Graphic Novels
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Archiv des Tags ‘David B.’

Graphic Novels in den Medien – 13. März 2013

Mittwoch, den 13. März 2013

In der Kulturzeit auf 3Sat wurden zu Beginn der Woche zwei Comic-AutorInnen und ihre neuen Bücher vorgestellt. Am Montag stand zunächst Nicolas Mahler im Mittelpunkt, dessen “Alice in Sussex” (nach H.C. Artmann und Lewis Carroll) gerade bei Suhrkamp erschienen ist. Der Wiener “Existenzialist des Humors” erzählt im Beitrag (oben zu sehen) über seine Arbeit und seine Sicht auf die Welt.

Am Dienstag gab es ein Spezial zum Thema Asyl, in dem auch Paula Bulling zu Wort kommt, die sich in ihrem Buch “Im Land der Frühaufsteher” (avant-verlag) mit der Situation von Asylbewerbern in Sachsen-Anhalt auseinandersetzt: “Zermürbende Enge”. Das Video lässt sich in der 3Sat-Mediathek ansehen.

Drei Neuerscheinungen stellt das Video-Buchmagazin lettra.tv vor: “Die falschen Gesichter” von David B. und Hervé Tanquerelle, “Das Cape” von Joe Hill (Panini) sowie “Der Process” nach Franz Kafka von David Zane Mairowitz und Chantal Montellier.

Vor allem die “poetische Ruhe” gefällt Rezensent Boris Kunz an “Im Dunkeln” von Pierre Wazem und Tom Tirabosco (avant-verlag), wie er auf dem Blog des Titel-Magazins schreibt: “Nomen est Omen”.

Graphic Novels in der Presse – 19. Februar 2013

Dienstag, den 19. Februar 2013

In seinem Artikel für die Wiener Zeitung schlägt Martin Reiterer den Bogen von Joe Saccos und Marjane Satrapis Büchern, die politisches Geschehen im Nahen Osten reflektieren, hin zu aktuellen Veröffentlichungen, die ebenfalls und zum Teil sehr aktuelle das Geschehen aufgreifen: “Metro” von Magdy El-Shafee (Edition Moderne), “Zahra´s Paradise” von Amir und Khalil (Knesebeck) sowie “Die besten Feinde” von Jean-Pierre Filiu und David B. (avant-verlag): “Subversive Bildwelten”.

“Graphic Novels aus Nahost” stehen auch im Radiobeitrag von Elise Landscheck für NDR Info. Sie sprach mit Zeina Abirached, deren “Das Spiel der Schwalben” im März im avant-verlag erscheint, Magdy El-Shafee über “Metro” und Maximilien LeRoy über “Die Mauer” (beide Edition Moderne).

“Jüliger ist ein Buch gelungen, das alles andere als ein luftleerer Raum, ein Vakuum, ist. Es entwickelt trotz der schreienden Einsamkeit seiner Hauptfiguren, viel Kraft. Ein Buch, das man verschlingt und sicher nicht so schnell vergessen wird.” Das schreibt Matthias Heller in seinem Beitrag für NDR Kultur. Er hat sich die Ausstellung zu Lukas Jüligers “Vakuum” (Reprodukt) am vergangenen Wochenende in Hamburg angesehen: “200 Bleistifte für ein Vakuum”.

Auf tagesspiegel.de betont Thomas Greven, dass “Die Frau ist frei geboren – Olympe de Gouges” von Catel Muller und Autor José-Louis Bocquet (Splitter) ihre Spannung vor Allem aus der erzählten Handlung bezieht.

“Das Reizvolle an einem Comic ist, dass man völlig frei ist.” sagt der Filmemacher und Comicautor Helmut Wietz im Interview mit Paul-Philipp Hanske an gleicher Stelle: “Sex, Revolution und die Dialektik der Aufklärung”. Wietz´ vor rund vierzig Jahren begonnener Comic “Der Tod von Adorno” erscheint dieser Tage bei metrolit.

Dass bei Reprodukt demnächst Kindercomics erscheinen – zur Buchmesse in Leipzig werden sechs Titel präsentiert – meldet heute Börsenblatt.net: “Kindercomics bei Reprodukt”.

Graphic Novels im Fernsehen

Montag, den 21. Januar 2013

In der 3Sat-“Kulturzeit” wurde am vergangenen Freitag “Die falschen Gesichter” von David B. und Hervé Tanquerelle (avant-verlag) vorgestellt und als “Krimibuchtipp” empfohlen.

Das arte-Magazin “Metropolis” berichtete am Samstag über den noch nicht erschienenen Band “Frontlinien” von David Möhring und Philip Rieseberg (Warum).

Vielen Dank an den Mediacontainer.

Neue Graphic Novels im avant-verlag

Montag, den 17. Dezember 2012

Gleich vier neue Titel des avant-verlags werden in den nächsten Tagen an den Handel ausgeliefert.

“Doppeltes Glück mit der Roten Kralle” von Joe Daly

Im sonnengegerbten Kapstadt an der südafrikanischen Küste treiben den hoffnungslosen Zeichner Dave, den das Leben mit Misserfolg und Affenfüssen gestraft hat, und seinen gammeligen Lebenskünstler-Buddy Paul seltsame Ereignisse um. Eine fiese Deadline, ein mysteriöses Verbrechen, eine nur halb so schlimme Überschwemmung, feinstes Dope, das nie lange hält, und dann fängt die Story erst richtig an…

Im bester „Big Lebowski“- Manier lässt Comic-Künstler und Humorist Daly sein Bohème-Katastrophen-Gespann Dave und Paul auf die südafrikanische Hauptstadt los und erzählt nicht eine, nein, zwei famose und hoch komische Geschichten, die irgendwo zwischen Hergé, Freak Brothers und „Magnum“ ein neues Genre eröffnen.

„Ein großer Spaß, der stets etwas mehr bietet, als man auf den ersten Blick vermuten würde, aber sich auch nicht zu schade ist, bisweilen einfach nur auf den Putz zu hauen.“ – Jeffrey Brown

Doppeltes Glück mit der Roten Kralle, ISBN 978-3-939080-67-1, 114 Seiten, farbig, Softcover, EUR (D) 19,95

“Die falschen Gesichter” von David B. & Hervé Tanquerelle

Ein Februartag 1975 in Paris. Während eines Banküberfalls kommt es zu einer Schießerei zwischen Polizei und Berufsverbrechern, bei der einer der Gangster sein Leben lässt und seine Kumpanen nur mit knapper Not entkommen. Eine andere Methode, die Geldinstitute zu erleichtern muss her – und die Lösung scheint so einfach: Während all die anderen Bankräuber auf der Welt noch mit Damenstrümpfen über dem Gesicht in die Banken marschieren, fängt die „Bande der falschen Gesichter“ an, sich mit Perücken, falschen Bärten und Make-Up zu verkleiden und täuscht mit diesem Mummenschanz nicht nur das Sicherheitspersonal vor Ort, sondern auch die Polizei. Während ihre Verfolger im Dunkeln tappen, werden die „falschen Gesichter“ nicht nur in Unterweltkreisen zu Helden stilisiert.

Inspiriert von wahren Fällen lassen der französische Tausendsassa David B. und der Zeichner Hervé Tanquerelle die Tradition des Roman noir im Comic fortleben und fangen den Zeitgeist der 70er und die Atmosphäre der französischen Thriller mit Alain Delon und Konsorten meisterhaft ein.

Die falschen Gesichter, ISBN 978-3-939080-66-4, 152 Seiten, zweifarbig, Softcover, EUR (D) 19,95

“Klezmer 4 – Trapezschwünge” von Joann Sfar

Russland zur Zarenzeit: In bester Tradition Tolstoischer Charakterepen wird ein bunt gemischtes Ensemble aus gesellschaftlichen Randfiguren durch allerlei Schicksalsschläge und widrige Umstände zusammengeführt. Die turbulente Erzählung beginnt mit Noah Davidovich, auch „Baron“ genannt, der mit seiner jüdischen Kapelle in der verschneiten russischen Provinz in den Hinterhalt eines konkurrierenden Klezmerorchesters gerät. Als einziger mit dem Leben
davon gekommen, macht er sich auf den weiten Weg nach Odessa, wo auf talentierte Musiker ein Bett, eine warme Mahlzeit und – mit viel Glück – auch ein wenig Bares wartet.  So entstand eine gelungene Mischung aus “Der Kurier des Zaren” und “Die Katze des Rabbiners”.

