autor B. Traven bislang bekannt. Er führt Zeit seines Lebens ein schattenhaftes Dasein, zurückgezogen von der Öffentlichkeit: Ret Marut, Otto Feige, Traven Torsvan, Hal Croves alias B. Traven. Fünf Namen für ein und dieselbe Person. Der Schriftsteller und sein bewegtes Leben erscheinen wie die Vorlage für eine seiner Romanfiguren.
Er war Schauspieler, Regisseur, Anarchist, Anhänger der Münchner Räterepublik, Zuchthäusler, Matrose und Schriftsteller im Exil, aber auch gefeierter Drehbuchautor in Diensten Hollywoods. Einige seiner bekanntesten Werke erreichten Millionenauflagen, doch durch ein umfangreiches System von Deckadressen und Postschließfächern entzog er sich seinem Publikum. Nach der Emigration aus Deutschland fand er in Mexiko eine neue Heimat, wo er mit der indigenen Bevölkerung lebte, deren Probleme er auch in seinen Büchern thematisierte. John Huston verfilmte 1947 seine Romanvorlage “Der Schatz der Sierra Madre” mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle.
Aber wer war dieser B. Traven wirklich? Der französische Comic-Autor Golo macht sich auf die schwierige Spurensuche in seiner beeindruckenden Graphic Novel über den berühmten Unbekannten.
B. Traven – Porträt eines berühmten Unbekannten, 144 Seiten, farbig, Hardcover, 24,95 EUR, erscheint im Frühjahr 2011
Der WDR Jugendsender 1Live stellt in seiner Sendung “Plan B” gleich drei mal Comic-Neuerscheinungen vor: Der Anfang wurde am Donnerstag mit Will Eisners “Ein Vertrag mit Gott” gemacht. Eine Bildergalerie kann hier angesehen werden. Am Ostermontag folgt “Engelmann” von Nicolas Mahler und am Mittwoch dann “Faust” (alle erschienen bei Carlsen) von Flix.
In der Sendung “Dschungel” auf SWR2 hat Christian Gasser“Der kleine Christian” (Reprodukt) von Blutch vorgestellt. Den Text dazu kann man hier nachlesen.
Jürgen Schickinger bespricht in der “Badischen Zeitung” ausführlich Posy Simmonds’ “ironische und wunderbar leichte Mischung von Erzählung und Comic”, die Graphic Novel “Tamara Drewe” (Reprodukt): “Der Bauer, der Dung, die Nasenoperation”
“In Wessex geht die Post ab” schreibt Brigitte Helbling auf “titel-magazin.de” über das gleiche Buch: “Und über der ganzen Unterhaltung könnte man beinah übersehen, dass Posy Simmonds hier gelingt, was kaum einer vor ihr geschafft hat, nämlich Prosa und Bilderzählung auf eine Weise zu kombinieren, die sich vollkommen eingängig liest.”
Boris Bausch schreibt an gleicher Stelle in “Mélange à trois” über Nicolas de Crécys “Prosopopus” (Reprodukt): “De Crécy bekommt mit Prosopopus eine Mischung aus Wucht und Subtilität hin, die glänzend unterhält und nachhaltig beeindruckt.”
“Punk lebt” stellt Katrin Richter in ihre Besprechung für die “Jüdische Allgemeine” von Gabriel S. Moses “Spunk” (Archiv der Jugendkulturen) fest. In der aktuellen Ausgabe der Popkultur-Theoriereihe “testcard 29: Blühende Nischen” (Ventil Verlag) befasst sich Jonas Engelmann mit der israelischen Comicszene. Der Artikel ist leider nicht online verfügbar.
Auf literaturkritik.de nimmt Fabian Kettner das Erscheinen von Tim Hamiltons Comicumsetzung von Ray Bradburys “Fahrenheit 451″ (Eichborn) zum Anlass, allgemeine Überlegungen zum Buch anzustellen. In “Von der Kulturindustrie zur Kulturkritikindustrie” will er nicht in den Kanon derer einstimmer, die die Aussage der Buchvorlage bedenkenlos feiern.
Nicolas Sarkozy hat Barack Obamas Töchtern Sasha und Maloa bei einem Staatsbesuch “Asterix”-Comics mitgebracht. Das nimmt Kirsten Reinhardt in ihrem Kommentar “Wildschwein für Obamas Töchter” für die “tageszeitung” zum Anlass, geeignetere, zeitgemäßere Comics vorzuschlagen. Sie schlägt unter anderem Joann Sfars “Die Katze des Rabbiners” (avant-verlag) oder Titel von Lewis Trondheim (Reprodukt) vor.
