Graphic Novels
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Archiv des Tags ‘Chagall in Russland’

Graphic Novels in den Medien – 8. März 2013

Freitag, den 8. März 2013

Der Hamburger Lokalsender Tide TV stellte vorgestern in einem längeren Beitrag die Hamburger Comicszene vor. Zu Wort kommen Carlsen-Redakteur Ralf Keiser sowie die Comic-AutorInnen Maria Luisa Witte und Larissa Bertonasco (“Spring”) sowie Arne Bellstorf (“Baby´s in black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe”, Reprodukt).

Für Waldemar Kesler ist Joann Sfars “Chagall in Russland” (avant-verlag) ein “herausragender Comic”, wie er in der Welt schreibt: “Plötzlich ist Jesus ein Grüner”. “Das Chagall-Porträt von Joann Sfar ist ein großer Wurf. Sfar betrachtet dessen Malerei durch die Brille seiner eigenen Wahrnehmung der jüdischen Kultur.”

In der Frankfurter Rundschau befasste sich Christian Schlüter ausführlich mit Helmut Wietz’ “Der Tod von Adorno” (metrolit): “Der Libido-Kick von ’68″. Sein Urteil ist eindeutig, der Band sei “in seiner eigenwilligen und, gemessen an dem zur Zeit vorherrschenden Graphic-Novel-Ernst, grotesk-komischen, bisweilen dilettantischen und durchweg eklektischen Machart schlichtweg großartig.”

“Krach! Bumm! Alltag! Deutschsprachige Comics und die Kunst der Reportage”. Das auf Deutschlandradio Kultur ausgestrahlte Radiofeature , das sich mit aktuellen Trends im Bereich der Graphic Novel auseinandersetzt, lässt sich leider nicht nachhören – dafür liegt das Manuskript in zwei Dateiformaten zum Nachlesen vor. Zu Wort kommen darin die AutorInnen Ulli Lust (“Heute ist der letzte Tag vom Rest Deines Lebens”), Paula Bulling (“Im Land der Frühaufsteher”), Verleger Johann Ulrich (alle avant-verlag), David Schraven (“Kriegszeiten”) und der Ladeninhaber Torsten Alisch vom Groben Unfug in Berlin. Redakteurin des Beitrags war Anette Selg.

Update: Das Feature kann nun hier nachgehört werden.

Selg stellte im Radiofeuilleton des Deutschlandfunks auch “Das Spiel der Schwalben” von Zeina Abirached vor: “Illustrierte Vergangenheitsbewältigung”. Die Autorin kommt ausführlich zu Wort.

Auf tagesspiegel.de stellt Marc Röhling zwei Veröffentlichungen des amerikanischen Comic-Journalisten Joe Sacco vor, von der eine (“Reportagen”, Edition Moderne) in Kürze auf deutsch erscheinen wird: “Sacco und wie er die Welt sieht”.

Für den in den vergangenen Tagen verstorbenen Comic-Autoren Didier Comès schreibt Ralph Trommler auf tagesspiegel.de einen Nachruf: “Ein Pionier der Graphic Novel”.

Graphic Novels in den Medien – 29. Januar 2013

Dienstag, den 29. Januar 2013

Jonathan Schreiner schreibt in der Jüdischen Allgemeinen über die beiden zuletzt von Joann Sfar erschienenen Bände “Chagall in Russland” und “Klezmer 4: Trapezschwünge” (beide avant-verlag): “Schwerelos in Jiddischland”. Sein Urteil fällt eindeutig aus: “Beide zählen in zeichnerischer Hinsicht zum Aufregendsten, was Sfar bislang produziert hat.”

Auf dem Blog popkulturschock.de zeigt sich die Rezensentin Desirée Löffler in ihrer Besprechung von Camille Jourdys “Rosalie Blum” (Reprodukt) sehr angetan, sowohl was die Geschichte wie auch ihre Umsetzung angeht. Dabei bemerkt sie auch: “Es ist mir schleierhaft, warum Rosalie Blum in den Feuilletons untergegangen ist.”

Darauf hat die Süddeutsche Zeitung postwendend reagiert und in der gestrigen Ausgabe eine Buchvorstellung des Bandes von Anja Perkuhn veröffentlicht. Auch hier werden die vielschichtigen Charaktere in den Vordergrund gestellt und ihre Suche nach Halt und Erfüllung: “Äußerst unterhaltsames Stalking”.