„So lebendig wie hier ist die jüdische Musik nur selten.“ – B5 Kulturnachrichten

„ ›Yam Bam Bom Bam Yom Schilibilibiliyom‹. So hat man Klezmer noch nie gehört und gesehen!“ – Jüdische Zeitung

Klezmer 4 – Trapezschwünge, ISBN 978-3-939080-72-5, 120 Seiten, farbig, Softcover, EUR (D) 19,95

“Chagall in Russland” von Joann Sfar

Wer nach „Pascin“ eine weitere Künstlerbiografie Sfars erwartet, wird Augen machen. Blaue Augen, wie die von Marc Chagall, dem jüdischen Jüngling in Sfars bunt wuchernder Erzählung. Sfars Chagall ist nicht der Expressionist, den man aus dem Kunstunterricht kennt, sondern ein blonder, verträumter russischer Maler, dem nichts ferner läge, als in die französische Kunst-Diaspora zu emigrieren. Er möchte in seinem russischen Dorf bleiben und das Mädchen seiner Träume heiraten. Aber ihr Vater ist gegen die Verbindung – was hat der Tagträumer seiner Tochter denn schon zu bieten? Soll Chagall für die Liebe die Kunst aufgeben und sich einen Beruf suchen? Darauf weiß auch der Dorfrabbi keinen Rat. Dann hat Chagall eines Nachts eine Vision, die sein Leben verändern wird.

In der Tradition seiner Serien „Klezmer“ und „Die Katze des Rabbiners“ entführt Sfar seine Leser einmal mehr in die jüdischen Lebenswelten zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Chagall in Russland, ISBN 978-3-939080-73-2, 128 Seiten, farbig, Softcover, EUR (D) 19,95

Comics in den Medien – 21. September 2012

Freitag, den 21. September 2012

Bereits am Mittwoch vergangener Woche stellte Britta Schwem “Portugal” von Cyril Pedrosa (Reprodukt) in der Süddeutschen Zeitung vor. Nun lässt sich dieser Artikel auch online nachlesen: “Einmal Heimat – Fremde und zurück”. Besonders zeigt sich Schwem hier davon beeindruckt, wie Pedrosa im Buch “um biografische Motive und gefundene Eindrücke eine fast fiktionale Geschichte” konstruiert.

Auf n-tv.de bespricht heute Markus Lippold den ersten Teil von Jean-Pierre Filius und David B.s “Die besten Feinde” (avant-verlag). Lippold stellt heraus, dass in der Beschreibung, wie die USA zu einem der entscheidenden Machtfaktoren im nahen Osten werden konnten, besonders die kritischen Momente in den Mittelpunkt des Buches gestellt werden: “Ziemlich beste Feinde”.

Comics in den Medien – 6. August 2012

Montag, den 6. August 2012

Polfahrten sind das gemeinsame Thema der aktuellen Bücher von Emmanuel LePage und Simon Schwartz: “Reise zum Kerguelen-Archipel” (Splitter) und “Packeis” (avant-verlag) stellte Andrea Kedves in einer Doppelbesprechung für den in Zürich erscheinenden Tages-Anzeiger und die Basler Zeitung vor: “Exkursionen ins ewige Eis” (auch hier).

Kürzlich erschien in der Neuen Zürcher Zeitung ein Artikel Georg Kleins, in dem er sich äußerst kritisch mit Graphic Novels auseinandersetzte. Dem setzt der Schweizer Autor Hannes Binder (“Antonio Ligabue”, mit Giuseppe Zironi, Jacoby & Stuart) nun “Eine kleine Poetik der Graphic Novel” entgegen, die am Wochenende ebenfalls die NZZ abdruckte. Binders Gedanken lassen sich so zusammenfassen: “Die Graphic Novel, wie ich sie sehe, bedeutet Koexistenz von Wort und Bild zur Potenzierung des Stoffes, ohne das eine oder das andere zu beschneiden”.

Thomas Greven stellt auf tagesspiegel.de vier aktuelle Comics vor, die sich mit zeitgeschichtlichen Themen auseinandersetzen. “Aufregend wie die Wirklichkteit”. Sein Urteil über die Darstellung politischer Inhalte in “AÏR” von David Boller (Zampano) fällt durchaus kritisch aus. Besser machten es da Golo und Dibou in “Chronik einer verschwundenen Stadt” (avant-verlag). Positives weiss er auch über “Die besten Feinde, Erster Teil: 1783/1953″ von Jean-Pierre Filiou und David B. zu sagen. Mit “Olympe de Gouges” von Catel/Bocquet (castermann) stellt er einen noch nicht einen in Deutschland angekündigten Titel vor.

Weiterhin wird “Meine Beschneidung” von Riad Sattouf (Reprodukt) als Beitrag zur Beschneidungsdebatte in den Medien aufgegriffen. Nun schreibt Daniel Benedict in der Neuen Osnabrücker Zeitung: “Riad Sattouf erzählt lustig von der eigenen Beschneidung in Syrien”. Dabei fasst er zusammen: “Sein Buch sagt mehr als hundert Leitartikel.”

In der aktuellen Ausgabe des stern findet sich eine sechs-Seitige Strecke aus “Meine Beschneidung” sowie ein Interview mit dem Autor Riad Sattouf.

Die aktuelle Ausgabe des Fachmagazins “Unterricht Englisch” (Friedrich Verlag) steht ganz im Zeichen der Graphic Novels. Das Erscheinen des Heftes nimmt man bei comic-report.com zum Anlass, Redakteurin Solveig Möhle einige Fragen zum Heft zu stellen: “Englisch Lernen mit Graphic Novels”.

Neue Graphic Novels im avant-verlag

Sonntag, den 27. Mai 2012

Von Juni bis Dezember 2012 erscheinen vierzehn neue Comics im Berliner avant-verlag. Das neue Programm startet im Juni mit sechs Neuheiten, die zum Comic-Salon Erlangen erscheinen werden. Von den französischen Künstlern David B. und Golo werden Titel vorgelegt, daneben erscheinen zwei Comics von jungen deutschen Zeichnerinnen: “Im Land der Frühaufsteher” von Paula Bulling und “Hühner, Porno, Schlägerei” von Sophia Martineck sowie mit “Berlin – Geteilte Stadt: Zeitgeschichten” ein neuer Titel des Duos Susanne Buddenberg und Thomas Henseler (“Grenzfall”) und “Noise”, so der Titel der neuen Anthologie von Tonto.

Susanne Buddenberg & Thomas Henseler, Paula Bulling, Sophia Martineck, Golo und David B. werden auf dem Comic-Salon zugegen sein, um ihre neuen Comics zu signieren.

“Die besten Feinde – Erster Teil 1783/1953″ von Jean-Pierre Filiu & David B.

Der französische Historiker und Islamwissenschaftler Jean-Pierre Filiu erzählt die Geschichte der amerikanischen Beziehungen zum Nahen Osten, und zwar von 1783, als die gerade entstandene amerikanische Nation gegen muslimische Piraten im Mittelmeer aktiv wurde, bis 1953, als die CIA den iranischen Premierminister Mossadegh stürzte und den Schah wieder an die Macht brachte. Immer wieder lassen sich erschreckende Parallelen zwischen der historischen und der aktuellen Politik ziehen… In einzelnen Episoden werden die wichtigsten Stationen beleuchtet und David B.s beeindruckende Bilder bieten die ideale Ergänzung zu diesem Geschichtscomic.

Jean Pierre Filiu ist ein französischer Kulturwissenschaftler und einer der angesehendsten Experten des Landes für den modernen Islam. Sein Forschungsschwerpunkt sind die unterschiedlichen globalen Jihad-Bewegungen, vor allem die Al Qaida. Er unterrichtet am Institut d’Ètudes Politiques in Paris.

David B. ist Gründungsmitglied des renommierten Verlags L’Association und einer der virilsten Vertreter der neuen französischen Comiclandschaft.

Die besten Feinde, ISBN 978-3-939080-63-3, 120 Seiten, schwarzweiß, Hardcover, 19,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Chronik einer verschwundenen Stadt” von Golo & Dibou

Unweit von Luxor, einem der touristischen Hochzentren Ägyptens, liegt die kleine Stadt Qurna. Noch. Denn Qurna und seine Bewohner müssen den touristischen Strömen Luxors weichen. Die französischen ZeichnerInnen Golo und Dibou, die seit 10 Jahren in Qurna leben, dokumentieren in ihrer ambitionierten Comic-Arbeit die unausweichliche Zerstörung von Qurma, aber weitmehr die Kultur und das Wesen der Menschen, die hier seit Jahrzehnten leben und nun von der ägyptischen Regierung umgesiedelt werden. Mit Witz und Hingabe an ihre Nachbarn und all die Menschen, mit denen sie ihr Leben teilen, erzählen Golo und Dibou von der Ohnmacht des Einzelnen gegenüber der ökonomischen und bürokratischen Logik des Staates und von der Faszination und ihrer Liebe zu Ägypten und seinen Bewohnern.