Bereits am 29. Januar berichtete “Arte Journal” über den französischen Zeichner Blutch (“Blotch – Der König von Paris”, “Der kleine Christian”), der Ende Januar als Präsident der Jury in Angoulême auch mit einer Ausstellung seiner Zeichnungen gewürdigt wurde. Auf der ARTE-Website wird eine Videoreportage von Christophe Brunella und Alexis de Favitski präsentiert.
„Blutch“ for President
Christian Hincker, besser bekannt unter seinem Pseudonym Blutch, gilt als einer der einflussreichsten französischen Comic-Zeichner seiner Generation. Für seine Werke hat er schon diverse Preise abgeräumt. Beim 37. Comic-Festival von Angoulême ist er dieses Jahr Präsident der Jury. Für Arte Journal hat ihn Christophe Brunella dort getroffen. mehr
Am vergangenen Wochenende fand im französischen Angoulême wie jedes Jahr das “Festival International de la Bande Dessinée” statt, das größte Comicfestival Europas. Wieder strömten von Donnerstag bis Sonntag zehntausende Besucher in das beschauliche Stadtzentrum, um dort Ausstellungen, Diskussionen, Signierstunden oder weitere Veranstaltungen zu besuchen oder einfach um an den vielen Verlagsständen die neuesten Veröffentlichungen zu erwerben. Höhepunkt war die Verleihung der Festivalpreise in unterschiedlichen Kategorien und die Vergabe des “Grand Prix”, der höchsten Festivalauszeichnung, die immer an einen Zeichner vergeben wird, der wiederum im Folgejahr als Präsident des Festivals mit einer großen Ausstellung gewürdigt wird.
Nachdem in diesem Jahr Blutch (“Blotch – Der König von Paris”, avant-verlag, “Der kleine Christian”, Reprodukt) diese Ehre zuteil geworden war, fiel die Wahl für 2011 auf Baru. Der als Hervé Baruléa geborene französische Zeichner ist auch hierzulande bekannt, derzeit sind mit “Autoroute du soleil” (Carlsen) sein bekanntestes und mit “Elende Helden”(zusammen mit Autor Pierre Pelote, Edition 52) sein neuestes Werk auf Deutsch erhältlich. Darüber hinaus ist seine Boxergeschichte “Wut im Bauch” (Edition 52) in zwei Bänden lieferbar.
In den zum Teil neu geschaffenen Preiskategorien der “Selection Officielle” gewannen wieder eine Reihe Graphic Novels. Besonders erfreulich dabei war die Verleihung des “Prix de l’audace” an den Berliner Autor Jens Harder für sein Buch “Alpha” (erscheint Ende Mai bei Carlsen). Nachdem die französische Veröffentlichung von “Alpha” auf dem Festival des Vorjahrs für Aufsehen gesorgt hatte, war die Nominierung in diesem Jahr folgerichtig und die Auszeichnung natürlich sehr erfreulich.
Weitere Auszeichnungen gingen an Michel Rabagliati, der für “Paul à Québec”, eine Fortsetzung von “Pauls Ferienjob” (Edition 52), den “Prix du public” erhielt. Der “Prix regards sur le monde” ging an David Prudhomme für sein nach dem gleichnamigen griechischen Musikstil benanntes Album “Rébétiko” (Futuropolis), das im Herbst dieses Jahres bei Reprodukt erscheinen wird.
Die in Berlin erscheinende “tageszeitung” berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über einen weiteren Comic. Sven Jachmanns Artikel ist zwar eine Übernahme seines Artikels für das Online-Feuilleton satt.org, soll hier aber doch noch einmal Erwähnung finden, denn wenn sich eine überregionale Tageszeitung beständig mit Graphic Novels beschäftigt, ist das sehr erfreulich.
