Bereits am 22. Juli wurde in der “Neuen Zürcher Zeitung” vier Comics vorgestellt, in denen Musik ein wichtige Bestandteil ist. Der oder die zumindest online nicht namentlich nicht genannte AutorIn erkennt zunächst “regressive Tendenzen” darin, die (Pop-)Musikgeschichte in anderen Medien aufzugreifen. Philippe Thiraults und Steve Cuzors Albenreihe “O´Boys” (Ehapa Comic Collection) wird aber dennoch wohlwollen beurteilt, was vor allem am “suggestiven, stimmigen Set” liegt.
David Prudhommes “Rembetiko” wird hier als “liebevolle Hommage” beschrieben und die Auswahl des Stoffes sowie die “kongeniale” Art, wie die Geschichte bei Arne Bellstorfs “Baby´s in black – The Story of Astrid Kirchher & Stuart Sutcliffe” (beide Reprodukt) ins Bild gesetzt wird, gelobt. Die Anthologie “Bob Dylan revisited” (Carlsen) hingegen überzeuge nicht ganz, da viele Beiträge nicht über eine bloße Illustration der Songtexte hinauskommen.
In einem Beitrag für “Spiegel Online” berichtet Stephan Ort aus Thessaloniki über griechische Musiker, die den Rembetiko spielen, eine Art orientalisch angehauchten Blues, der in den 1920ern entstand. Ein Musiker, auf den sich im Artikel berufen wird – Markos Vamvakaris – ist auch einer der Protagonisten von David Prudhommes “Rembetiko” (Reprodukt), in dem die damalige Musikszene, ihr Lifestyle und ihre Querelen mit der Obrigkeit im Mittelpunkt stehen.
Schunkel-Blues der Gangster
In Haschisch-Höhlen und Gefängnissen entstand in Griechenland eine einzigartige Musik: der Rembetiko. Die Songs handeln von Liebe und Leid, vom Knast und von Drogen – wer sie in ihrer authentischen Form erleben will, entdeckt in düsteren Seitenstraßen-Spelunken die Seele des Landes.
Das Tombourlika hat geschlossen, und Vangelis kann sich kaum halten vor Lachen. Er deutet auf den handgeschriebenen Zettel hinter einem der Fenster des Lokals. “48 Stunden Generalstreik”, steht darauf. “Das ist so typisch Rembetiko, immer protestieren gegen die Obrigkeit”, gluckst der 22-Jährige. mehr
Bildergeschichten zum Pop-Kanon Musik-Comics thematisieren die Geschichte verschiedener Pop-Traditionen
Comics über Geschichte und Geschichten unterschiedlicher Pop-Traditionen bilden auf dem Markt der Graphic Novel ein eigenständiges Genre. Jüngst erschienene Comics-Bände thematisieren Stile wie den griechischen Rembetiko und den Blues, aber auch Pop- und Rock-Legenden wie die Beatles oder Bob Dylan.
Pop ist sich selbst historisch geworden. Seit Jahren schon stürzt er sich in seine Ruhmeshallen und seine Asservatenkammern, weil Patina immer schon Relevanz verheisst, die in Zeiten zunehmender Unübersichtlichkeit immer schwerer herzustellen ist. Der Musik-Comic, der sich auf dem boomenden Graphic-Novel-Markt zu einem gar nicht mehr so kleinen und kommerziell mitunter erfolgreichen Untersegment gemausert hat, übernimmt diese regressiven Tendenzen und arbeitet sich ebenfalls am Kanon ab. In den letzten Monaten sind wieder ein paar einschlägige Bände erschienen. mehr
Korinna Hennig hat am 5. Juli auf NDR Info drei Buchtipps für den Sommer vorgestellt: “In meinen Augen” von Bastien Vivès, “Rembetiko” von David Prudhomme (beide Reprodukt) und “Dantes Göttliche Komödie” von Seymour Chwast (Knesebeck).
