Für das in Österreich erscheinende Magazin “springerin – Hefte für Gegenwartskunst” hat Martin Reiterer Ulli Lusts autobiografischen Band “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” (avant-verlag) vorgestellt und stellt dabei heraus, wie die Autorin Inhalt und Form gelungen miteinander verschränkt. Auf ihrer Website verweist Ulli Lust auf zwei weitere Besprechungen: Eine von Christian Gasser im Berner “Bund”, die andere von Thorsten Enning im Münsteraner Obdachlosen-Magazin “draußen”.
Auf der Website der “Deutschen Welle” schreibt Stefan Pannor über die neu erschienene Goethe-Umsetzung “Faust – Der Tragödie erster Teil” von Flix, die zuerst in täglichen Folgen in der “FAZ” erschienen war, und berichtet von einer Autorenlesung von “Faust als Comic-Parodie”, die am Rande der Leipziger Buchmesse stattfand.
In “Bücher – Das Literaturmagazin” auf WDR5 hat Christian Möller“Tamara Drewe” (Reprodukt) vorgestellt und resümiert, der Autorin Posy Simmonds ist “mit diesem formal ungewöhnlichen Comic ein psychologisch genaues, wunderbar maliziöses Sittenbild der britischen Mittelklasse gelungen, das vor allem durch die Souveränität überzeugt, mit der die Mittel grafischen Erzählens ausgeschöpft werden.”
Für das Rezensionsforum literaturkritik.de hat Fabian Kettner die bei Carlsen erschienene Neuauflage von Craig Thompsons “Blankets” besprochen und entdeckt die “Versöhnung mit der Endlichkeit” als Quintessenz des Buches.
“Man könnte sagen, dass der Verzicht auf narrative Sicherheiten in diesem Buch jenen Gefahren zu entkommen versucht, die die identitären Sicherheiten bedeuten.” schreibt Sven Jachmann auf tagesspiegel.de über Martin Büssers “Der Junge von nebenan” (Verbrecher Verlag) in “Lust und Terror”. Das Buch gefällt ihm.
“Bild ist Text und Text wird Bild” schreibt ein Anonymus in der österreichischen “Kleinen Zeitung” und befasst sich dort mit dem Wesen der Graphic Novel. Dabei stellt er fest, dass das Label “Graphic Novel” nicht per se ein Qualitätssiegel ist für das, was sich zwischen zwei Buchdeckeln in Comicform findet und schließt: “Deshalb ein Tipp: Die Buchdeckel einfach öffnen.” Dem kann man sich nur anschließen.
Bis auf die Titelseiten der überregionalen Presse schaffte es die Meldung, dass am vergangenen Montag das Comic-Heft mit dem ersten Auftritt Supermans für unerhörte 1.000.000 Dollar den Besitzer wechelte. Davon einmal abgesehen, dass Batman am Donnerstag mit 1.075.500 Dollar nachgelegt hat, gab es in den vergangenen Tagen viele weitere Artikel über Comics bzw. Graphic Novels.
Für die “Südwest Presse” wirft Markus Kirzynowski anlässlich der Wiederveröffentlichung von Joe Saccos “Palästina” (Edition Moderne) einen schlaglichtartigen Blick auf verschiedene Comic-Reportagen, jene “Kriegsberichte mit Tusche und Feder”.
“Die Welt ist schlecht, ungelogen!” warnt Nils Kurfürst auf titel-magazin.de in seiner Besprechung von Winshluss’ Version des “Pinocchio” (avant-verlag). Wie er ausführt, geht es dem Autor jedoch nicht um eine negative Utopie: “Politische, soziale und ökologische Bezüge machen aus Pinocchio eine sehr offenkundige Gesellschaftskritik.” Nicht nur im Inhalt sieht Alexander Frank an gleicher Stelle ein Abenteuer, vielmehr erkennt er in den drei Teilen von Guiberts, Lefèvres und Lemerciers Reportage-Trilogie “Der Fotograf” (Edition Moderne) ein “Abenteuerliches Kunstwerk”.
