Graphic Novels
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Archiv des Tags ‘Hugo Pratt’

“Hugo in Afrika”

Samstag, den 6. November 2010

Das Schweizer Fernsehen strahlte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag eine Dokumentation ĂĽber den italienischen Comic-Autor Hugo Pratt (“Corto Maltese – Die Ă„thiopier”, Kult Editionen) und seine Faszination fĂĽr den afrikanischen Kontinent aus. Die Sendung ist – zumindest fĂĽr Internetnutzer in der Schweiz – noch einige Tage online abrufbar.

Der Italiener Hugo Pratt (1927 bis 1995) war einer der bedeutesten Comic-Autoren des 20. Jahrhunderts. Die Abenteuer von Corto Maltese in Afrika sind ein Meilenstein des literarischen Comics. Bei seinem Tod hielt Hugo Pratt ein äthiopisches Kreuz in seiner linken Hand. Um Pratts langjährige Liebe zum Schwarzen Kontinent besser zu verstehen, folgt Weggefährte Jean Claude Guilbert mit einer Gruppe Gleichgesinnter die Spuren des Comic-Zeichners zum Horn von Afrika. Der Tessiner Regisseur Stefano Knuchel hat ihn dabei mit der Kamera begleitet. Dank dieser Spurensuche, dank beeindruckenden Archivaufnahmen und vielen, teilanimierten Comicausschnitten ergibt sich ein fast spielfilmartiges Bild des grossen Zeichners und seiner Liebe zu Afrika.

Zum Video des gesamten Films gelangt man hier.

Titel-Magazin mit Comic-Salon-Special

Donnerstag, den 10. Juni 2010

In einem umfangreichen Special widmet sich das Titel-Magazin dem Comic-Salon Erlangen, der am Sonntag zuende ging. Neben einem Messerundgang von Andreas Alt und einem Bericht ĂĽber die Max und Moritz-Preisverleihung (mitsamt Vorstellung der Gewinner) von Christopher Franz stehen vor allem die Autorinnen und Autoren im Vordergrund, die in Interviews vorgestellt werden.

Vors Mikrofon gebeten wurden Nicolas Mahler (“Engelmann”, Carlsen), Simon Schwartz (“drĂĽben!”, avant-verlag), Barbara Yelin (“Gift”, Reprodukt), und Flix (“Held”, Carlsen). Ebenfalls vorgestellt werden die jeweiligen Neuerscheinungen der AutorInnen.

Denis Scheck, Jurymitglied und Moderator der Max und Moritz-Gala erzählt in einem Interview von der Faszination, die Comics auf ihn ausüben und welche Titel ihm zuletzt persönlich gut gefallen haben. Weitere Buchvorstellungen und Berichte runden das Special ab. Man findet es hier.

Illustrierte ReisefĂĽhrer

Dienstag, den 23. März 2010

Der belgische Comicverlag Casterman kooperiert mit dem Reisebuchverlag Lonely Planet. So sind nun (leider nur auf Französisch) vier Stadtreiseführer erscheinen, die mit Comicillustrationen geschmückt sind. Zum Beispiel mit Hugo Pratts Corto Maltese (deutsche Titel bei Kult Editionen) durch Venedig – eine reizvolle Idee.

Das darf gerne fĂĽr den deutschen Markt aufgegriffen werden: Mit Reinhard Kleist (“Castro”, Carlsen) durch Havanna, Simon Schwartz (“drĂĽben!”, avant-verlag) durch Berlin, Kati Rickenbach (“Filmriss”, Edition Moderne) durch ZĂĽrich oder Barbara Yelin (“Gift”, Reprodukt) durch Bremen: Viele Kombinationen bieten sich an.

Dank an Forbidden Planet International fĂĽr den Hinweis.