Golo ist der Künstlername des 1948 geborenen französischen Zeichners Guy Nadaud. Seit Anfang der 70er veröffentlicht Golo bei verschiedenen Verlagen und Magazinen Comicgeschichten und Graphic Novels. Vor ca. zehn Jahren ist er nach Ägypten ausgewandert, wo er u.a. für die “Kairo Times” arbeitet.

Chronik einer verschwundenen Stadt, ISBN 978-3-939080-59-6, 120 Seiten, zweifarbig, Hardcover, 24,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Im Land der Frühausteher” von Paula Bulling

“Die Unterbringungen von Flüchtlingen soll ihre Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland fördern“, steht es in der Bayerischen Asyldurchführungsverordnung. In anderen Bundesländern braucht es diese zynische Amtsvorgabe gar nicht, wenn es um den Umgang mit Asylbewerberngeht. Vor allem Sachsen-Anhalt, das so genannte “Land der Frühaufsteher“, steht in dem Ruf, in Flüchtlingsfragen die restriktivsten und unflexibelsten Auslegungen der Gesetzlage durchzusetzen.

Paula Bulling hat im Laufe mehrerer Jahre die Flüchtlingspolitik in Sachsen-Anhalt in etlichen Gesprächen und Begegnungen mit Asylbewerbern in Halle, Halberstadt und Möhlau (Wittenberg) dokumentiert. In sieben Kapiteln erzählt sie vom Leben in Asylbewerberheimen, alltäglichem Rassismus, dem Tod eines Flüchtlings wie auch von der Suche nach einer angemessenen erzählerischen Haltung als weiße Künstlerin. “Im Land der Frühausteher“ entstand in naher künstlerischer Zusammenarbeit mit den porträtierten Menschen, ihre Stimmen und ihr Wesen sind ebenso Teil von Puala Bullings mutiger Comic-Collage wie die Darstellung der politischen Situation in Sachsen-Anhalt, die als symptomatisch für die neuen und den größten Teil der alten Bundesländer gelten kann.

Paula Bulling, 1986 in Berlin geboren, hat an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein (Halle) Illustration studiert. “Im Land der Frühaufsteher” ist ihr Comic-Debüt.

Im Land der Frühaufsteher, ISBN 978-3-939080-68-8, 120 Seiten, schwarzweiß, Softcover, 17,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Hühner, Porno, Schlägerei” von Sophia Martineck

Niederböhna ist ein typisch deutsches Dorf im 21. Jahrhundert. Es liegt zwischen Hügeln, Seen und Feldern. Nur noch wenige Einwohner arbeiten heute in der Landwirtschaft, die meisten fahren zur Arbeit in die Stadt. Die Bevölkerungszahl sinkt, denn nur wenige Jugendliche wollen in Niederböhna bleiben. Niederböhna könnte auch Neuschwammelsburg, Obereichenberg oder Kleinmittelsbach heißen. Niederböhna gibt es nicht, denn es wurde für dieses Buch erfunden. Auch die Personen und Namen sind fiktiv. Nur die Geschichten basieren auf wahren Begebenheiten. Alle in diesem Buch geschilderten Ereignisse sind in deutschen Lokalzeitungen nachzulesen oder sie wurden mündlich überliefert. Jedes deutsche Dorf könnte Niederböhna sein.

Sophia Martineck, Jahrgang 1981, studierte in Berlin, Liverpool und New York Visuelle Kommunikation. Ihre Arbeiten wurden unter anderem mit dem Hans-Meid-Förderpreis und dem Art Directors Club Young Guns Award ausgezeichnet.

Hühner, Porno, Schlägerei, ISBN 978-3-939080-62-6, 52 Seiten, vierfarbig, Klappenbroschur, 14,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Noise” von Tonto (Hrsg.)

Anhand Arbeiten von Gmeindl, Häussle, Kaplan, Jordan, Strobl aus dem Tonto-Kernteam und Beiträgen von Gästen wie Pakito Bolino (FR), Dice Industries (DE), Bill Griffith (USA), Kai Pfeiffer (DE), Marko Turunen (FI), Aleksandar Zograf (SRB), Igor Hofbauer (HR) und Nicolas Mahler (AT) entwickelt Helmut Kaplan auf 80 Seiten ein dichtes Bezugssystem zum Thema “Noise“ – das Ergebnis ist eine der schönsten aktuellen Anthologien für Comics als künstlerische und persönliche Ausdrucksform abseits jeglicher kommerzieller Intentionen. Ein Fest für Augenmenschen und Aufgeschlossene!

Tonto: Aus dem Duo Strobl & Kaplan bildete sich vor 10 Jahren und 12 Ausgaben der “Tonto”-Anthologien eine Gruppe, die mittlerweile Teil eines über Europa verstreuten Netzwerkes ist, das das Comic-Medium als ihre primäre Fläche der Auseinandersetzung gewählt haben: “Tonto Comics”. “Tontos” Randlage (Graz) im deutschsprachigen Raum bedeutet gleichzeitig eine Nähe zu Europa – Berlin ist gleich fern wie Belgrad. So entstehen beispielsweise Kollaborationen mit Komikaze (HR), Le Dernier Cri (FR), “Electrocomics” (DE), Canicola (IT), “Stripburger” (SLO), “Turbo-Comix” (FR/RS), “Kush!” (LT), “Kuti” und “Glömp” (FI).

Noise, ISBN 978-3-939080-60-2, 80 Seiten, vierfarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Berlin – Geteilte Stadt: Zeitgeschichten” von Susanne Buddenberg & Thomas Henseler

28 Jahre lang teilte die Mauer Berlin, riss Freunde und Familien auseinander. Die beiden Comic-Autoren Susanne Buddenberg und Thomas Henseler haben Zeitzeugen befragt und deren Erlebnisse aufgezeichnet. Fünf wahre Geschichten erzählen von einer Zeit, die noch nicht lange zurückliegt, aber heute kaum noch vorstellbar ist: Eine junge Frau versucht, mit einem falschen Ausweis die DDR zu verlassen. Ein Flüchtling wird an der Grenze erschossen, ohne dass Rettungskräfte ihm helfen können. Eine ganze Familie versteckt sich in einem DDR-Regierungsgebäude in Mauernähe und hofft, von hier aus in den Westen zu entkommen. Ein junger Mann fotografiert heimlich die Grenzanlagen und gerät in die Fänge der Staatssicherheit. Ein Ost-Berliner Schüler erkundet nachts West-Berlin und feiert die Party seines Lebens. “Berlin – Geteilte Stadt“ führt auch an die Original-Schauplätze der Geschichten: Am Bahnhof Friedrichstraße, in der Bernauer Straße, in der Wilhelmstraße, am Brandenburger Tor und am ehemaligen Grenzübergang Bornholmer Straße kann man sich auf die Spuren der dramatischen Ereignisse begeben.

Susanne Buddenberg und Thomas Henseler studierten Design an der Fachhochschule Aachen und Film an der Hochschule für Film- und Fernsehen “Konrad Wolf” in Potsdam-Babelsberg. Nach dem Studium gründeten sie die Zoom und Tinte Buddenberg und Henseler GbR, die sich auf Film und Illustration spezialisiert hat. Gemeinsam arbeiten sie in den Bereichen Comics, Illustration und Storyboards. Auftraggeber sind Filmproduktionen, Fernsehsender, Werbe- und Eventagenturen. 2011 erschien ihre erste Graphic Novel “Grenzfall”.

“Berlin – Geteilte Stadt: Zeitgeschichten”, ISBN 978-3-939080-70-1, 96 Seiten, s/w, Softcover, 14,95 Euro, erscheint im Juni 2012

“Die Kunst zu fliegen” von Antonio Altarriba & Kim

Das preisgekrönte Graphic-Novel-Meisterwerk aus Spanien! 2001 beging der Vater von Antonio Altarriba Selbstmord und zog damit einen Schlussstrich unter ein Leben, das er als ziellos und vergeblich empfand. Wie viele andere seiner Generation hatte sein Vater alles daran gesetzt, aus den Trümmern der Weltkriege eine gerechte Welt zu bauen und dem Unrecht zu entfliehen. Aber die Geschichte hat es schon immer verstanden, Träumern die Flügel zu stutzen…

Durch die Augen seines Vaters lässt uns Altarriba das spanische Jahrhundert durchleben: das Leid, das der Bürgerkrieg und später die Deutschen über das Land gebracht haben, Exil, Widerstand und das Leben in den Lagern, die Franco-Diktatur und ihr Ende, der wirtschaftliche Aufschwung und das Aufblühen der Demokratie. Altarriba erzählt eine unwahrscheinlich persönliche und zugleich universelle Geschichte übers das Erinnern in einem Land, das wie kein zweites versucht, zu vergessen und zu verdrängen. Prämiert mit dem nationalen Comic-Preis des spanischen Kultusministeriums und dem Hauptpreis des Comicfestivals Barcelona.