Graphic Novels in den Medien – 8. Januar 2013

Dienstag, den 8. Januar 2013

Anlässlich der Veröffentlichung der letzten Bände von Joann Sfar – “Chagall in Russland” sowie “Klezmer, Band 4: Trapezschwünge” (beide avant-verlag) – widmet der freitag dem französischen Autoren ein Portrait, das vor allem seine Darstellung jüdischen Lebens in den Mittelpunkt stellt: “Rettung im Comic”. Jonas Engelmann stellt dabei heraus, dass Sfar dabei einen Aspekt in den Mittelpunkt stellt: “die Errettung der vom deutschen Nationalsozialismus zerstörten europäisch-jüdischen Lebenswelt durch ihre Überführung in den Comic”.

Gleich zwei Graphic Novels wurden gestern im Deutschlandradio besprochen: In “Philosophierende Vögel” stellt Frank Meyer Anders Nilsens “Große Fragen” (Atrium) vor. Dem Rezensenten gefallen nicht nur die Zeichnungen: Dass Anders Nilsen seine meditative Fabel über die “Großen Fragen” auch mit einer Aura aus Ironie, Witz und Absurdität ausgestattet hat, das spricht zusätzlich für dieses Buch. (Direkt zum Audiobeitrag geht es hier.) Die Buchempfehlung für den Monat Januar ist “Quai d’Orsay” von Abel Lanzac und Christophe Blain (Reprodukt). Den Band besprach Dirk Fuhrig: “Christophe Blain zeichnet mit solcher Präzision und einem derart feinen Gespür für komische Situationen, dass ein gestochen scharfes Bild der Politikerkaste im Allgemeinen entsteht: Eitelkeiten, Etikette, Hierarchie und so manche Selbstüberschätzung.”: “Pointenreiche Bilder über die Schwächen der Politik”. (Audiobeitrag hier)

“WAMM macht die Tür” ist Brigitte Helblings Beitrag auf culturmag.de betitelt, der sich ebenfalls mit “Quai d’Orsay” beschäftigt und indem die Autorin beschreibt, den Band unterschätzt zu haben: “Interessant, unterhaltsam, komisch, berührend – man kommt mit den Adjektiven gar nicht hinterher, wenn man diesen Comic beschreiben will.”

“Aufrichtig und ganz und gar großartig” findet Mario Osterland “Die Kunst zu fliegen von Antonio Altarriba und Kim (avant-verlag), wie er auf tagesspiegel.de schreibt: “Ein Blutsbündnis”. Dementsprechend wünscht er dem Band eine möglichst große Leserschaft über die iberische Halbinsel hinaus.

Neue Graphic Novels im avant-verlag

Montag, den 17. Dezember 2012

Gleich vier neue Titel des avant-verlags werden in den nächsten Tagen an den Handel ausgeliefert.

“Doppeltes Glück mit der Roten Kralle” von Joe Daly

Im sonnengegerbten Kapstadt an der südafrikanischen Küste treiben den hoffnungslosen Zeichner Dave, den das Leben mit Misserfolg und Affenfüssen gestraft hat, und seinen gammeligen Lebenskünstler-Buddy Paul seltsame Ereignisse um. Eine fiese Deadline, ein mysteriöses Verbrechen, eine nur halb so schlimme Überschwemmung, feinstes Dope, das nie lange hält, und dann fängt die Story erst richtig an…

Im bester „Big Lebowski“- Manier lässt Comic-Künstler und Humorist Daly sein Bohème-Katastrophen-Gespann Dave und Paul auf die südafrikanische Hauptstadt los und erzählt nicht eine, nein, zwei famose und hoch komische Geschichten, die irgendwo zwischen Hergé, Freak Brothers und „Magnum“ ein neues Genre eröffnen.

„Ein großer Spaß, der stets etwas mehr bietet, als man auf den ersten Blick vermuten würde, aber sich auch nicht zu schade ist, bisweilen einfach nur auf den Putz zu hauen.“ – Jeffrey Brown

Doppeltes Glück mit der Roten Kralle, ISBN 978-3-939080-67-1, 114 Seiten, farbig, Softcover, EUR (D) 19,95

“Die falschen Gesichter” von David B. & Hervé Tanquerelle

Ein Februartag 1975 in Paris. Während eines Banküberfalls kommt es zu einer Schießerei zwischen Polizei und Berufsverbrechern, bei der einer der Gangster sein Leben lässt und seine Kumpanen nur mit knapper Not entkommen. Eine andere Methode, die Geldinstitute zu erleichtern muss her – und die Lösung scheint so einfach: Während all die anderen Bankräuber auf der Welt noch mit Damenstrümpfen über dem Gesicht in die Banken marschieren, fängt die „Bande der falschen Gesichter“ an, sich mit Perücken, falschen Bärten und Make-Up zu verkleiden und täuscht mit diesem Mummenschanz nicht nur das Sicherheitspersonal vor Ort, sondern auch die Polizei. Während ihre Verfolger im Dunkeln tappen, werden die „falschen Gesichter“ nicht nur in Unterweltkreisen zu Helden stilisiert.

