Neben dem neuen Band mit Reprotagecomics von Joe Sacco, der ab sofort im Handel erhältlich ist, erscheint am 10. Mai mit “Der Maler der ewigen Portraitgalerie” ein neuer Band von Matthias Gnehm in der Edition Moderne.
“Reportagen” von Joe Sacco
Joe Saccos gezeichnete Reportagen aus dem Irak, Inguschetien, Indien und Palästina in einem Band!
Die Vorteile des Comics als grundsätzlich interpretierendes Mediums besteht darin, dass er erlaubt, die Grenzen des traditionellen Journalismus zu sprengen. Ob es um Schmugglertunnel in Gaza, Unberührbare in Indien oder Bootsflüchtlinge im Mittelmeer handelt – Joe Sacco zeigt sich in diesem Buch wiederum als Meister der gezeichneten Reportagen.
Dieses Buch enthält Comic-Reportagen, die für verschiedene Zeitungen und Magazine wie TIME, THE GUARDIAN und BOSTON GLOBE entstanden sind.
Reportagen, ISBN 978-3-03731-107-3, 192 Seiten, schwarzweiß, 17 x 24 cm, Klappenbroschur, EUR (D) 24,–, SFr. 29,80
“Der Maler der Ewigen Portraitgalerie” von Matthias Gnehm
Ein erfolgloser Kunstmaler entdeckt in den alten Fotos seiner schon lange verstorbenen Grossmutter eine Fotografie eines unbekannten Mannes und ein gemaltes, kleinformatiges Portrait seiner Grossmutter.
Er entdeckt die Internetplattform www.eternalportraitgallery.com und findet nach einer Affäre mit der Kunsthändlerin Anette Faller den Unbekannten, der nicht nur der Erfinder dieser Plattform sowie der Maler der unzähligen Portraits ist, sondern auch sein leiblicher Grossvater. Dieser hatte 1943 die Grossmutter des Kunstmalers schwanger sitzen lassen, ein Liebesdeserteur. Er versteckte sich seither in einem Kellerloch mitten in der Stadt Zürich, wo er Tag für Tag ein weiteres Portrait der Ewigen Portraitgalerie hinzufügte.
Der Kunstmaler schafft es, seinen inzwischen greisen leiblichen Grossvater zur Versöhnung mit seinem Sohn, dem Vater des Kunstmalers also, zu überreden: Er bietet ihm an, die Ewige Portraitgalerie weiterzuführen. Eine virtuose und rasante Graphic Novel um die Bedeutung von Bildern, die Macht der Kunst und die Liebe.
Der Maler der Ewigen Portraitgalerie, ISBN 978-3-03731-108-0, 256 Seiten, schwarzweiß, Klappenbroschur, EUR (D) 28,–, SFr. 36,–, erscheint am 10. Mai 2013
Der Hamburger Lokalsender Tide TV stellte vorgestern in einem längeren Beitrag die Hamburger Comicszene vor. Zu Wort kommen Carlsen-Redakteur Ralf Keiser sowie die Comic-AutorInnen Maria Luisa Witte und Larissa Bertonasco (“Spring”) sowie Arne Bellstorf (“Baby´s in black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe”, Reprodukt).
Für Waldemar Kesler ist Joann Sfars “Chagall in Russland” (avant-verlag) ein “herausragender Comic”, wie er in der Welt schreibt: “Plötzlich ist Jesus ein Grüner”. “Das Chagall-Porträt von Joann Sfar ist ein großer Wurf. Sfar betrachtet dessen Malerei durch die Brille seiner eigenen Wahrnehmung der jüdischen Kultur.”
In der Frankfurter Rundschau befasste sich Christian Schlüter ausführlich mit Helmut Wietz’ “Der Tod von Adorno” (metrolit): “Der Libido-Kick von ’68″. Sein Urteil ist eindeutig, der Band sei “in seiner eigenwilligen und, gemessen an dem zur Zeit vorherrschenden Graphic-Novel-Ernst, grotesk-komischen, bisweilen dilettantischen und durchweg eklektischen Machart schlichtweg großartig.”
