Auch der Zürcher Verlag Edition Moderne kündigt in seiner neuen Verlagsvorschau eine Reihe neuer Graphic Novels an. Mit “Metro” des Ägypters Magdy El-Shafee und “Ein Leben in China – Die Zeit meines Vaters” von Philippe Ôtié und Li Kunwu sind zwei Titel darunter, die Politik und Zeitgeschichte aufnehmen. Mit einem neuen Buch von Jacques Tardi, basierend auf einer Vorlage von Jean-Patrick Manchette, ist wieder ein düsterer Krimi dabei. Ein neues Buch gibt es vom Schweizer Daniel Bosshart und mit Matthias Gnehms “Tod eines Bankiers” wird wieder ein Titel der Backlist zu einem besonderen Preis angeboten.
“Metro – Kairo Underground” von Magdy El-Shafee
Schihab, ein junger Software-Ingenieur aus Kairo, gerät in die Fänge von korrupten Geschäftemachern. Nachdem er den Mord an einem Geschäftsmann, der ihn unterstützen wollte, beobachten musste, beschliesst er eine Bank zu überfallen, um seine Schulden begleichen zu können. Nun sind ihm nicht nur seine Gläubiger, sondern auch die Polizei auf den Fersen. Es beginnt eine abenteuerliche Flucht durch die pulsierende Metropole Kairo. Korruption, Willkür, sexuelle Frustration, Jugend ohne Zukunft: Kurz vor dem Arabischen Frühling hat Magdy El-Shafee die Ursachen thematisiert, die zu diesen Ereignissen führten.
Magdy El-Shafee, geboren 1961 in Lybien, hat Pharmazeutik studiert und arbeitet tagüber in einem chemischen Betrieb in Kairo. Nachts zeichnet er seine Comics. Anfang 2008 erschien “Metro”, seine erste Graphic Novel, die zwei Wochen danach von der ägyptischen Zensurbehörde beschlagnahmt wurde.
Metro –Kairo Underground, ISBN 978-3-03731-099-1, 104 Seiten, s/w, 17 x 24 cm, Klappenbroschur, EUR 18 (D) ,EUR 18,50 (A), sFr. 22,.80, erscheint im Juni
“Metamorphosis” von Daniel Bosshart
Ein Mann will immer mehr haben: Autos, Frauen, Uhren, Kaviar, Champagner. Aber kaum verlässt er seine Freundin, hat er einen schweren Unfall. Im Krankenhaus macht er eine Nahtoderfahrung und gleitet zurück bis zu seiner Geburt. Als neuer Mensch erwacht er wieder. Gleichnishaft zeigt Daniel Bosshart eine schmerzhafte Metamorphose: Aus einer Raupe wird ein Schmetterling! Konsequent zeichnet Daniel Bosshart seine stillen, intimen, detailreich inszenierten Geschichten, die über die Comicszene hinaus auch international Aufmerksamkeit finden.
Daniel Bosshart, geboren 1971 in Zürich, lebt und arbeitet in Winterthur als Comic-Zeichner und Architekt. Teilnahmen an internationalen Festivals und Ausstellungen: International Salon of Caricature Zemun 2006 (Serbien), Les Rendez-vous de la BD de Gatineau 2008 (Kanada), FIBDA Festival International de la BD Alger 2011 (Algerien), Abu Dhabi International Bookfair (2012).
Metamorphosis, ISBN 978-3-03731-098-4, 80 Seiten, farbig, 23 x 30 cm, Hardcover, EUR 24,80 (D), EUR 25,50, sFr. 29.80, erscheint im Juni
“Tod eines Bankiers – komplett in zwei Bänden” von Matthias Gnehm
Der kranke und todgeweihte Bankier Charles Gubler will auch noch aus der Inszenierung seines Todes Kapital schlagen. Seine Jungpartner, gleichsam seine Ziehsöhne, sollen sich etwas Passendes dazu einfallen lassen. Schnell erweist sich jedoch wieder einmal, dass der Mensch nicht gerne teilt, vor allem dann, wenn es um ein gewaltiges Erbe geht. Dieses opulent-malerische Drama spielt in einem futuristischen Zürich und thematisiert auch moderne Stadtplanung und Architektur.
Ein Bankenkrimi, angesiedelt im Herzen des Finanzplatzes Zürich, in dem es um das grösste Bankgeheimnis seit der Erfindung der Schweizer Banken geht: Wie lässt sich auch noch mit dem Tod Geschäfte machen? Ein ebenso makabrer als auch opulenter Krimi in einem futuristischen Zürich.
Matthias Gnehm, geboren 1970 in Zürich, lebt und arbeitet in Zürich als Autor von Graphic Novels und Architekt. Früher arbeitete Matthias Gnehm mit dem Szenaristen Francis Rivolta zusammen, unter anderem für den Bundeshaus-Comic “Rätsel in Weiss”. Für Die “Bekehrung” hat er 2008 das Werkjahr der Stadt Zürich erhalten.