Antonio Altarriba ist ein künstlerischer Eckpfeiler der spanischen Comic- und Literaturgemeinde. Der baskische Schriftsteller und Literaturprofessor veröffentlicht seit den frühen Achtzigern Romane, Anthologien, Comics, Essays und Kritiken und wurde unter anderem mit dem Großen Baskischen Literaturpreis für seinen Roman “La Memoria de la Nieve” ausgezeichnet.

Die Kunst zu fliegen, ISBN 978-3-939080-69-5, 208 Seiten, schwarzweiß, Softcover, 24,95 Euro, erscheint im September 2012

Atar Gull“Atar Gull” von Fabien Nury & Brüno

1830, Benin. Atar Gull ist der Sohn des Königs des Stammes der Kleinen Namaquas. Diese liegen in einem nicht endenden Krieg mit ihren Erzfeinden vom Stamm der Großen Namaquas. Durch eine Intrige gerät er in die Hände des grausamen Piraten und Sklavenhändlers Kapitän Brulart. Nach einer schrecklichen Überfahrt, bei der nur 17 der 100 eingeschifften Gefangenen überleben, wird er an den jamaikanischen Farmer Tom Will verkauft. Durch seine unterwürfige Haltung steigt er in der Hierarchie der Plantagenarbeiter auf, doch sein wahres Ziel ist die Rache an seinen Peinigern. Niemand erkennt den Schwelbrand, der letztlich dazu führen wird, dass sich die Rollen vertauschen…
Nach dem Roman von Eugène Sue aus dem Jahre 1831, zu seiner Zeit ein Skandal, adaptiert Fabien Nury diese Geschichte ohne viele Schnörkel, direkt und unkompliziert. Brüno setzt dies kongenial in flächigen, warm kolorierten Zeichnungen um.

Fabien Nury ist ein französischer Szenarist und Drehbuchautor. Auf Deutsch liegen von ihm vor: der Vampir-Spionagethriller “Ich bin Legion” bei Cross Cult und die Western-Reihe “W.E.S.T.” bei Piredda.

Brüno hat als Zeichner von Comic-Serien wie “Commando Colonial“, “Biotope“, “Junk“ und “Inner City Blues“ bereits eine große Fangemeinde in Frankreich. “Atar Gull“ ist sein Debüt auf dem deutschen Comicmarkt.

Eugène Sue ist heute weitesgehend vergessen, Mitte des 19. Jahrhunderts war er aber einer bekanntesten französischen Romanciers und Republikaner. Vor allem sein Fortsetzungsroman “Die Geheimnisse von Paris”, der in der Tageszeitung “Le Journal des Débats” erschien, etablierte ihn als eine zentrale Figur der französischen intellektuellen Opposition.

Atar Gull, ISBN 978-3-939080-65-7, 86 Seiten, vierfarbig, Hardcover, 19,95 Euro, erscheint im Oktober 2012

Joe Daly“Doppeltes Glück mit der Roten Kralle” von Joe Daly

Im sonnengegerbten Kapstadt an der südafrikanischen Küste treiben den hoffnungslosen Zeichner Dave, den das Leben mit Misserfolg und Affenfüßen gestraft hat, und seinen gammeligen Lebenskünstler-Buddy Paul seltsame Ereignisse um. Eine fiese Deadline, ein mysteriöses Verbrechen, eine nur halb so schlimme Überschwemmung, feinstes Dope, das nie lange hält, und dann fängt die Story erst richtig an… In bester “Big Lebowski”- Manier lässt Comic-Künstler und Humorist Daly sein Bohème-Katastrophen-Gespann Dave und Paul auf die südafrikanische Hauptstadt los und erzählt nicht eine, nein, zwei famose und hoch komische Geschichten, die irgendwo zwischen Hergé, Freak Brothers und “Magnum“ ein neues Genre eröffnen.

Joe Daly ist ein südafrikanische Zeichner und Humorist. Seine Comics erscheinen u.a. im US-Verlag Fantagraphics.

Doppeltes Glück mit der Roten Kralle, ISBN 978-3-939080-67-1, 114 Seiten, vierfarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im Oktober 2012

Die falschen Gesichter“Die falschen Gesichter” von David B. & Hervé Tanquerelle

Ein Februartag 1975 in Paris. Während eines Banküberfalls kommt es zu einer Schießerei zwischen Polizei und Berufsverbrechern, bei der einer der Gangster sein Leben lässt und seine Kumpanen nur mit knapper Not entkommen. Eine andere Methode, die Geldinstitute zu erleichtern, muss her – und die Lösung scheint so einfach: Während all die anderen Bankräuber auf der Welt noch mit Damenstrümpfen über dem Gesicht in die Banken marschieren, fängt die Bande “der falschen Gesichter“ an, sich mit Perücken, falschen Bärten und Make-Up zu verkleiden und täuscht mit diesem Mummenschanz nicht nur das Sicherheitspersonal vor Ort, sondern auch die Polizei selbst. Während ihre Verfolger im Dunkeln tappen, werden die “falschen Gesichter“ nicht nur in Unterweltkreisen zu Helden stilisiert.

Inspiriert von wahren Fällen lassen der französische Tausendsassa David B. und der Zeichner Hervé Tanquerelle die Tradition des Roman noir im Comic fortleben und fangen den Zeitgeist der 70er und die Atmosphäre der französischen Thriller mit Alain Delon und Konsorten meisterhaft ein.

Hervé Tanquerelle ist seit den späten 90ern als Comiczeichner aktiv und hat u.a. mit Joann Sfar an der Mystery-Farce “Professor Bell” gearbeitet.

Die falschen Gesichter, ISBN 978-3-939080-66-4, 152 Seiten, zweifarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im November 2012

“Chagall in Russland” von Joann Sfar

Wer nach “Pascin“ eine weitere Künstlerbiografie Sfars erwartet, wird Augen machen. Blaue Augen, wie die von Marc Chagall, dem jüdischen Jüngling in Sfars bunt wuchernder Erzählung. Sfars Chagall ist nicht der Expressionist, den man aus dem Kunstunterricht kennt, sondern ein blonder, verträumter russischer Maler, dem nichts ferner läge, als in die französische Kunst-Diaspora zu emigrieren. Er möchte in seinem russischen Dorf bleiben und das Mädchen seiner Träume heiraten. Aber ihr Vater ist gegen die Verbindung – was hat der Tagträumer seiner Tochter dennschon zu bieten? Soll Chagall für die Liebe die Kunst aufgeben und sich einen Beruf suchen? Darauf weißt auch der Dorfrabbi keinen Rat. Dann hat Chagall eines Nachts eine Vision, die sein Leben verändern wird. In der Tradition seiner Serien “Klezmer“ und “Die Katze des Rabbiners“ entführt Joann Sfar seine Leser wieder in die jüdischen Lebenswelten zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Joann Sfar ist wohl einer der renommiertesten und produktivsten Akteure der aktuellen französischen Comic-Szene. Bis dato liegen über 100(!) Comic-Arbeiten von ihm in Frankfreich vor. Auf Deutsch sind “Die Katze des Rabiners”, “Pascin” und seine weit verzweigte Fantasy-Reihe “Donjon” erschienen.

Chagall in Russland, ISBN 978-3-939080-73-2, 128 Seiten, vierfarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im November 2012

“Klezmer 4: Trapezsprünge” von Joann Sfar

Russland zur Zarenzeit: In bester Tradition Tolstoischer Charakterepen wird ein bunt gemischtes Ensemble aus gesellschaftlichen Randfiguren durch allerlei Schicksalsschläge und widrige Umstände zusammengeführt. Die turbulente Erzählung beginnt mit Noah Davidovich, auch “Baron“ genannt, der mit seiner jüdischen Kapelle in der verschneiten russischen Provinz in den Hinterhalt eines konkurrierenden Klezmerorchesters gerät. Als einziger mit dem Leben davon gekommen, macht er sich auf den weiten Weg nach Odessa, wo auf talentierte Musiker ein Bett, eine warme Mahlzeit und – mit viel Glück – auch ein wenig Bares wartet.

Vierter Teil der gelungenen Mischung aus “Der Kurier des Zaren” und “Die Katze des Rabbiners”.

Klezmer 4: Trapezsprünge, ISBN 978-3-939080-72-5, 120 Seiten, vierfarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im Dezember 2012

“Vampir” von Joann Sfar

Neben den beliebten “Desmodus”-Comics für junge Leser, hat Joann Sfar auch eine ältere Version seines freundlichen Blutsaugers geschaffen. Während der kleine Desmodus seine Nächte mit Spukgeschichten und Streichen verbringt, sind es die Hormone, die ihn als großen Vampir auf Trab halten, und die Lethargie, die ihn an der Welt verzweifeln lässt. Joann Sfars “Vampir”-Geschichten sind wunderbare Coming-of-Age-Märchen, mit einem Slacker-Dracula, der alte Platten sammelt und von einer amourösen Katastrophe in die nächste stolpert. Mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Hintersinn, Fabulierlust, Humor, Melancholie und Philosophie liest Sfar das Gothik-Genre gegen den Strich

Neben allen Alben der Serie mit dem “Großen Vampir” enthält diese ultimative Gesamtausgabe noch zusätzliche Kurzgeschichten und Skizzen!