In meinen Augen
Dieses Buch ist eine der beeindruckendsten Liebesgeschichten seit langem. Und das liegt gar nicht am Plot, der ist rasch erzählt: Zwei junge Menschen verlieben sich, reden, gehen aus, und irgendwann wird es kompliziert – oder besser: sie wird irgendwie kompliziert, wie Mädchen nun mal sind. Nein, dass “In meinen Augen” so großartig ist, liegt an der radikalen Perspektive. Denn die Geschichte ist allein aus der Sicht des verliebten Erzählers geschrieben: Wie er die rothaarige Schöne in der Unibibliothek kennen lernt, mit ihr ins Kino und in den Zoo geht, sie fast küsst und dann doch nicht. Wie er beim Reden nur ihre Lippen sieht oder sie nach einer Partynacht, schon schlafend, fürsorglich auszieht – der Leser sieht und hört immer nur sie, die Antworten des Erzählers bleiben ausgespart. mehr
In der “FAZ” vom 30. Dezember 2010macht sich Andreas Platthaus kritische Gedanken über Graphic Novels und ihre Bedeutung für den Buchmarkt. “Die Comicbranche wittere Morgenluft”, nimmt er an, und stellt im Folgenden drei Titel aus dem Jahr 2010 vor: “Rembetiko” von David Prudhomme (Reprodukt), “Logicomix” von Apostolos Doxiadis und Christos H. Papadimitriou, sowie “Anne Frank” von Ernie Colon und Sid Jacobson (Carlsen).
Siegeszug unter falscher Flagge
Das ist ihre Chance bei Buchhandel und Publikum: Comics heißen jetzt „Graphic Novels“ und verändern ihr Image. Der Mut bei den Verlagen wächst dementsprechend, doch von drei besonders hoch gehandelten Neuerscheinungen kann nur eine restlos überzeugen.
Wenn es nur einen einzigen neuen Comic zu benennen gälte, der die Vorzüge dessen, was man heute „Graphic Novel“ nennt, beweisen müsste, dann hieße die Wahl: „Rembetiko“. Dieser Band, den der 1969 geborene David Prudhomme im vergangenen Jahr in seiner französischen Heimat herausgebracht hat, ist jetzt sehr schnell auch ins Deutsche übersetzt worden: von Reprodukt, einem kleinen Berliner Verlag, der sich mit am kompromisslosesten dem neuen Genre der Graphic Novels verschreibt. Andere deutsche Verlage hatten „Rembetiko“, der in Frankreich gefeiert wurde, abgelehnt. Aber ist dieses Genre überhaupt neu? mehr
Neben zahlreichen Meldungen in der deutschsprachigen Presse, in Funk und Fernsehen, gab es in den vergangenen Wochen auch einige Erwähnungen deutscher Comics und ihrer Macherinnen und Macher in internationalen Medien. Zum Beispiel interviewte Tomasz PstrÄ…gowski am Rande des Comicfestivals in Lodz den Berliner Zeichner Mawil (“Wir können ja Freunde bleiben”, Reprodukt) für das polnische Online-Comicmagazin komiksomania.pl: “Nie jestem bohaterem”.
Mit “Wanderlust” widmet Matthias Wivel auf dem amerikanischen “The Comics Journal”-Blog Ulli Lusts “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” (avant-verlag) eine ausführliche Besprechung. Darin wird Ulli Lusts autobiografischer Reisebericht eingeordnet zwischen Goethes “Italienische Reise” und Christiane F.s “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”: “a fascinating study of human behavior under duress”. Erfreulich zu sehen, dass deutsche Comics auch im Ausland immer breiter wahrgenommen werden.
“Schlicht grossartig” findet Bert Dahlmann Pierre Pelots und Barus “Elende Helden” (Edition 52) in seiner kurzen Vorstellung auf westzeit.de. Das gegenwärtige Schaffen Barus, der im nächsten Jahr Präsident des Comicfestivals in Angoulême sein wird, stellt Andreas Platthaus auf seinem “FAZ”-Blog vor und spart in Bezug auf “Elende Helden” nicht mit lobenden Worten, wenn er in “Arme Typen, aber was für ein Reichtum an Geschichten!” unter anderem ausführt, warum Baru “auch im Alter von über sechzig immer noch einer der frischesten Comiczeichner der Welt ist”.
Ein weiterer Titel der Edition 52 wurde zuletzt ebenfalls besprochen: Die Veröffentlichung des ersten Teils von Jeff Lemires “Essex County”-Trilogie, “Geschichten vom Land”, nimmt Lars von Törne auf tagesspiegel.de zum Anlass, den Autor und sein Werk vorzustellen: “Nur wenige Autoren verbinden Elemente des Mainstream und der Comic-Avantgarde so gekonnt wie Jeff Lemire.” schreibt er in “Schöner Schmerz”. Auf comicgate.de vergleicht Benjamin Vogt in seiner Besprechung Jeff Lemires Stil lobend mit dem von Reinhard Kleist (“Castro”, Carlsen). Derselbe Rezensent bespricht auch Jiro Taniguchis Western-Manga “Sky Hawk” (Schreiber & Leser) und weist bei allem Lob auf einige Schwächem im Genre-Mix hin. In den ungefähr zur Zeit der großen Depression angesiedelten Geschichten in Will Eisners “Ein Vertrag mit Gott und andere Geschichten” (Carlsen) erkennt Andreas Fisch – ebenfalls auf comicgate.de – eine Reihe von Parallelen zur heutigen Zeit. Die “Ur-Graphic Novel” nennt Fabian Kettner den Band in seiner ausführlichen Vorstellung auf literaturkritik.de.
