Graphic Novels
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Archiv des Tags ‘Logicomix’

“Philosophie als Slogan”

Mittwoch, den 11. Mai 2011

FĂĽr die “tageszeitung” von 10. Mai hat Waldemar Kesler die Graphic Novel “Logicomix” von Apostolos Doxiadis, Christos Papadimiriou, Alecos Papadatos und Annie Di Donna gelesen. Das auf Deutsch bei Atrium verlegte Werk ĂĽber den britischen Philosoph, Mathematiker und Logiker Bertrand Russell hinterlässt den Autor unter dem Strich etwas ernĂĽchtert: “Wir Leser hätten uns einen besseren Vermittler philosophischer Ideen gewĂĽnscht.”

“Philosophie als Slogan”

“Logicomix” sonnt sich im Licht der Philosophie und macht sie gleichzeitig runter. Aus der Wahrheitssuche von Bertrand Russell wird eine Geschichte des Scheiterns.

Warum ist eins plus eins gleich zwei? Selbst in Philosophenkreisen kommt man schnell ĂĽberein, dass sich bloĂź Supernerds mit solchen Fragen beschäftigen. In “Logicomix” erteilt Apostolos Doxiadis eine philosophiegeschichtliche Lektion in Comicform: Was geht uns eine akademische Spezialistendisziplin wie die Logik an? mehr

Comics im Deutschlandradio und bei arte

Freitag, den 4. März 2011

Am gestrigen portraitierte Marietta Schwarz fĂĽr die Sendung „Corso“ des Deutschlandfunks die Comicautorin Ulli Lust (“Heute ist der letzte Tag vom Rest Deines Lebens”, avant-verlag). Der Beitrag kann hier nachgehört werden.

Ebenfalls im Deutschlandfunk wurde ein Beitrag von Susanne Billig und Petra Geist ausgestrahlt. In der Sendung “Forschung und Gesellschaft” befassen sie sich damit, “Wie Naturwissenschaften im Comic aussehen“ und stellen aktuelle Graphic Novels zum Thema vor: Jens Harders “Alpha – directions” (Carlsen), “Logicomix” von Apostolos Doxiadis’ und Christos H. Papadimitrious’ (Atrium), und “Die Sache mit den Genen” von Mark Schultz, Zander Cannon und Kevin Cannon (Goldmann).

Am gestrigen Donnerstag strahlte arte in der Sendung “Tracks” einen Beitrag ĂĽber den amerikanischen Zeichner Charles Burns (“Black Hole”) aus. Im Mittelpunkt steht dabei sein neues Werk “X’ed out“, das im Herbst auf Deutsch bei Reprodukt erscheinen wird (und in Frankreich unter dem Titel “Toxic” angeboten wird). Der Textbeitrag “Charles Burns – The Toxic Avenger” kann online nachgelesen werden.

“Siegeszug unter falscher Flagge”

Freitag, den 31. Dezember 2010

In der “FAZ” vom 30. Dezember 2010 macht sich Andreas Platthaus kritische Gedanken ĂĽber Graphic Novels und ihre Bedeutung fĂĽr den Buchmarkt. “Die Comicbranche wittere Morgenluft”, nimmt er an, und stellt im Folgenden drei Titel aus dem Jahr 2010 vor: “Rembetiko” von David Prudhomme (Reprodukt), “Logicomix” von Apostolos Doxiadis und Christos H. Papadimitriou, sowie “Anne Frank” von Ernie Colon und Sid Jacobson (Carlsen).

Siegeszug unter falscher Flagge

Das ist ihre Chance bei Buchhandel und Publikum: Comics heißen jetzt „Graphic Novels“ und verändern ihr Image. Der Mut bei den Verlagen wächst dementsprechend, doch von drei besonders hoch gehandelten Neuerscheinungen kann nur eine restlos überzeugen.

