Ende Mai erscheint bei Reprodukt mit “Die Sputnik-Jahre” von Baru ein Werk, in dem er auf seine Kindheit in einer lothringischen Kleinstadt zurückblickt – das Hochofenwerk seines Heimatortes war in den Fünfzgerjahren Anziehungspunkt für Arbeitssuchende aus Italien, Polen, Algerien, Deutschland und anderen Ländern. Das Aufeinandertreffen der Kulturen auf engstem Raum bietet immer wieder Anlass auch für blutige Auseinandersetzungen – sowohl untereinander als auch mit der französischen Staatsmacht.
1957. Während die Menschheit neuerdings Nacht für Nacht in den Himmel starrt, um die Metallkugel zu entdecken, die die Russen in den Orbit geschossen haben, gilt Igors Begeisterung wesentlich weltlicheren Dingen: Fußball. Indianerspielen. Den Trotteln aus der Unterstadt auf die Mütze hauen. Bis das Weltraumfieber auch den 13-Jährigen und seine Kumpels packt: So schwer kann es doch wohl nicht sein, Professor Bienleins Rakete aus “Reiseziel Mond” nachzubauen…
Baru gelingt es mit leichter Hand, die Fünfzigerjahre in einem lothringischen Industriestädtchen aufleben zu lassen. Mitreißend erzählt und ohne jede nostalgische Verklärung.
“Baru beweist ein enormes Gespür für Atmosphäre und Authentizität.” – Siggi Seuss, Die Zeit

Baru, das ist Hervé Barulea, geboren 1947 in Thil (Meurthe-et-Moselle) in Lothringen, fand erst spät seine Berufung. Er debütierte in den frühen 1980er-Jahren als Comiczeichner im Magazin “Pilote” und veröffentlichte 1984 sein erstes Album “Quéquette Blues, Part Ouane”. In der Folge etablierte Baru sich mit Büchern wie “Cours, Camarade” (dt. “Lauf, Kumpel!”, Carlsen 1989) und “Le Chemin de l’Amérique” (dt. “Der Champion”, Carlsen 1991) als eine der wichtigsten Stimmen des europäischen Comics. 1991 begann Baru mit “Autoroute du Soleil” (Carlsen) eine umfangreiche Erzählung für das japanische Verlagshaus Kodansha, die exemplarisch für sein Schaffen steht und den Beweis erbringt, dass relevante gesellschaftliche Themen und rasante, unterhaltsame Geschichten auch im Comic wunderbar Hand in Hand gehen. “Die Sputnik-Jahre” erschienen von 1999 an zunächst in vier Alben, die auf Deutsch erstmals bei Carlsen verlegt wurden.
Barus Werke der jüngsten Zeit – “Wut im Bauch”, “Elende Helden” (mit Szenarist Pierre Pelot), “Hau die Bässe rein, Bruno!” oder “Schönes Neues Jahr” – erscheinen in deutscher Sprache bei Edition 52. Im Jahre 2010 wurde Baru mit dem “Grand Prix de la Ville d’Angoulême” geehrt, der höchsten Auszeichnung des europäischen Comics.

Die Sputnik-Jahre, ISBN 978-3-943143-10-2, 208 Seiten, farbig, 25,5 x 15 cm, Klappenbroschur, 29 EUR, erscheint im Mai 2012 bei Reprodukt