Inspiriert von wahren Fällen lassen der französische Tausendsassa David B. und der Zeichner Hervé Tanquerelle die Tradition des Roman noir im Comic fortleben und fangen den Zeitgeist der 70er und die Atmosphäre der französischen Thriller mit Alain Delon und Konsorten meisterhaft ein.

Die falschen Gesichter, ISBN 978-3-939080-66-4, 152 Seiten, zweifarbig, Softcover, EUR (D) 19,95

“Klezmer 4 – Trapezschwünge” von Joann Sfar

Russland zur Zarenzeit: In bester Tradition Tolstoischer Charakterepen wird ein bunt gemischtes Ensemble aus gesellschaftlichen Randfiguren durch allerlei Schicksalsschläge und widrige Umstände zusammengeführt. Die turbulente Erzählung beginnt mit Noah Davidovich, auch „Baron“ genannt, der mit seiner jüdischen Kapelle in der verschneiten russischen Provinz in den Hinterhalt eines konkurrierenden Klezmerorchesters gerät. Als einziger mit dem Leben
davon gekommen, macht er sich auf den weiten Weg nach Odessa, wo auf talentierte Musiker ein Bett, eine warme Mahlzeit und – mit viel Glück – auch ein wenig Bares wartet.  So entstand eine gelungene Mischung aus “Der Kurier des Zaren” und “Die Katze des Rabbiners”.

„So lebendig wie hier ist die jüdische Musik nur selten.“ – B5 Kulturnachrichten

„ ›Yam Bam Bom Bam Yom Schilibilibiliyom‹. So hat man Klezmer noch nie gehört und gesehen!“ – Jüdische Zeitung

Klezmer 4 – Trapezschwünge, ISBN 978-3-939080-72-5, 120 Seiten, farbig, Softcover, EUR (D) 19,95

“Chagall in Russland” von Joann Sfar

Wer nach „Pascin“ eine weitere Künstlerbiografie Sfars erwartet, wird Augen machen. Blaue Augen, wie die von Marc Chagall, dem jüdischen Jüngling in Sfars bunt wuchernder Erzählung. Sfars Chagall ist nicht der Expressionist, den man aus dem Kunstunterricht kennt, sondern ein blonder, verträumter russischer Maler, dem nichts ferner läge, als in die französische Kunst-Diaspora zu emigrieren. Er möchte in seinem russischen Dorf bleiben und das Mädchen seiner Träume heiraten. Aber ihr Vater ist gegen die Verbindung – was hat der Tagträumer seiner Tochter denn schon zu bieten? Soll Chagall für die Liebe die Kunst aufgeben und sich einen Beruf suchen? Darauf weiß auch der Dorfrabbi keinen Rat. Dann hat Chagall eines Nachts eine Vision, die sein Leben verändern wird.

In der Tradition seiner Serien „Klezmer“ und „Die Katze des Rabbiners“ entführt Sfar seine Leser einmal mehr in die jüdischen Lebenswelten zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Chagall in Russland, ISBN 978-3-939080-73-2, 128 Seiten, farbig, Softcover, EUR (D) 19,95

Neue Graphic Novels im avant-verlag

Sonntag, den 27. Mai 2012

Von Juni bis Dezember 2012 erscheinen vierzehn neue Comics im Berliner avant-verlag. Das neue Programm startet im Juni mit sechs Neuheiten, die zum Comic-Salon Erlangen erscheinen werden. Von den französischen Künstlern David B. und Golo werden Titel vorgelegt, daneben erscheinen zwei Comics von jungen deutschen Zeichnerinnen: “Im Land der Frühaufsteher” von Paula Bulling und “Hühner, Porno, Schlägerei” von Sophia Martineck sowie mit “Berlin – Geteilte Stadt: Zeitgeschichten” ein neuer Titel des Duos Susanne Buddenberg und Thomas Henseler (“Grenzfall”) und “Noise”, so der Titel der neuen Anthologie von Tonto.