Zerrbild des reaktionären Bürgertums
In “Blotch – Der König von Paris” erzählt Blutch, also Christian Hincker, eine Geschichte aus dem Pariser Kunst- und Intellektuellenmilieu von 1936. Dort sieht sich der wahre Geist Frankreichs umweht von Intrigen und Machtspielen, von Kubisten und Bolschewisten – und zu allem Überfluss von Friedensmahnern
Blotch ist der selbst ernannte Liebhaber alles Schönen. Aber eigentlich ist er bloß das karikaturesk nicht sonderlich verfremdete Zerrbild des reaktionären Bürgertums. Blotch ist auch der selbst ernannte Rubens der Neuzeit. Aber eigentlich ist er das Alter Ego seines Schöpfers Christian Hincker, besser bekannt als Blutch, nach Angoulême zuletzt beim Fumetto Comic Festival gefeierter Comicautor und Erzähltausendsassa aus Frankreich. mehr
Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse, die mit vielen Neuveröffentlichungen aufwartet, gab es in den letzten Tagen noch einige Besprechungen von Graphic Novels, die in den vergangenen Monaten erschienen waren.
Sascha Dreiers Fussballer-Biografie “Der Papierne” (Ueberreuter), in der der Weg “Vom Straßenfussballer zum Massenidol” nachgezeichnet wird, wird von Lars von Törne auf itagesspiegel.de vorgestellt, inklusive einer mehrseitigen Leseprobe. An gleicher Stelle stellt Micha Wießler vom Berliner Comicladen Modern Graphics unter dem Titel “Ein Reaktionär aus dem Bilderbuch” die fiktive Biografie des französischen Zeichners “Blotch – Der König von Paris” (avant-verlag) aus der Feder des französischen Zeichners Blutch vor.
Dörte Staudt hat für anlässlich der Ausstellung mit Werken Shaun Tans in Troisdorf die “Kölnische Rundschau” mit dem Künstler gesprochen. Sie stellt sein Schaffen in einem Bericht mit dem Titel “Ein neues Land in Bilderwelten” vor.
Zwei heute in der Presse erschienene Rezensionen von Graphic Novels entwickeln – zumindest in den Überschriften – eine eigene Poesie. Auf Thomas Grevens Besprechung von Guy Delisles “Aufzeichnungen aus Birma” auf tagesspiegel.de folgt Christian Gassers Text zu Blutchs “Der kleine Christian” (Reprodukt) und “Blotch – Der König von Paris” (avant-verlag) in der heutigen Ausgabe von “Der Bund”:
Lebe lieber ungewöhnlich
Guy Delisle verbrachte ein Jahr im von einer Militärjunta beherrschten Birma. Seine Erlebnisse in dem südostasiatischen Land sind liebevolle, manchmal verstörende Alltagsgeschichten aus einer fremden Kultur
Ganz früher gab es die Abenteuer des Reporters Tim, von Asterix, dem Gallier, von Prinz Eisenherz – alles strahlende Helden ohne Fehl und Tadel. Dann kamen die Abenteuer komplexerer Charaktere wie Blueberry und Corto Maltese, manchmal arg vereinfachend „Anti-Helden“ genannt. Eine Weile lang gab es dann fast gar keine Abenteuercomics mehr.
Mit Harvey Pekar, Chester Brown, Joe Matt und vielen anderen entdeckten Comic-Schaffende und Leser die Komplexität des „normalen“ Alltags und des eigenen Lebens. Das war gut so … aber vermisst habe ich sie schon, die Abenteuer. Nur realistischer sollten sie sein, irgendwie erwachsener. mehr
Ausserordentlich gewöhnlich
Endlich liegen zwei Werke des französischen Comic-Autors Blutch auch auf Deutsch vor.
Der kleine Christian starrt Cati an, ein verliebter, also dämlicher Ausdruck verzerrt sein Gesicht, er bringt kein Wort heraus – in ihm aber rumort es gewaltig, aus seinem Bauch drängt ein weiterer Christian, der, für die Angebetete leider unhörbar, diese mit leidenschaftlichen Banalitäten bestürmt: «Ich könnte weinen, so schön bist du!» Doch das Ende der Ferien naht, die Trennung ist unvermeidlich, und der 13-jährige Jüngling erlebt den Alltag als feindliche Wüste, durch deren Ödnis und Stürme er sich kämpft wie weiland der wackere Tim. Wenig später klagt er dem Liebes- und Sexguru Marlon Brando sein Leid und lässt sich von ihm einer strengen «Liebesprüfung» unterziehen . . . mehr
Das renommierte deutsch-schweizerische Comicmagazin “Strapazin” widmet sich in Ausgabe 95, die in diesen Tagen erscheint, dem Thema “Playlist Comic und Musik”. Dafür haben sich die Redakteure dieser Ausgabe – Strapazin-Herausgeberin Anja Luginbühl (Edition Moderne) und Martin tom Dieck (“Der unschuldige Passagier”, Reprodukt) – eine Reihe interessanter ComiczeichnerInnen an Bord geholt, die in dieser Ausgabe zum Großteil mit exklusiven Arbeiten vertreten sind, darunter Anna Sommer (“Die Wahrheit und andere Erfindungen”, Edition Moderne), ATAK (“Wondertüte”, Reprodukt) und Blutch (“Blotch – Der König von Paris”, avant-verlag und “Der kleine Christian”, Reprodukt). Letzterer gestaltete auch das Titelbild.
