Graphic Novels ['græfik 'nɔvəls] haben es in das Glossar der vom WDR betriebenen Website wissen.de geschafft. Die Kurzbeschreibung findet sich hier.
Zwei Fachzeitschriften haben sich in den vergangenen Wochen mit Graphic Novels befasst: Für “Spektrum der Wissenschaft” hat Lennart Pyritz Jens Harders “Alpha – Directions” (Carlsen) gelesen und attestiert dem Autor im Artikel “Comic-Evolution” eine “augenzwinkernde Kreativität”. Im “Deutschen Ärzteblatt” stellt Freddy Litten weniger erbauliche Inhalte vor: “Comics: Vergewaltigung, Krankheit und Tod”. Von den vorgestellten Comics ist einzig die Trilogie “Der Fotograf” von Didier Lefèvre, Emmanuel Guibert und Pascal Lemercier (Edition Moderne) auf Deutsch erhältlich.
An gleicher Stelle schreibt Christian Endres über “Sky Hawk” (Schreiber & Leser), den neuen Band von Jiro Taniguchi. In Zwei Samurai bei den Sioux” lobt er die gelungene Verknüpfung von Western und Manga. “Die Hölle Pubertät” durchschreitet Melanie Gerland in ihrem autobiografischen Debüt “Offene Arme” (Balance Verlag), wie Sven Jachmann ebenfalls auf tagesspiegel.de ausführt.
Leichtere Kost verspricht David Prudhommes “Rembetiko” (Reprodukt), auch wenn es dort “Zwischen Knast und Kneipe” heiß her geht. Thomas Klingenmaier schreibt über das Buch in seinem Blogbeitrag auf der Seite der “Stuttgarter Zeitung”.
Im “Nordwestradio” von Radio Bremen hat Karolin Korthase ein weiteres Mal Peer Meters und Barbara Yelins Buch “Gift” (Reprodukt) vorgestellt. Der Beitrag lief in der Sendung “Literaturzeit” und kann hier noch einmal in ganzer Länge nachgehört werden.
“Comicautor Ralf König ist 50″ lautet die Überschrift des ausführlichen Porträts, das auf der Website der Deutschen Welle zu finden ist. Dort resümiert die Autorin Gisa Funck: “Von einsetzender Altersmilde aber ist beim Altmeister glücklicherweise nichts zu spüren, dessen Cartoons weiterhin erfrischend respektlos die Untiefen sozialer Konventionen ausloten.”.
Der “Stern”-Blogger Gerd Blank erkennt in Benjamin Schreuders und Felix Mertikats “Jakob” (Cross Cult) eine “herzergreifende, wundervoll gestaltete” Geschichte: “Die traurige Geschichte von ‘Jakob’”. Die beiden Kreativköpfe hinter dem Buch sind Absolventen der Filmhochschule Ludwigsburg und haben “Jakob” als medienübergreifendes Projekt gestartet, das “cinearte”, das Nachrichtenmagazin für Filmschaffende, in der aktuellen Ausgabe vorstellt. Die Zeitschrift lässt sich komplett als PDF herunterladen.
Am vergangenen Wochenende wurde wie in jedem Jahr am Rande der Comics Convention in San Diego mit den Eisner Awards Nordamerikas wichtigste Comic-Auszeichnungen verliehen. Eine der begehrten Trophäen ging dabei an die amerikanische Ausgabe von “Der Fotograf” von Emmanuel Guibert, Pascal Lémércier und Didier Lefèvre, die in der Kategorie “Best U.S. Edition of International Material” ausgezeichnert wurde. Auf deutsch erschien der Reisebericht aus dem kriegszerrütteten Afghanistan der 1980er-Jahre in der Edition Moderne, die US-Version bei First Second.
Weitere Auszeichnungen für “Der Fotograf” allein in den USA umfassen: ALA Notable Books – Winner • YALSA Great Graphic Novel for Teens • Barnes & Noble Best Graphic Novel • Shelf Awareness Best of the Year • Washington Post Best Books of the Year • Amazon.com Best Graphic Novel of the Year • Booklist Top Ten Graphic Novel • Library Media Connection Best of the Best • School Library Journal Best Adult Book for High School Students
In der Kategorie “Best Writer Non-Fiction” gewann Joe Sacco für seinen journalistischen Reisebericht “Footnotes from Gaza”, das bei der Edition Moderne angekündigt ist. Von Joe Sacco ist auf deutsch “Palästina” bereits erschienen, der Folgeband “Bosnien” erscheint im September.
Eine vollständige Liste der Gewinner der Eisner Awards findet sich hier.
