Graphic Novels
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Archiv des Tags ‘Neue Zürcher Zeitung’

“Die Szenenfolge der Politik”

Montag, den 28. Januar 2013

Am Freitag erschien in der Neuen Zürcher Zeitung ein ausführlicher Artikel zu “Quai d’Orsay – Hinter den Kulissen der Macht” von Abel Lanzac und Christophe Blain (Reprodukt).

“Satirisch zugespitzt, gewiss, komisch und böse – aber auch fundiert” werde der humoristische Blick auf den Politbetrieb gerichtet, wie Christian Gasser schreibt. Er hebt hervor, dass die Qualität des Bandes nicht nur in der Karikierung liegt ein, denn der Band sei darüber hinaus ein “brillant erzählter, zweihundert Seiten starker Comic.”

Zum gesamten Artikel gelangt man hier: “Die Szenenfolge der Politik”.

Graphic Novels in den Medien – 3. Januar 2013

Donnerstag, den 3. Januar 2013

Am gestrigen Mittwoch erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Beitrag von Christoph Haas über den 2012 verstorbenen Comic-Autors Moebius: “Space Cowboy”. Anlass dazu ist die Veröffentlichung von “Arzak – Der Raumvermesser” (Ehapa Comic Collection), zu dem er bemerkt: “Der Raumvermesser ist das würdige Vermächtnis eines Giganten der Neunten Kunst.” Auch die weiteren bei Cross Cult und Splitter erschienenen Bände lässt Haas nicht unerwähnt.

Wie Reiner Metzger in der tageszeitung schreibt, ist einem Reportage-Comic wie “Kriegszeiten” von David Schraven und Vincent Burmester (Carlsen) eine große Leserschaft zu gönnen, damit auch in Zukunft solche Projekte entstehen können: “Die Bilder, die fehlen”.

Christian Gasser stellt in seiner Besprechung von Anders Nilsens “Große Fragen” (Atrium) in der Neuen Zürcher Zeitung (“Grosse Fragen, kleine Antworten”) fest, dass man dem Buch seine lange Entstehungszeit durchaus anmerkt. “Wer sich dennoch auf Anders Nilsens mehrfach gebrochene und gespiegelte und ins Surreale oder gar Phantastische abdriftende Reflexion philosophischer Grundfragen einlässt, wird reich belohnt. Nicht mit Antworten, aber mit umso mehr Anregungen und vor allem einem ungewöhnlichen Blick auf uns selber.”

In ihrer Buchvorstellung “Bilderrausch” der Schnitzler-Adaption “Die Traumnovelle” von Jakob Hinrichs (Edition Büchergilde) bemerkt Zita Bereuter auf fm4.orf.at, dass man den Comic ohne die Vorlage zu kennen, nicht ganz verstehen würde. Praktischerweise findet sich der Originaltext ebenfalls im Buch.

Ausführlich stellt Erik Wenk auf tagesspiegel.de die zwei bei Reprodukt erschienenden Bände “Berichte aus der Ukraine (Erinnerungen an die Zeit der UDSSR)” und “Berichte aus Russland (Der vergessene Krieg im Kaukasus)” von Igort vor. Sein Resumée: “grafisch beeindruckende und inhaltlich bestürzend”, wie er in “Ein postsowjetischer Archäologe” schreibt.

An gleicher Stelle stellt Christian Endres “Atar Gull oder das Schicksal eines vorbildlichen Sklaven” von Fabien Nury und Brüno (avant-verlag) vor, dem er attestiert, “mit prägnanten Dialogen, hübschen Zeichnungen, abwechslungsreichen Seitenaufteilungen und immens stimmungsvollen Farben” zu zeigen, dass der größte Feind des Menschen immer noch der Mensch selbst ist: “Der Preis der Rache”.

Bereits am 19. Dezember starb der japanische Comic-Autor Keiji Nakazawa, dessen “Barfuß durch Hiroshima” auf deutsch bei Carlsen erschienen ist. Nachrufe finden sich unter anderem von Stefan Pannor auf Spiegel Online (“Zeichnen, um zu überleben”) und von Lars von Törne auf tagesspiegel.de (“Keiji Nakazawa 1939-2012″).