Wie unter anderem an dieser Stelle gezeigt, haben unterschiedliche Medien aus aktuellem Anlass Olivier Kas und Alfreds Buch “Warum ich Pater Pierre getötet habe” (Carlsen) aufgegriffen. Das autobiografische Buch, in dem Olivier Ka sexuelle Übergriffe eines katholischen Geistlichen verarbeitet, stellt Christian Schlüter unter der Überschrift “Der Übergottesmann” auch in der “Frankfurter Rundschau” vor und betont, dass Autor Olivier Ka mit Unterstützung von Zeichner Alfred im “Comic jene Bilder-Sprache (findet), die ihn das Trauma verarbeiten” lässt.
“Ein anderer Traum von Israel” sei Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag), so Thomas Hummitzsch auf textem.de: “Ben Katchor ist es in seinem viel gelobten Comic gelungen, die Vielfalt der jüdischen Eigenart in schlichte, aber geniale Tuschezeichnungen zu übertragen und dabei zugleich ein Stück amerikanisch-jüdische Geschichte zu erzählen.”
Eine ganz eigenwillig-unterhaltsame Rezension der Comic-Umsetzung von Ray Bradburys “Fahrenheit 451″ (Eichborn) schreibt Christoph Manel auf literaturmarkt.info mit “2327,78 Grad Celsius”. Obwohl er das Buch rundweg positiv bespricht, schiesst er sich mit dem Resümée selbst ins Knie: “Am Ende bleibt auf einer Art metaphysischer Ebene jedoch die Frage im Raum stehen, ob eine Comicfassung von “Fahrenheit 451″ nicht vielleicht ein erster Schritt zu der im Buch thematisierten Degeneration von Literatur sein könnte?” Oha, das liest sich wie Comic-Kritik der 1950er-Jahre.
Als Antwort darauf könnte man Moritz Honerts Beitrag für tagesspiegel.de lesen, legt er doch dar, warum Bradburys “Flammender Appell” auch als Comic funktioniert. Dafür kritisiert er in “Jahreszeiten der Gewalt” die Neuauflage von Hugo Pratts und Milo Manaras Geschichte “Ein indianischer Sommer” (Panini), deren frivolen Ton er mit dem zum Teil gewalttätigen Inhalt kollidieren sieht. Sven Jachmann erkennt an gleicher Stelle in der Neuauflage des von Neil Gaiman geschriebenen und von Dave McKean zeichnerisch umgesetzten “Black Orchid” (Panini) “Esoterisches Flaschendrehen”: Eindimensionale Mythisierung drohe in Reaktionismus umzukippen.
Ebenfalls auf tagesspiegel.de, ebenfalls eine Neuauflage, dafür wieder lobende Worte: Katja Schmitz-Dräger schaut bei Craig Thompsons “Blankets” (Carlsen) “Unter der Decke” nach, ob das Buch über die Jahre an Reiz verloren hat, kommt aber zum Schluß: “Meisterwerk”.
Das gleiche Fazit formuliert Frank Schäfer, der eben jenen Titel in der “Jungen Welt” bespricht. Der umfangreiche Band hat tatsächlich mehr als “Zeichen hinterlassen”, so ergriffen sieht der Rezensent Craig Thompson neben Art Spiegelman und scheut nicht, “Blankets” mit der Bibel zu vergleichen.
Für die “Kölnische Rundschau” sprach Barbara Buchholz mit Robert Venditti, dem Autor des mit Bruce Willis in der Hauptrolle verfilmten “The Surrogates” (Cross Cult, Zeichnungen von Brett Weidele). Mittelpunkt der Geschichte ist die Idee, dass in Zukunft mit Robotern “Ein zweite Ich für Jedermann” angeboten wird.
Zum Abschluß noch ein Video des britischen Verlages “Self Made Hero”, der Reinhard Kleists “Cash – I see a darkness” (Carlsen) auf Englisch veröffentlicht und den Berliner Künstler unter anderem beim Zeichnen beobachtet hat.
Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag) wurde in der Sendung “Seite EINS” auf “radioeins” vom rbb vorgestellt. Die Sendung mit dem Titel “Schalom! – Neue jüdische Seiten” stellte aktuelle Literatur-Neuerscheinungen aus Israel vor und dazu die einfallsreiche Graphic Novel des New Yorker Zeichners. Der Beitrag lässt sich auf der Seite der Sendung online nachhören.
Schalom! – Neue jüdische Seiten
New York im Jahre 1830: ein Tummelplatz für verrückte Projekte und unglaubliche Typen. Einer davon will den Eriesee mit Kohlensäure versetzen um eine natürliche Mineralwasserquelle zu schaffen. Ein Anderer verkauft den amerikanischen Juden Originalerde aus Palästina für die ewige Ruhestätte und jüdische Schauspieler proben ein antisemitisches Theaterstück: „Der Jude von New York“.