Auf tagesspiegel.de stellt Marc Röhling zwei Veröffentlichungen des amerikanischen Comic-Journalisten Joe Sacco vor, von der eine (“Reportagen”, Edition Moderne) in Kürze auf deutsch erscheinen wird: “Sacco und wie er die Welt sieht”.
Für den in den vergangenen Tagen verstorbenen Comic-Autoren Didier Comès schreibt Ralph Trommler auf tagesspiegel.de einen Nachruf: “Ein Pionier der Graphic Novel”.
In einem einstündigen Feature wirft Redakteur Martin Zeyn im Bayerischen Rundfunk einen Blick auf den aktuellen Graphic Novel-Markt. Die Sendung wurde im Rahmen der Reihe “RadioFeature” am vergangenen Donnerstag auf Bayern 2 ausgestrahlt. Zu Wort kommen darin unter anderem Die Comic-AutorInnen Ulli Lust (“Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens”, avant-verlag), Joe Sacco (“Gaza”, Edition Moderne) und Craig Thompson (“Habibi”, Reprodukt) sowie Jaroslav Rudis und Jaromir 99 (“Alois Nebel”, Voland & Quist).
“Ein Leben in China – Die Zeit der Partei” – von P. Ôtié und Li Kunwu
Kaum ist Mao 1976 gestorben, beginnt der Kampf um die Macht innerhalb der politischen Elite Chinas, den Deng Xiaoping für sich entscheidet. Ein neues China entsteht, das seiner Bevölkerung große Flexibilität abverlangt: Was während der Kulturrevolution verpönt war wie westliche Vergnügungen, Grundbesitz oder Luxus, wird zum neuen Lebensstil in einem Land, das gerade die «sozialistische Marktwirtschaft» entdeckt Xiao Li, der «Kleine Li», durchlebt diese Zeit erst als Soldat und Kuhhirte, dann als Propagandazeichner in der Armee. Schließlich schafft er es nach mehreren Anläufen, in die Kommunistische Partei Chinas aufgenommen zu werden.
Ein Leben in China – Die Zeit der Partei, ISBN 978-3-03731-104-2, 200 Seiten, schwarzweiss, Klappenbroschur, EUR (D) 24,–, SFr. 29,80, erscheint im März 2013
“Ein iranischer Albtraum” von Maya Neyestani
Dass die harmlose Zeichnung einer Kakerlake für Aufruhr und Tote sorgt, hätte sich der iranische Cartoonist Mana Neyestani nicht träumen lassen. Er legt der Kakerlake ein Wort in den Mund, das in der Sprache der aserbaidschanischen Minderheit im Iran gelesen werden kann. Als die Aseri sich empören, weil sie sich mit Kakerlaken verglichen wähnen, kommt Neyestani ins berüchtigte Evin-Gefängnis. Er benutzt einen Hafturlaub um über Dubai und Malaysia Asyl im Westen zu erlangen – ein zweiter Albtraum beginnt … Neben dem menschenverachtenden Regime im Iran kritisiert Neyestani mit seiner Graphic Novel auch das internationale Asylwesen.
Ein iranischer Albtraum, ISBN 978-3-03731-106-6, 200 Seiten, schwarzweiss, Klappenbroschur, EUR (D) 24,–, SFr. 29,80, erscheint im März 2013
“Reportagen” von Joe Sacco
Joe Saccos gezeichnete Reportagen aus dem Irak, Inguschetien, Indien und Palästina in einem Band!
Die Vorteile des Comics als grundsätzlich interpretierendes Mediums besteht darin, dass er erlaubt, die Grenzen des traditionellen Journalismus zu sprengen. Ob es um Schmugglertunnel in Gaza, Unberührbare in Indien oder Bootsflüchtlinge im Mittelmeer handelt – Joe Sacco zeigt sich in diesem Buch wiederum als Meister der gezeichneten Reportagen.