Comics in den Medien – 6. August 2012

Montag, den 6. August 2012

Polfahrten sind das gemeinsame Thema der aktuellen Bücher von Emmanuel LePage und Simon Schwartz: “Reise zum Kerguelen-Archipel” (Splitter) und “Packeis” (avant-verlag) stellte Andrea Kedves in einer Doppelbesprechung für den in Zürich erscheinenden Tages-Anzeiger und die Basler Zeitung vor: “Exkursionen ins ewige Eis” (auch hier).

Kürzlich erschien in der Neuen Zürcher Zeitung ein Artikel Georg Kleins, in dem er sich äußerst kritisch mit Graphic Novels auseinandersetzte. Dem setzt der Schweizer Autor Hannes Binder (“Antonio Ligabue”, mit Giuseppe Zironi, Jacoby & Stuart) nun “Eine kleine Poetik der Graphic Novel” entgegen, die am Wochenende ebenfalls die NZZ abdruckte. Binders Gedanken lassen sich so zusammenfassen: “Die Graphic Novel, wie ich sie sehe, bedeutet Koexistenz von Wort und Bild zur Potenzierung des Stoffes, ohne das eine oder das andere zu beschneiden”.

Thomas Greven stellt auf tagesspiegel.de vier aktuelle Comics vor, die sich mit zeitgeschichtlichen Themen auseinandersetzen. “Aufregend wie die Wirklichkteit”. Sein Urteil über die Darstellung politischer Inhalte in “AÏR” von David Boller (Zampano) fällt durchaus kritisch aus. Besser machten es da Golo und Dibou in “Chronik einer verschwundenen Stadt” (avant-verlag). Positives weiss er auch über “Die besten Feinde, Erster Teil: 1783/1953″ von Jean-Pierre Filiou und David B. zu sagen. Mit “Olympe de Gouges” von Catel/Bocquet (castermann) stellt er einen noch nicht einen in Deutschland angekündigten Titel vor.

Weiterhin wird “Meine Beschneidung” von Riad Sattouf (Reprodukt) als Beitrag zur Beschneidungsdebatte in den Medien aufgegriffen. Nun schreibt Daniel Benedict in der Neuen Osnabrücker Zeitung: “Riad Sattouf erzählt lustig von der eigenen Beschneidung in Syrien”. Dabei fasst er zusammen: “Sein Buch sagt mehr als hundert Leitartikel.”

In der aktuellen Ausgabe des stern findet sich eine sechs-Seitige Strecke aus “Meine Beschneidung” sowie ein Interview mit dem Autor Riad Sattouf.

Die aktuelle Ausgabe des Fachmagazins “Unterricht Englisch” (Friedrich Verlag) steht ganz im Zeichen der Graphic Novels. Das Erscheinen des Heftes nimmt man bei comic-report.com zum Anlass, Redakteurin Solveig Möhle einige Fragen zum Heft zu stellen: “Englisch Lernen mit Graphic Novels”.

“Aufklärung mit dem Zeichenstift”

Mittwoch, den 23. Mai 2012

In der heutigen Ausgabe der “Neuen Zürcher Zeitung” stellt Anette Selg den ägyptischen Comic-Autoren Magdy El Shafee vor. Sie traf sich mit ihm in einem Kairoer Cafe und lässt ihn zu seinem eigenen Werdegang und der lokalen Comic-Szene ausführlich zu Wort kommen.

Der Beitrag “Aufklärung mit dem Zeichenstift” lässt sich online hier abrufen.

El Shafees Graphic Novel “Metro – Kairo Underground” erscheint in Kürze bei der Edition Moderne. El Shafee wird zum Comic-Salon Erlangen erwartet, wo es eine große Ausstellung über Comics aus dem nahen Osten geben wird, und zuvor noch in Berlin beim Kulturfestival “Wider die Müdigkeit” zu Gast sein.

“Die Lust am Sündenfall”

Freitag, den 11. Mai 2012

In der heutigen Ausgabe der “Neuen Zürcher Zeitung” bespricht Christian Gasser das deutschsprachige Debut des finnischen Autoren Ville Ranta, “Paradies” (Reprodukt). Dabei lässt Gasser auch ausführlich Ranta selbst zu Wort kommen, der seine Motivation, den biblischen Sündenfall in einem Comic zu verarbeiten, erläutert: “Die Lust am Sündenfall”.

