Graphic Novels
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Archiv des Tags ‘Pascal Lémércier’

Eisner Awards für “Der Fotograf” und Joe Sacco

Donnerstag, den 29. Juli 2010

Am vergangenen Wochenende wurde wie in jedem Jahr am Rande der Comics Convention in San Diego mit den Eisner Awards Nordamerikas wichtigste Comic-Auszeichnungen verliehen. Eine der begehrten Trophäen ging dabei an die amerikanische Ausgabe von “Der Fotograf” von Emmanuel Guibert, Pascal Lémércier und Didier Lefèvre, die in der Kategorie “Best U.S. Edition of International Material” ausgezeichnert wurde. Auf deutsch erschien der Reisebericht aus dem kriegszerrütteten Afghanistan der 1980er-Jahre in der Edition Moderne, die US-Version bei First Second.

Weitere Auszeichnungen für “Der Fotograf” allein in den USA umfassen: ALA Notable Books – Winner • YALSA Great Graphic Novel for Teens • Barnes & Noble Best Graphic Novel • Shelf Awareness Best of the Year • Washington Post Best Books of the Year • Amazon.com Best Graphic Novel of the Year • Booklist Top Ten Graphic Novel • Library Media Connection Best of the Best • School Library Journal Best Adult Book for High School Students

In der Kategorie “Best Writer Non-Fiction” gewann Joe Sacco für seinen journalistischen Reisebericht “Footnotes from Gaza”, das bei der Edition Moderne angekündigt ist. Von Joe Sacco ist auf deutsch “Palästina” bereits erschienen, der Folgeband “Bosnien” erscheint im September.

Eine vollständige Liste der Gewinner der Eisner Awards findet sich hier.

Neue Rezensionen – Februar 2010 (3)

Samstag, den 27. Februar 2010

Bis auf die Titelseiten der überregionalen Presse schaffte es die Meldung, dass am vergangenen Montag das Comic-Heft mit dem ersten Auftritt Supermans für unerhörte 1.000.000 Dollar den Besitzer wechelte. Davon einmal abgesehen, dass Batman am Donnerstag mit 1.075.500 Dollar nachgelegt hat, gab es in den vergangenen Tagen viele weitere Artikel über Comics bzw. Graphic Novels.

Für die “Südwest Presse” wirft Markus Kirzynowski anlässlich der Wiederveröffentlichung von Joe Saccos “Palästina” (Edition Moderne) einen schlaglichtartigen Blick auf verschiedene Comic-Reportagen, jene “Kriegsberichte mit Tusche und Feder”.

“Die Welt ist schlecht, ungelogen!” warnt Nils Kurfürst auf titel-magazin.de in seiner Besprechung von Winshluss’ Version des “Pinocchio” (avant-verlag). Wie er ausführt, geht es dem Autor jedoch nicht um eine negative Utopie: “Politische, soziale und ökologische Bezüge machen aus Pinocchio eine sehr offenkundige Gesellschaftskritik.” Nicht nur im Inhalt sieht Alexander Frank an gleicher Stelle ein Abenteuer, vielmehr erkennt er in den drei Teilen von Guiberts, Lefèvres und Lemerciers Reportage-Trilogie “Der Fotograf” (Edition Moderne) ein “Abenteuerliches Kunstwerk”.

Wie unter anderem an dieser Stelle gezeigt, haben unterschiedliche Medien aus aktuellem Anlass Olivier Kas und Alfreds Buch “Warum ich Pater Pierre getötet habe” (Carlsen) aufgegriffen. Das autobiografische Buch, in dem Olivier Ka sexuelle Übergriffe eines katholischen Geistlichen verarbeitet, stellt Christian Schlüter unter der Überschrift “Der Übergottesmann” auch in der “Frankfurter Rundschau” vor und betont, dass Autor Olivier Ka mit Unterstützung von Zeichner Alfred im “Comic jene Bilder-Sprache (findet), die ihn das Trauma verarbeiten” lässt.