Susanne Buddenberg & Thomas Henseler, Paula Bulling, Sophia Martineck, Golo und David B. werden auf dem Comic-Salon zugegen sein, um ihre neuen Comics zu signieren.

“Die besten Feinde – Erster Teil 1783/1953″ von Jean-Pierre Filiu & David B.

Der französische Historiker und Islamwissenschaftler Jean-Pierre Filiu erzählt die Geschichte der amerikanischen Beziehungen zum Nahen Osten, und zwar von 1783, als die gerade entstandene amerikanische Nation gegen muslimische Piraten im Mittelmeer aktiv wurde, bis 1953, als die CIA den iranischen Premierminister Mossadegh stürzte und den Schah wieder an die Macht brachte. Immer wieder lassen sich erschreckende Parallelen zwischen der historischen und der aktuellen Politik ziehen… In einzelnen Episoden werden die wichtigsten Stationen beleuchtet und David B.s beeindruckende Bilder bieten die ideale Ergänzung zu diesem Geschichtscomic.

Jean Pierre Filiu ist ein französischer Kulturwissenschaftler und einer der angesehendsten Experten des Landes für den modernen Islam. Sein Forschungsschwerpunkt sind die unterschiedlichen globalen Jihad-Bewegungen, vor allem die Al Qaida. Er unterrichtet am Institut d’Ètudes Politiques in Paris.

David B. ist Gründungsmitglied des renommierten Verlags L’Association und einer der virilsten Vertreter der neuen französischen Comiclandschaft.

Die besten Feinde, ISBN 978-3-939080-63-3, 120 Seiten, schwarzweiß, Hardcover, 19,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Chronik einer verschwundenen Stadt” von Golo & Dibou

Unweit von Luxor, einem der touristischen Hochzentren Ägyptens, liegt die kleine Stadt Qurna. Noch. Denn Qurna und seine Bewohner müssen den touristischen Strömen Luxors weichen. Die französischen ZeichnerInnen Golo und Dibou, die seit 10 Jahren in Qurna leben, dokumentieren in ihrer ambitionierten Comic-Arbeit die unausweichliche Zerstörung von Qurma, aber weitmehr die Kultur und das Wesen der Menschen, die hier seit Jahrzehnten leben und nun von der ägyptischen Regierung umgesiedelt werden. Mit Witz und Hingabe an ihre Nachbarn und all die Menschen, mit denen sie ihr Leben teilen, erzählen Golo und Dibou von der Ohnmacht des Einzelnen gegenüber der ökonomischen und bürokratischen Logik des Staates und von der Faszination und ihrer Liebe zu Ägypten und seinen Bewohnern.

Golo ist der Künstlername des 1948 geborenen französischen Zeichners Guy Nadaud. Seit Anfang der 70er veröffentlicht Golo bei verschiedenen Verlagen und Magazinen Comicgeschichten und Graphic Novels. Vor ca. zehn Jahren ist er nach Ägypten ausgewandert, wo er u.a. für die “Kairo Times” arbeitet.

Chronik einer verschwundenen Stadt, ISBN 978-3-939080-59-6, 120 Seiten, zweifarbig, Hardcover, 24,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Im Land der Frühausteher” von Paula Bulling

“Die Unterbringungen von Flüchtlingen soll ihre Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland fördern“, steht es in der Bayerischen Asyldurchführungsverordnung. In anderen Bundesländern braucht es diese zynische Amtsvorgabe gar nicht, wenn es um den Umgang mit Asylbewerberngeht. Vor allem Sachsen-Anhalt, das so genannte “Land der Frühaufsteher“, steht in dem Ruf, in Flüchtlingsfragen die restriktivsten und unflexibelsten Auslegungen der Gesetzlage durchzusetzen.

Paula Bulling hat im Laufe mehrerer Jahre die Flüchtlingspolitik in Sachsen-Anhalt in etlichen Gesprächen und Begegnungen mit Asylbewerbern in Halle, Halberstadt und Möhlau (Wittenberg) dokumentiert. In sieben Kapiteln erzählt sie vom Leben in Asylbewerberheimen, alltäglichem Rassismus, dem Tod eines Flüchtlings wie auch von der Suche nach einer angemessenen erzählerischen Haltung als weiße Künstlerin. “Im Land der Frühausteher“ entstand in naher künstlerischer Zusammenarbeit mit den porträtierten Menschen, ihre Stimmen und ihr Wesen sind ebenso Teil von Puala Bullings mutiger Comic-Collage wie die Darstellung der politischen Situation in Sachsen-Anhalt, die als symptomatisch für die neuen und den größten Teil der alten Bundesländer gelten kann.