Es ist schwer, dem Herrn alles recht zu machen. Kaum haben Adam und Eva ihr Schicksal als göttlichen Plan akzeptiert, empört dieser sich über ihr Verhalten. Dabei hatten sie sich, umgeben von Engelstrompeten und Cherubim, doch nur dem Reiz der körperlichen Liebe hingegeben. Kurzerhand zerstört Gott den Garten Eden und jagt die vermeintlich missratenen Geschöpfe zum Teufel.

Wieso hat der liebe Gott uns mit Neugier geschlagen, wenn er nicht will, dass wir vom Baum der Erkenntnis essen? Auf diese grundsätzliche Frage weiß auch Ville Ranta keine Antwort – aber sein “Paradies” ist dennoch tröstlich in seiner Heiterkeit und Farbenpracht.

“Geschichte auf Gleisen”

Montag, den 23. April 2012

In der Samstagsausgabe der “Neuen Zürcher Zeitung” stellte Judith Leister in einer Doppelbesprechung zwei Titel des tschechischen Autors Jaroslav Rudiš vor: Den Roman “Die Stille in Prag” (Luchterhand) sowie die in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls tschechischen Zeichner entstandene Graphic Novel “Alois Nebel” (Voland & Quist).

In “Geschichte auf Gleisen” wird der Comic um den Titelgebenden Hauptcharakter als düster und melancholisch beschrieben, gleichwohl differenziert in der Aussage.

Ende der achtziger Jahre. Alois Nebel arbeitet als Fahrdienstleiter an einem kleinen Bahnhof in Bílý Potok, einem abgelegenen Ort an der tschechoslowakischpolnischen Grenze, dem früheren Sudetenland. Er ist ein Einzelgänger, der das Sammeln alter Fahrpläne der Gesellschaft von Menschen vorzieht. Doch manchmal legt sich der Nebel über die Bahnstation, und dann sieht er Züge mit Geistern und Schatten aus der dunklen Vergangenheit Mitteleuropas.

“Die Lust, Tänzerinnen zu zeichnen”

Freitag, den 17. Februar 2012

In der heutigen Ausgabe der “Neuen Zürcher Zeitung” schreibt Christian Gasser über “Polina” von Bastien Vivès (Reprodukt). Zitate des Autors ergänzen den Artikel, und auch Bastien Vivès’ Comics “Der Geschmack von Chlor” und “In meinen Augen” werden kurz vorgestellt.

Die Lust, Tänzerinnen zu zeichnen

Der 27-jährige Bastien Vivès ist der Star einer neuen französischen Comic-Generation. Produktiv, vielseitig und einfallsreich, hat er in wenigen Jahren mit einer Handvoll vielbeachteter Bücher für Aufsehen gesorgt. In «Polina» beschreibt er den Werdegang einer Tänzerin – und reflektiert sein eigenes Schaffen.

«Wenn sie mit sechs Jahren nicht beweglich sind, werden sie es mit sechzehn noch weniger sein. Beweglichkeit und Anmut kann man nicht lernen. Das ist eine Gabe.» Das sagt Bojinski – ein ebenso berühmter wie gefürchteter Tanzlehrer, der sein Gesicht unter einem schwarzen Vollbart und seine Augen hinter dicken Brillengläsern versteckt – vor einer Gruppe sechsjähriger Mädchen. mehr

“Verbrennt die Comics!”

Dienstag, den 14. Februar 2012

Einen interessanten zeitgenössischen Beitrag veröffentlichte heute die “Neue Zürcher Zeitung” auf ihrer Website. In einem 1949 erschienenen, ausführlichen Artikel erläutert Autor M. Wulf ein Phänomen, dass in der Nachkriegszeit im deutschsprachigen Raum, aufkam: Die Popularisierung der Comics. Der Grundton des Artikels ist kritisch – typisch für die damalige Zeit, in der Comics hauptsächlich als Bedrohung der Lesekultur aufgefasst wurden.

