Graphic Novels
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“It’s a Bean’s World”

Montag, den 7. Mai 2012

In der aktuellen Ausgabe der “Jungle World” ist die deutschsprachige Ausgabe von Larry Marders “Bohnenwelt” (Ventil Verlag) der Aufmacher der Kulturbeilage “Dschungel”. In einem ausfĂĽhrlichen Beitrag stellt Georg SeeĂźlen den Figurenkosmos vor und geht detailliert auf die Besonderheiten des Bandes ein.

Neben der seiner Meinung nach sehr geglĂĽckten Ăśbersetzung faszinieren in dem Band, wie Marder das Funktionieren von Gesellschaft portraitiert, wie der Band fĂĽr Kinder und Erwachsene gleichermaĂźen als Unterhaltung funktioniert und darĂĽber hinaus sich eine eigene Nische “zwischen Documenta und Systemtheorie” geschaffen hat: “It´s a Bean´s World”.

FĂĽnf Fragen: Daniela Seel und Dirk Schwieger | “Bohnenwelt”

Samstag, den 3. März 2012

Mit der “Bohnenwelt” von Larry Marder ist beim Mainzer Ventil Verlag eine erste Graphic Novel erschienen. Im Unterschied zu vielen anderen Graphic Novels spielt die Handlung hier in einer Fantasiewelt – eben der Bohnenwelt, die nach ihren ganz eigenen Gesetzen funktioniert und in der Figuren wie Mr. Spuk, Professor Garbanzo und Bohnerich ihre Abenteuer erleben. Larry Marders Wortwitz, sein Spiel nicht nur mit den Figuren, sondern auch mit der Sprache, war eine besondere Herausforderung bei der Ăśbertragung ins Deutsche. Daniela Seel und Dirk Schwieger, die beiden ĂśbersetzerInnen des Buches, beantworten fĂĽnf Fragen zur “Bohnenwelt” und zu ihrer Ăśbersetzung.

Daniela Seel ist Übersetzerin, Lyrikerin, Herausgeberin und Verlegerin. 2003 hat sie den Verlag kookbooks geründet, in dem Gedichtbände, Prosa und Kinderbücher erscheinen.

Dirk Schwieger ist Comicautor. Zuletzt erschien eine Neuauflage seine Reisejournals “Moresukine” (Reprodukt), in dem er die EindrĂĽcke eines Aufenthalts in Japan festhielt. FĂĽr das Goethe-Institut beteiligt er sich mit am deutsch-japanischen Comicblog “Nichimandoku”.

Worum geht es in der “Bohnenwelt”?

Seel: Puh. Wie heiĂźt es bei “Per Anhalter durch die Galaxis”? Um “das Leben, das Universum und den ganzen Rest“.

Schwieger: Vordergründig geht es um dieses kleine Völkchen bohnenförmiger Jäger und Sammler. Nach und nach entdecken die Leser_innen mit ihnen ihre Welt und deren Gesetzmäßigkeiten, lernen andere Lebensformen kennen und sehen den Bohnen dabei zu, wie sie versuchen, sich in allem zurechtzufinden und zu organisieren. Was großen Spaß macht, weil Larry Marder die Bohnenwelt mit viel Witz und Weisheit entworfen hat, und die Hauptfiguren – ein Held, eine Wissenschaftlerin, ein Künstler und drei Musiker – einem schnell ans Herz wachsen.

Seel: Erzählt wird klassisch in Episoden. Man taucht in die Abenteuer der Bohnen ein, fiebert mit ihnen mit und wird ganz nebenbei angeregt, ĂĽber Grundfragen von Zusammenleben nachzudenken. Welche Zugänge zur Umwelt, in der man sich mit anderen Lebewesen wiederfindet, gibt es, welche Handlungsmöglichkeiten? Wie entstehen Routinen und Rituale, auch Arbeitsteilung, wie bilden sich daraus Gemeinwesen und ihre Organisationsformen? Was sind Spezies? Es ist fantastisch, wie Marder ĂĽber Sprache, Wissenschaft, Krieg, Kunst, Spiel, Handel, Spiritualität … reflektieren kann, einfach indem er Geschichten zeichnet.

Richtet sich das Buch an Kinder oder Erwachsene?

