Comics von vs. Comics über Frauen

Julia Zejn, graphic novel, drei wege

 

Es ist immer wieder ein Thema, wie Frauen in der Comicszene – und in Comics – präsent sind oder repräsentiert werden. Es wäre auch sonderbar und wenig wünschenswert, wenn ausgerechnet dieses Genre in der aktuellen Debatte ausgespart würde.

Unter der Überschrift „Gute Figuren statt guter Figur“ beschäftigt sich Christoph Haas für die Süddeutsche Zeitung mit Frauen und Comics. Wenn er seinem Beitrag den Satz  voran stellt „Lange kamen Frauen in der Comic-Welt so gut wie gar nicht vor“ lässt er allerdings unerwähnt, dass Frauen sehr wohl vorkamen – wenn auch vorwiegend als Objekte und Projektionsfläche für Männerfantasien.

Zumindest erstaunlich ist es dann, dass von den lediglich drei Comics, die Haas zum Thema vorstellt, einer von einem Autor stammt, „Motor Girl“ von Terry Moore (Schreiber & Leser). Nichts gegen coole Heldinnen von männlichen Autoren – aber hier wäre es doch interessanter gewesen, noch mehr starke Autorinnen kennenzulernen anstatt zu erfahren, wie Terry Moore starke Frauen imaginiert.

Christoph Haas stellt außerdem „Drei Wege“ von Julia Zejn (avant-verlag) und „Betty Boob“ von Vera Cazot und Julie Rocheleau (Splitter Verlag) vor.

Das jetzt-Magazin befasst sich mit der Tatsache, dass Männer selten Bücher von Frauen lesen. Um das zu ändern, erstellt die Redaktion eine Liste unter dem Titel „Diese Bücher von Autorinnen empfehlen wir unseren männlichen Freunden„. Ein Sachcomic ist darunter, und zwar „Der Urspung der Welt“ von Liv Strömquist (avant-verlag).

In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass innerhalb der unabhängigen Comicszene seit letztem Sommer über Feminismus heftig diskutiert wird. Auslöser war ein Streit über die Besetzung der Jury des ICOM-Preises, eine altehrwürdige Einrichtung, die außerhalb der Comicwelt niemand kennen dürfte. Dennoch ist es interessant, diese mittlerweile einigermaßen entgleiste Debatte zu verfolgen. Für den Berliner Tagesspiegel berichtet Markus Pfalzgraf darüber unter der Überschrift „Der große Graben„.

Wird fortgesetzt…