Wenn es nur einen einzigen neuen Comic zu benennen gälte, der die Vorzüge dessen, was man heute „Graphic Novel“ nennt, beweisen müsste, dann hieße die Wahl: „Rembetiko“. Dieser Band, den der 1969 geborene David Prudhomme im vergangenen Jahr in seiner französischen Heimat herausgebracht hat, ist jetzt sehr schnell auch ins Deutsche übersetzt worden: von Reprodukt, einem kleinen Berliner Verlag, der sich mit am kompromisslosesten dem neuen Genre der Graphic Novels verschreibt. Andere deutsche Verlage hatten „Rembetiko“, der in Frankreich gefeiert wurde, abgelehnt. Aber ist dieses Genre überhaupt neu?  mehr

Graphic Novels in den Medien – Dezember 2010 (2)

Donnerstag, den 30. Dezember 2010

Kurz vor Jahresschluss noch einmal ein Blick auf die vielfältige Berichterstattung ĂĽber Graphic Novels in den Medien. Leider kann nicht auf alles verlinkt werden, wie zum Beispiel auf Andreas Platthaus eine ganze Seite fĂĽllenden Bericht ĂĽber die Bedeutung von Graphic Novels in der heutigen Ausgabe der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (update: Der Artikel “Siegeszug unter falscher Flagge” ist nun auch online abrufbar). Auf eine Reihe von Berichten und Rezensionen kann an dieser Stelle jedoch wie gewohnt verwiesen werden.

Die am heutigen Donnerstag in den Kinos startende Verfilmung von Posy Simmonds “Tamara Drewe” (Reprodukt) unter dem Titel “Immer Drama um Tamara” findet natĂĽrlich breite Beachtung in den Feuilletons, wobei die Vorlage zumindest hingewiesen wird. Auf “tagesspiegel.de” stellt Sven Jachmann das Buch noch einmal ausfĂĽhrlich vor und legt: “Die Begierden der Intellektuellen” dar.

Ralf Königs “Antityp” (Rowohlt) ist die Buchempfehlung im Dezember des “Radiofeuilletons” im “Deutschlandradio”. Knut Cordsen legt das Buch in “Fundgrube fĂĽr Kokolores” “jedem Frömmler ans Herz”. Christian Möller stellt im “Deutschlandradio Wissen” Peer Meters und Isabel Kreitz´ “Haarmann” (Carlsen) vor: “Serienmörder als Comic”. Derselbe Band wird von Thomas Hummitzsch auf “BerlinerLiteraturkritik.de” besprochen: “Der Tatort unter den Comics”. Und auf “satt.org” schreibt Andre Kagelmann ĂĽber eben jenen Band unter der Ăśberschrift “Ratten im Hirn …”.

Weitere biografische Comics fanden in den Medien Beachtung: Auf fm4.orf.at stellt Zita Bereuter “Logicomix” von Apostolos Doxiadis und Christos H. Papadimitriou (Atrium) vor: “Russell, Wittgenstein und Gödel als Superhelden”. “Ginsberg, Kerouac und Co. waren homophob, antisemitisch. Und prägten die Popkultur” schreibt Brigitte Preissler in “Dichter sind gefährlich” fĂĽr “Die Welt” ĂĽber die von Harvey Pekar und Paul Buhle herausgegebene Portraitsammlung “The Beats” (Weidle+Graf). Vor allem die “gewohnt exzellenten” Zeichnungen von Autor Reinard Kleist in seinem Buch “Castro” (Carlsen) haben es Markus Lippold angetan, wie er in seiner Besprechung auf n-tv.de schreibt: “Vaterland oder Tod – oder Diktatur”. Der Band ist Buchtipp auf “blickpunkt-lateinamerika.de”, wo Thomas Völkner “Fidel Castros Leben als Comic” vorstellt.

Auf “Aviva-Berlin.de”, dem “Online-Magazin fĂĽr Frauen” stellt Claire Horst den dritten Band von Joann Sfars “Klezmer” vor: “gewohnt farbenfroh und traumartig versponnen”. Gerade die “brillante Inszenierung” hat es Benjamin Vogt bei der LektĂĽre von Bastien Vivès´ “In meinen Augen” angetan, wie er auf “comicgate.de” schreibt.