In der Zeit ganz weit zurück geht Jens Harder in seiner Graphic Novel “Alpha – directions” (Carlsen), der Thomas Hummitzsch auf textem.de attestiert, “spektakuläre Evolutionsbilder” zu finden. Marco Behringer stellt an gleicher Stelle “die Geschichte der Beat-Literatur als Graphic Novel” vor, namentlich “The Beats” (Walde+Graf) von den Herausgebern Harvey Pekar und Paul Buhle. Wer hätte gedacht, dass einmal “Bertrand Russel als Comicheld” erscheinen würde, führt ebenfalls Marco Behringer in seiner Besprechung von Apostolos Doxiadis’ und Christos H. Papadimitrious’ “Logicomix” (Atrium) auf textem.de aus. Wolfgang Popp stellt “Logicomix” auf Ö1 vom ORF vor. Der dazugehörige Text lässt sich hier nachlesen und hier nachhören.
Christian Möller sprach anlässlich der Veröffentlichung einiger Comics, die sich mit religiösen Themen auseinandersetzen, mit dem Kölner Autor Ralf König (“Antityp”, Rowohlt) über den “Boom des Göttlichen”. Der Beitrag lief im Deutschlandfunk. In einer kurzweiligen Bilderstrecke stellt WDR1 Live Arne Bellstorfs “Baby’s in Black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe” (Reprodukt) vor.
Thomas Otts “R.I.P. – Best of 1985 -2004″ (Edition Moderne) stellt Christian Neubert auf titel-magazin.de vor. In diesen “Schattenseiten” erkennt der Autor “große Kunst”. Christian Neubert sprach am Rande der Frankfurter Buchmesse auch mit den frisch gekürten Sondermann-Preisträgern Felix Mertikat und Benjamin Schreuder über die Auszeichnung und natürlich über ihr gemeinsames Debüt “Jakob” (Cross Cult): “Ein Konglomerat genialer Ideen”.
„Die Plastikmadonna“ zeigt, wie wir Objekte mit religiöser Symbolik aufladen – um dann erbittert um unsere Ikonen zu kämpfen
Szenen einer Ehe: Émelie kehrt vollkommen beseelt von einer Reise zurück, es war eine Wallfahrt nach Lourdes, und muss sich bei ihrer Ankunft doch gleich ärgern, weil ihr Mann sie nicht vom Bus abgeholt hat. Die streng gläubige Katholikin weiß auf ihre Weise Zeichen zu setzen. Sie hat eine Marienfigur mitgebracht und platziert sie kurzentschlossen auf dem Fernseher. Das wiederum bringt ihren Mann in Wallungen, denn Éduard ist streng gläubiger Kommunist. Der Streit weitet sich aus, sogar von Scheidung ist die Rede. Doch Émelie zeigt sich unbeeindruckt, und so greift der Mann zum letzten Mittel – er hängt ein Porträt von Lenin über dem Fernseher auf. mehr
Ebenfalls Christian Schlüter stellt bei Peer Meters und Isabel Kreitz´ “Haarmann” (Carlsen) die “unerbittliche Genauigkeit” in der Umsetzung heraus:
Bleistift-Projekt
Wie fein, wie genau lässt sich mit dem Bleistift noch arbeiten? In einem Comic zumal? Die Hamburger Zeichnerin Isabel Kreitz schafft Bilder zu der Geschichte des Serienmörders Fritz Haarmann, die uns unerbittlich kein Detail ersparen.