Doch es finden sich im Artikel auch interessante Differenzierungen, zum Beispiel wenn den Comics attestiert wird, nicht per se komisch sein zu wollen oder die Forderung, das Niveau der Comic-Geschichten zu heben. Letzteres ist bemerkenswert, da in Zeitungen und pädagogischen Aufsätzen nicht selten gleich das Verbot von Comics per se gefordert wurde.

Der Artikel zeigt, daß es bis zur Etablierung von Comics als eigener Kunstform, der Wahrnehmung als solches in den Medien und der Erschliessung eines anspruchsvollen Lesepublikums von dort noch ein langer Weg war.

Verbrennt die Comics!

«Comic-Books» werden verboten und aus dem Sortiment genommen, Schüler verbrennen sie freiwillig. Comic-Gegner in den USA nehmen den Kampf gegen die Schundliteratur auf – ein Kampf gegen Windmühlen. mehr

Ein Scan der Seite vom 6. Februar findet sich hier als PDF (6,1 MB).

Abbildung © NZZ

Das Comicfestival Angoulême in der Presse

Dienstag, den 31. Januar 2012

In erfreulicher Breite berichten deutschsprachige über das am Sonntag beendete Comicfestival in Angoulême. Neben Beiträgen in der “Süddeutschen Zeitung” und der “Berliner Zeitung”, die noch nicht online zu finden sind, berichtete unter Anderem Christian Gasser in der “Neuen Zürcher Zeitung”:

Die Krise und die Lust

Über 5300 Comic-Neuheiten, 310 Verlage, aber stagnierende Umsätze. Trotzdem feierten über 200 000 Besucherund Fachleute und zahlreiche prominente Politiker am 39. Internationalen Comic-Festival Angoulême die Bande dessinée und ihre Autoren.

Die Stadtverwaltung von Angoulême zog die Konsequenzen aus den Engpässen der letzten Jahre: Sie sperrte den Stadtkern der malerischen Kleinstadt kurzerhand für den Autoverkehr, um den über 200 000 Besucherinnen und Besuchern des Comic-Festivals ungehinderten Zugang zu den Ausstellungen, Verlagszelten, Podiumsgesprächen und Begegnungen zu ermöglichen. mehr

Auch die Berliner “Tageszeitung” hatte eine eigene Journalistin vor Ort. Stephanie Lob siedelt die Besucherzahlen etwas weiter unten an:

Gegen den Strich zeichnen

Bastien Vivès und Art Spiegelman sind Gegenpole des Comicfestival in Angoulême – einerseits die “neunte Kunst”, auf der anderen Seite die Relevanz über Ästhetik.

Angoulême ist ein kleines gallisches Dorf, und einmal im Jahr fällt den Bewohnern der Himmel auf den Kopf. So auch bis zum Sonntag: Vier Tage lang überschwemmten mehr als 100.000 Besucher die Kleinstadt nördlich von Bordeaux, um die “bande dessinée” zu feiern, kurz “BD”. mehr

Der Berliner Tagesspiegel” ergänzt seinen Festivalbericht um einen Artikel zu den Trägern der Festivalpreise, allen voran Guy Delisle und seine “Aufzeichnungen aus Jerusalem” (erscheinen im März bei Reprodukt). Lars von Törne schreibt:

Comics ohne Grenzen

Der Autor Guy Delisle wurde in Angoulême mit Europas wichtigstem Comicpreis geehrt. Im März erscheint sein neues Buch auch auf Deutsch, im Tagesspiegel gibt es eine Veranstaltung mit ihm.

Die Orte, an die es Guy Delisle in den vergangenen Jahren aus beruflichen oder familiären Gründen verschlagen hat, kennen die meisten Menschen nur aus den Nachrichten: Birma, Pjöngjang, Shenzhen. mehr

“Liebe, Enttäuschungen, Ehebruch”

Freitag, den 11. November 2011

In der “Neuen Zürcher Zeitung” stellt Christian Gasser “Gemma Bovery” von Posy Simmonds (Reprodukt) vor. Mit der englischen Autorin hat er sich für seinen ausführlichen Artikel zu einem Gespräch getroffen.

Liebe, Enttäuschungen, Ehebruch

Eine Protagonistin namens Gemma Bovery, die mit einem Charlie verheiratet ist, zwei Liebhaber, hohe Schulden, ein tragisches Ende – die englische Comic-Autorin Posy Simmonds macht aus den Ingredienzen von Flauberts «Madame Bovary» eine aktuelle Graphic Novel, die nun auch auf Deutsch erschienen ist.