Hier ein Auszug aus dem Vorwort:
Nur selten hört man von Zeichnerinnen oder Zeichnern, denen Musik nicht wichtig ist. Musik läuft beim Zeichnen, inspiriert durch ihre Haltung, Struktur oder Stimme, dient als Referenz, unterstützt die Formfindung, und wird manchmal von der Künstlerin, dem Künstler selbst gemacht.
Verschiedene Spielarten von Literatur, Film, Theater und sogar der Oper wurden und werden als Ausdrucksformen bemüht, um den Comic fassen, einschätzen und einordnen zu können. Wer solche Kategorisierungsversuche nicht allzu ernst nimmt, schliesst sich vielleicht meiner These an, dass sich in dieser weitläufigen Verwandtschaft Comic und Musik am nächsten stehen.
Rhythmus und Struktur, Sound und Stimme – es ist das spezielle Spannungsverhältnis in der Durchdringung zweier gleichzeitig wahrgenommener Ebenen, das die Musik in den Bildergeschichten ausmacht. Es ist der Raum zwischen Musik und Text bzw. Bild und Text, der – um allmählich zur Sache zu kommen – dem Song als auch der Bildergeschichte die poetische Qualität verleiht. Das ist es, was wir Comiczeichner suchen und manchmal sogar erreichen.
Das Heft ist im Comic- und Bahnhofsbuchhandel oder in Deutschland auch via Mailorder erhältlich.
Felix Giesa bespricht für das Kulturportal satt.org Blutchs “Der kleine Christian” (Reprodukt):
Leben und Lieben im Elsass
Schon bevor der eigentliche Comic beginnt, macht Blutch eindeutig klar, um was es in seinem „Kleinen Christian“ gehen wird: Auf der ersten und dritten Seite findet sich je eine kleine Vignette mit einer Sequenz von drei Bildern. Dort sieht man jemand getroffen zu Boden gehen. Beim ersten Mal ist Lucky Luke, beim zweiten Mal ist es ein kleiner Junge, vermutlich Christian, der seinem großen Cowboy-Idol nacheifert. Luke durchschreitet eine Saloontür, seine Sporen klirren, er packt sich an die Brust und fällt vorn über. Christian hat keine Sporen, aber die Posen imitiert er perfekt und das Klirren kann man sich ja auch vorsagen: „klang, klang, kling“. Christian ist also ein Comicfan, aber auch ein Cowboyfan und „Kaubeu“ sein, ist das Größte für ihn. Als jemand, der in den 1970er Jahren aufwächst, ist man dann aber auch Westernfan. Und als solcher behauptet man sich als „einsamer Rächer“ auch gerne „Fern des Rio Grande“ in der Grundschule. mehr
Für “Die Welt” stellt Brigitte Preissler am 16. Mai den französischen Comicautor Christian “Blutch” Hincker vor und dazu seine beiden soeben auf deutsch erschienenen Bände “Blotch – Der König von Paris” (avant-verlag) und “Der kleine Christian” (Reprodukt):
Der einzig wahre Rivale ist Picasso
Der französische Zeichner und Autor Christian Hincker alias Blutch gewinnt zurzeit alle großen Comicpreise – mit Recht. Nun erscheinen zwei seiner Bücher auf Deutsch
“Blotch”, das klingt verdächtig nach “Blutch”. Und wenn der französische Comiczeichner Christian Hincker, der unter dem Pseudonym Blutch arbeitet, eine seiner Figuren Blotch nennt, so liegt die Vermutung nahe, dass es sich um ein Selbstporträt handeln könnte. Nur: Blotch ist fett, hässlich, selbstgefällig und größenwahnsinnig. Und vor allem kann er nicht zeichnen. mehr
Die empfehlenswerte Kultursendung “tracks”, die der deutsch-französische Kulturkanal arte regelmäßig ausstrahlt, bringt am morgigen Freitag, dem 1. Mai, einen Beitrag über das Comicfestival “Fumetto”, das vor kurzem in Luzern stattfand. Berichtet wird unter anderem über Rutu Modan (“Blutspuren”, Edition Moderne) und Blutch (“Der kleine Christian”, Reprodukt und “Blotch – Der König von Paris”, avant-verlag). Die Sendung beginnt um 23.10 Uhr, wird am folgenden Samstag um 3 Uhr wiederholt und kann eine Woche lang im Videoarchiv arte+7 online angesehen werden.