Vom 1. bis zum 9. Mai findet in Luzern das Internationale Comix-Festival Fumetto statt, das auch in diesem Jahr mit einem so umfangreichen wie stilistisch breit gefächerten Programm zu einem Besuch der Stadt am Vierwaldstätter See einlädt. Neben der Hauptausstellung, die in einer ersten umfangreichen Schau in Europa Werke des vor allem für seine Marvel-Superheldencomics bekannten amerikanischen Zeichner Jack Kirby zeigen wird, wird es mehr als ein Dutzend weiterer Ausstellungen mit nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstler geben.
Das Rahmenprogramm wartet wie gewohnt mit einem Filmprogramm, Diskussionsrunden, Künstlergesprächen und Signierstunden auf und über die Stadt verteilt sind auch in diesem Jahr Satellitenausstellungen weiterer Künstler zu finden, die zum Teil in Geschäftsräumen unterschiedlicher Firmen untergebracht sind.
Auch in diesem Jahr bilden Graphic-Novel-Autoren einen Schwerpunkt des Festivals. So wird in einer Ausstellung die bei der Edition Moderne verlegte Trilogie “Der Fotograf” von Didier Lefèvre und Emmanuel Guibert gezeigt. Eine weitere Schau widmet sich Nicolas Mahlers bei Carlsen erschienener Superheldenparodie “Engelmann”. Eine aufwändige Installationsausstellung wird es von Thomas Ott (“The Number 73304-23-4153-6-96-8″, Edition Moderne) zu sehen geben und in einer ersten Ausstellung überhaupt wird der belgische Künstler Brecht Evens (“Am falschen Ort”, erscheint im Herbst bei Reprodukt) vorgestellt.
Das vollständige Festivalprogramm ist auf der Website des Fumetto einsehbar.
Bereits im April 2009 erschien in der Zeitschrift “Literaturen” ein umfangreicher Artikel von Jens Balzer zum Thema “Dokumentarische Comics”. Erst mit einiger Verzögerung ist der Text nun in seiner ganzen Ausführlichkeit auf www.kultiversum.de online abzurufen, wie übrigens auch eine ganze Menge weiterer Artikel zum Thema Comics, die im Lauf der Zeit in “Literaturen” erschienen sind.
Aus diesem Anlass hier noch mal der Hinweis auf den kenntnisreich geschriebenen Aufsatz, in dem Jens Balzer sich unter anderem mit Guy Delisles “Aufzeichnungen aus Birma”, “Shenzhen” (beide Reprodukt), Joe Saccos “Safe Area Gorazde”, “Palästina” (Edition Moderne) oder Emmanuel Guiberts “Der Fotograf” (ebenfalls Edition Moderne) beschäftigt.
Ex oriente pix
Die «Aufzeichnungen aus Birma» des Kanadiers Guy Delisle sind das jüngste Produkt eines vielfältigen Genres: Westliche Doku-Comics berichten aus dem unbekannten Osten – aus Pjöngjang und Persepolis, aus Afghanistan, Palästina oder China
Eines Morgens erzittert die stille Stadt plötzlich unter gewaltigem Motorenlärm. Eine endlose Schlange aus Lastkraftwagen windet sich aus dem Regierungsviertel heraus. «Die Hauptstadt wird verlegt!», heißt es am Abend in einem Kommuniqué, und zwar ein paar hundert Kilometer weit nach Norden. Sämtliche Ministerien und Institutionen werden über Nacht dorthin umgesiedelt; sämtliche Regierungsgebäude werden dort neu aufgebaut. Eine Vorankündigung gab es nicht. Nur 24 Stunden bleiben dem Heer der Regierungsbeamten, um Abschied von den Familien zu nehmen und sich am neuen Wohnort häuslich einzurichten – einer entlegenen Wüstenei, die von giftigen Tieren nur so wimmelt. Wie die neue Hauptstadt heißen wird? Ein Staatsgeheimnis. Was die Beweggründe sind? Ein Staatsgeheimnis. mehr
Bis auf die Titelseiten der überregionalen Presse schaffte es die Meldung, dass am vergangenen Montag das Comic-Heft mit dem ersten Auftritt Supermans für unerhörte 1.000.000 Dollar den Besitzer wechelte. Davon einmal abgesehen, dass Batman am Donnerstag mit 1.075.500 Dollar nachgelegt hat, gab es in den vergangenen Tagen viele weitere Artikel über Comics bzw. Graphic Novels.
Für die “Südwest Presse” wirft Markus Kirzynowski anlässlich der Wiederveröffentlichung von Joe Saccos “Palästina” (Edition Moderne) einen schlaglichtartigen Blick auf verschiedene Comic-Reportagen, jene “Kriegsberichte mit Tusche und Feder”.