Dieses Buch enthält Comic-Reportagen, die für verschiedene Zeitungen und Magazine wie TIME, THE GUARDIAN und BOSTON GLOBE entstanden sind.
Reportagen, ISBN 978-3-03731-107-3, 192 Seiten, schwarzweiss, 17 x 24 cm, Klappenbroschur, EUR (D) 24,–, SFr. 29,80, erscheint im April 2013
“Der Maler der Ewigen Portraitgalerie” von Matthias Gnehm
Guido Meyer gerät durch die Entdeckung der eternalportraitgallery.com in eine Affäre mit einer Kunsthändlerin und lüftet das Geheimnis seiner wahren Herkunft.
Der erfolglose Kunstmaler Guido Meyer entdeckt zwischen den alten Fotos seiner schon lange verstorbenen Großmutter ein gemaltes, kleinformatiges Porträt von ihr. Später stößt er auf die Internetplattform www.eternalportraitgallery.com, dessen Betreiber nicht nur der Maler von unzähligen Porträts, sondern auch sein leiblicher Großvater ist. Dieser hatte Guidos schwangere Großmutter 1943 sitzen lassen. Der Liebesdeserteur malt seither in einem Kellerloch jeden Tag ein weiteres Porträt für die ewige Portraitgalerie. Guido Meyer schafft es, seinen inzwischen greisen Großvater zur Versöhnung mit dessen Sohn, Guidos Vater, zu überreden: Er bietet ihm dazu an, die Ewige Portraitgalerie weiterzuführen.
Der Maler der Ewigen Portraitgalerie, ISBN 978-3-03731-108-0, 300 Seiten, schwarzweiss, Klappenbroschur, EUR (D) 28,–, SFr. 36,–, erscheint im Mai 2013
“Trabanten” von Frank Schmolke
Der junge Franz Huber kommt aus dem Knast und will fortan alles richtig machen. Doch schon bald steckt er wieder mitten in den größten Schwierigkeiten.Als Franz das Wiedersehen mit seinen Freunden Paul und Robert feiert, kommt es zu einem tödlichen Unfall. Und jetzt sind Franz und Paul auf der Flucht vor Roberts psychopathischem und gewalttätigem Bruder. Franz‘ Panik vor dem erneuten Verlust seiner Freiheit wird immer heftiger. Dabei hatte die Entdeckung der Liebe und des Künstlers Jackson Pollock dieser Freiheit gerade einen Sinn verliehen!
Frank Schmolke erzählt stimmungsvoll und authentisch vom verzweifelten Kampf eines jungen Mannes um sein Leben und seine Identität im München der frühen 1980er-Jahre.
Trabanten, ISBN 978-3-03731-110-3, 200 Seiten, s/w, Klappenbroschur, EUR (D) 24,–, SFr. 29,80, erscheint im Mai 2013
Heute finden die Graphic Novel-Tage mit einem Schabkarton-Workshop und einer Podiumsveranstaltung mit Line Hoven und Igort (“Berichte aus der Ukraine”, Reprodukt; “Fats Waller” mit Carlos Sampayo, avant-verlag) ihre Fortsetzung.
In der heutigen Ausgabe des Kulturmagazins “Corso” des Deutschlandfunks wurde unter anderem auf die am heutigen Dienstag startenden Graphic Novel-Tage hingewiesen. Im Corsogespräch unterhielt sich Dirk Schneider mit dem amerikanischen Comic-Journalisten Joe Sacco (“Gaza”, Edition Moderne).
Im Gespräch berichtet Sacco über seine Arbeit, legt sein Unbehagen mit dem Begriff “Graphic Novel” dar und erzählt von seinem neuesten Projekt, an dem er gerade arbeitet und die ihn ausnahmsweise nicht ins Ausland führt.