So heißt auch die Graphic Novel von Ben Katchor . Ein bizarres „Was-wäre-wenn-Szenario“ und doch eine plausible Fiktion. mehr
Auch wenn die Medien 20 Jahre nach dem Fall der Mauer den Fokus auf thematisch passende Comics wie “drüben!”, “Grenzüberschreitungen” oder “Da war mal was…” gelegt haben, gab es eine ganze Reihe weiterer Besprechungen in Print und im Web, die nicht unerwähnt bleiben sollen.
Für die Comicwebsite des Berliner “Tagesspiegels” schreibt Markus Dewes über Rutu Modans “Blutspuren” (Edition Moderne). Der Geschichte, die “Nach dem Knall” spielt, attestiert er, “sensibel, unkonventionell und jenseits aller Stereotypen” erzählt zu sein.
Brigitte Helbling wünscht sich von Sascha Hommer nach seiner autobiografischen Erzählung “Vier Augen” (Reprodukt) eine Rückkehr ins Heute und eine aktuelle, nicht zurückschauende Geschichte. “Kein Superheld. Nirgends.” überschreibt sie ihren Artikel für das Titel-Magazin. Weitaus harscher geht Comicrezensent und Prosaautor Thomas von Steinaecker mit dem Buch ins Gericht. Wie er auf jetzt.de in seiner “Spürst Du schon was?” betitelten Rezension ausführt, hatte er sich von Sascha Hommers neuem Buch mehr versprochen.
Auf “Spiegel Online” stellt David Kleingers die vor allem in den USA erfolgreiche Teenager-Serie “Scott Pilgrim” (Oni Press) von Bryan Lee O´Malley vor, die er als “Große Oper im Garagensound” beschreibt.
Publisher’s Weekly empfiehlt in einer Kurzrezension die englischsprachige Ausgabe von Reinhard Kleists “Cash – I see a darkness” (Carlsen, bzw. Abrams ComicArts) jedem, der sich nur vage für den Musiker Johnny Cash interessiert. Bevor er am Wochenende zum Comicfestival Comica 09 in London reist, sprach Mitorganisator und Comicjournalist Paul Gravett mit Reinhard Kleist über seine Arbeit. Das Interview kann auf Paul Gravetts Website gelesen werden.
Auf textem.de wurde auf zwei Comics verwiesen: Thomas Hummitzsch schreibt dort unter der Überschrift “Verschollen in München” über Uli Oesterles “Hector Umbra” (Carlsen). In der zeichnerischen Umsetzung erkennt er unter anderm Anleihen bei George Grosz und Otto Dix. “Weiter im Bibeltext” geht es mit Ralf König und seiner neuen Adaptation einer Bibelgeschichte in “Archetyp” (Rowohlt). Thomas Hummitzsch fragt sich abschliessend, welcher “Typ” nun folgen wird.
Eine ganze Reihe von Rezensionen und weiteren Presseerwähnungen von Graphic Novels und ihren Autoren gab es in den letzten Tagen.
Als Meisterwerk des Comics bezeichnet Christopher Pramstaller Ben Katchors Geschichten “Aus der neuen Welt”. “Der Jude von New York” (avant-verlag) wird von ihm auf satt.org besprochen.
Katharina Greves Debut “Ein Mann geht an die Decke” (Die Biblyothek) feiert Lars von Törne auf tagesspiegel.de als “zauberhafte Erzählung”, die “Zwischen Himmel und Erde” spielt. Neben der Besprechung wird das Buch mit einer Leseprobe vorgestellt.
Eine Reihe frankobelgischer Alben, die man auch den Graphic Novels zurechnen kann, wurden ebenfalls in der Presse erwähnt. Für das Online-Magazin “the title” wirft Hans Keller einen Ausführlichen Blick auf den die Abenteuer des “Kapitän ohne Schiff”, Corto Maltese, dessen Abenteuer (teilweise erhältlich bei Kult Editionen) Klassiker der Comicgeschichte sind, und dessen Schöpfer Hugo Pratt.