Schwieger: Sowohl als auch. Das Tolle an der Bohnenwelt ist, dass sie auf verschiedenen Ebenen funktioniert. In den USA sind auch viele Kinder ab dem Grundschulalter Fans der Bohnen, weil die Sprache sehr zugänglich, die Handlung sehr abenteuerlich und die Bohnenwelt voller Rätsel und geheimer Zusammenhänge ist.

Seel: Man traut es Marders Strichmännchen vielleicht nicht auf den ersten Blick zu, aber die Bohnenwelt hat eine ganze Reihe starker Charaktere zu bieten, Figuren, mit denen man sich auch identifizieren kann. Als Kind freut man sich vielleicht einfach über die Abenteuer, die Sprachspiele oder die schrulligen Typen, als Erwachsener kann man darüber hinaus etliche Verweise auf unsere Kultur (-geschichte) entdecken und ein bisschen über dies und das nachsinnen.

Ein Thema des Buches ist Ă–kologie, ist es also ein Sachcomic?

Seel: Nein, es ist Fiktion. Aber keine eskapistische, also sie versucht nicht, die Leser_innen von realen Problemen abzulenken, sondern sich mit ihnen künstlerisch auseinanderzusetzen. Man könnte vielleicht sagen, dass die Bohnenwelt in einer aufklärerischen Tradition steht, ohne didaktisch zu sein, diese Tradition aber auf irgendwie trashige, selbstironisch-poppige Weise zugleich auch schon wieder bricht. Marder zieht vieles durch den Kakao, ohne es dabei lächerlich zu machen. Wirklich faszinierend, wie gut er diesen Balanceakt schafft.

Schwieger: Marder ist ein großer Anhänger von Duchamps Ansicht, dass nicht der Künstler, sondern der Betrachter das Bild erschafft. Die Geschichten der Bohnenwelt sind voller Anspielungen und Verweise – politische, popkulturelle, mythische. Je nachdem, was die einzelnen Leser_innen an Erfahrungen und Einstellungen mitbringen, entsteht ein sehr anderes Leseerlebnis. Es gibt auch jede Menge ökologische Anklänge, aber nur die Leser_innen geben den Ausschlag, ob sie sie zum Klingen bringen.

Was unterscheidet die “Bohnenwelt” von anderen Graphic Novels?

Seel: Die “Bohnenwelt” ist keine Graphic Novel, sie ist ein Comic.

Schwieger: Es gibt natĂĽrlich viele ganz groĂźartige Graphic Novels, aber mitunter folgen sie einem sehr eingeschränkten Ideal von vermeintlicher Hochkultur. Solche “Arthaus-Comics” sind dann häufig sehr verdrieĂźlich und prätentiös, die Figuren dauerbetroffen, und ständig regnet es. Die Bohnenwelt dagegen ist quietschig und glossy und albern, und gerade darin genial. Marder steht zu Trash und Pop und bedient sich ausdrĂĽcklich in der Geschichte des eigenen Mediums, bei Jack Kirby, “Krazy Kat” oder Crumb.

Seel: Graphic Novels sind leider zu oft ziemlich textschwach. Sie versuchen, romanartig zu erzählen, kriegen aber keine literarische Sprache hin. Mir vergeht da schnell alle Freude, mögen die Zeichnungen noch so gut sein. Und das ist bei Marder ganz anders. Es ist unglaublich, was er allein durch seine Sprache rüberbringen kann, und das obwohl vordergründig alles so comicmäßig schlicht ist.

Worin bestand die Herausforderung bei der Ăśbersetzung?

Seel: Eben genau in der auf den Punkt sitzenden literarischen, ja poetischen Sprache, die stark mit Rhythmen und Assonanzen arbeitet, Alliterationen, Reimen, Neologismen; es gibt etliche Anspielungen auf Werbeslogans, überhaupt Intertextualität, dann Slangs, Dialekte und Akzente. Jede Figur hat einen ihr eigenen Sprachmodus und dadurch direkte Wiedererkennbarkeit, auch die Charaktere aus anderen Kulturen, also die Nicht-Bohnen-Kreaturen.

Schwieger: Dazu kommt, dass das Deutsche deutlich umständlicher als das Englische ist. Am schwierigsten fand ich, bei den vielen Slogans und Sprüchen, die Marder klopft, die Verknappung hinzubekommen. Letztlich soll der ganze Sprachwitz mit seinen merkwürdigen Klängen ja nicht kompliziert und gekünstelt wirken, sondern die Leser_innen gut gelaunt durch die Seiten gleiten lassen.

