Graphic Novels
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FĂŒnf Fragen: David Basler | Edition Moderne

Samstag, den 22. Januar 2011

Nicht erst seit dem durchschlagenden Erfolg von Marjane Satrapis “Persepolis”, das die Etablierung von Graphic Novels im Buchhandel maßgeblich vorangetrieben hat, veröffentlicht die Edition Moderne bedeutende Comics in deutscher Sprache: Literarische Titel etwa von Edmond Baudoin (“Die Reise”) oder Jacques Tardi (“Grabenkrieg”) sind seit jeher fester Bestandteil des Verlagsprogramms. BĂŒcher von Anke Feuchtenberger (“Die Hure H zieht ihre Bahnen”) oder die Humorminiaturen von Katz & Goldt (“UnglĂŒck mit allerlei Toten”) vervollstĂ€ndigen das Programm.

Der in ZĂŒrich beheimatete Verlag kann in diesem Jahr auf 30 Jahre Verlagsgeschichte zurĂŒckblicken, ein JubilĂ€um, zu dem wir an dieser Stelle herzlich gratulieren. Der VerlagsgrĂŒnder und -leiter David Basler beantwortet unsere “FĂŒnf Fragen”.

Wie kam es zur GrĂŒndung der Edition Moderne?

Der Verlag wurde 1981 gegrĂŒndet, weil damals nur ganz wenig Comics aus Frankreich auf Deutsch ĂŒbersetzt wurden.

Auf welche Ereignisse, Entwicklungen oder Publikationen blicken Sie besonders gern zurĂŒck?

An meine erste Buchmesse in Frankfurt, wo ich den Stand mit Rossi Schreiber (Schreiber & Leser) und Abi Melzer (Melzer Verlag) teilte und genau ein Buch publiziert hatte: “ZIG ZAZ ZOUG” (von Aloys). Ein Mann sprach mich an, gratulierte mir zu diesem Titel und offerierte mir ein Glas Sekt. Es war Didier Pasamonik, ein belgischer Verleger, der heute in Frankreich einen Blog betreibt (ActuaBD.com). Das war ein Superstart!

Über die Jahre schĂ€tze ich immer wieder den Kontakt zu den Autorinnen und Autoren, die durch die Publikation ihrer BĂŒcher im Verlag möglich wurde.

Welche Rolle spielten Graphic Novels bei der Entwicklung des Verlags?

Mit “Joe’s Bar” von Munoz/Sampayo haben wir schon 1982 als zweiten Titel ĂŒberhaupt eine Graphic Novel publiziert. Die beiden sind fĂŒr mich immer noch die GrĂ¶ĂŸten.

Haben Sie fĂŒr das JubilĂ€umsjahr besondere Aktionen oder Veröffentlichungen geplant?

Wir planen am Internationalen Comixfestival Fumetto in Luzern im April eine Geburtstagsparty mit den beiden “20jĂ€hrigen”: Reprodukt und Fumetto. Dazu gibt es mit Reprodukt weitere Events im 2. Halbjahr 2011.

Was sind die Perspektiven fĂŒr den Verlag in der nĂ€heren Zukunft?

Das GefĂŒhl, dass mit Comics und neuerdings Graphic Novels, noch sehr viel möglich ist, ist immer noch da. Das Potential ist bei weitem nicht ausgeschöpft!

“Wieso Comics heute Graphic Novels heißen mĂŒssen”

Freitag, den 29. Oktober 2010

Der VerlagsgrĂŒnder der ZĂŒrcher Edition Moderne, David Basler, hat auf der Verlagswebsite einen Text veröffentlicht, mit dem er auf eine Beobachtung im Buchhandel reagiert und in dem er darlegt, wie wichtig die Bezeichnung “Graphic Novel” fĂŒr Comics ist, um nicht mehr ausschließlich als leichte Unterhaltung fĂŒr ein eher junges Publikum wahrgenommen zu werden.