“Reisende im Wind” von Francois Bourgeon, ebenfalls ein Klassiker der frühen 1980er findet derzeit seine Fortsetzung beim Splitter-Verlag, worüber Lutz Göllner unter dem Titel “Auf der Flucht” für den Onlinebereich des “Tagesspiegels” schreibt.
An gleicher Stelle schreibt Moritz Honert über “Die Ruhe vor dem Krieg”, die im zweiten Teil von Jean-Michel Beuriots und Philippe Richelles “Unter dem Hakenkreuz” (Schreiber & Leser) beschrieben wird.
Ein Trend, der Comics frankobelgischer Prägung buchartigen Charakter geben soll, ist die Veröffentlichung mehrerer Alben in einem Band. So geschehen bei der Comicumsetzung von Leo Malets “Die schwarze Trilogie” (Ehapa) von Philippe Bonifay und Youssef Daoudi, worüber Jörg Böckem für “Spiegel Online” berichtet: “Im Land der gebrauchten Sonne”.
Auch die Sekundärliteratur findet Erwähnung: Den von Heinz Ludwig Arnold und Andreas C. Knigge herausgegebene Sonderband der Reihe “text + kritik” zum Thema “Comics, Mangas, graphic novels” (edition text & kritik) bespricht Stefan Höppner unter dem Titel “Vom Leben gezeichnet” für Literaturkritik.de.
Abschliessend noch als Bonus ein Verweis auf Flix, der anlässlich des Mauerfalljubiläums für “arte Kultur” interviewt wurde. Der Beitrag kann hier eine Woche lang online angesehen werden.
Thomas von Steinaecker feiert in der heutigen Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag) als einen “Höhepunkt in der Geschichte des Comics”.
Lieber Biber
Höhepunkt in der Geschichte des Comics: Ben Katchors Hauptwerk “Der Jude von New York”
Mit überwältigendem Erfolg zeigte vor einiger Zeit eine Ausstellung in Frankfurt die Geschichte einer auf den ersten Blick ungewöhnlichen, in Wirklichkeit aber logischen und sehr folgenreichen Verbindung: die des Comics und des Judentums. Ungewöhnlich vor allem angesichts der zentralen Stellung, die das Bildverbot im Judentum einnimmt. Zugleich logisch, weil im New York des ausgehenden 19. Jahrhunderts, während der Anfangphase des Comics, im Sprachgewirr der jüdischen Einwanderer Bilder die Kommunikation erleichterten. mehr
In den vergangenen Tagen wurden wieder einige Comics und Graphic Novels in der überregionalen Presse und in Internetfeuilletons besprochen.
Thomas Hummitzsch widmete sich bereits am 4. August der Neuauflage von Alan Moores und Eddie Campbells Jack the Ripper-Version “From Hell” (Cross Cult) und schreibt auf der Seite des Onlinefeuilletons “Berliner Literaturkritik” über diese “Höllenfahrt in Schwarz-Weiß”.
Für das online erscheinende “Titel-Magazin” hat sich Alexander Frank am 6. August die beiden bei Schreiber & Leser erhältlichen Bände “blue” und “Liebe und andere Kleinigkeiten” der japanischen Autorin Kiriko Nananan angesehen und fasst sie unter der Überschrift “Preziöse Krisen” zusammen.
In der gestrigen Ausgabe der Frankfurter Rundschau findet sich eine Besprechung von Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag). Ole Frahm, Redakteur und Mitgleid der ArGL (Arbeitsstelle für graphische Literatur) an der Universität Hamburg, sieht den “Klang der Erleichterung” ein zentrales Motiv des Bandes.
Am Freitag besprach Christian Gasser in der “Neuen Zürcher Zeitung” Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag):
Mineralwasser aus dem See
In «Der Jude von New York» schildert Ben Katchor die Suche nach einer jüdischen Identität in der neuen Welt um 1830. Sein Comic-Roman ist allerdings kein Geschichtsbuch, sondern ein irrwitziges Kaleidoskop von kuriosen Charakteren und abstrusen Utopien.
1825 in New York: Der Politiker und Amateur-Theatermann Mordechai Noah will, angeregt von der Überzeugung, die Indianer seien einer der verloren gegangenen zehn Stämme Israels, auf einer Insel im Hudson einen sozialistischen jüdischen Staat nach indianischem Vorbild gründen. Eine Kampagne gegen die Masturbation warnt junge Männer vor den zersetzenden Nebenwirkungen ihrer einsamen Genüsse, während in den Wäldern um New York luftanbetende Aussteiger ihrem Glauben halbnackt in Häusern ohne Wände frönen. mehr
Frank Meyer bespricht Ben Katchors“Der Jude von New York” (avant verlag) am 6. Juli für “Deutschlandradio Kultur”.