Fumetto
Bunte Bilder und Sprechblasen: Von Gestern ist, wer bei Comics allein nur an Disney denkt. Das Genre hat sich entwickelt und mit den sogenannten Graphic Novels schon lange den Auszug aus dem Kinderzimmer in die Literaturwelt angetreten. Comics haben sich als eigene Kunstform etabliert und präsentieren sich in speziellen Ausstellungen. Eine der größten ist das Internationale Comic-Festival „Fumetto“ in Luzern. Hier treffen Bildergeschichten auf Gemälde, Literatur auf Sprechblasen. Eine ganze Woche lang trifft sich das „Who Is Who“ der internationalen Comicszene und zeigt der interessierten Welt die neuesten Geschichten und die kreativsten Panels. „Tracks“ wirft sich ins Getümmel.mehr
Weiter geht es mit positiven Besprechungen der beiden gerade in deutscher Sprache veröffentlichten Graphic Novels von Blutch (“Blotch – Der König von Paris”, avant-verlag und “Der kleine Christian”, Reprodukt).
Diesmal ist “FAZ”-Autor Andreas Platthaus voll des Lobes für die beiden Bücher:
Aus Blutch werde Blotch: Zwei sensationelle autobiographische Fiktionen
Manchmal braucht man als Verlag ein bißchen Glück. Von Blutch alias Christian Hincker, war auf Deutsch so gut wie nichts erschienen, als Reprodukt, das nimmermüde Haus für anspruchsvolle Comics vor allem aus Frankreich, und Avant, der gleichfalls unermüdliche Verlag für ebenjene, nahezu zeitgleich die Übersetzungen von jeweils einem Titel des 1967 geborenen Zeichners ankündigten: „Le petit Christian” (Reprodukt) und „Blotch” (Avant). Dann gewann Blutch im Januar den Großen Preis der Stadt Angoulême, die bedeutendste Comic-Auszeichnung Frankreichs (und damit Europas und eigentlich auch – analog zur Goldenen Palme der Filmfestspiele von Cannes – der ganzen Welt), und plötzlich hatten die beiden Verlage einen Autor im Programm, mit dem man zumindest gut Reklame machen konnte. Die deutschen Leser allerdings haben sich durch Angoulême noch nie beeindrucken oder gar beeinflussen lassen; für französische oder auch andere Comic-Meisterwerke der letzten Jahre gibt es hier einfach immer noch kein großes Publikum. Seltene Ausnahmen wie Marjane Satrapis „Persepolis” bestätigen die Regel. mehr
Auf dem Literatur-Portal “goldmag” gibt es seit dem 26. April eine ebenso umfassende wie charmante Rezension über “Der kleine Christian” von Blutch zu lesen, geschrieben von Nikolai Preuschoff.
Heiliger Steve McQueen
Blutchs „Kleiner Christian“ erzählt vom Leben in Bildern
“Ich bin der einsame Rächer von Texas. / Ich habe zwei Pistolen. / (Wahnsinn, Banditen!) Wie ist Dein Name, Fremder? / Mein Name spielt keine Rolle!”
Doch, der Name spielt eine Rolle! Christian ist nämlich nicht nur der ‚Held‘ eines Comic-Buches über einen ganz normalen Jungen, der im Elsass in einer ganz normalen Phantasiewelt aufwächst. Christian (sprich: Christián) ist auch Christian Hincker (wie Blutch mit bürgerlichem Namen heißt), Autor und Zeichner der zwei Bände des „kleinen Christian“, die jetzt, in einem vereint, auf deutsch bei Reprodukt erscheinen. mehr
Mit gleich zwei auf Deutsch übertragenen Bänden kann man den französischen Comic-Autoren Blutch jetzt auch bei uns kennenlernen – und in eine höchst wunderbare Welt einsteigen
Gleich zwei Titel des französischen Comic-Autoren Blutch sind dieser Tage auf Deutsch erschienen: “Der kleine Christian” im Reprodukt-Verlag, der damit zwei in Frankreich 1998 und 2008 erschienene Bücher in einer Gesamtausgabe vorlegt. Dazu wartet der avant-Verlag mit “Blotch – Der König von Paris” auf.