Nicht nur der Titel dieses Comic-Romans, «Gemma Bovery», auch sein Plot verweist unzweifelhaft auf Flauberts «Madame Bovary» bzw. auf die Protagonistin Emma Bovary. Posy Simmonds’ Geschichte spielt sich allerdings in der Gegenwart ab: … mehr

“Bildergeschichten zum Pop-Kanon”

Freitag, den 22. Juli 2011

Für die “Neue Zürcher Zeitung” schreibt Frank Schäfer am Freitag, dem 22. Juli über Comics und Musik. Im Fokus seiner Artikels stehen “Baby’s in Black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe” von Arne Bellstorf (Reprodukt), “Bob Dylan – Revisited” (diverse Zeichner, Carlsen), “Rembetiko” von David Prudhomme (Reprodukt) sowie “O’Boys” von Philippe Thirault & Steve Cuzor (Ehapa).

Bildergeschichten zum Pop-Kanon
Musik-Comics thematisieren die Geschichte verschiedener Pop-Traditionen

Comics über Geschichte und Geschichten unterschiedlicher Pop-Traditionen bilden auf dem Markt der Graphic Novel ein eigenständiges Genre. Jüngst erschienene Comics-Bände thematisieren Stile wie den griechischen Rembetiko und den Blues, aber auch Pop- und Rock-Legenden wie die Beatles oder Bob Dylan.

Pop ist sich selbst historisch geworden. Seit Jahren schon stürzt er sich in seine Ruhmeshallen und seine Asservatenkammern, weil Patina immer schon Relevanz verheisst, die in Zeiten zunehmender Unübersichtlichkeit immer schwerer herzustellen ist. Der Musik-Comic, der sich auf dem boomenden Graphic-Novel-Markt zu einem gar nicht mehr so kleinen und kommerziell mitunter erfolgreichen Untersegment gemausert hat, übernimmt diese regressiven Tendenzen und arbeitet sich ebenfalls am Kanon ab. In den letzten Monaten sind wieder ein paar einschlägige Bände erschienen. mehr

“Merchandising im Namen des Herrn”

Freitag, den 29. Oktober 2010

Christian Gasser schreibt für die “Neue Zürcher Zeitung” vom 29. Oktober über “Gott höchstselbst” von Marc-Antoine Mathieu (Reprodukt).

Merchandising im Namen des Herrn

In «Gott höchstselbst» stellt sich Marc-Antoine Mathieu keine geringe Frage: Was würde geschehen, würde Gott sich heute in unsere Mitte wagen? Er beantwortet diese Frage in einem ebenso klugen wie boshaften Comic.

Volkszählung: Geduldig steht ein alter Mann mit weissem Bart in einer Warteschlange. Als er an die Reihe kommt, hat er keine Papiere. Der Beamte fragt ihn nach seinem Namen. Gott, antwortet der Greis. Gott mit Vornamen und Gott mit Nachnamen, einfach: Gott. Der alte Mann wird umgehend in eine Irrenanstalt geschickt. «Gott kommt zu uns Menschen, und das läuft ganz anders ab, als man es erwarten könnte», sagt der französische Comic-Autor Marc-Antoine Mathieu über seinen neuen Comic «Gott höchstselbst». In dieser absurden Farce seien Missverständnisse programmiert: «Es ist fraglich, ob Gott noch an die Menschen glaubt, und ebenso fraglich ist, ob die Menschheit noch an Gott glaubt.» mehr

«Das Alte Testament ist nicht witzig»

Montag, den 15. März 2010

Cover_GenesisFür die “Neue Zürcher Zeitung” vom 15. März 2010 hat Christian Gasser mit Robert Crumb ein Interview zu dessen Adaption der “Genesis” (Carlsen Verlag) geführt.