Das Gespräch kann hier nachgelesen und hier als MP3-Datei nachgehört werden.
Vom 10. bis zum 13. April lädt das Junge Literaturhaus Hamburg unter dem Titel “Sprechende Bilder” zu den ersten Hamburger Graphic Novel Tagen ein. Moderiert von den Journalisten Andreas Platthaus (“Frankfurter Allgemeine Zeitung”) und Christian Gasser (“Neue Zürcher Zeitung”) werden sich Ulli Lust & Joe Sacco, Jens Harder & Marc-Antoine Mathieu, Line Hoven & Igort und Ralf König & Posy Simmonds an jeweils einem Abend
begegnen.
Der Comic hat die Kinderstube längst hinter sich gelassen: Noch nie waren Comics so erwachsen, waren Comics mit so viel Qualität und neuen Erzähl-Formen auf dem Markt. Bei den ersten Graphic Novel Tagen im Hamburger Literaturhaus kommen unter dem Titel “Sprechende Bilder” an vier Abenden vom 10. bis 13. April bei Podiumsdiskussionen jeweils ein internationaler und ein deutschen Comicautor oder -autorin miteinander ins Gespräch.
Neben den Abendveranstaltungen bietet das Junge Literaturhaus Hamburg Workshops mit zweien der anwesenden Künstler – Line Hoven und Igort – an.
Workshop mit Line Hoven: “Kratzen für Anfänger: Einführung in die Schabkartontechnik” (ab 14 Jahre, maximal 12 Teilnehmer)
15 Uhr bis 18.30 Uhr, Gartenzimmer, Kursgebühr: 15 EUR
Workshop mit Igort: “Analysis of Frames and their Implicit Semantic Meaning”
(in englischer Sprache, ab 18 Jahre, maximal 12 Teilnehmer)
15 Uhr bis 18.30 Uhr, Gartenzimmer, Kursgebühr: 15 EUR
Wie das Informationsportal animationsfile.ch meldet, soll Joe Saccos Reportagecomic “Gaza” (Edition Moderne) als abendfüllender Animationsfilm in die Kinos kommen. Als Regisseur wurde der kanadische Regisseur Denis Villeneuve gewonnen, der aktuell mit seinem Film “Die Frau singt – Incendies” für einen Oscar® in der Kategorie “Bester fremdsprachiger Film” nominiert ist. Derzeit wird noch am Drehbuch gefeilt und die Finanzierung geklärt, ein Starttermin ist noch nicht bekannt.
Der Trailer zu “Die Frau singt – Incendies” ist oben zu sehen, zur ausführlichen Meldung auf animationsfilme.ch gelangt man hier.
Anlässlich der deutschsprachigen Veröffentlichung der Comic-Reportage “Gaza” (Edition Moderne) hat sich Christian Gasser für die “Neue Zürcher Zeitung” mit dem US-amerikanischen Autor und Zeichner Joe Sacco unterhalten. In dem informativen Gespräch erläutert Joe Sacco seine Beweggründe für das Buch, schildert über “Gaza” hinaus aber auch seine Herangehensweise an Themen und die Vorzüge des Comics beim Darstellen von Realität.
Ich glaube nicht an die Objektivität
Eine aufschlussreiche Fussnote der Geschichte: In seiner neuesten Comic-Reportage, “Gaza”, arbeitet Joe Sacco ein Massaker der israelischen Arme an der palästinensischen Zivilbevölkerung auf. Über “Gaza” und seine Comic-Reportagen im Allgemeinen unterhielt sich mit ihm Christian Gasser.
Joe Sacco, bereits Ihre erste grosse Reportage, «Palästina», beschäftigte sich mit dem Nahostkonflikt. Was fasziniert Sie daran?