“Ein anderer Traum von Israel” sei Ben Katchors “Der Jude von New York” (avant-verlag), so Thomas Hummitzsch auf textem.de: “Ben Katchor ist es in seinem viel gelobten Comic gelungen, die Vielfalt der jüdischen Eigenart in schlichte, aber geniale Tuschezeichnungen zu übertragen und dabei zugleich ein Stück amerikanisch-jüdische Geschichte zu erzählen.”

Eine ganz eigenwillig-unterhaltsame Rezension der Comic-Umsetzung von Ray Bradburys “Fahrenheit 451″ (Eichborn) schreibt Christoph Manel auf literaturmarkt.info mit “2327,78 Grad Celsius”. Obwohl er das Buch rundweg positiv bespricht, schiesst er sich mit dem Resümée selbst ins Knie: “Am Ende bleibt auf einer Art metaphysischer Ebene jedoch die Frage im Raum stehen, ob eine Comicfassung von “Fahrenheit 451″ nicht vielleicht ein erster Schritt zu der im Buch thematisierten Degeneration von Literatur sein könnte?” Oha, das liest sich wie Comic-Kritik der 1950er-Jahre.

Als Antwort darauf könnte man Moritz Honerts Beitrag für tagesspiegel.de lesen, legt er doch dar, warum Bradburys “Flammender Appell” auch als Comic funktioniert. Dafür kritisiert er in “Jahreszeiten der Gewalt” die Neuauflage von Hugo Pratts und Milo Manaras Geschichte “Ein indianischer Sommer” (Panini), deren frivolen Ton er mit dem zum Teil gewalttätigen Inhalt kollidieren sieht. Sven Jachmann erkennt an gleicher Stelle in der Neuauflage des von Neil Gaiman geschriebenen und von Dave McKean zeichnerisch umgesetzten “Black Orchid” (Panini) “Esoterisches Flaschendrehen”: Eindimensionale Mythisierung drohe in Reaktionismus umzukippen.

Ebenfalls auf tagesspiegel.de, ebenfalls eine Neuauflage, dafür wieder lobende Worte: Katja Schmitz-Dräger schaut bei Craig Thompsons “Blankets” (Carlsen) “Unter der Decke” nach, ob das Buch über die Jahre an Reiz verloren hat, kommt aber zum Schluß: “Meisterwerk”.

Das gleiche Fazit formuliert Frank Schäfer, der eben jenen Titel in der “Jungen Welt” bespricht. Der umfangreiche Band hat tatsächlich mehr als “Zeichen hinterlassen”, so ergriffen sieht der Rezensent Craig Thompson neben Art Spiegelman und scheut nicht, “Blankets” mit der Bibel zu vergleichen.

Für die “Kölnische Rundschau” sprach Barbara Buchholz mit Robert Venditti, dem Autor des mit Bruce Willis in der Hauptrolle verfilmten “The Surrogates” (Cross Cult, Zeichnungen von Brett Weidele). Mittelpunkt der Geschichte ist die Idee, dass in Zukunft mit Robotern “Ein zweite Ich für Jedermann” angeboten wird.

Zum Abschluß noch ein Video des britischen Verlages “Self Made Hero”, der Reinhard Kleists “Cash – I see a darkness” (Carlsen) auf Englisch veröffentlicht und den Berliner Künstler unter anderem beim Zeichnen beobachtet hat.

Reinhard Kleist – The Man in Black and White from SelfMadeHero on Vimeo.

Emmanuel Guibert in Zürich

Mittwoch, den 21. Oktober 2009

fotograf_podiumAn diesem Wochenende findet in Zürich, Winterthur und Umgebung bereits zum fünften Mal die Lange Nacht der kurzen Geschichten statt. Thema der diesjährigen Veranstaltungsreihe sind “Lebensgeschichten”. Die Edition Moderne veranstaltet dazu am Samstag eine Podiumsdiskussion zur Comic-Trilogie “Der Fotograf” von Emmanuel Guibert, Pacal Lémércier und Didier Lefèvre, bei der unter anderem der Zeichner Emmanuel Guibert zu Gast sein wird