“Die Welt ist schlecht, ungelogen!” warnt Nils Kurfürst auf titel-magazin.de in seiner Besprechung von Winshluss’ Version des “Pinocchio” (avant-verlag). Wie er ausführt, geht es dem Autor jedoch nicht um eine negative Utopie: “Politische, soziale und ökologische Bezüge machen aus Pinocchio eine sehr offenkundige Gesellschaftskritik.” Nicht nur im Inhalt sieht Alexander Frank an gleicher Stelle ein Abenteuer, vielmehr erkennt er in den drei Teilen von Guiberts, Lefèvres und Lemerciers Reportage-Trilogie “Der Fotograf” (Edition Moderne) ein “Abenteuerliches Kunstwerk”.
Wie unter anderem an dieser Stelle gezeigt, haben unterschiedliche Medien aus aktuellem Anlass Olivier Kas und Alfreds Buch “Warum ich Pater Pierre getötet habe” (Carlsen) aufgegriffen. Das autobiografische Buch, in dem Olivier Ka sexuelle Übergriffe eines katholischen Geistlichen verarbeitet, stellt Christian Schlüter unter der Überschrift “Der Übergottesmann” auch in der “Frankfurter Rundschau” vor und betont, dass Autor Olivier Ka mit Unterstützung von Zeichner Alfred im “Comic jene Bilder-Sprache (findet), die ihn das Trauma verarbeiten” lässt.
“Ein anderer Traum von Israel” sei Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag), so Thomas Hummitzsch auf textem.de: “Ben Katchor ist es in seinem viel gelobten Comic gelungen, die Vielfalt der jüdischen Eigenart in schlichte, aber geniale Tuschezeichnungen zu übertragen und dabei zugleich ein Stück amerikanisch-jüdische Geschichte zu erzählen.”
Eine ganz eigenwillig-unterhaltsame Rezension der Comic-Umsetzung von Ray Bradburys “Fahrenheit 451″ (Eichborn) schreibt Christoph Manel auf literaturmarkt.info mit “2327,78 Grad Celsius”. Obwohl er das Buch rundweg positiv bespricht, schiesst er sich mit dem Resümée selbst ins Knie: “Am Ende bleibt auf einer Art metaphysischer Ebene jedoch die Frage im Raum stehen, ob eine Comicfassung von “Fahrenheit 451″ nicht vielleicht ein erster Schritt zu der im Buch thematisierten Degeneration von Literatur sein könnte?” Oha, das liest sich wie Comic-Kritik der 1950er-Jahre.
Als Antwort darauf könnte man Moritz Honerts Beitrag für tagesspiegel.de lesen, legt er doch dar, warum Bradburys “Flammender Appell” auch als Comic funktioniert. Dafür kritisiert er in “Jahreszeiten der Gewalt” die Neuauflage von Hugo Pratts und Milo Manaras Geschichte “Ein indianischer Sommer” (Panini), deren frivolen Ton er mit dem zum Teil gewalttätigen Inhalt kollidieren sieht. Sven Jachmann erkennt an gleicher Stelle in der Neuauflage des von Neil Gaiman geschriebenen und von Dave McKean zeichnerisch umgesetzten “Black Orchid” (Panini) “Esoterisches Flaschendrehen”: Eindimensionale Mythisierung drohe in Reaktionismus umzukippen.
Ebenfalls auf tagesspiegel.de, ebenfalls eine Neuauflage, dafür wieder lobende Worte: Katja Schmitz-Dräger schaut bei Craig Thompsons “Blankets” (Carlsen) “Unter der Decke” nach, ob das Buch über die Jahre an Reiz verloren hat, kommt aber zum Schluß: “Meisterwerk”.
Das gleiche Fazit formuliert Frank Schäfer, der eben jenen Titel in der “Jungen Welt” bespricht. Der umfangreiche Band hat tatsächlich mehr als “Zeichen hinterlassen”, so ergriffen sieht der Rezensent Craig Thompson neben Art Spiegelman und scheut nicht, “Blankets” mit der Bibel zu vergleichen.
Für die “Kölnische Rundschau” sprach Barbara Buchholz mit Robert Venditti, dem Autor des mit Bruce Willis in der Hauptrolle verfilmten “The Surrogates” (Cross Cult, Zeichnungen von Brett Weidele). Mittelpunkt der Geschichte ist die Idee, dass in Zukunft mit Robotern “Ein zweite Ich für Jedermann” angeboten wird.
Zum Abschluß noch ein Video des britischen Verlages “Self Made Hero”, der Reinhard Kleists “Cash – I see a darkness” (Carlsen) auf Englisch veröffentlicht und den Berliner Künstler unter anderem beim Zeichnen beobachtet hat.