Vampir, ISBN 9788-3-939080-74-9, 560 Seiten, vierfarbig, Flexcover, 49,95 Euro, erscheint im Dezember 2012

“Eremit” von Marijpol

Weit abgeschieden von einer alternden Gesellschaft, in der der Anblick eines Kindes eine Seltenheit ist, lebt ein einsamer Misanthrop im Wald. Mit einem vor Zwiespalt geteilten Kopf ist er auf der Suche nach seinem wahren Kern. Gleichgültig führt er seine Arbeit für ein Bestattungsunternehmen aus, bei dem lebensmüde Senioren letzte Reisen buchen können, die ihren schönsten Tod zum Ziel haben. Durch die Begegnung mit einem wütenden Kind, das auf der Flucht vor seinen Erziehungsberechtigten ist, wird der Eremit in seiner Zurückgezogenheit gestört; muss er sich am Ende für eine Hälfte seines Kopfes entscheiden?

“Eremit” ist eine symbolträchtige, mitunter verstörende Erzählung über Zweifel, Tod und Obst.

Marijpol, bürgerlich Marie Pohl, wurde 1982 in Berlin geboren. Sie hat Visuelle Kommunikation und Illustration an der Hochschule für bildende Kunst und an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg studiert. Marijpol lebt und arbeitet in Hamburg.

Eremit, ISBN 978-3-939080-71-8, 150 Seiten, zweifarbig, Softcover, 19,95 Euro, erscheint im Dezember 2012

Jubiläumsangebote der Edition Moderne

Donnerstag, den 12. Januar 2012

Zum 30-jährigen Verlagsjubiläum bietet die Edition Moderne ab sofort zwei Titel aus der Backlist zum vergünstigt an: “120, rue de la Gare” von Jacques Tardi nach einer Vorlage von Léo Malet ist ein Klassiker des Verlagsprogramms, der nach eine Ausgabe in mehreren Alben noch einmal in einem Sammelband aufgelegt wurde und nun zum Sonderpreis angeboten wird.

In “Die heilige Krankheit” beschreibt David B. autobiografisch das Heranwachsen im Schatten der Epilepsie-Erkrankung seines Bruders. Beide Bände der Originalausgabe werden nun zu einem Paket gebündelt, der Preis halbiert.

“120, rue de la Gare” von Léo Malet und Jacques Tardi.

November 1941, Stalag XB. Der Mann ohne Gedächtnis – genannt “La Globule” – flüstert Nestor Burma auf dem Totenbett eine geheimnisvolle Adresse zu: “120, rue de la Gare”. Dezember 1941, Bahnhof Lyon-Perrache. “120, rue de la Gare”, ruft der sterbende Bob Colomer seinem Chef zu. Was bedeutet diese geheimnisvolle Adresse? Und wird Nestor Burma – der Mann, der jedes Rätsel knackt – auch diesen Fall lösen? Neben der spannenden Handlung zeichnet Tardi auch eine detailreiche Bilderwelt der Kriegsjahre.

Im 1943 erschienenen Kriminalroman “120, rue de la Gare” setzt Léo Malet zum ersten Mal seinen Privatdetektiv Nestor Burma als Hauptfigur ein. Ursprünglich hatte Malet keine Fortsetzung vorgesehen, aber sein damaliger Verleger – vom grossen Erfolg motiviert – drängte ihn, weitere Folgen mit Nestor Burma zu schreiben. Es sollten insgesamt 29 werden, in denen Malet seinen Privatdetektiv Burma nonchalant und darüber hinaus sehr erfolgreich agieren lässt. Gute 40 Jahre nach diesem Grosserfolg wagte sich Jacques Tardi an die Comicversion. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit Léo Malet und nimmt heute in Tardis Werk eine herausragende Position ein.

120, rue de la Gare, ISBN 978-3-03731-000-7, 192 Seiten, schwarzweiss, Hardcover, 16 EUR, 19,80 SFr.

“Die heilige Krankheit” Band 1+2 von David B.

In “Die Heilige Krankheit” erzählt David B. mit einzigartiger Offenheit seine Familiengeschichte, die durch die Epilepsie seines Bruders geprägt wird. Die verzweifelte Suche seiner Eltern nach einer Heilmethode für ihren Sohn führt die Familie vom Facharzt zum Guru, vom Scharlatan zur makrobiotischen Kommune, von der Sekte bis nach Lourdes. Dieses Aufwachsen zwischen Heerscharen von Ärzten und Armeen von Dämonen wird für David B. zum Albtraum, den er Jahre später mit seinem Meisterwerk “Die Heilige Krankheit” überwindet.

“Die heilige Krankheit” Band 1+2, ISBN ISBN 978-3-03731-093-9, 378 Seiten, schwarzweiss, Hardcover, 24 EUR, 29,80 SFr.

Comics in Russland

Dienstag, den 3. Mai 2011

Ein dpa-Artikel von Wolfgang Jung, der von verschiedenen Zeitungen wie dem Trierer “Volksfreund” und die “Saarbrücker Zeitung” aufgegriffen wird, bietet einen Einblick in die russische Comicszene. Eine vom Goethe-Institut und dem Comic-Salon Erlangen mitgetragene Ausstellung zeigt in Moskau das vielfältige Schaffen der dortigen Autoren. Auch der Berliner “Tagesspiegel” greift den Artikel auf:

Zwischen Major Pronin und Puschkin

Micky Maus und Spider-Man sind längst auch in Russland populär. Dagegen werden Comicstrips russischer Zeichner von einheimischen Verlagen meist ignoriert. Eine Ausstellung in Moskau soll das ändern.

Russlands bunte Comic-Szene hofft 20 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion auf den Durchbruch zum etablierten Literaturbetrieb – auch mit Hilfe aus Deutschland. Das Goethe-Institut und der Comic-Salon Erlangen beteiligen sich in diesen Tagen an einer großen Ausstellung in Moskau, die eindrucksvoll die Vielfalt russischer Bildgeschichten dokumentiert. mehr

Dass es auch Interesse an den Comics ausländischer Autoren gibt, zeigt zum Beispiel die Veröffentlichung einer Reihe internationaler Comics beim Sankt Petersburger Verlag Boom Comics. Hier erschienen zuletzt die russischsprachigen Ausgaben von Mawils “Wir können ja Freunde bleiben” (Reprodukt), sowie “Die heilige Krankheit” von David B. (in deutscher Sprache erschienen bei Edition Moderne).

Graphic Novels in den Medien – Dezember 2010 (2)

Donnerstag, den 30. Dezember 2010

Kurz vor Jahresschluss noch einmal ein Blick auf die vielfältige Berichterstattung über Graphic Novels in den Medien. Leider kann nicht auf alles verlinkt werden, wie zum Beispiel auf Andreas Platthaus eine ganze Seite füllenden Bericht über die Bedeutung von Graphic Novels in der heutigen Ausgabe der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (update: Der Artikel “Siegeszug unter falscher Flagge” ist nun auch online abrufbar). Auf eine Reihe von Berichten und Rezensionen kann an dieser Stelle jedoch wie gewohnt verwiesen werden.

Die am heutigen Donnerstag in den Kinos startende Verfilmung von Posy Simmonds “Tamara Drewe” (Reprodukt) unter dem Titel “Immer Drama um Tamara” findet natürlich breite Beachtung in den Feuilletons, wobei die Vorlage zumindest hingewiesen wird. Auf “tagesspiegel.de” stellt Sven Jachmann das Buch noch einmal ausführlich vor und legt: “Die Begierden der Intellektuellen” dar.

Ralf Königs “Antityp” (Rowohlt) ist die Buchempfehlung im Dezember des “Radiofeuilletons” im “Deutschlandradio”. Knut Cordsen legt das Buch in “Fundgrube für Kokolores” “jedem Frömmler ans Herz”. Christian Möller stellt im “Deutschlandradio Wissen” Peer Meters und Isabel Kreitz´ “Haarmann” (Carlsen) vor: “Serienmörder als Comic”. Derselbe Band wird von Thomas Hummitzsch auf “BerlinerLiteraturkritik.de” besprochen: “Der Tatort unter den Comics”. Und auf “satt.org” schreibt Andre Kagelmann über eben jenen Band unter der Überschrift “Ratten im Hirn …”.