1992 bin ich nach Palästina gereist, weil ich wissen wollte, was dort wirklich abläuft. Ich hatte das Gefühl, ich müsse etwas tun – und sei es auch nur, mich umzuschauen und das Gesehene meinen Freunden zu erzählen. Der Konflikt hat mich seither nie losgelassen. mehr
Für die Schweizer Radiosendung “DRS2aktuell” vom 7. Oktober hat Christian Gasser einen hörenswerten Beitrag zu Joe Saccos jüngst auch auf Deutsch erschienener Comic-Reportage “Gaza” (Edition Moderne) erstellt. In seiner mit vielen O-Tönen von Joe Sacco angereicherten Besprechung lobt Christian Gasser die große Authentizität und Tiefenschärfe des Buchs. Nun lässt sich der Beitrag auch online hören.
‘Gaza’ – die Suezkrise als Graphic Novel
Wenn heute Graphic Novels zu brisanten Themen boomen, liegt das nicht zuletzt an Joe Sacco. Sein neustes Werk «Gaza» arbeitet ein Massaker auf, das die israelische Armee während der Suezkrise an der palästinensischen Zivilbevölkerung verübte. mehr
Auf “tagesspiegel.de” stellt Thomas Hummitzsch ausführlich den aktuellen Reportage-Band von Joe Sacco vor. “Footnotes in Gaza” wird im September deutschsprachig bei der Edition Moderne unter dem Titel “Gaza” erscheinen.
Fußnoten des Grauens
Aufklärerisch, vielschichtig, parteiisch: Comicautor Joe Sacco arbeitet in seiner eindrucksvollen Nahost-Reportage „Footnotes in Gaza“ ein dunkles Kapitel der israelisch-palästinensischen Geschichte auf. In Kürze soll der Band auf Deutsch erscheinen.
Es ist die berühmte Frage nach dem Huhn und dem Ei, die einem immer wieder in den Sinn kommt, sobald man sich dem Nahostkonflikt zuwendet. Die Frage zu stellen, welche der beiden Seiten die Gewaltspirale ausgelöst hat, scheint ebenso naiv, wie es unmöglich ist, sie zu beantworten. Je nachdem, mit wem man spricht, hat der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern eine andere Vorgeschichte. mehr
Vergangene Woche wurde der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladici in Serbien festgenommen. Über die Rolle des ehemaligenMilitärchefs der bosnischen Serben berichtet Joe Sacco seiner Comic-Reportage “Bosnien” (Edition Moderne).
Für den amerikanischen Nachrichtensender CNN hat der englische Comicexperte Paul Gravett eine Liste der fünf besten Comics mit politischen Inhalten zusammengestellt. Darunter finden sich auch vier hierzulande veröffentlichte Titel: “Maus” von Art Spiegelman (Fischer), “Persepolis” von Marjane Satrapi, “Palästina” von Joe Sacco sowie “Der Fotograf” von Guibert/Lefèvre/Lemercier (alle Edition Moderne).
The top five political comic books
The word “comic” typically conjures up images of muscly men in colorful tights who possess superhuman powers.
But over the last few decades a growing number of artists have used the medium of graphic novels to tackle real stories of a more serious, earthbound nature. mehr
Sven Jachmann schreibt für die “taz” vom 22. März über “Bosnien” von Joe Sacco, “Elender Krieg” 1 & 2 von Jean-Pierre Verney & Jacques Tardi (alle drei bei Edition Moderne) und “Castro” von Reinhard Kleist (Carlsen).