Wie bereits berichtet, finden im nächsten Jahr zwei Fachtagungen statt, die sich mit dem Themenfeld Rechtsextremismus aus Comic-Perspektive beschäftigen. Schon im November finden zwei weitere Tagungen statt, die näher am Medium bleiben.
Vom 6. bis zum 8. November 2009 findet an der Universität zu Köln die 4. Wissenschaftstagung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) zum Thema “Erzählen im Comic” statt.
Die Geschichte des Comics ist auch eine vom Geschichtenerzählen. Die Form und die Art und Weise des Erzählens haben sich in der Geschichte des Comics ebenso immer wieder gewandelt wie Inhalte, Themen und Genres. Die Rolle des Erzählens im Comic und die damit einhergehenden Veränderungen sollen im Laufe der Tagung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden.
Neben dem Eröffnungsvortrag von Herrn Professor Dr. Karl Clausberg werden sich vierzehn Wissenschaftler(innen) aus dem In- und Ausland mit dem Thema beschäftigen. Sieben jüngere Kolleginnen und Kollegen präsentieren ihre Thesen auf einem Forum der Nachwuchswissenschaftler(innen). Eine Führung durch die Mittelalterabteilung des Wallraf-Richartz-Museums, die dem sequentiellen Erzählen in der Kölner mittelalterlichen Malerei gilt, macht Sie zudem mit einigen Ahnen des Comic Strips bekannt.
Neben allgemein comictheoretischen Themen wie “Comics als interdiskursive Erzählungen” werden auch Graphic Novels und ihre Autoren in Vorträgen vorgestellt und einzelne Aspekte näher erläutert. So wird es unter anderem Beiträge zum Reportagecomic “Der Fotograf”, Allgemeines über autobiografische Comics und Spezielles zu David B.s “Die heilige Krankheit” (beide Edition Moderne) geben. Das gesamte Programm und alle weiteren Details zur Tagung finden sich auf hier. Das Postermotiv stammt übrigens von Mawil (“Wir können ja Freunde bleiben”, Reprodukt).
Ob Pop Art, Nouvelle Vague, Mangas oder Tarantino – der Comic gehört seit dem späten 20. Jahrhundert zum festen Bestandteil eines Spiels mit high and low culture. Comiczeichner haben nicht nur Plakate und Cover der Rockmusik von Jimi Hendrix bis Janis Joplin gezeichnet, die Ästhetik von bestimmten Musikrichtungen hat auch Autoren wie Robert Crumb in ihrem Zeichenstil inspiriert. In einem solchen Wechselspiel wird der Comic sowohl remedialisiert als auch selbst von intermedialen Praktiken neu definiert. Zu diesen Grenzüberschreitungen stellt sich eine neue soziale Legitimität des Comics ein. So wird Art Spiegelmans Holocaust-Comic Maus insbesondere von einer intellektuellen Leserschaft rezipiert. Mangas überschwemmen den Massenmarkt und heben aber ebenso den Anteil der weiblichen Leserschaft wie Marjane Satrapis Autorencomic Persepolis. Nicht nur die legitime Kunst benutzt damit das Spiel von high and low für ihre avantgardistischen Distinktionen gegen akademisch anerkannte Kunst, diese Strategie differenziert längst auch die Comicproduktion selbst. Die Konferenz wird der Frage nachgehen, wie diese Überschreitungen zwischen kulturellen und sozialen Grenzen im intermedialen Wechselspiel ästhetisch zu fassen sind.
Auch hier werden Graphic Novels ein zentraler Punkt der Betrachtungen sein. Vorträge befassen sich unter anderem mit Robert Crumbs “Genesis” (Carlsen) und Formen des epischen Erzählens und der Comic-Umsetzung von Morton Rhues “Die Welle” von Stefanie Kampmann (Ravensburger). Den genauen Veranstaltungsplan für die öffentlichen Vortragsreihe samt Adressen- und Raumangaben kann man sich hier ansehen.
An diesem Wochenende findet in Zürich, Winterthur und Umgebung bereits zum fünften Mal die Lange Nacht der kurzen Geschichten statt. Thema der diesjährigen Veranstaltungsreihe sind “Lebensgeschichten”. Die Edition Moderne veranstaltet dazu am Samstag eine Podiumsdiskussion zur Comic-Trilogie “Der Fotograf” von Emmanuel Guibert, Pacal Lémércier und Didier Lefèvre, bei der unter anderem der Zeichner Emmanuel Guibert zu Gast sein wird
Die Geschichte “Der Fotograf” erzählt von einem Einsatz der Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) 1986 in Afghanistan, der vom jungen Fotograf Didier Lefèvre begleitet wurde. Aus dessen Fotos und Tagebuchnotizen schuf Guibert gemeinsam mit Lefèvre Jahre später die fesselnde Geschichte einer humanitären Aktion im Kriegsgebiet.