Tod eine Bankiers – komplett in zwei Bänden, ISBN 978-3-03731-100-4, 96 Seiten, farbig, 22 x 30 cm, Hardcover, EUR 19,80 (D), EUR 20,40 (A), sFr 24.80, erscheint im August
“Ein Leben in China – Die Zeit meines Vaters” von Philippe Ôtié und Li Kunwu
“Ein Leben in China – Die Zeit meines Vaters” schildert das Leben des jungen Xiao Li von seiner Kindheit in den Fünfzigerjahren bis zum Tod Maos am 9. September 1976.
Der Zeichner Li Kunwu bleibt dabei sehr nahe an seiner eigenen Biografie und beschreibt anschaulich und leidenschaftlich die Auswirkungen staatlicher Kampagnen wie “Großer Sprung nach vorn” und “Kulturrevolution” auf den Alltag einer normalen chinesischen Familie. “Ein Leben in China” ist eine auf drei Bände konzipierte Geschichte Chinas, von der Machtergreifung Maos bis zur Gegenwart, erzählt aus der Sicht des einfachen Menschen.
Philippe Ôtié ist das Pseudonym von Philippe Autier, der 1964 in Frankreich geboren wurde und seither vor allem in Südamerika und Asien lebte. Seit 2008 arbeitet er im chinesischen Wuhan als Direktor der Exportförderungsorganisation Ubifrance; in seiner Freizeit betätigt er sich als Comic-Autor.
Li Kunwu, geboren 1955 in der Provinz Yunan, hat im Verlauf seiner Karriere schon über 30 Comic-Alben publiziert. Lange Zeit zeichnete er vor allem propagandistische Comics für die Kommunistische Partei Chinas. Heute widmet er sich ethnographischen Studien über die vielen kulturellen Minoritäten in Yunan.
Ein Leben in China – Die Zeit meines Vaters, ISBN 978-3-03731-102-8, 256 Seiten, schwarzweiss, 17 x 24 cm, Klappenbroschur, 24 EUR (D), 24,70 EUR (A), sFr. 29,80, erscheint im Oktober
“Zum Abschuss freigegeben” von Tardi & Manchette
Thompson, der Killer leidet. Soeben hat er einen Auftrag erledigt, aber sein Magengeschwür treibt ihn zum Wahnsinn. Und schon wartet der nächste Auftrag: Der kleine Neffe eines millionenschweren Architekten soll aus dem Weg geräumt und der Mord dem Kindermädchen, der jungen, angeblich nicht zurechnungsfähigen Julie, angehängt werden. Doch alles läuft schief. Der Junge und Julie können dem Killer vorerst entkommen. Wird Thompson sie erwischen, bevor sein Magen ihn endgültig umbringt?
Jacques Tardi, geboren 1946 in Valence, lebt in Paris. Er gilt als einer der bedeutendsten Comic-Autoren Frankreichs.
Jean-Patrick Manchette, 1942 – 1995, war einer der bekanntesten Autoren des Roman Noir. “Zum Abschuss freigegeben” wurde unter dem Titel “Zum Freiwild erklärt” 1975 von Yves Boisset verfilmt.
Zum Abschuss freigegeben, ISBN 978-3-03731-097-7, 96 Seiten, s/w, 22 x 30 cm, Hardcover, 24 EUR (D), 24,70 EUR (A), sFr. 29,80, erscheint im Oktober
Die neueste Veröffentlichung auf electrocomics.com ist eine knapp 30-seitige Geschichte von Ville Ranta, dessen deutschsprachiges Debut “Paradies” kürzlich bei Reprodukt erschien. Der Finne erzählt hier eine Art moderner Rittergeschichte, inklusive Rüstung, Rappen und feuerspeiendem Drachen, all das jedoch mit einem modernen Dreh. “A hero indeed” findet sich hier (in englischer Sprache).
Anlässlich der Eröffnung einer Graphic Novel-Abteilung erläutert die Lüneburger Buchhandlung Lünebuch in einem Blogbeitrag, was sich hinter dem Begriff Graphic Novel verbirgt. Die Überschrift “Mehr als ZACK, BUMM und POW!?” ist gewiss etwas altbacken, gibt aber wieder, dass es genau solche Fragen sind, die weiterhin im Buchhandels-Alltag auftauchen.
So wird über die vielen Facetten der Graphic Novel aufgeklärt, zum Beispiel die Erzählansätze. Ob nun klassisch romanhafte Stoffe, biografische Geschichten oder das Ergebnis journalistischer Recherche: Alles kann als Graphic Novel bezeichnet werden. Auch wenn bei Medienberichten zum Thema Graphic Novel häufig der Inhalt im Mittelpunkt steht, wird in dem Beitrag zu Recht darauf verwiesen, dass auch der Zeichenstil eminent wichtig und von (kauf-)entscheidender Bedeutung ist. Darüber hinaus werden noch weitere Aspekte angesprochen.