Von Geschichte gezeichnet
In seinem Comicroman “Der Jude von New York” erzählt der 1951 geborene jüdische Cartoonist Ben Katchor skurrile Geschichten aus dem New York des 19. Jahrhunderts. Dabei dreht sich alles um das jüdische Leben in der entstehenden Metropole, das gleichsam von Glauben und Aberglauben erfüllt ist.
Ben Katchors Comicroman führt in das New York der Jahre 1830, in ein Panoptikum des jüdischen Lebens dieser Zeit, ein dichtes Gewebe aus Wirklichkeit und Fantasie, aus jüdischen Legenden und judenfeindlichen Klischees. Die Gestalten, die Ben Katchor aufmarschieren lässt, sind allesamt höchst merkwürdig. mehr
Der gesendete Beitrag lässt sich bei “Deutschlandradio Kultur” als mp3-Datei anhören.
Für das Online-Magazin “The Title” bespricht Hans Keller gleich drei Graphic Novels: “Der Fotograf” von Didier Lefèvre, Emmanuel Guibert und Frédéric Lemercier, “Affentheater” von Florent Ruppert und Jérôme Mulot (beide Edition Moderne) und Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag).
Kriege, Kulturen, Katharsis
Kriegsschauplätze im gebirgigen Afghanistan der 1980er-Jahre, verrückte Genre-Bilder aus dem jüdischen New York um 1830 und ebenso verrückt-exzessive, von unserer Gegenwart angeregte Phantasien: drei Neuerscheinungen demonstrieren die gekonnte Bild/Text-Umsetzung von Kriegsthematik und Gesellschaftlichem durch versierte Comicschöpfer. mehr
Wer vor kurzem die beiden Vorträge von Ben Katchor in Berlin und Hamburg verpasst hat, hat nun noch einmal die Gelegenheit, sich einen Vortrag des amerikanischen Autors (“Der Jude von New York”, avant-verlag) online anzusehen. Die Multimediapräsentation findet sich auf dem Vortragsportal ted.com, auf dem sich eine Vielzahl von Vorträgen zu den verschiedensten Themen ansehen lässt. Ben Katchors unterhaltsame Schilderungen wurden bereits 2002 aufgezeichnet und im April diesen Jahres online gestellt. Der Vortrag lässt sich hier im MP4-Format herunterladen (40 MB) oder durch einen Klick auf das Bild unten ansehen.
Ben Katchor: Comics that tell the little stories of a big city
In this captivating talk from the TED archive, cartoonist Ben Katchor reads from his comic strips. These perceptive, surreal stories find the profound hopes and foibles of history (and modern New York) preserved in objects like light switches and signs.
Die Zeitungskrise scheint auch hierzulande erste Spuren zu hinterlassen: Schriftsteller und Kritiker Thomas von Steinaecker, der bislang regelmäßig Besprechungen für die “Süddeutsche Zeitung” geschrieben hat, rezensiert Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag) am 7. Mai 2009 für www.titel-magazin.de.
Chronist der Träumer
Zehn Jahre nach seiner Erstveröffentlichung in den USA erscheint die Übersetzung dieses Comic-Klassikers. Endlich.
„Ein Plan, den man zu verwirklichen beabsichtigt; doch es ist ein weiter Weg vom Projekt zur Ausführung & und ein noch weiterer Weg von der Ausführung zum Erfolg. Wie oft verfällt der Mensch auf unsinnige Unternehmungen!“ So definiert 1746 Denis Diderot in seiner Enzyklopädie das Wort „Projekt“. Tatsächlich sind Projekte seltsame Zwittergeburten. Sie stehen zwischen der handfesten Wirklichkeit und einer Fiktion, von der unklar ist, ob sie jemals realisiert werden kann. Scheitern Projekte (und die leicht negativ gefärbte Konnotation des Begriffs verrät, dass dies nicht selten geschieht), dann bleibt ein seltsames Vakuum zurück: Einerseits hat da jemand ja tatsächlich gearbeitet und geplant; andererseits ist oft von den Früchten dieser Arbeit kaum mehr etwas zu sehen. mehr