Weitere biografische Comics fanden in den Medien Beachtung: Auf fm4.orf.at stellt Zita Bereuter “Logicomix” von Apostolos Doxiadis und Christos H. Papadimitriou (Atrium) vor: “Russell, Wittgenstein und Gödel als Superhelden”. “Ginsberg, Kerouac und Co. waren homophob, antisemitisch. Und prägten die Popkultur” schreibt Brigitte Preissler in “Dichter sind gefährlich” für “Die Welt” über die von Harvey Pekar und Paul Buhle herausgegebene Portraitsammlung “The Beats” (Weidle+Graf). Vor allem die “gewohnt exzellenten” Zeichnungen von Autor Reinard Kleist in seinem Buch “Castro” (Carlsen) haben es Markus Lippold angetan, wie er in seiner Besprechung auf n-tv.de schreibt: “Vaterland oder Tod – oder Diktatur”. Der Band ist Buchtipp auf “blickpunkt-lateinamerika.de”, wo Thomas Völkner “Fidel Castros Leben als Comic” vorstellt.

Auf “Aviva-Berlin.de”, dem “Online-Magazin für Frauen” stellt Claire Horst den dritten Band von Joann Sfars “Klezmer” vor: “gewohnt farbenfroh und traumartig versponnen”. Gerade die “brillante Inszenierung” hat es Benjamin Vogt bei der Lektüre von Bastien Vivès´ “In meinen Augen” angetan, wie er auf “comicgate.de” schreibt.

Gleich zwei Bände von Bastien Vivès finden sich in den lesenswerten Jahres-Top 10 der besten Comic auf “titel-magazin.de”. Dort wurden vor Weihnachten noch eine Reihe weiterer Graphic Novels vorgestellt: Marc-Antoine Mathieus “Gott höchstselbst” (Reprodukt) findet nur bedingt das Wohlwollen des Rezensenten Falk Straub, der in “Der Schöpfer im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” jedoch relativierend feststellt: “Manch anderer Autor und Zeichner würde sich wünschen, einen Ausrutscher auf solch hohem Niveau überhaupt einmal zustande zu bringen.” Gleich zwei neue Bände von David B. stellt Alexander Frank in “Ornamentale Menschenknäuel und kopflose Piraten” vor: “Auf dunklen Wegen” und “Kapitän Scharlach” (letzterer zusammen mit Emmanuel Guibert, beide avant-verlag).

Weiterhin auf “titel-magazin.de” erkennt wieder Falk Straub eine “herausragende Meditation über Lust und Gewalt” in der Piraten-Trilogie “Jeronimus” von Christophe Dabitch und Jean-Denis Pendanx (Schreiber & Leser): “Homo homini lupus”. Christian Neubert kann dagegen der Manga-Trilogie “Furious Love” von Kazuo Kamimura (Carlsen) nicht besonders viel abgewinnen: “Weiter wie gehabt…”.

“Eine zutiefst melancholische und gleichzeitig an Zynismus kaum zu überbietende Geschichte” erkennt Felix Giesa auf “satt.org” in “Sun Village” von Inio Asano (Schreiber & Leser): “Leben und Tod sind bloß ein Geschäft”. Und an gleicher Stelle stellt Giesa drei aktuelle Abenteurcomics vor: “Der letzte Mohikaner” von Cromwell (nach James Fennimore Cooper, Splitter), “An Bord der Morgenstern” von Riff Reb´s (Carlsen) und “Mouse Guard – Winter 1152″ von David Petersson (Cross Cult).

Comics in den Medien – August 2010 (1)

Dienstag, den 3. August 2010

Am 6. August 1945 wurde über dem Zentrum des japanischen Hiroshima die Atombombe gezündet. Den 65sten Jahrestag nahm Melanie Longerich im Deutschlandfunk zum Anlass, um in der Sendung “Andruck” den autobiografischen Manga von Keiji Nakazawa “Barfuß durch Hiroshima” (Carlsen) vorzustellen, in dem sich der Autor an seine Erlebnisse rund um den Abwurf und dessen verheerende Auswirkungen erinnert: “Atomkrieg als Manga”. Jens Harders “Alpha – Directions” (Carlsen) wurde bereits im Deutschlandradio Kultur vorgestellt, der Beitrag “Urknall im Comic” wird am heutigen Dienstag um 16:33h noch einmal im Deutschlandfunk im “Radiofeuilleton” wiederholt.  Zudem findet sich der Titel auf der August-Empfehlungsliste der Literaturredaktion: “Charles Darwin hätte sein Freude gehabt”.

Christian Möller hat Marc-Antoine Mathieus “Gott höchstselbst” (Reprodukt) auf WDR 5 in der Sendung “Scala” vorgestellt und als “klug hintersinnig und höchstunterhaltsam” beschrieben. Zu einem etwas anderen Urteil über den Band gelangt Waldemar Kesler auf “tagesspiegel.de”: “Göttliche Zumutung”. Weitere Kritik wird an gleicher Stelle gegenüber Matthias Schultheiss’ “Die Reise mit Bill” (Splitter) geäußert: “Aus der Zeit gefallen” urteilt dort Klaus Schikowski, der sich in einem weiteren Artikel (“Der Zahn der Zeit”) mit Vampircomics beschäftigt. Unmittelbarer Anlaß ist die Veröffentlichung der Manga-Umsetzung des ersten Bandes der “Twilight”-Reihe von Stephenie Meyer: “Twilight: Biss zum Morgengrauen: Der Comic, Band 1″ (Carlsen). Mit “Sun Village” von Inio Asano widmet sich Lars von Törne einem weiteren Manga: In dieser “Jagd nach dem Glück” zeige sich ein Manga-Star in “Bestform”. Von Törne spach auch mit David Prudhomme, dem Autor und Zeichner von “Rembetiko” (Reprodukt) über eben jenes Buch: “Ich habe im Atelier getanzt”.

Für den österreichischen Kultur-Blog wienerpost.at sprach Harald Havas mit Ulli Lust über ihren Band “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” (avant-verlag): “460 Comic-Seiten Leben”. Auf titel-magazin.de fragt Lida Bach “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?” und lobt die Neuausgabe von Jon J. Muths “M – Eine Stadt sucht einen Mörder” (Cross Cult).

“Mit „Gift“ ist der Comic nun endgültig in der Belletristik angekommen.” resümiert Felix Giesa auf satt.org in seiner Besprechung von Peer Meters und Barbara Yelins “Gift” (Reprodukt): “Die Verführung der Ahnungslosen”. Lobendes hat er an gleichem Ort in “Todessehnsucht” auch über Benjamin Schreuders und Felix Mertikats “Jakob” (Cross Cult) zu sagen.

Daniel Benedict schreibt in der “Neuen Osnabrücker Zeitung” über Will Eisners “Ein Vertrag mit Gott” (Carlsen): “Autobiografisches und Geschichtsschreibung fallen hier zusammen – ein Muster, das Schule macht.”: “Gotteskritik in der Sprechblase”. Auf cult:online, der Online-Ausgabe der Kulturzeitung der Bayerischen Theaterakademie stellt Cornelia Fiedler Uli Oesterles “Hector Umbra” (Carlsen) sowie die Luxusausgabe des Bandes (Edition 52) vor: “Hinterm Hofbräuhaus das Jenseits”.

Aus dem Nähkästchen plaudert Andreas Platthaus in zwei Beiträgen auf seinem Blog für die “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”: Zum einen schreibt er dort über ein in Frankreich erschienenes Reisetagebuch von David B. (“Auf dunklen Wegen”, avant-verlag”) und über die Beteiligung von Art Spiegelman (“Die vollständige Maus”, S. Fischer) an einem Tanztheater vor projizierten Animationszeichnungen.

“Kapitän Scharlach” – Leseprobe online

Freitag, den 2. Juli 2010

Nachdem auf die Leseprobe von David B.’s “Auf dunklen Wegen” (avant-verlag) bereits hingewiesen wurde, folgt nun die nächste: “Kapitän Scharlach” lässt die Köpfe fliegen!

Von David B. (“Die heilige Krankeit”, Edition Moderne) in Szene gesetzt und von Emmanuel Guibert (“Alans Krieg”, Edition Moderne) gezeichnet, wird der 1905 mit 38 Jahren verstorbene Schriftsteller Marcel Schwob zur Hauptfigur dieses Albums. Mit zahlreichen mysteriösen Morden konfrontiert, scheint es als wäre eine seiner Romanfiguren zum Leben erweckt worden. Und tatsächlich: Die Piraten sind in Paris eingefallen! Ein Dreimaster gleitet zwischen den Fassaden des Faubourg Saint-Germain. An Bord entfesselt Kapitän Scharlach Blitze und Kanonenschüsse.

Die PDF-Leseprobe zu “Kapitän Scharlach” umfasst 15 Seiten und kann hier heruntergeladen werden (2,7 MB). Die vierzehnseitige Leseprobe zu “Auf dunklen Wegen” ist hier zu finden (2,8 MB).