«Das Alte Testament ist nicht witzig»

Der Comic-Autor Robert Crumb im Gespräch über seine Comics und seine Illustrationen zur Genesis

Mit «Genesis» legt der 66-jährige amerikanische Underground-Comic-Autor Robert Crumb eine Comic-Adaption des ersten Buches Mose vor – und landete damit keinen Skandal, sondern einen Bestseller. Im Gespräch mit Christian Gasser erläutert er sein Vorgehen und sein Verhältnis zu Bibel und Religion. mehr

Neue Rezensionen – Januar 2010 (1)

Dienstag, den 12. Januar 2010

Wie in den vorherigen Beiträgen zu sehen gab es in den vergangenen Wochen trotz Jahreswechsels keinen Mangel an Berichterstattung über Graphic Novels in der Presse. An dieser Stelle ein weiterer Überblick über Presseerwähnungen der letzten Zeit.

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Auf taz.de berichtet Matthias Völker über ein “Bilderbuch für Fussballfreunde” – Sascha Dreiers ersten Teil der Fussballerbiografie “Der Papierene” (Überreuter) über die österreichische Fussballikone Matthias Sindelar.

Auf einslive.de lobt Christian Möller Craig Thompsons wiederveröffentlichten autobiografischen Roman “Blankets” (Carlsen) als “schlichtweg großartige Literatur”. Auf der Website einer anderen Radiostation, nämlich der von “Das Ding”, wird eben jenes Buch ebenfalls als “kleines Kunstwerk” gelobt.

Auf tagesspiegel.de wirft Claudia Keller in “Gott der Sünder” einen Blick auf die aktuellen Bücher von Ralf König (“Archetyp”, Rowohlt) und Robert Crumb (“Genesis”, Carlsen). An gleicher Stelle stellt Lars von Törne unter der Überschrift “Die Prinzenrolle” Neuausgaben und Neuinterpretationen von Antoine de Saint-Exupérys Klassiker “Der kleine Prinz” vor, darunter natürlich auch die Comic-Umsetzung von Joann Sfar (erschienen bei Carlsen Comics). “Platz für Erinnerungen” lässt Sfars “Der kleine Prinz”-Version auch der Badischen Zeitung, die das Buch “atemberaubend gut” findet.  Wieder auf tagesspiegel.de stellt Stefan Pannor eine “Hetzjagd um die halbe Welt” vor: Osamu Tezukas jetzt ebenfalls bei Carlsen Comics veröffentlichten Mehrteiler “Kirihito”, ein “Meisterwerk der Comic-Geschichte”.

Jener Stefan Pannor verfasste für die Website der “Deutschen Welle” mit “Klassikerverdichtung” auch eine Besprechung der Kurzcomicsammlung “100 Klassiker der Weltliteratur” (Ehapa), die vom Berliner Moga-Mobo-Team herausgegeben wurde.

“Kirihito” wiederum wurde vom Schweizer Comicjournalisten Christian Gasser für die “Neue Zürcher Zeitung” besprochen, der in seinem Artikel “Auf den Hund gekommen” den “verstörenden Horrorthriller” zwar empfiehlt, aber nicht das ganz große Lob wie Stefan Pannor aussprechen mag.  Das macht er hingegen bei seiner Auflistung der besten Comics 2009 aus dem deutschsprachigen Raum, die er für die Website des umtriebigen englischen Comicjournalisten Paul Gravett verfasst hat: Dort empfiehlt er unter anderem Ulli Lusts “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” (avant-verlag), die Comic-Umsetzung von Erich Kästners “Pünktchen und Anton” (Cecilie Dressler) von Isabel Kreitz und Uli Oesterles “Hector Umbra” (Carlsen).

Auf einer weiteren Liste taucht Marjane Satrapis “Persepolis” (Edition Moderne) auf: Für “Die Welt” stellte Matthias Wulff “Unsere liebsten Romane des Jahrzehnts” zusammen. Da durften die beiden autobiografischen Bände nicht fehlen.

“Widerstand mit Zeichenfedern”

Donnerstag, den 17. Dezember 2009

In der heutigen Ausgabe der “Neuen Zürcher Zeitung” wirft Mona Sarkis anlässlich des Verbots der Graphic Novel “Metro” von Magdy al-Shafee einen Blick auf die Comicszenen im nahen Osten. Zu Wort kommen dabei unter anderem Isabel Kreitz (“Die Sache mit Sorge”, Carlsen), die kürzlich einen Workshop in Kairo leitete, Edition Moderne-Verleger David Basler und der bisher in Deutschland unveröffentlichte Zeichner Mazen Kerbaj (“Beyrouth, Juillet-Aout 2006″, L’Association).