Die Geschichte “Der Fotograf” erzählt von einem Einsatz der Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) 1986 in Afghanistan, der vom jungen Fotograf Didier Lefèvre begleitet wurde. Aus dessen Fotos und Tagebuchnotizen schuf Guibert gemeinsam mit Lefèvre Jahre später die fesselnde Geschichte einer humanitären Aktion im Kriegsgebiet.

fotograf2_bspGesprächspartner Emmanuel Guibert werden sein: Prof. Dr. Albert A. Stahel, Titularprofessor an der Universität Zürich und Geschäftsführer und Vizepräsident des Forums “Humanitäre Schweiz”; Juliette Fournot, die 1986 die in der Trilogie beschriebenen MSF-Mission in Afghanistan leitete und der Politikwissenschaftler Emmanuel Tronc, der in der jüngeren Vergangenheit immer wieder in für MSF in Afghanistan arbeitete.

Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, CH-8001 Zürich
Veranstaltungsbeginn: 19 Uhr

“Von Krisen gezeichnet”

Donnerstag, den 18. Juni 2009

Der Fotograf 39783941099012

Markus Köbnik befasst sich im “Zündfunk” des Bayerischen Rundfunks mit den autobiografischen Comicbänden von Didier Lefévre, Emmanuel Guibert und Frédéric Lemercier (“Der Fotograf”, Edition Moderne) und Guy Delisle (“Aufzeichnungen aus Birma”, Reprodukt).

Von Krisen gezeichnet

Wenn heute in den Nachrichten über die Lage in Krisenregionen berichtet wird, dann prägen sich beim Zuschauer schnell eindimensionale Vorstellungen zu den jeweiligen Ländern ein. Neue Reportagecomics versuchen den starren Blick aufzubrechen.

“Wir haben uns alle Burkas gekauft, diese langen afghanischen Frauengewänder, die Kopf und Körper vollständig verhüllen. Sie werden uns helfen die Grenze zu erreichen, ohne Aufsehen zu erregen. Juliette und die Krankenschwestern posieren für mich in der Burka”

Didier Lefèvre macht noch schnell ein paar Schnappschüsse, bevor er mit seinem Team die Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan überquert. Lefèvre ist Fotoreporter und begleitet 1986 eine Gruppe der Hilfsorganisation “Ärzte ohne Grenzen” bei einer Mission. Ein langer Fußmarsch durch die afghanischen Berge bringt sie zu Kriegsopfern mit zerfetztem Unterkiefer oder zu einem kleinen Mädchen, das wegen eines winzigen Munitionssplitter gelähmt bleibt. mehr

“Guibert Revisits War in The Photographer

Mittwoch, den 29. April 2009

Der Fotograf 1Für das US-Branchenblatt “Publisher´s Weekly” berichtet Kate Culkin über die Veröffentlichung der englischsprachigen Version der auf Deutsch bei der Edition Moderne erschienenen Trilogie “Der Fotograf” von Emmanuel Guibert, Didier Lefévre und Pascal Lémércier. Auch wenn es weniger um ein inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Werk geht, gibt es Interessantes zu erfahren, wie zum Beispiel die Tatsache, dass in Frankreich von der Originalausgabe 260.000 Exemplare verkauft werden konnten.

Guibert Revisits War in The Photographer

Following the publication last year of the WWII memoir Alan’s War, First Second Books and artist Emmanuel Guibert have again teamed up to bring to the U.S. graphic novel market another tale a life shaped by war. The Photographer: Into War-Torn Afghanistan with Doctors Without Borders will go on sale May 12 with an initial print run of 20,000. The book tells the story of the late French photo-journalist Didier Lefèvre and his experience traveling with Doctors Without Borders in Afghanistan in 1986. First published in France in three volumes, which sold over 260,000 copies, it has been translated into eleven languages. The Photographer is a haunting and at times harrowing tale that highlights the cost of war on the people of Afghanistan while illuminating the humanitarian mission of the volunteers that work with Doctors Without Borders. mehr