Neue Rezensionen – Februar 2010 (3)

Samstag, den 27. Februar 2010

Bis auf die Titelseiten der überregionalen Presse schaffte es die Meldung, dass am vergangenen Montag das Comic-Heft mit dem ersten Auftritt Supermans für unerhörte 1.000.000 Dollar den Besitzer wechelte. Davon einmal abgesehen, dass Batman am Donnerstag mit 1.075.500 Dollar nachgelegt hat, gab es in den vergangenen Tagen viele weitere Artikel über Comics bzw. Graphic Novels.

FĂĽr die “SĂĽdwest Presse” wirft Markus Kirzynowski anlässlich der Wiederveröffentlichung von Joe Saccos “Palästina” (Edition Moderne) einen schlaglichtartigen Blick auf verschiedene Comic-Reportagen, jene “Kriegsberichte mit Tusche und Feder”.

“Die Welt ist schlecht, ungelogen!” warnt Nils KurfĂĽrst auf titel-magazin.de in seiner Besprechung von Winshluss’ Version des “Pinocchio” (avant-verlag). Wie er ausfĂĽhrt, geht es dem Autor jedoch nicht um eine negative Utopie: “Politische, soziale und ökologische BezĂĽge machen aus Pinocchio eine sehr offenkundige Gesellschaftskritik.” Nicht nur im Inhalt sieht Alexander Frank an gleicher Stelle ein Abenteuer, vielmehr erkennt er in den drei Teilen von Guiberts, Lefèvres und Lemerciers Reportage-Trilogie “Der Fotograf” (Edition Moderne) ein “Abenteuerliches Kunstwerk”.

Wie unter anderem an dieser Stelle gezeigt, haben unterschiedliche Medien aus aktuellem Anlass Olivier Kas und Alfreds Buch “Warum ich Pater Pierre getötet habe” (Carlsen) aufgegriffen. Das autobiografische Buch, in dem Olivier Ka sexuelle Ăśbergriffe eines katholischen Geistlichen verarbeitet, stellt Christian SchlĂĽter unter der Ăśberschrift “Der Ăśbergottesmann” auch in der “Frankfurter Rundschau” vor und betont, dass Autor Olivier Ka mit UnterstĂĽtzung von Zeichner Alfred im “Comic jene Bilder-Sprache (findet), die ihn das Trauma verarbeiten” lässt.

“Ein anderer Traum von Israel” sei Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag), so Thomas Hummitzsch auf textem.de: “Ben Katchor ist es in seinem viel gelobten Comic gelungen, die Vielfalt der jĂĽdischen Eigenart in schlichte, aber geniale Tuschezeichnungen zu ĂĽbertragen und dabei zugleich ein StĂĽck amerikanisch-jĂĽdische Geschichte zu erzählen.”

Eine ganz eigenwillig-unterhaltsame Rezension der Comic-Umsetzung von Ray Bradburys “Fahrenheit 451″ (Eichborn) schreibt Christoph Manel auf literaturmarkt.info mit “2327,78 Grad Celsius”. Obwohl er das Buch rundweg positiv bespricht, schiesst er sich mit dem ResĂĽmĂ©e selbst ins Knie: “Am Ende bleibt auf einer Art metaphysischer Ebene jedoch die Frage im Raum stehen, ob eine Comicfassung von “Fahrenheit 451″ nicht vielleicht ein erster Schritt zu der im Buch thematisierten Degeneration von Literatur sein könnte?” Oha, das liest sich wie Comic-Kritik der 1950er-Jahre.

Als Antwort darauf könnte man Moritz Honerts Beitrag fĂĽr tagesspiegel.de lesen, legt er doch dar, warum Bradburys “Flammender Appell” auch als Comic funktioniert. DafĂĽr kritisiert er in “Jahreszeiten der Gewalt” die Neuauflage von Hugo Pratts und Milo Manaras Geschichte “Ein indianischer Sommer” (Panini), deren frivolen Ton er mit dem zum Teil gewalttätigen Inhalt kollidieren sieht. Sven Jachmann erkennt an gleicher Stelle in der Neuauflage des von Neil Gaiman geschriebenen und von Dave McKean zeichnerisch umgesetzten “Black Orchid” (Panini) “Esoterisches Flaschendrehen”: Eindimensionale Mythisierung drohe in Reaktionismus umzukippen.