Paula Bulling, 1986 in Berlin geboren, hat an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein (Halle) Illustration studiert. “Im Land der Frühaufsteher” ist ihr Comic-Debüt.

Im Land der Frühaufsteher, ISBN 978-3-939080-68-8, 120 Seiten, schwarzweiß, Softcover, 17,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Hühner, Porno, Schlägerei” von Sophia Martineck

Niederböhna ist ein typisch deutsches Dorf im 21. Jahrhundert. Es liegt zwischen Hügeln, Seen und Feldern. Nur noch wenige Einwohner arbeiten heute in der Landwirtschaft, die meisten fahren zur Arbeit in die Stadt. Die Bevölkerungszahl sinkt, denn nur wenige Jugendliche wollen in Niederböhna bleiben. Niederböhna könnte auch Neuschwammelsburg, Obereichenberg oder Kleinmittelsbach heißen. Niederböhna gibt es nicht, denn es wurde für dieses Buch erfunden. Auch die Personen und Namen sind fiktiv. Nur die Geschichten basieren auf wahren Begebenheiten. Alle in diesem Buch geschilderten Ereignisse sind in deutschen Lokalzeitungen nachzulesen oder sie wurden mündlich überliefert. Jedes deutsche Dorf könnte Niederböhna sein.

Sophia Martineck, Jahrgang 1981, studierte in Berlin, Liverpool und New York Visuelle Kommunikation. Ihre Arbeiten wurden unter anderem mit dem Hans-Meid-Förderpreis und dem Art Directors Club Young Guns Award ausgezeichnet.

Hühner, Porno, Schlägerei, ISBN 978-3-939080-62-6, 52 Seiten, vierfarbig, Klappenbroschur, 14,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Noise” von Tonto (Hrsg.)

Anhand Arbeiten von Gmeindl, Häussle, Kaplan, Jordan, Strobl aus dem Tonto-Kernteam und Beiträgen von Gästen wie Pakito Bolino (FR), Dice Industries (DE), Bill Griffith (USA), Kai Pfeiffer (DE), Marko Turunen (FI), Aleksandar Zograf (SRB), Igor Hofbauer (HR) und Nicolas Mahler (AT) entwickelt Helmut Kaplan auf 80 Seiten ein dichtes Bezugssystem zum Thema “Noise“ – das Ergebnis ist eine der schönsten aktuellen Anthologien für Comics als künstlerische und persönliche Ausdrucksform abseits jeglicher kommerzieller Intentionen. Ein Fest für Augenmenschen und Aufgeschlossene!

Tonto: Aus dem Duo Strobl & Kaplan bildete sich vor 10 Jahren und 12 Ausgaben der “Tonto”-Anthologien eine Gruppe, die mittlerweile Teil eines über Europa verstreuten Netzwerkes ist, das das Comic-Medium als ihre primäre Fläche der Auseinandersetzung gewählt haben: “Tonto Comics”. “Tontos” Randlage (Graz) im deutschsprachigen Raum bedeutet gleichzeitig eine Nähe zu Europa – Berlin ist gleich fern wie Belgrad. So entstehen beispielsweise Kollaborationen mit Komikaze (HR), Le Dernier Cri (FR), “Electrocomics” (DE), Canicola (IT), “Stripburger” (SLO), “Turbo-Comix” (FR/RS), “Kush!” (LT), “Kuti” und “Glömp” (FI).

Noise, ISBN 978-3-939080-60-2, 80 Seiten, vierfarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Berlin – Geteilte Stadt: Zeitgeschichten” von Susanne Buddenberg & Thomas Henseler

28 Jahre lang teilte die Mauer Berlin, riss Freunde und Familien auseinander. Die beiden Comic-Autoren Susanne Buddenberg und Thomas Henseler haben Zeitzeugen befragt und deren Erlebnisse aufgezeichnet. Fünf wahre Geschichten erzählen von einer Zeit, die noch nicht lange zurückliegt, aber heute kaum noch vorstellbar ist: Eine junge Frau versucht, mit einem falschen Ausweis die DDR zu verlassen. Ein Flüchtling wird an der Grenze erschossen, ohne dass Rettungskräfte ihm helfen können. Eine ganze Familie versteckt sich in einem DDR-Regierungsgebäude in Mauernähe und hofft, von hier aus in den Westen zu entkommen. Ein junger Mann fotografiert heimlich die Grenzanlagen und gerät in die Fänge der Staatssicherheit. Ein Ost-Berliner Schüler erkundet nachts West-Berlin und feiert die Party seines Lebens. “Berlin – Geteilte Stadt“ führt auch an die Original-Schauplätze der Geschichten: Am Bahnhof Friedrichstraße, in der Bernauer Straße, in der Wilhelmstraße, am Brandenburger Tor und am ehemaligen Grenzübergang Bornholmer Straße kann man sich auf die Spuren der dramatischen Ereignisse begeben.