Wie fein, wie genau lässt sich mit dem Bleistift noch arbeiten? In einem Comic zumal? Die Hamburger Zeichnerin Isabel Kreitz befindet sich seit geraumer Zeit auf dem Weg der Verfeinerung. Nicht, dass ihr das Flächige und Farbenfrohe nicht auch liegen würde. Das zeigen allein schon ihre jüngsten Arbeiten im Zeichen des von ihr hoch geschätzten Illustrators Walter Trier: die Erich-Kästner-Adaptionen „Der 35. Mai“ (2006) sowie „Pünktchen und Anton“ (2009). Doch nicht erst seit „Die Sache mit Sorge“ (2008) verfolgt Kreitz eine Art Bleistift-Projekt, das vor allem durch seine detailversessene Akkuratesse besticht. mehr
Und Jens Baltzer stellt die Parallelen zwischen der Comicgeschichte und der modernen mathematischen Logik heraus, die sich in “Logicomix” (Atrium) von Apostolos Doxiadis, Alecos Papadatos und Annie di Donna verbinden.
Logiker am Rande des Wahns
Wissenschaftsgeschichte in Bildern: Die „Logicomix“ zeichnen die Suche des Philosophen Bertrand Russell nach der reinen Vernunft nach
Der Comic ist genauso alt wie die moderne mathematische Logik; beide sind um das Jahr 1900 entstanden. Während damals Philosophen wie Bertrand Russell und Alfred North Whitehead in Großbritannien um eine Neubegründung der Mathematik aus dem Geist der exakten Philosophie rangen, entstand in den Boulevardzeitungen der USA der Comic als moderne Form des Erzählens mit Bildern. Beide Entwicklungen scheinen nur wenig miteinander zu tun zu haben. Und doch kreisen sie um ein und dasselbe Phänomen: die Unentscheidbarkeit. mehr
Auf einer Comic-Sonderseite berichtete der Berliner “Tagesspiegel” bereits in der letzten Woche über Comics. Katja Schmitz-Dräger schreibt dort ebenfalls über “Logicomix”:
Das Drama mit der Logik
„Logicomix“ erzählt von der Suche nach der reinen und absoluten Wahrheit – virtuos, vielschichtig und unterhaltsam.
Ein paar Griechen machen sich auf, eine Geschichte über Logik in Form eines Comicromans zu erzählen – ein gewagtes Unterfangen. Dass die Autoren ausgerechnet einen Briten zum Protagonisten erkoren haben, anstatt unter den zahlreichen ehrwürdigen Denkern vor der eigenen Tür zu suchen, ist die zweite ihrer erstaunlichen Entscheidungen. Noch erstaunlicher: Beide gehen auf. mehr
In der Samstagsausgabe der “taz” schreibt Waldemar Kesler heute über “Rembetiko” von David Prudhomme (Reprodukt).
Tanz den Metaxas
FARBE DES GESANGS “Rembetiko” – der neue Comic von David Prudhomme erzählt ein vergessenes Kapitel aus der Zeit der griechischen Obristendiktatur
Der französische Zeichner David Prudhomme erzählt in seiner Comicgeschichte “Rembetiko” von der Freiheit von Musikern im faschistischen Griechenland 1936. Es ist eine elegische Geschichtsschau über die Möglichkeiten und den Missbrauch der Kunst.
Bei einem Besuch in einem griechischen Restaurant mag es vorkommen, dass im Hintergrund unbemerkt eine Musik läuft, derentwegen im Griechenland der dreißiger Jahre Migranten aus Kleinasien von der faschistischen Diktatur verfolgt wurden. Diese Musik ist der “Rembetiko”, der mit seinem schwermütigen Klang dem Blues oder dem Fado verwandt ist. Er war die Musik der Außenseiter, der Halb- und Unterwelt, mit orientalischen Wurzeln, abgeklärt und melancholisch. mehr
Graphic Novels ['græfik 'nɔvəls] haben es in das Glossar der vom WDR betriebenen Website wissen.de geschafft. Die Kurzbeschreibung findet sich hier.
Zwei Fachzeitschriften haben sich in den vergangenen Wochen mit Graphic Novels befasst: Für “Spektrum der Wissenschaft” hat Lennart Pyritz Jens Harders “Alpha – Directions” (Carlsen) gelesen und attestiert dem Autor im Artikel “Comic-Evolution” eine “augenzwinkernde Kreativität”. Im “Deutschen Ärzteblatt” stellt Freddy Litten weniger erbauliche Inhalte vor: “Comics: Vergewaltigung, Krankheit und Tod”. Von den vorgestellten Comics ist einzig die Trilogie “Der Fotograf” von Didier Lefèvre, Emmanuel Guibert und Pascal Lemercier (Edition Moderne) auf Deutsch erhältlich.