Wieso Comics heute Graphic Novels heißen mĂŒssen

Ich war letzthin zu Besuch in einer der grĂ¶ĂŸten Buchhandlungen in einem stadtbekannten Einkaufszentrum in ZĂŒrich. Nachdem ich schon mal 10 Minuten durch den Laden geirrt war, erkundigte ich mich bei einer Angestellten, wo sie denn die Comics platziert hĂ€tten. “Zuhinterst bei den KinderbĂŒchern“ erhielt ich als Antwort. TatsĂ€chlich fand ich da eine WĂŒhlkiste mit ALLEN Comics. Die Edition Moderne war, jeweils mit je einem Titel, in der Breite des Programms sehr gut vertreten.

Und es wurde mir wieder mal klar: Comics werden formal im Sortiment platziert, kaum eine BuchhĂ€ndlerin oder BuchhĂ€ndler wĂŒrde einen Comic inhaltlich einsortieren.

Ich hĂ€tte gleich mein ganzes Programm mitnehmen und remittieren lassen können. Denn dass sich Titel wie Joe Saccos “Bosnien”, Guiberts/LefĂšvres/Lemerciers “Der Fotograf” oder Marjane Satrapis “Persepolis” in der Kinderecke schlecht verkaufen, daran besteht wohl kein Zweifel. Auch “Das Zeichen des Widders” von Fred Vargas, illustriert von Baudoin (erschienen im Aufbau Verlag), wird bei den Kindern kaum auf Begeisterung stoßen.

Darum nennen wir unsere BĂŒcher nicht mehr Comics, sondern Graphic Novels. Darunter kann sich wohl niemand richtig was vorstellen, aber dadurch sind sie schon mal nicht im Voraus zu den KinderbĂŒchern verdammt.

David Basler

“Widerstand mit Zeichenfedern”

Donnerstag, den 17. Dezember 2009

In der heutigen Ausgabe der “Neuen ZĂŒrcher Zeitung” wirft Mona Sarkis anlĂ€sslich des Verbots der Graphic Novel “Metro” von Magdy al-Shafee einen Blick auf die Comicszenen im nahen Osten. Zu Wort kommen dabei unter anderem Isabel Kreitz (“Die Sache mit Sorge”, Carlsen), die kĂŒrzlich einen Workshop in Kairo leitete, Edition Moderne-Verleger David Basler und der bisher in Deutschland unveröffentlichte Zeichner Mazen Kerbaj (“Beyrouth, Juillet-Aout 2006″, L’Association).

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Widerstand mit Zeichenfedern

Ägyptens erste Graphic Novel, «Metro», ist seit kurzem verboten. Auch in den NachbarlĂ€ndern blockiert die Staatskontrolle das Medium, welches fĂŒr die zahlreichen jungen Leser in der arabischen Welt eigentlich prĂ€destiniert wĂ€re.

Nun ist es offiziell: «Metro» ist verboten. Der Autor des Comic-Romans, der 47-jĂ€hrige Magdy al-Shafee, ist empört, und das Arab Network for Human Rights Information spricht von einem RĂŒckschlag fĂŒr die Meinungsfreiheit in Ägypten. Sonderlich ĂŒberrascht dĂŒrfte aber keiner sein. Der jetzige Gerichtsspruch ist nur der Schlussstrich unter die Ereignisse vom April 2008. Damals hatte die Kairoer Polizei das BĂŒro von Muhammad al-Sharakawi, dem Verleger von «Metro», gestĂŒrmt. Al-Sharakawi sass damals wegen eines Aufrufs zum Generalstreik gegen Hungerlöhne bereits im GefĂ€ngnis; Ziel der Razzia war also nicht er, sondern der Lagerraum, in dem die Restexemplare von «Metro» standen. Des Landes erste Graphic Novel hatte, wie des Landes Gummiparagrafen lupenrein belegten, gegen die «guten Sitten» verstossen. mehr

Abbildung © PD / Mazen Kerbaj