Gleich zwei Bände von Bastien Vivès finden sich in den lesenswerten Jahres-Top 10 der besten Comic auf “titel-magazin.de”. Dort wurden vor Weihnachten noch eine Reihe weiterer Graphic Novels vorgestellt: Marc-Antoine Mathieus “Gott höchstselbst” (Reprodukt) findet nur bedingt das Wohlwollen des Rezensenten Falk Straub, der in “Der Schöpfer im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” jedoch relativierend feststellt: “Manch anderer Autor und Zeichner wĂĽrde sich wĂĽnschen, einen Ausrutscher auf solch hohem Niveau ĂĽberhaupt einmal zustande zu bringen.” Gleich zwei neue Bände von David B. stellt Alexander Frank in “Ornamentale Menschenknäuel und kopflose Piraten” vor: “Auf dunklen Wegen” und “Kapitän Scharlach” (letzterer zusammen mit Emmanuel Guibert, beide avant-verlag).

Weiterhin auf “titel-magazin.de” erkennt wieder Falk Straub eine “herausragende Meditation ĂĽber Lust und Gewalt” in der Piraten-Trilogie “Jeronimus” von Christophe Dabitch und Jean-Denis Pendanx (Schreiber & Leser): “Homo homini lupus”. Christian Neubert kann dagegen der Manga-Trilogie “Furious Love” von Kazuo Kamimura (Carlsen) nicht besonders viel abgewinnen: “Weiter wie gehabt…”.

“Eine zutiefst melancholische und gleichzeitig an Zynismus kaum zu ĂĽberbietende Geschichte” erkennt Felix Giesa auf “satt.org” in “Sun Village” von Inio Asano (Schreiber & Leser): “Leben und Tod sind bloĂź ein Geschäft”. Und an gleicher Stelle stellt Giesa drei aktuelle Abenteurcomics vor: “Der letzte Mohikaner” von Cromwell (nach James Fennimore Cooper, Splitter), “An Bord der Morgenstern” von Riff Reb´s (Carlsen) und “Mouse Guard – Winter 1152″ von David Petersson (Cross Cult).

Comics in den Medien – Dezember 2010 (1)

Mittwoch, den 1. Dezember 2010

Wie bereits berichtet, wurde Jeff Lemires “Essex County”, das auf Deutsch bei der Edition 52 erscheint, in die Shortlist des Buchwettbewerbs “Canada Reads” des kanadischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders CBC aufgenommen. Und auch auf der auf fĂĽnf Titel gekĂĽrzten Liste wird die Graphic Novel noch gefĂĽhrt und ist im Rennen um die Auszeichnung zu Kanadas bestem Roman der letzten zehn Jahre. Die Daumen sind gedrĂĽckt!

Auf NDR.de erkennt Korinna Hennig den Trend, in Comicform Wissen zu vermitteln und stellt Jens Harders “Alpha – directions” (Carlsen) und Apostolos Doxiadis’ und Christos H. Papadimitrious’ “Logicomix” (Atrium) vor. So schreibt sie in “Wissenschaftscomics”: “Wissen ist Abenteuer und Drama – und eine Graphic Novel wie diese ist die perfekte Vermittlungsform.”

Daniel WĂĽllner argumentiert auf titel-magazin.de, dass Jens Harders Band kein Comic sei – aber doch zu Recht auf dem Comic-Salon in Erlangen ausgezeichnet wurde: “Ceci n’est pas une bande dessinĂ©e”. Auf satt.org schreibt Felix Giesa zum selben Titel, dass es dem Autor gelingt, “die ganze Welt als Comic zu beschreiben.”: “Die Welt, ein Comic”. An gleicher Stelle attestiert Giesa Manuele Fiors Schnitzler-Adaption “Fräulein Else” (avant-verlag), dass das Buch ein toll zu lesender Comic sei, aber hinter den Möglichkeiten der Literaturadaption zurĂĽckbleibe: “Spiegelung des Innern”. Lobend weist Giesa auch auf “Aua! Aua! Heiss! Heiss!” hin, eine von Ludmilla Bartscht und Simon Schwartz (“drĂĽben!”, avant-verlag) herausgegebene Anthologie mit dem Schwerpunkt auf humoristischen Comics.

Dieser Tage erscheint “Oh, diese Mädchen!” von Emmanuel Lepage und Sophie Michel (Splitter). Susann S. Reck hat den Band vorab gelesen und empfiehlt ihn in ihrer Besprechung auf aviva-berlin.de trotz leichter Schwächen. Ăśber den mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Titel “Such Dir was aus, aber beeil Dich!” von Nadia Budde (Fischer) schreibt Lena Ullrich auf geolino.de: “Kindheit im Plattenbau”.