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Widerstand mit Zeichenfedern

Ägyptens erste Graphic Novel, «Metro», ist seit kurzem verboten. Auch in den Nachbarländern blockiert die Staatskontrolle das Medium, welches für die zahlreichen jungen Leser in der arabischen Welt eigentlich prädestiniert wäre.

Nun ist es offiziell: «Metro» ist verboten. Der Autor des Comic-Romans, der 47-jährige Magdy al-Shafee, ist empört, und das Arab Network for Human Rights Information spricht von einem Rückschlag für die Meinungsfreiheit in Ägypten. Sonderlich überrascht dürfte aber keiner sein. Der jetzige Gerichtsspruch ist nur der Schlussstrich unter die Ereignisse vom April 2008. Damals hatte die Kairoer Polizei das Büro von Muhammad al-Sharakawi, dem Verleger von «Metro», gestürmt. Al-Sharakawi sass damals wegen eines Aufrufs zum Generalstreik gegen Hungerlöhne bereits im Gefängnis; Ziel der Razzia war also nicht er, sondern der Lagerraum, in dem die Restexemplare von «Metro» standen. Des Landes erste Graphic Novel hatte, wie des Landes Gummiparagrafen lupenrein belegten, gegen die «guten Sitten» verstossen. mehr

Abbildung © PD / Mazen Kerbaj

“Sammler und Neider”

Freitag, den 30. Oktober 2009

wim3In der “Neuen Zürcher Zeitung” stellte Christian Gasser “Wimbledon Green” (Edition 52) des kanadischen Autoren Seth vor und führt aus, wie sich nicht zuletzt der Autor selbst in dieser Geschichte um den titelgebenden Comicsammler reflektiert.

Sammler und Neider

Der Traum von einem goldenen Zeitalter und die Melancholie des Nostalgikers: Der kanadische Comic-Autor Seth setzt in «Wimbledon Green» zu einer Satire der Comic-Sammler an – und reflektiert gleichzeitig seine eigene Passion für die Pop-Kultur der Vergangenheit.

Die Legende besagt, dass der Superheld Green Ghost ein paar Jahre vor seinem Durchbruch als Star der Heftreihe «All Fun» sein Début im erfolglosen Comic-Book «Green Ghost 1» gab. Für dessen Existenz gibt es allerdings keinen Beweis. Und genau dies beflügelt die Imagination der Sammler, die sich eine erbarmungslose Jagd nach dem mythischen Heft liefern. mehr

Neue Rezensionen – September 2009 (3)

Donnerstag, den 24. September 2009

Die Comicverlage bringen in den nächsten Tagen und Wochen eine ganze Reihe neuer Bücher auf den Markt. In den Rezensionen in der Presse und auf Kulturseiten im Internet wurden nun noch einige der letzten Veröffentlichungen besprochen.

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Christian Gasser befasste sich in der “NZZ” unter der Überschrift “Walliser Alpenglühen und fernöstliche Trips” mit den Comics des Schweizer Zeichners Cosey, dessen “Auf der Suche nach Peter Pan” kürzlich bei Cross Cult veröffentlicht wurde.

Für das Online-Feuilleton “Titel-Magazin” zeigt sich Alexander Frei begeistert von Manu Larcenets “Der alltägliche Kampf” unter der Überschrift “Knollennase Marcos Lehrjahre”.

Lars von Törne hat Émile Bravos Berlinaufenthalt anläßlich des Internationalen Literaturfestivals zu einem Gespräch genutzt und ihn für die Comicseite des “Tagesspiegels” interviewt. Der französische Autor und Zeichner (“Meine Mutter”, mit Jean Regnaud, Carlsen) meint “Manche Zeichner unterschätzen ihr Publikum”. An gleicher Stelle stellt Lars von Törne mit der Neuauflage des vom Zeichnerkollektiv Moga Mobo erstellten Sammelbandes “100 Meisterwerke der Weltliteratur” (Ehapa) zwar keine Graphic Novel im engeren Sinne vor, das Thema und die attestierte Eignung “Für Bilderbürger” sollen die Erwähnung an dieser Stelle jedoch rechtfertigen.

