Sachcomic „Israel und Palästina“ in der Kritik

Sachcomic

 

Andreas Platthaus rezensiert auf seinem FAZ-Blog unter der Überschrift „Dieser Konflikt ist offenbar reine Männersache“ den Sachcomic „Israel und Palästina“ von Vladimir Grigorieff (Szenario) und Abdel de Bruxelles (Zeichnungen), erschienen in der Reihe „Die Comic-Bibliothek des Wissens“ bei Jacoby & Stuart. In der Kritik von Andreas Platthaus werden grundlegende Probleme angesprochen, die im Zusammenhang mit Sachcomics sowie im Verhältnis von Autor und Zeichner immer wieder zu beobachten sind.

Im vorgestellten Band wird offenbar ausführlich erzählt, wie der Szenarist vom Herausgeber und der Lektorin für die Arbeit an dem Thema gewonnen wird. Auf den Zeichner wird dabei gar nicht eingegangen – ein Ungleichgewicht in der Wertschätzung, das in der literarischen Welt nicht selten ist.

Der Zeichner wird dabei zum reinen Erfüllungsgehilfen des Szenaristen abgewertet. Diese ungleiche Gewichtung geht davon aus, dass der Zeichner für einen Comic das Szenario „nur“ illustriert. Damit wird nicht nur verkannt, wie komplex die Verzahnung von Text und Zeichnung ist, damit ein Comic funktioniert, sondern auch gleich noch die Leistung der Illustration gering geschätzt.

Andreas Platthaus kritisiert zudem nicht nur in seiner Überschrift, dass Frauen in diesem Sachcomic nicht vorkommen. Auch formal wird der Band für seine Erzählweise, Lesbarkeit und Auslassungen scharf kritisiert.

Das Fazit von Andreas Platthaus lässt sich bedauerlicherweise auf zahlreiche Sachcomics und oft auch auf solche Literaturadaptionen anwenden, die lediglich das Ziel verfolgen, jungen Lesern Klassiker der Weltliteratur nahezubringen: „Der Gedanke, jungen Menschen die Gegenwart über Comics nahezubringen, ist sehr gut. Aber die Comics selbst müssen es dann auch sein. Daran müsste diese Reihe noch arbeiten.“