Panoptikum der Destruktion
Reinhard Kleist, Joe Sacco und Jacques Tardi/Jean-Pierre Verney erzählen von Fidel Castro, Bosnien und dem Ersten Weltkrieg
Das Thema Leben vor, während und nach dem Kriegszustand besitzt im zeitgenössischen Comic derzeit große Konjunktur. Das Berliner Gorki-Theater veranstaltet dazu ab Sonntag sogar eine ganze Veranstaltungsreihe. Mit dem wenn auch sehr spät und langsam einsetzenden hiesigen Wandel seiner öffentlichen Wahrnehmung als Kunstform drängen verstärkt Erzählungen auf den Markt, die den Krieg und mit ihm die Entwicklung historischer Prozesse fokussieren. Die Zugriffe der teils übersetzten, teils deutschsprachigen Werke auf den kontrollierten Ausnahmezustand und die Funktion ihrer Bildpolitik weisen bemerkenswerte Unterschiede auf. mehr
Ende Januar 2011 findet das 38. Internationale Comicfestival in Angoulême statt, das wichtigste und größte Comicfestival Europas, auf dem – wie in jedem Jahr – die wichtigsten europäischen Comicpreise verliehen werden. Die ausgezeichneten Titel werden aus einer 50 Titel umfassenden Longlist ausgewählt, die am gestrigen Abend veröffentlicht wurde. Diese “Sélection Officielle” ist seitens der Festivaljury sowohl als Vorauswahl für die Preise als auch als Auflistung empfehlenswerter Titel des vergangenen Jahres gedacht. Und auch in diesem Jahr machen Graphic Novels neben den klassischen Albenformaten einen Großteil der gelisteten Titel aus.
Besondere freut natürlich die Nominierung von Ulli Lusts“Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” (avant-verlag), dessen französische Übersetzung als “Trop n’est pas assez” (Editions çà et là) in der Liste geführt wird. Nach Ulli Oesterles “Hector Umbra” und Jens Harders “Alpha” (beide Carlsen) im vergangenen Jahr ist dies eine weitere Anerkennung deutschsprachiger Comics auch in Frankreich.
Unter den darüber hinaus ausgewählten Titeln befindet sich eine ganze Reihe von Comics, die bereits in Deutschland veröffentlicht sind oder in naher Zukunft erscheinen werden. Von den Titeln der “Sélection Officielle” sind bereits erhältlich: Brecht Evens’ “Am falschen Ort” (Reprodukt), Apostolos Doxiadis’ und Christos H. Papadimitrious’ “Logicomix” (Atrium), Osamu Tezukas und Naoki Urasawas “Pluto” (Carlsen), Robert Kirkmans “The Walking Dead” (Cross Cult) und Ed Brubakers und Sean Phillips’ “Incognito” (Panini). Die ebenfalls aufgeführte Graphic Novel “Wilson” von Daniel Clowes erscheint in zwei Wochen bei Eichborn.
In der heutigen Ausgabe der “Welt” bespricht Brigitte Preissler Joe Saccos “Bosnien” (Edition Moderne) und resümiert bei allem Lob, dass nun Schluss sein müsse mit Comic-Reportagen.
Das rauschende Fest am Rand des Todes
Der amerikanische Zeichner Joe Sacco erzählt in einem Doku-Reportage-Comic, wie es wirklich war, damals im Krieg um Bosnien
Unter Comic-Verlegern ist es seit Jahren en vogue, dokumentarische Werke nach einem politischen Krisenherd, einem aus hiesiger Sicht irgendwie suspekten Land zu benennen. Sie heißen “Pjöngjang” oder “Shenzen” oder “Persepolis”. Und Joe Saccos legendäre Schwarz-Weiß-Reportage über den Nahostkonflikt hieß “Palästina”. Saccos neues Buch heißt im Deutschen “Bosnien” und ist die Übersetzung von “Safe Area Gorazde. The War in Eastern Bosnia 1992-1995.” Wieder eine Reportage. Natürlich autobiografisch, selbstverständlich Schwarz-Weiß. mehr
Ab dem heutigen Mittwoch wird das neue Buch von Joe Sacco, “Bosnien”, ausgeliefert. Anders als der Vorgängerband “Palästina”, der ab sofort in neuer Auflage wieder erhältlich ist, war “Bosnien” in Deutschland bisher unveröffentlicht.