Gesprächspartner Emmanuel Guibert werden sein: Prof. Dr. Albert A. Stahel, Titularprofessor an der Universität Zürich und Geschäftsführer und Vizepräsident des Forums “Humanitäre Schweiz”; Juliette Fournot, die 1986 die in der Trilogie beschriebenen MSF-Mission in Afghanistan leitete und der Politikwissenschaftler Emmanuel Tronc, der in der jüngeren Vergangenheit immer wieder in für MSF in Afghanistan arbeitete.
Wie die Edition Moderne heute bekanntgab, mussten aufgrund des anhaltenden Erfolges inzwischen sämtliche Bände der “Der Fotograf”-Trilogie nachgedruckt werden.
“Der Fotograf” in der zweiten Auflage
Bereits über 7.000 Exemplare wurde von den drei Bänden für den stolzen Preis von je 24, bzw 28 Euro bis heute verkauft (Ein Euro pro Buch geht an Ärzte ohne Grenzen). Die Dokumentation einer der ersten Missionen von Aerzte ohne Grenzen in Afghanistan durch den Fotografen Lemercier, ergänzt durch Zeichnungen von Guibert, hat offensichtlich nichts an Aktualität verloren.
Guy Delisle bei “Kulturplatz”, SF1
Am morgigen Dienstag, den 2. September, strahlt das Schweizer Fernsehen im Rahmen der Sendung “Kulturplatz” (SF1, 22.50 Uhr) einen Beitrag über Guy Delisles Reisebericht “Aufzeichnungen aus Birma” (Reprodukt) aus. Die Sendung wird noch an weiteren Terminen zu sehen sein, unter anderem am 5. September um 9.05 Uhr auf 3sat.
Während seine Frau in Burma für «Médecins sans frontières» arbeitete, hielt Guy Delisle seinen Alltag als Hausmann, Vater eines Kleinkindes und Beobachter des Lebens in Burma als Comic fest. Der Frankokanadier, der als Pionier des Reportage-Comics gilt, legt mit seinen «Aufzeichnungen aus Birma» ein gezeichnetes Tagebuch in konsequenten Schwarz-Weiss-Schattierungen vor. Es zeigt auf ernüchternde, aber auch humorvolle Weise, wie die burmesische Militärjunta ihr Land systematisch zerstört.
Für das Online-Magazin “The Title” bespricht Hans Keller gleich drei Graphic Novels: “Der Fotograf” von Didier Lefèvre, Emmanuel Guibert und Frédéric Lemercier, “Affentheater” von Florent Ruppert und Jérôme Mulot (beide Edition Moderne) und Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag).
Kriege, Kulturen, Katharsis
Kriegsschauplätze im gebirgigen Afghanistan der 1980er-Jahre, verrückte Genre-Bilder aus dem jüdischen New York um 1830 und ebenso verrückt-exzessive, von unserer Gegenwart angeregte Phantasien: drei Neuerscheinungen demonstrieren die gekonnte Bild/Text-Umsetzung von Kriegsthematik und Gesellschaftlichem durch versierte Comicschöpfer. mehr
Markus Köbnik befasst sich im “Zündfunk” des Bayerischen Rundfunks mit den autobiografischen Comicbänden von Didier Lefévre, Emmanuel Guibert und Frédéric Lemercier (“Der Fotograf”, Edition Moderne) und Guy Delisle (“Aufzeichnungen aus Birma”, Reprodukt).
Von Krisen gezeichnet
Wenn heute in den Nachrichten über die Lage in Krisenregionen berichtet wird, dann prägen sich beim Zuschauer schnell eindimensionale Vorstellungen zu den jeweiligen Ländern ein. Neue Reportagecomics versuchen den starren Blick aufzubrechen.
“Wir haben uns alle Burkas gekauft, diese langen afghanischen Frauengewänder, die Kopf und Körper vollständig verhüllen. Sie werden uns helfen die Grenze zu erreichen, ohne Aufsehen zu erregen. Juliette und die Krankenschwestern posieren für mich in der Burka”
Didier Lefèvre macht noch schnell ein paar Schnappschüsse, bevor er mit seinem Team die Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan überquert. Lefèvre ist Fotoreporter und begleitet 1986 eine Gruppe der Hilfsorganisation “Ärzte ohne Grenzen” bei einer Mission. Ein langer Fußmarsch durch die afghanischen Berge bringt sie zu Kriegsopfern mit zerfetztem Unterkiefer oder zu einem kleinen Mädchen, das wegen eines winzigen Munitionssplitter gelähmt bleibt. mehr
Für das US-Branchenblatt “Publisher´s Weekly” berichtet Kate Culkin über die Veröffentlichung der englischsprachigen Version der auf Deutsch bei der Edition Moderne erschienenen Trilogie “Der Fotograf” von Emmanuel Guibert, Didier Lefévre und Pascal Lémércier. Auch wenn es weniger um ein inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Werk geht, gibt es Interessantes zu erfahren, wie zum Beispiel die Tatsache, dass in Frankreich von der Originalausgabe 260.000 Exemplare verkauft werden konnten.