“Bohnenwelt” von Larry Marder

Montag, den 6. Februar 2012

Ab sofort bestellbar ist “Die Bohnenwelt” von Larry Marder, die erste Graphic Novel, die beim Mainzer Ventil Verlag erscheint.

Die Bohnenwelt ist ein wahnwitziger Figuren­kosmos, den Autor und Zeichner Larry Marder seit den 1980er-Jahren ­beständig ausbaut. Im Zentrum steht ein Stamm bohnenförmiger Jäger und Sammler, der nach und nach seine Umwelt erforscht, Musik, Kunst oder Philosophie entdeckt und dabei einer Unzahl merk­würdiger Kreaturen begegnet.

Nicht selten erschüttern die schrägen Gescheh­nisse um Mr. Spuk, Professor Garbanzo und Bohnerich das mit viel Humor entworfene Ökosystem der Bohnenwelt. Doch immer wieder stellt sich eine über­raschende, neue Ordnung ein, die schon bald in Alltag übergeht.

Ist die Bohnenwelt also eine Metapher auf den menschlichen Körper? Ist sie eine politische Utopie? Oder ein ökologisches Manifest? Kinderbuch oder Konzeptkunst? Soviel ist sicher – Marder verspricht jedem Leser ein ganz eigenes Erlebnis: »Die Bohnenwelt ist kein Ort, sie ist ein Prozess!«

Aus dem Englischen von Dirk Schwieger (“Moresukine”, Reprodukt) und Daniela Seel.

Bohnenwelt, ISBN 978-3-931555-44-3,  272 Seiten, schwarzweiß, Softcover, 17,90 EUR, erscheint im März im Ventil Verlag

Neue Graphic Novel im Ventil Verlag

Donnerstag, den 6. Januar 2011

Mit der “Bohnenwelt” von Larry Marder veröffentlicht nun auch der Mainzer Ventil Verlag eine erste Graphic Novel. Der Band erscheint im März, passend zur Buchmesse in Leipzig.

Sie sind klein, garstig, selbstbewusst, philosophisch, biologisch-dynamisch und anarchistisch. Sie sind: Bohnen. Und sie sind die Helden eines aberwitzigen Kult-Comics, der in den USA seit den 1980er-Jahren die unterschiedlichsten Leserschichten fasziniert: “Bohnenwelt” von Larry Marder.

Das so entstandene Konzeptkunstwerk, dessen Erfolg ĂĽber die US-amerikanische Comic-Szene weit hinaus ging und auf der Bestsellerliste der “New York Times” fĂĽr Graphic Novels den Platz eines Klassikers eingenommen hat, wurde in den vergangenen 20 Jahren in den USA sogar immer wieder als Unterrichtsmaterial verwendet. Denn diese Bohnen erkunden die Welt mit der Leichtigkeit von Kindern: verspielt, naiv und weise. Ein Ă–ko-Comic, der die Abhängigkeiten der verschiedenen Lebewesen untereinander amĂĽsant und pointiert thematisiert.

Aber “Bohnenwelt” ist noch mehr: ein amĂĽsantes, kluges Lese- und Schauereignis, gespickt mit politischen und kĂĽnstlerischen Verweisen, sprachlich zwischen Kinderreimen und konkreter Poesie. Oder, wie Larry Marder seine sonderbare Welt der HĂĽlsenfrĂĽchte umschreibt: “It´s not a place – it´s a process!”

Larry Marder wurde 1951 in Chicago geboren. Marder arbeitete in der Werbebranche, als Executive Director des US-amerikanischen Comicverlags Image und als Präsident des Spielwarenherstellers McFarlane Toys. Kunststudium an der Hartford Art School. Seine Auseinandersetzung mit der Conceptual Art fĂĽhrte 1984 zur Veröffentlichung des ersten “Beanworld”-Comics im Eigenverlag.

Ăśbersetzt wurde der Band von Dirk Schwieger (“Moresukine”, Reprodukt) und der Ăśbersetzerin, Lektorin und Herausgeberin Daniela Seel (kookbooks).

Bohnenwelt, ISBN 978-3-931555-44-3,  272 Seiten, schwarzweiss, Softcover, 16,90 EUR, erscheint im März im Ventil Verlag