Ein Schweinekopf in einer Moschee, Gerüchte über eine Kindsentführung, Provokationen an einer Hochzeit. Normalerweise reicht das nicht, um eine über Generationen entstandene multiethnische Gemeinschaft zu erschüttern. Und doch ist es vor nicht allzu langer Zeit geschehen, praktisch vor unserer Haustüre, in Bosnien. Aus guten Nachbarn wurden ein Serbe, ein Muslim, ein Kroate.
In diesem Buch dokumentiert Joe Sacco auf eindringliche Art und Weise das Aufkommen von Nationalismus, Rassismus und Homophobie am Beispiel der bosnischen Stadt Goražde, die er ab 1995 mehrmals besucht hat.
Goražde war im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 heftig umkämpft. 1993 wurde die Stadt zur UN-Schutzzone erklärt. Als Enklave war sie von der Föderation Bosnien und Herzegowina lange komplett abgeschnitten. Goražde war die einzige mehrheitlich von Bosniaken bewohnte Stadt, die sich aus eigener Kraft gegen die Serben verteidigen konnte.
Auf der Website der Edition Moderne kann man sich in einer mehrseitigen Leseprobe einen Eindruck von dem Buch machen.
Bosnien, ISBN 978-3-03731-069-4, 234 Seiten, schwarzweiss, Klappenbroschur, 24,00 EUR, 36,00 SFr., erschienen in der Edition Moderne
Am vergangenen Wochenende erschien im “Sunday Book Review” der “New York Times” ein Kurzcomic von Joe Sacco. Der vor allem für seine Comicreportagen bekannte Amerikaner (“Palästina”, “Bosnien”, beide Edition Moderne), beschäftigt sich hier mit den Widrigkeiten, mit denen er sich als Hundehalter auseinandersetzen muss. Der ganze Comic kann hier angesehen werden.
Am vergangenen Wochenende wurde wie in jedem Jahr am Rande der Comics Convention in San Diego mit den Eisner Awards Nordamerikas wichtigste Comic-Auszeichnungen verliehen. Eine der begehrten Trophäen ging dabei an die amerikanische Ausgabe von “Der Fotograf” von Emmanuel Guibert, Pascal Lémércier und Didier Lefèvre, die in der Kategorie “Best U.S. Edition of International Material” ausgezeichnert wurde. Auf deutsch erschien der Reisebericht aus dem kriegszerrütteten Afghanistan der 1980er-Jahre in der Edition Moderne, die US-Version bei First Second.
Weitere Auszeichnungen für “Der Fotograf” allein in den USA umfassen: ALA Notable Books – Winner • YALSA Great Graphic Novel for Teens • Barnes & Noble Best Graphic Novel • Shelf Awareness Best of the Year • Washington Post Best Books of the Year • Amazon.com Best Graphic Novel of the Year • Booklist Top Ten Graphic Novel • Library Media Connection Best of the Best • School Library Journal Best Adult Book for High School Students
In der Kategorie “Best Writer Non-Fiction” gewann Joe Sacco für seinen journalistischen Reisebericht “Footnotes from Gaza”, das bei der Edition Moderne angekündigt ist. Von Joe Sacco ist auf deutsch “Palästina” bereits erschienen, der Folgeband “Bosnien” erscheint im September.
Eine vollständige Liste der Gewinner der Eisner Awards findet sich hier.
Am Wochenende erschien in der britischen Tageszeitung “The Guardian” eine neue, zwölfseitige Geschichte von Joe Sacco. In “Not in my country – A tale of unwanted immigrants” widmet sich der Autor, dessen Reportage “Bosnien” im September bei der Edition Moderne erscheinen wird, dem Schicksal afrikanischer Flüchtlinge, die auf der Mittelmeerinsel Malta landen.
Die Geschichte kann ab sofort hier auch online gelesen werden.