Guibert Revisits War in The Photographer
Following the publication last year of the WWII memoir Alan’s War, First Second Books and artist Emmanuel Guibert have again teamed up to bring to the U.S. graphic novel market another tale a life shaped by war. The Photographer: Into War-Torn Afghanistan with Doctors Without Borders will go on sale May 12 with an initial print run of 20,000. The book tells the story of the late French photo-journalist Didier Lefèvre and his experience traveling with Doctors Without Borders in Afghanistan in 1986. First published in France in three volumes, which sold over 260,000 copies, it has been translated into eleven languages. The Photographer is a haunting and at times harrowing tale that highlights the cost of war on the people of Afghanistan while illuminating the humanitarian mission of the volunteers that work with Doctors Without Borders. mehr
Christine-Felice Röhrs schreibt am 31. März 2009 auf www.tagesspiegel.de über “Der Fotograf” von Didier Lefévre, Emmanuel Guibert und Frédéric Lemercier (Edition Moderne).
Afghanische Odyssee
Das dreibändige Epos „Der Fotograf“ zeigt das vom Krieg zerrissene Land auf einzigartige Weise. Jetzt liegt es komplett auf Deutsch vor
Es ist Juli 1986. Ein junger Mann, noch keine 30, mittelgroß, mager, ein dunkler Bartschatten, verlässt Paris. Er hat hunderte von Ilford-Fotofilmen in der Tasche, schwarz-weiß, und ein Paar feste Wanderschuhe im Gepäck. Der junge Mann heißt Didier Lefèvre. Er ist Fotograf und hat gerade seinen ersten großen Auftrag an Land gezogen. Ein paar Monate lang soll er eine Gruppe der Organisation Ärzte ohne Grenzen begleiten, auf einem heimlichen Trip ins kriegszerrissene Afghanistan. mehr
Ab sofort lieferbar ist der abschliessende Band der Trilogie “Der Fotograf” von Didier Lefévre, Emmanuel Guibert und Frédéric Lemercier.
Im finalen Band entscheidet sich Didier Lefèvre nach drei beschwerlichen Monaten mit der Equipe von “Ärzte ohne Grenzen” im Herzen Afghanistans, alleine nach Pakistan zurückzukehren, entgegen dem Rat der Expeditionsleiterin Juliette Fournot. Die Rückreise, froh und beschwingt in den ersten Tagen, mutiert nach und nach zu einem veritablen Leidensweg. Dass Didier Lefèvre unversehrt Peshawar erreicht, verdankt er nur einigen glücklichen Begegnungen und seiner Beharrlichkeit. Wie schon die beiden vorherigen Bände verblüfft “Der Fotograf – Allein nach Pakistan” durch seine stimmige Verbindung von fotografisch dokumentierten und gezeichneten Bildsequenzen.
Einige Seiten kann man sich hier als PDF-Leseprobe herunterladen (1,2MB).
Für jedes verkaufte Buch geht 1 Euro bzw. sFr. 2.- an Ärzte ohne Grenzen!
Der Fotograf 3 – Allein nach Pakistan, ISBN 978-3-03731-034-2, 104 Seiten, farbig, Hardcover 23 x 30 cm, 28 EUR / sFr. 45.-, erschienen in der Edition Moderne
Für das Frühjahrsprogramm 2009 hat die Zürcher Edition Moderne zwei neue Graphic Novels angekündigt. Zunächst erscheint im März der dritte Teil des Reportagecomics “Der Fotograf”. Im Mai folgt dann mit “Affentheater” eine deutschsprachige Erstveröffentlichung des französischen Autorenduos Florent Ruppert und Jérôme Mulot.
Im abschliessenden dritten Band von “Der Fotograf” entscheidet sich Fotoreporter Didier Lefèvre nach drei beschwerlichen Monaten mit der Equipe von Ärzte ohne Grenzen im Herzen Afghanistans alleine nach Pakistan zurückzukehren, entgegen dem Rat der Expeditionsleiterin Juliette Fournot.