“Auf dunklen Wegen” – Leseprobe online und erste Besprechung

Mittwoch, den 30. Juni 2010

Gleich zwei Neuerscheinungen von David B. gab es zuletzt beim Berliner avant-verlag: Bei “Kapitän Scharlach” verfasste er das Skript, das Emmanuel Guibert (“Alans Krieg”, Edition Moderne) in Bilder umsetzte, “Auf dunklen Wegen” stammt von David B. allein. Zu letzterem Band schreibt Daniel Wüllner auf tagesspiegel.de eine erste Besprechung, passend dazu lässt sich nun eine PDF-Leseprobe online ansehen.

Grabenkriege und Revolutionsphantasien

Die Verdichtung der Welt: Die dalmatinische Hafenstadt Fiume wurde nach dem Ersten Weltkrieg von einer vom Dichter Gabriele D’Annunzio geführten Truppe erobert. Der Comic-Erneuerer David B. macht das zum Ausgangspunkt seines neuen Buches und zeigt, dass das Potenzial des Mediums noch lange nicht ausgereizt ist.

Comic-Künstler sind noch weit davon entfernt, das erzählerische Potenzial ihres Mediums voll ausgenutzt zu haben – eine Tatsache, auf die Comic-Guru Scott McCloud immer wieder gerne aufmerksam macht. Obwohl er diese bevorstehende Revolution mit den Möglichkeiten digitaler Medien verknüpft, ist auch das erzählerische Potenzial der gedruckten Comics noch lange nicht ausgereizt. Immer mehr Autoren und Zeichner entdecken neue Wege, mit Konventionen zu brechen und ihre Erzählungen über Genregrenzen hinweg zu entfalten. Bestes Beispiel dafür ist der neue Comic von David B., „Auf dunklen Wegen“, der gerade im Avant-Verlag auf Deutsch erschienen ist. Im Comic vermengt der französische Künstler europäische Geschichte mit dem unstillbaren Drang des Geschichtenerzählens selbst. mehr

Die PDF-Leseprobe umfasst 14 Seiten und kann hier heruntergeladen werden (2,8 MB).

“Kapitän Scharlach” von David B. & Emmanuel Guibert

Mittwoch, den 24. März 2010

Im April erscheint beim Berliner avant-verlag  mit “Kapitän Scharlach” ein neuer Band von David B. (“Babel”, avant-verlag) und Emmanuel Guibert (“Alans Krieg”, Edition Moderne).

Emmanuel Guibert und David B. lieben Wörter und Bilder. Ganz besonders die von Marcel Schwob, der 1905 mit 38 Jahren starb. Schwob war einer der großen Gelehrten seiner Zeit. Er wird in Chaville bei Paris in eine großbürgerliche Familie von Rabbinern und Ärzten geboren. Sein Onkel bekleidete das Amt des Leitenden Bibliothekars der Bibliothèque Mazarine; er selbst wird sämtliche Bücher verschlingen.

Schwob liebt die Sprache; den mittelalterlichen Argot des Dichters und Räubers François Villon, dem er geistreiche Studien widmet; die Sprache François Rabelais’, über den er ebenfalls schreibt. Schwob liebt alle Sprachen und alle Geschichten: das Altgriechische der klassischen Philosophen, die Märchen und Legenden des buddhistischen Fernen Ostens, die höfischen Romane um die Tafelrunde. Aus diesen Gedankenwelten nährt Schwob seine Phantasie, aus ihnen schöpft er die Ideen, verwebt die Kulissen, entlehnt seine Worte für Das gespaltene Herz, Der verschleierte Mann, Der König mit der goldenen Maske, Das blaue Land, Novellen, so fein gearbeitet wie kostbare Juwelen.

Aber nun wird dieser Marcel Schwob zur Hauptfigur dieses Albums von David B. und Emmanuel Guibert: Marcel Schwob wird mit zahlreichen mysteriösen Morden konfrontiert. Es scheint als wäre eine seiner Romanfiguren zum Leben erweckt worden. Und tatsächlich: Die Piraten sind in Pairs eingefallen! Ein Dreimaster gleitet zwischen den Fassaden des Faubourg Saint-Germain. An Bord entfesselt Kapitän Scharlach Blitze und Kanonenschüsse.

Nehmen Sie sich in Acht vor der stürmischen Phantasie des David B. und den getuschten Windstößen des Emmanuel Guibert. Sie lassen die Köpfe fliegen.

Kapitän Scharlach, ISBN 978-3-939080-42-8, Softcover, 64 Seiten, vierfarbig, 19,95 EUR, erscheint im April bei avant-verlag

“Auf dunklen Wegen” – Neue Graphic Novel von David B.

Mittwoch, den 3. Februar 2010

9783939080414Mit dem ersten Band von “Auf dunklen Wegen” erscheint in Kürze im Berliner avant-verlag ein neues Buch des französischen Comicautors David B.. Der vor allem für “Die heilige Krankheit” (Edition Moderne), seine bewegende Autobiografie im Schatten der Epilepsieerkrankung seines Bruders bekannte, vielfach ausgezeichnete Autor, widmet sich in seiner neuesten Reihe der bewegten Epoche zwischen den beiden Weltkriegen. Die in Frankreich in zwei Bänden veröffentlichte erste Geschichte erscheint als inhaltlich abgeschlossene Gesamtausgabe im April 2010 im avant-verlag.

Am 19. September 1919 “annektierte” Gabriele D’Annunzio mit ca. 2500 desertierten Soldaten die dalmatinische Hafenstadt Fiume (kroatisch: Rijeka). Auf dramatische Weise griff “Der Dichter” damit in die Friedensverhandlungen in Paris ein, wo die Vertreter Italiens sich vergeblich bemühten, die Einhaltung der vor dem Krieg geschlossenen Geheimverträge zu erreichen, die Italien vor allem in Dalmatien territoriale Zugewinne zugesichert hatten. In Fiume aber begann ein schier endloses Fest. Ein Ausnahmezustand herrscht, der alles ergreift: den Krieg, die Politik, das Recht, die Herzen und die Sinne.

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David B., der eigentlich David Beauchard heißt, wurde 1959 im französischen Nimes geboren. 1990 war er einer der Mitgründer der einflussreichen französischen Künstlervereinigung L’Association. Ab 1996 schuf er eines der Meisterwerke in der jüngeren Comicgeschichte mit “Die heilige Krankheit“. David B. zählt wegen seiner symbolischen Bildfindungen zu einem der spannendsten Künstler, die das Medium derzeit vorzuweisen hat. Mit “Auf dunklen Wegen“ startet seine neue Reihe im avant-verlag. Weitere Bände dieser neuen historischen Reihe sind bereits in Arbeit und werden den Leser an andere brisante Schauplätze (Irland, Baltikum, Deutschland) führen.

dunkl_weg_bsp2Bereits jetzt lässt sich eine 18-seitige Leseprobe hier als PDF herunterladen (4,5 MB).

Auf dunklen Wegen, ISBN 978-3-939080-41-4, 124 Seiten, SC, vierfarbig, 24,95 EUR, erscheint im April im avant-verlag

Weitere Tagungen zum Thema Comic

Mittwoch, den 28. Oktober 2009

Wie bereits berichtet, finden im nächsten Jahr zwei Fachtagungen statt, die sich mit dem Themenfeld Rechtsextremismus aus Comic-Perspektive beschäftigen. Schon im November finden zwei weitere Tagungen statt, die näher am Medium bleiben.

comfor_plak_4Vom 6. bis zum 8. November 2009 findet an der Universität zu Köln die 4. Wissenschaftstagung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) zum Thema “Erzählen im Comic” statt.

Die Geschichte des Comics ist auch eine vom Geschichtenerzählen. Die Form und die Art und Weise des Erzählens haben sich in der Geschichte des Comics ebenso immer wieder gewandelt wie Inhalte, Themen und Genres. Die Rolle des Erzählens im Comic und die damit einhergehenden Veränderungen sollen im Laufe der Tagung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden.

Neben dem Eröffnungsvortrag von Herrn Professor Dr. Karl Clausberg werden sich vierzehn Wissenschaftler(innen) aus dem In- und Ausland mit dem Thema beschäftigen. Sieben jüngere Kolleginnen und Kollegen präsentieren ihre Thesen auf einem Forum der Nachwuchswissenschaftler(innen). Eine Führung durch die Mittelalterabteilung des Wallraf-Richartz-Museums, die dem sequentiellen Erzählen in der Kölner mittelalterlichen Malerei gilt, macht Sie zudem mit einigen Ahnen des Comic Strips bekannt.