An gleicher Stelle schreibt Christian Endres über “Sky Hawk” (Schreiber & Leser), den neuen Band von Jiro Taniguchi. In Zwei Samurai bei den Sioux” lobt er die gelungene Verknüpfung von Western und Manga. “Die Hölle Pubertät” durchschreitet Melanie Gerland in ihrem autobiografischen Debüt “Offene Arme” (Balance Verlag), wie Sven Jachmann ebenfalls auf tagesspiegel.de ausführt.
Leichtere Kost verspricht David Prudhommes “Rembetiko” (Reprodukt), auch wenn es dort “Zwischen Knast und Kneipe” heiß her geht. Thomas Klingenmaier schreibt über das Buch in seinem Blogbeitrag auf der Seite der “Stuttgarter Zeitung”.
Im “Nordwestradio” von Radio Bremen hat Karolin Korthase ein weiteres Mal Peer Meters und Barbara Yelins Buch “Gift” (Reprodukt) vorgestellt. Der Beitrag lief in der Sendung “Literaturzeit” und kann hier noch einmal in ganzer Länge nachgehört werden.
“Comicautor Ralf König ist 50″ lautet die Überschrift des ausführlichen Porträts, das auf der Website der Deutschen Welle zu finden ist. Dort resümiert die Autorin Gisa Funck: “Von einsetzender Altersmilde aber ist beim Altmeister glücklicherweise nichts zu spüren, dessen Cartoons weiterhin erfrischend respektlos die Untiefen sozialer Konventionen ausloten.”.
Der “Stern”-Blogger Gerd Blank erkennt in Benjamin Schreuders und Felix Mertikats “Jakob” (Cross Cult) eine “herzergreifende, wundervoll gestaltete” Geschichte: “Die traurige Geschichte von ‘Jakob’”. Die beiden Kreativköpfe hinter dem Buch sind Absolventen der Filmhochschule Ludwigsburg und haben “Jakob” als medienübergreifendes Projekt gestartet, das “cinearte”, das Nachrichtenmagazin für Filmschaffende, in der aktuellen Ausgabe vorstellt. Die Zeitschrift lässt sich komplett als PDF herunterladen.
Die aktuelle Ausgabe von “The Gap” glänzt mit einem Cover (und Cover-Story) von Österreichs Shooting Star Nicolas Mahler (Max und Moritz-Preisträger 2006-2010). Auch ein Artikel zu “Rembetiko” von David Prudhomme (Reprodukt) ist in der August-Nummer des Magazins für Glamour und Diskurs zu finden, leider beides nicht auf der Website www.thegap.at verlinkt.
Am 6. August 1945 wurde über dem Zentrum des japanischen Hiroshima die Atombombe gezündet. Den 65sten Jahrestag nahm Melanie Longerich im Deutschlandfunk zum Anlass, um in der Sendung “Andruck” den autobiografischen Manga von Keiji Nakazawa “Barfuß durch Hiroshima” (Carlsen) vorzustellen, in dem sich der Autor an seine Erlebnisse rund um den Abwurf und dessen verheerende Auswirkungen erinnert: “Atomkrieg als Manga”. Jens Harders “Alpha – Directions” (Carlsen) wurde bereits im Deutschlandradio Kultur vorgestellt, der Beitrag “Urknall im Comic” wird am heutigen Dienstag um 16:33h noch einmal im Deutschlandfunk im “Radiofeuilleton” wiederholt. Zudem findet sich der Titel auf der August-Empfehlungsliste der Literaturredaktion: “Charles Darwin hätte sein Freude gehabt”.
“Mit „Gift“ ist der Comic nun endgültig in der Belletristik angekommen.” resümiert Felix Giesa auf satt.org in seiner Besprechung von Peer Meters und Barbara Yelins “Gift” (Reprodukt): “Die Verführung der Ahnungslosen”. Lobendes hat er an gleichem Ort in “Todessehnsucht” auch über Benjamin Schreuders und Felix Mertikats “Jakob” (Cross Cult) zu sagen.
Nachdem beim Bayerischen Rundfunk im Zündfunk am 14. Juli ein Beitrag von Markus Köbnik über “Alans Krieg” ausgestrahlt worden ist, kann man das Interview mit dem Autor Emmanuel Guibert auch online lesen: “Ein Soldat namens Alan Cope”
Auf satt.org schreibt Felix Giesa unter dem Titel “Die Verführung der Ahnungslosen” über das Medienecho auf “Gift” von Peer Meter & Barbara Yelin (Reprodukt) und äußert die These, dass der Comic nun endgültig in der Belletristik angekommen sei.