Susanne Buddenberg und Thomas Henseler studierten Design an der Fachhochschule Aachen und Film an der Hochschule für Film- und Fernsehen “Konrad Wolf” in Potsdam-Babelsberg. Nach dem Studium gründeten sie die Zoom und Tinte Buddenberg und Henseler GbR, die sich auf Film und Illustration spezialisiert hat. Gemeinsam arbeiten sie in den Bereichen Comics, Illustration und Storyboards. Auftraggeber sind Filmproduktionen, Fernsehsender, Werbe- und Eventagenturen. 2011 erschien ihre erste Graphic Novel “Grenzfall”.

“Berlin – Geteilte Stadt: Zeitgeschichten”, ISBN 978-3-939080-70-1, 96 Seiten, s/w, Softcover, 14,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Die Kunst zu fliegen” von Antonio Altarriba & Kim

Das preisgekrönte Graphic-Novel-Meisterwerk aus Spanien! 2001 beging der Vater von Antonio Altarriba Selbstmord und zog damit einen Schlussstrich unter ein Leben, das er als ziellos und vergeblich empfand. Wie viele andere seiner Generation hatte sein Vater alles daran gesetzt, aus den Trümmern der Weltkriege eine gerechte Welt zu bauen und dem Unrecht zu entfliehen. Aber die Geschichte hat es schon immer verstanden, Träumern die Flügel zu stutzen…

Durch die Augen seines Vaters lässt uns Altarriba das spanische Jahrhundert durchleben: das Leid, das der Bürgerkrieg und später die Deutschen über das Land gebracht haben, Exil, Widerstand und das Leben in den Lagern, die Franco-Diktatur und ihr Ende, der wirtschaftliche Aufschwung und das Aufblühen der Demokratie. Altarriba erzählt eine unwahrscheinlich persönliche und zugleich universelle Geschichte übers das Erinnern in einem Land, das wie kein zweites versucht, zu vergessen und zu verdrängen. Prämiert mit dem nationalen Comic-Preis des spanischen Kultusministeriums und dem Hauptpreis des Comicfestivals Barcelona.

Antonio Altarriba ist ein künstlerischer Eckpfeiler der spanischen Comic- und Literaturgemeinde. Der baskische Schriftsteller und Literaturprofessor veröffentlicht seit den frühen Achtzigern Romane, Anthologien, Comics, Essays und Kritiken und wurde unter anderem mit dem Großen Baskischen Literaturpreis für seinen Roman “La Memoria de la Nieve” ausgezeichnet.

Die Kunst zu fliegen, ISBN 978-3-939080-69-5, 208 Seiten, schwarzweiß, Softcover, 24,95 Euro, erscheint im September 2012

Atar Gull“Atar Gull” von Fabien Nury & Brüno

1830, Benin. Atar Gull ist der Sohn des Königs des Stammes der Kleinen Namaquas. Diese liegen in einem nicht endenden Krieg mit ihren Erzfeinden vom Stamm der Großen Namaquas. Durch eine Intrige gerät er in die Hände des grausamen Piraten und Sklavenhändlers Kapitän Brulart. Nach einer schrecklichen Überfahrt, bei der nur 17 der 100 eingeschifften Gefangenen überleben, wird er an den jamaikanischen Farmer Tom Will verkauft. Durch seine unterwürfige Haltung steigt er in der Hierarchie der Plantagenarbeiter auf, doch sein wahres Ziel ist die Rache an seinen Peinigern. Niemand erkennt den Schwelbrand, der letztlich dazu führen wird, dass sich die Rollen vertauschen…
Nach dem Roman von Eugène Sue aus dem Jahre 1831, zu seiner Zeit ein Skandal, adaptiert Fabien Nury diese Geschichte ohne viele Schnörkel, direkt und unkompliziert. Brüno setzt dies kongenial in flächigen, warm kolorierten Zeichnungen um.