Auf tagesspiegel.de stellt Reinhard Kleist (“Castro”, Carlsen) den Band “Punkrock Heartland” (Männerschwarm) von Andi Lirium vor. In “Verliebte Jungs” fĂĽhrt er aus, was ihm besonders daran gefällt: “Dieser Mann hat einfach was zu erzählen, und das tut er ohne Wenn und Aber.” An gleicher Stelle attestiert Daniel WĂĽllner am Beispiel von Hanns Zischlers und Friederike Groß´ “Aus der Nachwelt”(Alpheus Verlag), dass der Deutsche Comic “langsam zur internationalen Konkurrenz aufschliesst”: “Die Magie der Möbiusschleife”. Das “zynische Dreieck von Lebenshunger, Kompromissbereitschaft und Heldentum” in “Unter dem Hakenkreuz” von Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot (Schreiber & Leser) beschreibt Waldemar Kesler in “Das Schweigen der Helden”.

“Morgen hab ich wieder Fleisch” – die gruselige Bedeutung dieser Aussage in Peer Meters und Isabel Kreitz’ “Haarmann” (Carlsen) legt Waldemar Kesler ebenfalls auf tagesspiegel.de dar. Katja Schmitz-Dräger fĂĽhlt sich an gleicher Stelle von Brecht Evens’ “Am falschen Ort” (Reprodukt) “merkwĂĽrdig berĂĽhrt”, wie sie in “Die Kunst des Fremdschämens” schreibt. Die Erzählung “Insel der Männer” von Sara Colaone & Luca de Santis (Schreiber & Leser) befasst sich mit “Verdrängter Erinnerung” – nämlich dem Umgang Italiens mit Homosexuellen in den 1930ern und 40ern – wie Oliver Ristau in seiner Besprechung darlegt.

Christian Möllers Bericht, der in der Sendung “Corso” im Deutschlandfunk lief, ist leider nicht im Textarchiv erhalten, dafĂĽr aber immer noch als mp3-Datei abzurufen. Der Autor stellt Arne Bellstorfs neues Buch “Baby’s in Black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe” (Reprodukt) vor. Gleich vier Comics werden von der mdr-Kindersendung “Figarino” empfohlen: claire Lenkovas “Grenzgebiete” (Gerstenberg), Jean Regnauds und Émile Bravos “Meine Mutter ist in Amerika” (Carlsen), Felix Mertikats und Benjamin Schreuders “Jakob” (Cross Cult), sowie “Anne Frank – Eine grafische Biografie” von Ernie Colon & Sid Jacobsson (Carlsen).

“SĂ©lection Officielle” – AngoulĂŞme 2011

Donnerstag, den 18. November 2010

Ende Januar 2011 findet das 38. Internationale Comicfestival in AngoulĂŞme statt, das wichtigste und größte Comicfestival Europas, auf dem – wie in jedem Jahr – die wichtigsten europäischen Comicpreise verliehen werden. Die ausgezeichneten Titel werden aus einer 50 Titel umfassenden Longlist ausgewählt, die am gestrigen Abend veröffentlicht wurde. Diese “SĂ©lection Officielle” ist seitens der Festivaljury sowohl als Vorauswahl fĂĽr die Preise als auch als Auflistung empfehlenswerter Titel des vergangenen Jahres gedacht. Und auch in diesem Jahr machen Graphic Novels neben den klassischen Albenformaten einen GroĂźteil der gelisteten Titel aus.

Besondere freut natĂĽrlich die Nominierung von Ulli Lusts “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” (avant-verlag), dessen französische Ăśbersetzung als “Trop n’est pas assez” (Editions çà et lĂ ) in der Liste gefĂĽhrt wird. Nach Ulli Oesterles “Hector Umbra” und Jens Harders “Alpha” (beide Carlsen) im vergangenen Jahr ist dies eine weitere Anerkennung deutschsprachiger Comics auch in Frankreich.