Leopold Maurers “Miller & Pynchon” (Luftschacht) stellt Thomas Hummitzsch auf den Seiten der “Berliner Literaturkritik” vor: “Berührende Abenteuer: Zwei seltsame Abenteurer vermessen die Welt”.

Neue Rezensionen – August 2009 (1)

Mittwoch, den 5. August 2009

Während die Verlage ihre Buchveröffentlichungen für das Herbstprogramm vorbereiten, hat es in den letzten Tagen wieder einige Pressebeiträge über Graphic Novels gegeben.

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Unter der Überschrift “Zeichnungen aus dem Krieg” hat Pieke Biermann am 4. August die Graphic Novel-Umsetzung des Films “Waltz with Bashir” (Ari Folman und David Polonsky, Atrium) im Deutschlandradio Kultur vorgestellt. Der Artikel lässt sich hier nachhören.

In der “Neuen Zürcher Zeitung” hat Angelika Overath am 5. August unter dem Titel “Als die Farben Zweifel trugen” eine Rezension zu “Meine Mutter ist in Amerika und Buffalo Bill getroffen” (Carlsen) von Jean Regnaud und Emile Bravo geschrieben.

“Mineralwasser aus dem See”

Montag, den 27. Juli 2009

cover-jude-von-new-york-neu2-287x300Am Freitag besprach Christian Gasser in der “Neuen Zürcher Zeitung” Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag):

Mineralwasser aus dem See

In «Der Jude von New York» schildert Ben Katchor die Suche nach einer jüdischen Identität in der neuen Welt um 1830. Sein Comic-Roman ist allerdings kein Geschichtsbuch, sondern ein irrwitziges Kaleidoskop von kuriosen Charakteren und abstrusen Utopien.

1825 in New York: Der Politiker und Amateur-Theatermann Mordechai Noah will, angeregt von der Überzeugung, die Indianer seien einer der verloren gegangenen zehn Stämme Israels, auf einer Insel im Hudson einen sozialistischen jüdischen Staat nach indianischem Vorbild gründen. Eine Kampagne gegen die Masturbation warnt junge Männer vor den zersetzenden Nebenwirkungen ihrer einsamen Genüsse, während in den Wäldern um New York luftanbetende Aussteiger ihrem Glauben halbnackt in Häusern ohne Wände frönen. mehr

“Liebe zwischen zwei Anschlägen”

Freitag, den 29. August 2008

BlutspurenChristian Gasser schreibt in der “Neuen Zürcher Zeitung” vom 29. August über “Blutspuren” von Rutu Modan (Edition Moderne).

Liebe zwischen zwei Anschlägen
«Blutspuren» – der erste Comic-Roman der Israeli Rutu Modan

Ein Mann verschwindet kurz vor einem Terroranschlag; sein Sohn und seine Geliebte machen sich auf die Suche nach ihm. Ohne den Nahostkonflikt offen anzusprechen, reflektiert Rutu Modan in ihrem Comic-Roman «Blutspuren» seine Wirkung auf das Leben in Israel.

Ob er sich an den Anschlag in Hadera vor drei Wochen erinnere, fragt die Unbekannte den Taxifahrer Kobi Franco. «Hadera?», entgegnet dieser kopfschüttelnd. «Du meinst Haifa.» «Nein», betont die junge Frau, «nicht der im Restaurant. Der in der Cafeteria im Busbahnhof.» Sie sitzen auf einer Parkbank, rauchen eine Zigarette, die Atmosphäre ist ungemütlich. Eine der Leichen, fährt die junge Frau fort, habe nicht identifiziert werden können, aber gewisse Indizien wiesen darauf hin, dass es sich um seinen Vater handle. Die junge Frau – sie heisst Numi, ist nicht besonders hübsch und so lang, dass ihre Kollegen sie spöttisch «die Giraffe» nennen – überredet mit Müh und Not den mürrischen Kobi, der zwei Jahre zuvor jeglichen Kontakt zu seinem verhassten Vater Gabriel abgebrochen hat, die Leiche mit einem DNS-Test zu identifizieren. mehr