Fabien Nury ist ein französischer Szenarist und Drehbuchautor. Auf Deutsch liegen von ihm vor: der Vampir-Spionagethriller “Ich bin Legion” bei Cross Cult und die Western-Reihe “W.E.S.T.” bei Piredda.

Brüno hat als Zeichner von Comic-Serien wie “Commando Colonial“, “Biotope“, “Junk“ und “Inner City Blues“ bereits eine große Fangemeinde in Frankreich. “Atar Gull“ ist sein Debüt auf dem deutschen Comicmarkt.

Eugène Sue ist heute weitesgehend vergessen, Mitte des 19. Jahrhunderts war er aber einer bekanntesten französischen Romanciers und Republikaner. Vor allem sein Fortsetzungsroman “Die Geheimnisse von Paris”, der in der Tageszeitung “Le Journal des Débats” erschien, etablierte ihn als eine zentrale Figur der französischen intellektuellen Opposition.

Atar Gull, ISBN 978-3-939080-65-7, 86 Seiten, vierfarbig, Hardcover, 19,95 Euro, erscheint im Oktober 2012

Joe Daly“Doppeltes Glück mit der Roten Kralle” von Joe Daly

Im sonnengegerbten Kapstadt an der südafrikanischen Küste treiben den hoffnungslosen Zeichner Dave, den das Leben mit Misserfolg und Affenfüßen gestraft hat, und seinen gammeligen Lebenskünstler-Buddy Paul seltsame Ereignisse um. Eine fiese Deadline, ein mysteriöses Verbrechen, eine nur halb so schlimme Überschwemmung, feinstes Dope, das nie lange hält, und dann fängt die Story erst richtig an… In bester “Big Lebowski”- Manier lässt Comic-Künstler und Humorist Daly sein Bohème-Katastrophen-Gespann Dave und Paul auf die südafrikanische Hauptstadt los und erzählt nicht eine, nein, zwei famose und hoch komische Geschichten, die irgendwo zwischen Hergé, Freak Brothers und “Magnum“ ein neues Genre eröffnen.

Joe Daly ist ein südafrikanische Zeichner und Humorist. Seine Comics erscheinen u.a. im US-Verlag Fantagraphics.

Doppeltes Glück mit der Roten Kralle, ISBN 978-3-939080-67-1, 114 Seiten, vierfarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im Oktober 2012

Die falschen Gesichter“Die falschen Gesichter” von David B. & Hervé Tanquerelle

Ein Februartag 1975 in Paris. Während eines Banküberfalls kommt es zu einer Schießerei zwischen Polizei und Berufsverbrechern, bei der einer der Gangster sein Leben lässt und seine Kumpanen nur mit knapper Not entkommen. Eine andere Methode, die Geldinstitute zu erleichtern, muss her – und die Lösung scheint so einfach: Während all die anderen Bankräuber auf der Welt noch mit Damenstrümpfen über dem Gesicht in die Banken marschieren, fängt die Bande “der falschen Gesichter“ an, sich mit Perücken, falschen Bärten und Make-Up zu verkleiden und täuscht mit diesem Mummenschanz nicht nur das Sicherheitspersonal vor Ort, sondern auch die Polizei selbst. Während ihre Verfolger im Dunkeln tappen, werden die “falschen Gesichter“ nicht nur in Unterweltkreisen zu Helden stilisiert.

Inspiriert von wahren Fällen lassen der französische Tausendsassa David B. und der Zeichner Hervé Tanquerelle die Tradition des Roman noir im Comic fortleben und fangen den Zeitgeist der 70er und die Atmosphäre der französischen Thriller mit Alain Delon und Konsorten meisterhaft ein.

Hervé Tanquerelle ist seit den späten 90ern als Comiczeichner aktiv und hat u.a. mit Joann Sfar an der Mystery-Farce “Professor Bell” gearbeitet.

Die falschen Gesichter, ISBN 978-3-939080-66-4, 152 Seiten, zweifarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im November 2012