Neben allgemein comictheoretischen Themen wie “Comics als interdiskursive Erzählungen” werden auch Graphic Novels und ihre Autoren in Vorträgen vorgestellt und einzelne Aspekte näher erläutert. So wird es unter anderem Beiträge zum Reportagecomic “Der Fotograf”, Allgemeines über autobiografische Comics und Spezielles zu David B.s “Die heilige Krankheit” (beide Edition Moderne) geben. Das gesamte Programm und alle weiteren Details zur Tagung finden sich auf hier. Das Postermotiv stammt übrigens von Mawil (“Wir können ja Freunde bleiben”, Reprodukt).

genesiswelleAm 27. und 28. November lädt der Sonderforschungsbereich 826 “Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste” der Freien Universität Berlin zur Tagung zum Thema: “Comics: Zum Stand der kulturellen Legitimität eines intermedialen Mediums”.

Ob Pop Art, Nouvelle Vague, Mangas oder Tarantino – der Comic gehört seit dem späten 20. Jahrhundert zum festen Bestandteil eines Spiels mit high and low culture. Comiczeichner haben nicht nur Plakate und Cover der Rockmusik von Jimi Hendrix bis Janis Joplin gezeichnet, die Ästhetik von bestimmten Musikrichtungen hat auch Autoren wie Robert Crumb in ihrem Zeichenstil inspiriert. In einem solchen Wechselspiel wird der Comic sowohl remedialisiert als auch selbst von intermedialen Praktiken neu definiert. Zu diesen Grenzüberschreitungen stellt sich eine neue soziale Legitimität des Comics ein. So wird Art Spiegelmans Holocaust-Comic Maus insbesondere von einer intellektuellen Leserschaft rezipiert. Mangas überschwemmen den Massenmarkt und heben aber ebenso den Anteil der weiblichen Leserschaft wie Marjane Satrapis Autorencomic Persepolis. Nicht nur die legitime Kunst benutzt damit das Spiel von high and low für ihre avantgardistischen Distinktionen gegen akademisch anerkannte Kunst, diese Strategie differenziert längst auch die Comicproduktion selbst. Die Konferenz wird der Frage nachgehen, wie diese Überschreitungen zwischen kulturellen und sozialen Grenzen im intermedialen Wechselspiel ästhetisch zu fassen sind.

Auch hier werden Graphic Novels ein zentraler Punkt der Betrachtungen sein. Vorträge befassen sich unter anderem mit Robert Crumbs “Genesis” (Carlsen) und Formen des epischen Erzählens und der Comic-Umsetzung von Morton Rhues “Die Welle” von Stefanie Kampmann (Ravensburger). Den genauen Veranstaltungsplan für die öffentlichen Vortragsreihe samt Adressen- und Raumangaben kann man sich hier ansehen.

Graphic Novels from Europe in New York

Montag, den 17. November 2008

Graphic Novels New YorkBereits zum fünften Mal findet in diesem Jahr die Veranstaltungsreihe “New Literature from Europe” in New York statt. Verschiedene Kulturinstitutionen schliessen sich dabei zusammen und präsentieren ab dem 17. November einen europäischen Querschnitt durch ein literarisches Themengebiet. In diesem Jahr steht die Reihe ganz im Zeichen der Graphic Novels, und es werden sechs europäische Comic-AutorInnen eingeladen, deren Werke zum Teil auch umfassend ausgestellt werden.

Das Goethe-Institut New York lädt als deutschsprachige Repräsentantin Isabel Kreitz (“Die Sache mit Sorge”, Carlsen) ein, die am 19. November an einer Diskussionsrunde zum Thema Graphic Novels und am folgenden 20. November im Museum of Comic and Cartoon Art (MoCCA) an einem Buchpräsentation mit anschließender Signierstunde teilnehmen wird. Neben Isabel Kreitz sind zu beiden Veranstaltungen David B. (“Die heilige Krankheit”, Edition Moderne), Nicolas de Crécy (“Prosopopus”, Reprodukt), Max (“Bardín der Superrealist”, Reprodukt), Jaromír 99 und Jaroslav Rudiš eingeladen.

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Bereits am 17. November eröffnet das Instituto Italiano di Cultura eine Ausstellung mit Werken Igorts (“5 ist die perfekte Zahl”, avant-verlag). Tags darauf wird in der Kulturabteilung der Französischen Botschaft eine Ausstellung aller beteiligter KünstlerInnen eröffnet. Am 19. November sind diese dann an der School of Visual Arts zur besagten Diskussionsrunde unter der Leitung David Mazzucchellis (“Paul Austers Stadt aus Glas”, Reprodukt) zu Gast. Am folgenden 20. November findet die Buchpräsentation im MoCCA statt, bevor die Reihe am 21. November im Maison Francaise an der NYU mit einer Diskussion mit Nicolas de Crécy ihren Abschluss findet.

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Genaue Informationen, Termine und Adressen finden sich auf der Seite des New Yorker Goethe-Instituts.

“Cartoonist as Auteur: Europe’s Visionary Graphic Novelists “

Donnerstag, den 2. Oktober 2008

r_kleist.jpgAm 19. September berichtete das “Wall Street Journal” über die europäische Graphic-Novel-Szene und stellte Autoren aus verschiedenen Ländern vor. Brigit Grauman portraitiert unter anderem Reinhard Kleist (“Cash – I See A Darkness”, Carlsen Comics), Gipi (“5 Songs”, avant-verlag) und David B. (“Die heilige Krankheit”, Edition Moderne).

Neben dem lesenswerten Bericht werden noch wichtige europäische Comicfestivals vom Fumetto in Luzern über das Festival International de la Bande Desinée Angoulême bis hin zum Comic-Salon Erlangen vorgestellt.

Cartoonist as Auteur: Europe’s Visionary Graphic Novelists

The graphic novel explosion under way in the U.S. — where overall sales were up 10% last year — has had a longer gestation in Europe, where sophisticated comics meant for adults have been popular since the 1960s.

The current crop of European writers and artists marry word and image to express their personal vision of the world. “These are rich and challenging times for the graphic novel,” says Paul Gravett, the founder of the annual Comica festival in London. “For a long time, comic strips were dismissed as sub-literature. Now there’s a great appetite for this sort of book.”

Whether called “comic books” or “graphic novels” — some consider the terms interchangeable, others see differences in form and scope — these works emphasize powerful storytelling, on subjects as broad as those found in any other published works, from autobiography to fantasy to war reportage to humor. Text and art are equal tools to this end. mehr

Graphic Novels als Comic-Trend

Dienstag, den 11. März 2008

Die “Amerikawoche” veröffentlicht den Beitrag der dpa-Kulturkorrespondentin Elke Vogel, die ebenfalls die Entwicklung eines neuen Segments auf dem Comic-Markt und im Buchhandel beobachtet:

Graphic Novels als Comic-Trend

Der Comic wird erwachsen: Jenseits von Superhelden und fiktiven Abenteurern etablieren sich nun auch auf dem deutschen Buchmarkt ernstere und inhaltsschwerere Titel. Bildergeschichten für Erwachsene haben in Ländern wie Frankreich oder den USA längst Tradition. Mit sogenannten Graphic Novels – gezeichneten Romanen – werden jetzt auch in Deutschland anspruchsvollere Leser angesprochen. Autoren wie Line Hoven, Reinhard Kleist, Marjane Satrapi, David B., Jason Lutes, Arne Bellstorf und Isabel Kreitz verbinden in ihren Werken biografische Geschichten mit künstlerisch ambitionierter Grafik.

Die Leipziger Buchmesse (13. bis 16. März) setzt seit Jahren auf Comics als Einstieg in die Literatur und Anziehungspunkt für jüngere Leser. Aus dem Buchhandel seien Comics nicht mehr wegzudenken, ihr Marktanteil wachse kontinuierlich, meldet das “Börsenblatt” des deutschen Buchhandels. mehr

“Dämonendämmerung”

Montag, den 3. März 2008

davidb_heilige.jpgThomas Hummitzsch schreibt in “Glanz@Elend” über “Die heilige Krankheit” von David B.

Dämonendämmerung

Der französische Comiczeichner David B. zeichnet die Geschichte seiner Familie aus der Perspektive eines Heranwachsenden, dessen Leben von der Epilepsie seines älteren Bruders überschattet wird.

Im Rahmen meines Zivildienstes war ich das erste Mal Zeuge des sich unter einer wahnsinnigen Kräfteexplosion vollziehenden Abgleitens in eine andere Welt, das allgemein unter dem Namen Epilepsie bekannt ist. Und schon damals erfasste mich die Frage, was bei einem solchen Anfall genau geschieht und vor allem, was mit demjenigen, der diesen Anfall erleidet, geschieht. Verhält es sich, wie der antiquiert anmutende Name Fallsucht vermuten lässt, tatsächlich so, dass sich ein Epileptiker während einer Attacke in einem Fall befindet, in einem Schwebezustand zwischen verschiedenen Bewusstseinsdimensionen? Oder ergreift hier einfach eine unheimliche Macht gnadenlos Besitz von einem Menschen? mehr