Unter den darĂĽber hinaus ausgewählten Titeln befindet sich eine ganze Reihe von Comics, die bereits in Deutschland veröffentlicht sind oder in naher Zukunft erscheinen werden. Von den Titeln der “SĂ©lection Officielle” sind bereits erhältlich: Brecht Evens’ “Am falschen Ort” (Reprodukt), Apostolos Doxiadis’ und Christos H. Papadimitrious’ “Logicomix” (Atrium), Osamu Tezukas und Naoki Urasawas “Pluto” (Carlsen), Robert Kirkmans “The Walking Dead” (Cross Cult) und Ed Brubakers und Sean Phillips’ “Incognito” (Panini). Die ebenfalls aufgefĂĽhrte Graphic Novel “Wilson” von Daniel Clowes erscheint in zwei Wochen bei Eichborn.

Weitere Titel der Auswahl sind hierzulande bereits in Vorbereitung, aber noch ohne konkrete Erscheinungstermine: “5.000 Kilometer pro Sekunde” von Manuele Fior (avant-verlag), “Gaza” von Joe Sacco, “Coney Island Baby” von Nine Antico (beide Edition Moderne), “Asterios Polyp” von David Mazzucchelli (Eichborn), sowie “X’ed out” von Charles Burns, “Pour l’empire” von Bastien Vives & Merwan Chabane, “Der Mann, der seinen Bart wachsen liess” von Olivier Schrauwen und “Markttag” von James Sturm (alle Reprodukt).

Comics zur Buchmesse in der Presse

Dienstag, den 5. Oktober 2010

In den Beilagen der groĂźen Tageszeitungen anlässlich der Frankfurter Buchmesse finden Graphic Novels immer mehr Raum. In der “SĂĽddeutschen Zeitung” werden so heute “Die Verwandlung” (nach Franz Kafka, Erik Corbeyran) und “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit – Combray” (nach Marcel Proust, StĂ©phane Heuet, beide erschienen bei Knesebeck) vorgestellt (im Internet noch nicht verfĂĽgbar).

In der “Berliner Zeitung” und der “Frankfurter Rundschau” befasst man sich mit gleich drei Neuerscheinungen. Christian SchlĂĽter wirft zunächst einen Blick in “Die Plastikmadonna” (Carlsen) von David Prudhomme (“Rembetiko”) und Pascal RabatĂ© (“Bäche und FlĂĽsse”, beide Reprodukt).

Ein Bilderstreit

„Die Plastikmadonna“ zeigt, wie wir Objekte mit religiöser Symbolik aufladen – um dann erbittert um unsere Ikonen zu kämpfen

Szenen einer Ehe: Émelie kehrt vollkommen beseelt von einer Reise zurück, es war eine Wallfahrt nach Lourdes, und muss sich bei ihrer Ankunft doch gleich ärgern, weil ihr Mann sie nicht vom Bus abgeholt hat. Die streng gläubige Katholikin weiß auf ihre Weise Zeichen zu setzen. Sie hat eine Marienfigur mitgebracht und platziert sie kurzentschlossen auf dem Fernseher. Das wiederum bringt ihren Mann in Wallungen, denn Éduard ist streng gläubiger Kommunist. Der Streit weitet sich aus, sogar von Scheidung ist die Rede. Doch Émelie zeigt sich unbeeindruckt, und so greift der Mann zum letzten Mittel – er hängt ein Porträt von Lenin über dem Fernseher auf. mehr

Ebenfalls Christian SchlĂĽter stellt bei Peer Meters und Isabel Kreitz´ “Haarmann” (Carlsen) die “unerbittliche Genauigkeit” in der Umsetzung heraus:

Bleistift-Projekt

Wie fein, wie genau lässt sich mit dem Bleistift noch arbeiten? In einem Comic zumal? Die Hamburger Zeichnerin Isabel Kreitz schafft Bilder zu der Geschichte des Serienmörders Fritz Haarmann, die uns unerbittlich kein Detail ersparen.

Wie fein, wie genau lässt sich mit dem Bleistift noch arbeiten? In einem Comic zumal? Die Hamburger Zeichnerin Isabel Kreitz befindet sich seit geraumer Zeit auf dem Weg der Verfeinerung. Nicht, dass ihr das Flächige und Farbenfrohe nicht auch liegen würde. Das zeigen allein schon ihre jüngsten Arbeiten im Zeichen des von ihr hoch geschätzten Illustrators Walter Trier: die Erich-Kästner-Adaptionen „Der 35. Mai“ (2006) sowie „Pünktchen und Anton“ (2009). Doch nicht erst seit „Die Sache mit Sorge“ (2008) verfolgt Kreitz eine Art Bleistift-Projekt, das vor allem durch seine detailversessene Akkuratesse besticht. mehr

Und Jens Baltzer stellt die Parallelen zwischen der Comicgeschichte und der modernen mathematischen Logik heraus, die sich in “Logicomix” (Atrium) von Apostolos Doxiadis, Alecos Papadatos und Annie di Donna verbinden.