“Chagall in Russland” von Joann Sfar

Wer nach “Pascin“ eine weitere Künstlerbiografie Sfars erwartet, wird Augen machen. Blaue Augen, wie die von Marc Chagall, dem jüdischen Jüngling in Sfars bunt wuchernder Erzählung. Sfars Chagall ist nicht der Expressionist, den man aus dem Kunstunterricht kennt, sondern ein blonder, verträumter russischer Maler, dem nichts ferner läge, als in die französische Kunst-Diaspora zu emigrieren. Er möchte in seinem russischen Dorf bleiben und das Mädchen seiner Träume heiraten. Aber ihr Vater ist gegen die Verbindung – was hat der Tagträumer seiner Tochter dennschon zu bieten? Soll Chagall für die Liebe die Kunst aufgeben und sich einen Beruf suchen? Darauf weißt auch der Dorfrabbi keinen Rat. Dann hat Chagall eines Nachts eine Vision, die sein Leben verändern wird. In der Tradition seiner Serien “Klezmer“ und “Die Katze des Rabbiners“ entführt Joann Sfar seine Leser wieder in die jüdischen Lebenswelten zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Joann Sfar ist wohl einer der renommiertesten und produktivsten Akteure der aktuellen französischen Comic-Szene. Bis dato liegen über 100(!) Comic-Arbeiten von ihm in Frankfreich vor. Auf Deutsch sind “Die Katze des Rabiners”, “Pascin” und seine weit verzweigte Fantasy-Reihe “Donjon” erschienen.

Chagall in Russland, ISBN 978-3-939080-73-2, 128 Seiten, vierfarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im November 2012

“Klezmer 4: Trapezsprünge” von Joann Sfar

Russland zur Zarenzeit: In bester Tradition Tolstoischer Charakterepen wird ein bunt gemischtes Ensemble aus gesellschaftlichen Randfiguren durch allerlei Schicksalsschläge und widrige Umstände zusammengeführt. Die turbulente Erzählung beginnt mit Noah Davidovich, auch “Baron“ genannt, der mit seiner jüdischen Kapelle in der verschneiten russischen Provinz in den Hinterhalt eines konkurrierenden Klezmerorchesters gerät. Als einziger mit dem Leben davon gekommen, macht er sich auf den weiten Weg nach Odessa, wo auf talentierte Musiker ein Bett, eine warme Mahlzeit und – mit viel Glück – auch ein wenig Bares wartet.

Vierter Teil der gelungenen Mischung aus “Der Kurier des Zaren” und “Die Katze des Rabbiners”.

Klezmer 4: Trapezsprünge, ISBN 978-3-939080-72-5, 120 Seiten, vierfarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im Dezember 2012

“Vampir” von Joann Sfar

Neben den beliebten “Desmodus”-Comics für junge Leser, hat Joann Sfar auch eine ältere Version seines freundlichen Blutsaugers geschaffen. Während der kleine Desmodus seine Nächte mit Spukgeschichten und Streichen verbringt, sind es die Hormone, die ihn als großen Vampir auf Trab halten, und die Lethargie, die ihn an der Welt verzweifeln lässt. Joann Sfars “Vampir”-Geschichten sind wunderbare Coming-of-Age-Märchen, mit einem Slacker-Dracula, der alte Platten sammelt und von einer amourösen Katastrophe in die nächste stolpert. Mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Hintersinn, Fabulierlust, Humor, Melancholie und Philosophie liest Sfar das Gothik-Genre gegen den Strich

Neben allen Alben der Serie mit dem “Großen Vampir” enthält diese ultimative Gesamtausgabe noch zusätzliche Kurzgeschichten und Skizzen!

Vampir, ISBN 9788-3-939080-74-9, 560 Seiten, vierfarbig, Flexcover, 49,95 Euro, erscheint im Dezember 2012

“Eremit” von Marijpol

Weit abgeschieden von einer alternden Gesellschaft, in der der Anblick eines Kindes eine Seltenheit ist, lebt ein einsamer Misanthrop im Wald. Mit einem vor Zwiespalt geteilten Kopf ist er auf der Suche nach seinem wahren Kern. Gleichgültig führt er seine Arbeit für ein Bestattungsunternehmen aus, bei dem lebensmüde Senioren letzte Reisen buchen können, die ihren schönsten Tod zum Ziel haben. Durch die Begegnung mit einem wütenden Kind, das auf der Flucht vor seinen Erziehungsberechtigten ist, wird der Eremit in seiner Zurückgezogenheit gestört; muss er sich am Ende für eine Hälfte seines Kopfes entscheiden?

“Eremit” ist eine symbolträchtige, mitunter verstörende Erzählung über Zweifel, Tod und Obst.

Marijpol, bürgerlich Marie Pohl, wurde 1982 in Berlin geboren. Sie hat Visuelle Kommunikation und Illustration an der Hochschule für bildende Kunst und an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg studiert. Marijpol lebt und arbeitet in Hamburg.

Eremit, ISBN 978-3-939080-71-8, 150 Seiten, zweifarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im Dezember 2012