Die Rückreise, froh und beschwingt in den ersten Tagen, mutiert nach und nach zu einem wahrhaftigen Leidensweg. Dass Didier Lefèvre unversehrt Peshawar erreicht, verdankt er nur ein paar glücklichen Begegnungen zum rechten Zeitpunkt – und seiner Beharrlichkeit.
Wie schon die beiden vorherigen Bände verblüfft “Der Fotograf – Allein nach Pakistan” durch seine stimmige Verbindung von fotografisch dokumentierten und gezeichneten Bildsequenzen.
“Der Fotograf 3 – Allein nach Pakistan”, ISBN 978-3-03731-034-2, 104 Seiten, farbig, Hardcover, 23 x 30 cm, 28 Euro / 45 sFr, erscheint im März 2009
In “Affentheater” erfüllen zwei Porträt-Fotografen, die dem Autorengespann Ruppert und Mulot verdächtig ähnlich sehen, bizarre Aufträge für seltsame Kunden. Mit ihrem verschrobenen Humor und ihrer Unverfrorenheit verblüffen die Autoren auf jeder Seite und lassen den Leser keinesfalls unbeteiligt.
Florent Ruppert und Jérôme Mulot, geboren 1979 bzw. 1981, lernten sich während des Studiums in Dijon kennen. Sie gelten in Frankreich als Senkrechtstarter und wurden 2007 beim Comic-Festival in Angoulême mit dem Newcomer-Preis ausgezeichnet. Die Originalausgabe ist unter dem Titel “Pannier de singe” bei L´Association erschienen.
“Affentheater”, ISBN 978-3-03731-043-4, 112 Seiten, s/w, Klappenbroschur, 19 x 26 cm, 14.80 EUR / 24.80 sFr., erscheint im Mai 2009
Hier zwei Beispielseiten aus den angekündigten Bänden:
Martin Gerner rezensiert für “Das Parlament”, das Onlinemagazin auf der Homepage des Bundestages, den dokumentarischen Comic “Der Fotograf”, von dem bisher zwei Bände bei der Edition Moderne erschienen sind:
Ein Foto-Comic erzählt über die Arbeit von »Ärzte ohne Grenzen« während der sowjetischen Besatzung
Karikaturisten aus dem Westen sind zögerlich geworden, wenn es um islamische Länder geht. TV-Kabarettisten üben gar eine Art Selbstzensur in Sachen Humor, überall lauern Fettnäpfe. Und jetzt soll ausgerechnet ein Comic den Lesern Afghanistan näherbringen? “Der Fotograf” enthält allerdings keinerlei provokative Zeichenstriche, sondern ist um Nüchternheit und Erinnerung bemüht. mehr
Für die Rostocker Stadtzeitung “0381-Kulturmagazin” hat Ronald Zeug einen längeren Artikel zum Thema “Comiczeichner auf journalistischen Pfaden” geschrieben. Besprochen werden darin “Pjöngjang” von Guy Delisle sowie “Moresukine” von Dirk Schwieger und “Der Fotograf” von Didier Lefévre, Emmanuel Guibert und Frédéric Lemercier. Leider liegt der Artikel online (noch) nicht vor.
Seit rund einer Woche ist der zweite Band der Trilogie “Der Fotograf” (Edition Moderne) im Handel. Mit einer mehrseitigen Leseprobe kann man sich nun einen besseren Eindruck verschaffen. Die PDF-Datei (ca. 3 MB) lässt sich hier herunterladen.
Sommer 1986, Afghanistan ist von der Sowjetunion besetzt. Nachdem der Fotograf eine Equipe der Organisation Ärzte ohne Grenzen von Pakistan bis ins Innere Afghanistans begleitet hat, schildert er im vorliegenden Album den Alltag der Mediziner, die Bedingungen, unter denen sie ihre Arbeit verrichten, den Umgang mit der lokalen Bevölkerung, die dramatischen und die anrührend menschlichen Erfahrungen, aber auch die Feindschaft, die ihnen manchmal entgegen schlägt.
Vom Bucherlös gehen 1 Euro bzw. 2 SFr. für jedes verkaufte Buch an die Organisation Ärzte ohne Grenzen!
Der Fotograf 2 – Ärzte ohne Grenzen, ISBN 978-3-03731-033-5, 80 Seiten, farbig, Hardcover, 23 x 30 cm, 24 EUR
Ab 1. August erhältlich ist “Der Fotograf 2 – Ärzte ohne Grenzen” des französischen Autorenteams Didier Lefévre, Emmanuel Guibert und Frédéric Lemercier. Der Band erscheint bei der Edition Moderne.