Ebenfalls auf tagesspiegel.de, ebenfalls eine Neuauflage, dafĂĽr wieder lobende Worte: Katja Schmitz-Dräger schaut bei Craig Thompsons “Blankets” (Carlsen) “Unter der Decke” nach, ob das Buch ĂĽber die Jahre an Reiz verloren hat, kommt aber zum SchluĂź: “Meisterwerk”.

Das gleiche Fazit formuliert Frank Schäfer, der eben jenen Titel in der “Jungen Welt” bespricht. Der umfangreiche Band hat tatsächlich mehr als “Zeichen hinterlassen”, so ergriffen sieht der Rezensent Craig Thompson neben Art Spiegelman und scheut nicht, “Blankets” mit der Bibel zu vergleichen.

FĂĽr die “Kölnische Rundschau” sprach Barbara Buchholz mit Robert Venditti, dem Autor des mit Bruce Willis in der Hauptrolle verfilmten “The Surrogates” (Cross Cult, Zeichnungen von Brett Weidele). Mittelpunkt der Geschichte ist die Idee, dass in Zukunft mit Robotern “Ein zweite Ich fĂĽr Jedermann” angeboten wird.

Zum AbschluĂź noch ein Video des britischen Verlages “Self Made Hero”, der Reinhard Kleists “Cash – I see a darkness” (Carlsen) auf Englisch veröffentlicht und den Berliner KĂĽnstler unter anderem beim Zeichnen beobachtet hat.

Reinhard Kleist – The Man in Black and White from SelfMadeHero on Vimeo.

Comics in “Kindlers Literatur Lexikon”

Freitag, den 11. September 2009

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Seit dem 4. September ist die dritte Auflage von “Kindlers Literatur Lexikon” erhältlich. Das von Heinz Ludwig Arnold herausgegebene deutschsprachige Standardwerk zur weltweiten Literaturgeschichte enthält erstmals einen umfangreichen Eintrag zum Thema Comics.

Autor Andreas C. Knigge lässt den 19-seitigen Eintrag mit einer allgemeinen EinfĂĽhrung beginnen, in der er die Entwicklungsgeschichte populärer Comics abreisst. Diese mĂĽndet (neben dem Aufkommen von Online-Comics) in der Ausprägung der Graphic Novels, namentlich nennt er AutorInnen wie Marjane Satrapi (“Persepolis”, Edition Moderne), Lewis Trondheim (“Approximate Continuum Comics”, Reprodukt), Ralf König (“Sie dĂĽrfen sich jetzt kĂĽssen”, Rowohlt”), Joe Sacco (“Palästina”, Edition Moderne) und natĂĽrlich Will Eisner (“Das Komplott”, DVA).

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Auch im anschlieĂźenden Teil, in dem Andreas C. Knigge einige bedeutende Comics exemplarisch vorstellt, spielen Graphic Novels eine wichtige Rolle: Hugo Pratts “SĂĽdseeballade” (Kult Editionen, derzeit nicht lieferbar), Keiji Nakazawas “Barfuss durch Hiroshima” (Carlsen), Art Spiegelmans “Maus” (S. Fischer) und Will Eisners “Das Komplott” sollen die literarischen Qualitäten der Comics illustrieren.

Allein angesichts des erwähnten Materials scheint die Aufnahme von Comics in “Kindlers Literatur Lexikon” längst ĂĽberfällig. Wer mit der Geschichte der Comics vertraut ist, der wird hier wenig Neues erfahren, allen anderen interessierten Lesern wird eine sinnvolle EinfĂĽhrung geboten.

Kindlers Literatur Lexikon (KLL), ISBN 978-3-476-04000-8,  3., völlig neu bearbeitete Auflage, 18 Bände inkl. einem Registerband, 14.548 Seiten, Subskriptionspreis bis 31.12.2009: 1.950 EUR, Ladenpreis ab 1.1.2010: 2.400,- EUR, erscheint im J.B. Metzler Verlag