In der Rubrik “Comic” auf textem.de findet sich ein neuer Artikel von Marco Behringer, der seine Sicht auf “Gott höchstselbst” von Marc-Antoine Mathieu (Reprodukt) in aller Kürze umreisst.
Zum Comic-Salon Erlangen vom 3. bis zum 6. Juni 2010 werden, wie alle zwei Jahre wieder, viele Comiczeichner nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus vielen anderen europäischen Ländern und aus Übersee von den Verlagen eingeladen.
In den zum Teil neu geschaffenen Preiskategorien der “Selection Officielle” gewannen wieder eine Reihe Graphic Novels. Besonders erfreulich dabei war die Verleihung des “Prix de l’audace” an den Berliner Autor Jens Harder für sein Buch “Alpha” (erscheint Ende Mai bei Carlsen). Nachdem die französische Veröffentlichung von “Alpha” auf dem Festival des Vorjahrs für Aufsehen gesorgt hatte, war die Nominierung in diesem Jahr folgerichtig und die Auszeichnung natürlich sehr erfreulich.
Von April bis September 2010 konzentriert man sich bei Carlsen Comics vor allem auf Bewährtes: Farbige Faksimile-Ausgaben von “Tim & Struppi” sowie Neuauflagen von “Spirou & Fantasio” und “Gaston” und neue Bände sattelfester Serien wie “Thorgal” oder “Prinz Eisenherz” dominieren das neue Programm.
Aber auch im Segment Graphic Novels gibt es einige Neuerscheinungen anzukündigen: Mit “Ein Zoo im Winter” erscheint ein neuer Titel von Jiro Taniguchi, bekannt und beliebt durch “Vertraute Fremde” und “Die Sicht der Dinge”.
Der Verlag zu “Ein Zoo im Winter”: Der 2008 entstandene Band “Ein Zoo im Winter” ist das neueste Schwarzweiß-Werk von Jiro Taniguchi und mit Sicherheit eines seiner besten. Autobiographisch inspiriert, bietet dieses Buch keine autobiographisch-chronologische Nabelschau, sondern eine sehr stimmungsvolle, in sich geschlossene Erzählung. Es geht um den jungen, introvertierten und etwas schüchternen Fabrikarbeiter Hamaguchi, der von Kyoto aus nach Tokyo kommt und sich dort als Assistent in einem Comiczeichner-Team verdingt – und natürlich um zwischenmenschliche Beziehungen, ob beim Zeichnen im Studio, draußen in der Stadt oder im Nachtleben Tokyos. Nicht nur thematisch und erzählerisch, auch grafisch ist dies eines der schönsten Taniguchi-Bücher.
Der dritte und abschließende Band von Osamu Tezukas düsterem Thriller “Kirihito” erscheint im Juni 2010. Der erste Band der Serie wurde hier bereits vorgestellt.
Auch Jens Harders “Alpha – Directions” ist angekündigt und soll im Juni 2010 erscheinen, wie an anderer Stelle auf graphic-novel.info bereits erwähnt.
Ebenfalls im Segment Graphic Novel wird “Faust” von Flix präsentiert. In insgesamt 80 Strips ist Flix’ neue Serie von Juli bis Mitte Dezember 2009 in der “Frankfurter Allgemeine Zeitung” vorveröffentlicht worden. Die Albenausgabe verweist gestalterisch auf die bekannten gelben Klassiker aus dem Reclam Verlag.
Eine ausführliche Vorstellung von Flix und “Faust” findet sich auf den Seiten der “FAZ” – einen weiteren umfangreichen Einblick in das neue Buch erhält man aktuell auf der Startseite zur Homepage des Berliner Zeichners.
Begeistert schreibt Kai Wilksen auf www.pp-buch.de zum Inhalt der französischen Originalausgabe “La Marie en plastique”: In ihrem kleinen Haus mit Garten könnte die Familie Garnier glücklich und zufrieden leben, lägen sich die frömmelnde Großmutter und der kommunistische Großvater nicht ständig in den Haaren. Nachdem er ein Bild von Lenin an die Wand hinter der von ihr aus Lourdes mitgebrachten Plastik-Madonna aufgehängt hat, scheint ein wackliger Waffenstillstand erreicht zu sein. Doch dann beginnt die Figur, Blut zu weinen… Das alles ist mit leichter Hand und in beschwingten Bildern erzählt – ein wirkliches kleines Wunder.