Sommer 1986, Afghanistan ist von der Sowjetunion besetzt. Nachdem der Fotograf eine Equipe der Organisation Ärzte ohne Grenzen von Pakistan bis ins Innere Afghanistans begleitet hat, schildert er im vorliegenden Album den Alltag der Mediziner, die Bedingungen, unter denen sie ihre Arbeit verrichten, den Umgang mit der lokalen Bevölkerung, die dramatischen und die anrührend menschlichen Erfahrungen, aber auch die Feindschaft, die ihnen manchmal entgegen schlägt.
Vom Bucherlös gehen 1 Euro bzw. 2.- SFr. für jedes verkaufte Buch an die Organisation Ärzte ohne Grenzen!
Pünktlich zum Erscheinen von “Der Fotograf 2 – Ärzte ohne Grenzen” wird im Fernsehen über die Reportagecomic-Trilogie berichtet. Der Autor Emmanuel Guibert und die ehemalige Missionsleiterin von Médecins Sans Frontières, Juliette Fournot, haben in Paris Besuch von Reportern des Schweizer Fernsehens empfangen. Den spannenden Bericht über “Der Fotograf” wird am Mittwoch, den 30. Juli um 22.50 Uhr auf SF1 in der Sendung “Kulturplatz” ausgestrahlt. Später kann man den Beitrag auf 3Sat in der “Kulturzeit” verfolgen.
Der Fotograf 2 – Ärzte ohne Grenzen, ISBN 978-3-03731-033-5, 80 Seiten, farbig, Hardcover, 23 x 30 cm, 24 EUR
Ab dem 1. August wird der zweite Band von “Der Fotograf” ausgeliefert. Eine Rezension im Kölner Magazin “StadtRevue”, die sich dem ersten Band widmet, macht jetzt schon Lust aufs Weiterlesen… Christian Möller über die Comic-Reportage »Der Fotograf«:
Das Straucheln des Blicks
Als der französische Fotoreporter Didier Lefévre 1986 zum ersten Mal nach Afghanistan reist, hat der seit 1979 tobende Kampf zwischen sowjetischen Invasionstruppen und aufständischen Mudschaheddin schon unzählige Opfer gefordert. Den Überlebenden will eine Gruppe junger Mediziner der Organisation »Ärzte ohne Grenzen« helfen. Lefèvre begleitet ihre Expedition von Pakistan aus auf ihrem Marsch ins afghanische Kriegsgebiet. mehr
Auf der Website des Magazins “Stern” schreibt Christian Weiß über “Das Ende der Superhelden”, das er durch die vermehrte Veröffentlichung von Comicbiographien wie “Cash” von Reinhard Kleist und “Che” von Héctor Oesterheld, Enrique Breccia und Alberto Breccia (beide Carlsen) eingeläutet sieht. Christian Möller schreibt auf der Website von Eins Live, dem Jugendradio des WDR, über verschiedene Reportagecomics wie “Pjöngjang” von Guy Delisle (Reprodukt) und “Fashionvictims, Trendverächter” von Ulli Lust (avant-verlag):
Der Tod der Superhelden
Neue Helden im Comic-Universum. Statt Superman und Hulk heißen sie nun Johnny Cash und Che Guevara. Sie nehmen Drogen und zetteln Revolutionen an. Sie retten nicht mehr die Welt, sondern erzählen ihre eigene Geschichte: düster, realistisch und hart.
Produzent Rick Rubin hat ihm ein musikalische Denkmal gesetzt, der Kinohit “I walk the Line” ein filmisches. Der deutsche Künstler Reinhard Kleist hat Johnny Cash nun in einem Comic verewigt: “Cash – I see a Darkness”. In eindringlichen Schwarz-Weiß-Bildern schildert Kleist das bewegte Leben des “Man In Black”, des Idols von Musik-Fans aller Generationen. Seine frühen Sessions mit Elvis, seine Drogenexzesse, das Konzert im Folsom Prison, das Cash Ende der 60er Jahre zu einer der berühmtesten Stimmen Amerikas machte, die Liebe zu June Carter, bis hin zu seinem spektakulären Comeback an der Seite von Rubin. mehr
Aus Kriegsregionen, Geisterstädten und Shoppinghöllen
Superman als Clark Kent beim “Daily Planet”, Tim als rasender Zeitungsreporter aus den belgischen Kolonien – eigentlich ist die Verbindung von Comic und Journalismus so alt wie das Genre selbst. Trotzdem erschienen die ersten wirklichen Comicreportagen erst Mitte der 90er Jahre, als der gelernte Journalist Joe Sacco in Comicform aus Palästina und Gorazde berichtete. Seitdem gehört die Reportage neben der Autobiographie zu den Genres, durch die die Realität immer stärker in die einstige Fantasiewelt der Bildergeschichten Einzug hält. Wir stellen euch die wichtigsten Comicreportagen der letzten Jahre vor.mehr