Logiker am Rande des Wahns

Wissenschaftsgeschichte in Bildern: Die „Logicomix“ zeichnen die Suche des Philosophen Bertrand Russell nach der reinen Vernunft nach

Der Comic ist genauso alt wie die moderne mathematische Logik; beide sind um das Jahr 1900 entstanden. Während damals Philosophen wie Bertrand Russell und Alfred North Whitehead in Großbritannien um eine Neubegründung der Mathematik aus dem Geist der exakten Philosophie rangen, entstand in den Boulevardzeitungen der USA der Comic als moderne Form des Erzählens mit Bildern. Beide Entwicklungen scheinen nur wenig miteinander zu tun zu haben. Und doch kreisen sie um ein und dasselbe Phänomen: die Unentscheidbarkeit. mehr

Auf einer Comic-Sonderseite berichtete der Berliner “Tagesspiegel” bereits in der letzten Woche ĂĽber Comics. Katja Schmitz-Dräger schreibt dort ebenfalls ĂĽber “Logicomix”:

Das Drama mit der Logik

„Logicomix“ erzählt von der Suche nach der reinen und absoluten Wahrheit – virtuos, vielschichtig und unterhaltsam.

Ein paar Griechen machen sich auf, eine Geschichte über Logik in Form eines Comicromans zu erzählen – ein gewagtes Unterfangen. Dass die Autoren ausgerechnet einen Briten zum Protagonisten erkoren haben, anstatt unter den zahlreichen ehrwürdigen Denkern vor der eigenen Tür zu suchen, ist die zweite ihrer erstaunlichen Entscheidungen. Noch erstaunlicher: Beide gehen auf. mehr

In einem Online-Interview mit Lars von Törne kam zudem Mitautor Apostolos Doxiadis zu Wort: “Ich hasste Mathematik”. Weitere Artikel befassten sich ebenfalls mit dem ersten Teil von StĂ©phane Heuets “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” sowie Jeff Lemires “Geschichten vom Land” (Edition 52). Die Beiträge werden in den nächsten Tagen online im Comic-Bereich des Tagesspiegels veröffentlicht.

Comics in den Medien – September 2010 (1)

Dienstag, den 7. September 2010

Noch bis zum 2. Oktober zeigt die StadtbĂĽcherei Albstadt-Ebingen die Wanderausstellung “Get Your Graphic Novels”, die von der Fachstelle fĂĽr das öffentliche Bibliothekswesen beim Regierungspräsidium organisiert wurde. DarĂĽber berichtet auch die lokale Presse: Helen Weible subsummiert Graphic Novels in der “SĂĽdwest Presse” als “Comics mit viel Tiefgang” und stellt heraus, dass der “Grafische Roman weit ĂĽber die Grenzen des kindlich-lustigen Comicstils” hinausgeht. Der “Schwarzwälder Bote” verhebt sich dabei in der Kurzbeschreibung und klassifiziert Graphic Novels als “Ein Zeichenstil – dem Comic nicht unähnlich”.

Auch das “Hamburger Abendblatt” charakterisiert Graphic Novels kurz in seiner AnkĂĽndigung fĂĽr den “Internationalen Graphic Novel Salon”, der am 9. September in der Hansestadt beginnt als “Bildreiche Erzählungen”: “Graphic Novels verbinden Gezeichnetes und Literatur”.

Dieser Tage erschienen ist “Logicomix” von Apostolos Doxiadis und Christos H. Papadimitriou (Atrium), worĂĽber Frank Meyer im Deutschlandradio berichtete. Er zeigt sich “beeindruckt” vom “Spannenden Zahlen-Comic auf mehreren Ebenen”. Christian Gasser besprach – gleichfalls im Deutschlandradio – “Gott höchstselbst” (Reprodukt) des französischen Autors Marc-Antoine Mathieu, den er im Interview ausfĂĽhrlich zu Wort kommen lässt. Der Beitrag lässt sich hier als mp3 nachhören.