Der soeben mit dem Grand Prix de la Ville d’Angoulême, dem wichtigsten europäischen Comicpreis ausgezeichnete Blutch, mit bürgerlichem Namen Christian Hincker, ist in Deutschland bisher noch kaum wahrgenommen worden. Die beiden Publikationen, die das nun ändern könnten, haben auch über das zufällige Zusammenfallen der deutschen Erscheinungstermine hinaus einige Gemeinsamkeiten, darunter die episodenhafte Erzählstruktur, die Selbstreferenzialität des Mediums Comic, oder, wie die Titel bereits nahelegen, das Spiel mit der Autorenpersönlichkeit. mehr
Anlässlich des aktuellen Fumetto-Festivals in der Schweiz hat sich “Arte Kultur” mit dem französischen Zeichner Blutch getroffen, der als Artist in Residence in Luzern weilt. In einem Video-Beitrag, der auch online abgerufen werden kann, werden der Zeichner und seine Arbeit vorgestellt.
Das größte Comictreffen der Schweiz.
In Luzern läuft seit diesem Wochenende und noch bis zum 5. April das 18. Internationale Comix Festival Fumetto. Das familiäre Sprechblasentreffen in der Schweiz ist – fern aller Großverlage – die wichtigste Leistungsschau des alternativen Comics in Europa. Gezeigt werden moderne Bilderwelten und Comickünstler zum Anfassen, kreuz und quer durch die ganze Stadt , in 18 Haupt- und 58 Satellitenausstellung. Arte Kultur traf in Luzern den Ehrengast des diesjährigen Festivals, den französischen Zeichner Blutch.mehr
Bemerkenswerterweise am selben Tag berichten heute die beiden größten Tageszeitungen der Schweiz über die Neuerscheinungen des französischen Autors Blutch (“Blotch – der König von Paris” im avant-verlag und “Der kleine Christian” bei Reprodukt) und dessen Gastaufenthalt beim Comicfestival Fumetto.
Für die “NZZ” schreibt Christian Gasser:
Die gewöhnlichen Geschichten des Lebens
Der Comic-Autor Blutch kommt als Artist in Residence ans Luzerner Comix-Festival Fumetto
Im Januar erhielt Blutch den Grossen Preis der Stadt Angoulême. Ausserhalb Frankreichs hingegen ist der Comic-Zeichner wenig bekannt. Vielleicht ändert sich das nun: Dieser Tage erscheinen seine witzigsten Bücher, «Der kleine Christian» und «Blotch», auf Deutsch. Überdies ist er Artist in Residence am Luzerner Comix-Festival Fumetto 2009.
Er stecke in einer unkomfortablen Situation, sagt Blutch: «In der Comic-Welt bin ich kein junger Marquis mehr, aber auch noch kein alter Baron.» Er sitzt auf einem Sofa, in sich zusammengesunken. «Ehrlich gesagt», fährt er nach einer Pause fort, «ich weiss nie, ob meine Geschichten interessant sind oder nicht. Ich bezweifle es. Deshalb mache ich immer noch ein nächstes Buch, um das vorherige zu korrigieren.» mehr
Im “Tagesanzeiger” berichtet Alexandra Kedves:
Comics als Grundnahrungsmittel für die Fantasie
Blutch ist einer der ganz Grossen des französischen Autoren-Comics – und einer der ganz Scheuen im Medienzirkus. Jetzt kommt er zum Fumetto-Festival nach Luzern.
Im kleinen Christian steckt ein grosser Kerl: ein Held mit Hut, Revolver und Hengst. Zu dumm, dass Maman dafür einfach blind ist. Sie schickt John Wayne ins Bett, wenn der Western im Fernsehen läuft, und Tintin in die Schule, wenn der Wüstenwind weht; sie zwingt Lucky Luke zum Aufessen, wenns Spinat gibt, und, am allerschlimmsten, sie konfisziert die Comic-Hefte, in denen edle, wilde Kämpfer edle, wilde Dinge tun. Aber so leicht lässt sich der Stoff, aus dem Bubenträume sind, nicht liquidieren: Der kleine Christian und seine Freunde haben die Familie, die Schule – und ausserdem ein Paralleluniversum ganz für sich allein. mehr