Auch im Radio, auf On3, dem Jugendradio des Bayerischen Rundfunks, wurde die von Harvey Pekar und Paul Buhle herausgegebene Anthologie “The Beats” (Walde+Graf) vorgestellt. Markus Köbnik stellt heraus, wie das Buch seine Themen umsetzt: “Ăśber Exzess, freie Liebe und das Schreiben”. Eine Bildergalerie ergänzt die Besprechung.

Weiterhin finden Comic-Umsetzungen von Literaturvorlagen ihre Beachtung: In “Etwas, das ZĂĽndstoff birgt…” bespricht Christian Neubert fĂĽr titel-magazin.de Tim Hamiltons Comic-Adaption von Ray Bradburys “Fahrenheit 451″ (Eichborn). An gleicher Stelle schreibt Christopher Franz ĂĽber Joann Sfars Adaption von Antoine de Saint-ExupĂ©rys “Der kleine Prinz” (Carlsen) und beantwortet seine Eingangsfrage: “Mal was Neues?” mit der Feststellung, dass es die neue Version im Verlgeich mit dem Original einfach zu schwer hat.

In der “tageszeitung” lobt Oliver Ristau “Jakob” von Felix Mertikat und Benjamin Schreuder als lesenswertes DebĂĽt: “Allein auf dem Jakobsweg”.

Von der “Meisterschaft” seines Autors schreibt Christopher Pramstaller in seiner Vorstellung von Thomas Otts “R.I.P.” (Edition Moderne) auf satt.org: “Welcome to the Horror Show”. In “Der alte Mann und der Krieg” schreibt Pramstaller an gleicher Stelle ĂĽber ein weiteres Buch, das in der ZĂĽrcher Edition Moderne erschienen ist: “Alans Krieg” von Emmanuel Guibert. Sven Jachmann hat das Buch fĂĽr die aktuelle Ausgabe von “konkret” ebenfalls besprochen und die Rezension auf seiner Website veröffentlicht:

Wieder auf satt.org lobt Felix Giesa Klaus Schikowskis EinfĂĽhrung in die Welt der Comics,“Die groĂźen KĂĽnstler des Comics” (edel), als “eine wahre Bildfundgrube des Comics, bereichert um eine gelungene Geschichte seiner KĂĽnstler”.

“Logicomix” bei Atrium

Freitag, den 16. Juli 2010

FĂĽr den 30. August hat der in ZĂĽrich ansässige Atrium Verlag, der in den vergangenen Monaten mit Titeln wie dem Filmcomic zu Ari Folmans “Waltz with Bashir” oder Mimi Welldirtys Bilderzählung “Immy and the City” zu ĂĽberraschen wusste, die deutschsprachige Veröffentlichung der Graphic Novel “Logicomix” angekĂĽndigt. Das Buch der griechischen Autoren und Mathematiker Apostolos Doxiadis und Christos H. Papadimitrou sowie der Zeichner Alecos Papadatos und Annie Di Donna wurde im Ausland – insbesondere in Griechenland – von Lesern und Kritikern mit groĂźem Interesse aufgenommen.

Wie sich im Titel bereits andeutet, beschäftigt sich “Logicomix” mit Fragen der Logik und der Mathematik sowie der Suche des Menschen nach Wahrheit. Der Protagonist der 352 Seiten starken Graphic Novel ist der britische Mathematiker, Logiker und Philosoph Bertrand Russell, der im frĂĽhen 20. Jahrhundert die Vision verfolgte, ein logisches Fundament fĂĽr die gesamte Mathematik zu errichten. Ăśber die Beschäftigung mit den Grundlagen des menschlichen Denkens hinaus, widmet sich “Logicomix” daher zudem der bewegten Biografie des gesellschaftlich engagierten Nobelpreisträgers Russell.

Nähere Informationen zu Autoren und Werk finden sich auf der  Website zum Buch. Zum Erscheinen der deutschsprachigen Ausgabe hat Atrium für den September 2010 eine Lesereise von Apostolos Doxiades angekündigt.