So ist diese Einführung in die vielfältige Welt der Graphic Novels – verbunden mit der Aufforderung, sich selbst ein Bild zu machen und vor Ort in den Büchern zu stöbern – eine gelungene Aufklärung der eigenen Kundschaft. Viele Buchhandlungen zeigen in dieser Hinsicht beachtliches Engagement, der Blogbeitrag von Lünebuch ist dafür ein sehr gut sichtbares Zeichen.
Der Berliner Verlag Reprodukt kündigt für den Herbst 2012 eine ganze Reihe von Graphic Novels an. Comics von Autoren aus aller Welt sind für eine Veröffentlichung im September und Oktober in Vorbereitung – angefangen bei den Hamburger ZeichnerInnen Anke Feuchtenberger und Lukas Jüliger über die Franzosen Christophe Blain und Bastien Vivès, den Italiener Igort, den Briten Tom Gauld, den Spanier Paco Roca bis hin zum Neuseeländer Dylan Horrocks.
Mit “Nausea” wird der Auftakt zu einer Reihe thematisch gegliederter Sammelbände des amerikanischen Zeichners Robert Crumb veröffentlicht. Robert Crumb gilt als Ikone der Gegenkultur, seine Arbeiten werden heute weltweit ausgestellt, zuletzt unter anderem im New Yorker Museum of Modern Art und im Musée d’Art Moderne in Paris.
Das Titelbild für die Buchhandelsvorschau Herbst 2012 stammt von Christophe Blain (“Quai d’Orsay”, mit Szenarist Abel Lanzac). Die komplette Buchhandelsvorschau kann unten komfortabel durchgeblättert werde und es gibt sie auch als PDF-Datei (9,8 MB) zum Download: Buchhandelsvorschau Herbst 2012
“Quai d’Orsay” von Abel Lanzac & Christophe Blain
Der Doktorand Arthur Vlaminck stößt als Redenschreiber neu zum Beraterstab des französischen Außenministers Alexandre Taillard de Vorms. Hinter den Türen des Auswärtigen Amts am Pariser Quai d’Orsay eröffnet sich dem jungen Mann eine Welt, in der Politik mit Ehrgeiz und Intrigen Hand in Hand geht und die Vernunft nur allzu oft dem Aktionismus unterworfen ist.
Selten wurde Politik derart humorvoll und treffend festgehalten wie von Christophe Blain, der das diplomatische Haifischbecken und den selbstherrlichen Alexandre de Vorms nach den Erfahrungen und Insiderinformationen seines Autors Abel Lanzac virtuos und spannungsgeladen ins Bild setzt. Ein meisterhaftes Beispiel dafür, wie intelligent und unterhaltsam sich aktuelle Themen in Comic umsetzen lassen.
Der 1970 geborene Christophe Blain (“Isaak der Pirat”) ist durch einen feinen Sinn für Komik, viel psychologisches Gespür und außerordentlich lebendige Zeichnungen zu einer Größe des europäischen Comics avanciert. Hinter dem Pseudonym Abel Lanzac verbirgt sich ein langjähriger Berater des ehemaligen französischen Außenministers Dominique de Villepin.
“‘Quai d’Orsay’ ist eine bitterböse Parabel über die Anziehungskraft der Macht. Blain und Lanzac beweisen, dass der Comic als Waffe taugt wie die Karikatur.“ – Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Quai d’Orsay, ISBN 978-3-941343-34-8, 192 Seiten, farbig, 24 x 29 cm, Hardcover, 36 EUR, erscheint im September 2012
“Berichte aus Russland” von Igort
Anderthalb Jahre hat der Italiener Igort zwischen 2008 und 2009 die Ukraine, Russland und Sibirien bereist. Seine Dokumentation verbindet Comics, Illustrationen und Texte virtuos zu einem sehr persönlichen und dennoch authentischen Porträt der ehemaligen Sowjetunion.
In seinen Reiseaufzeichnungen verhandelt Igort sowohl die Vergangenheit wie die Gegenwart Russlands, sucht den Krieg in Tschetschenien ebenso zu ergründen, wie er den Blick zurück auf die stalinistischen Gulags richtet. Im Zentrum seiner “Berichte aus Russland” steht jedoch die Journalistin Anna Politkowskaja: Erschüttert von ihrer Ermordung 2006 begibt Igort sich vor Ort auf ihre Spuren.
Igort, geboren 1958 in Cagliari, Italien, avancierte Anfang der 1980-Jahre neben Lorenzo Mattotti zu einem der wichtigsten Vertreter der Künstlergruppe Valvoline. Sein Buch “5 ist die perfekte Zahl” (avant-verlag) wurde 2003 auf der Frankfurter Buchmesse zum “Comic des Jahres“ ausgezeichnet.
Berichte aus Russland, ISBN 978-3-943143-37-9, 176 Seiten, farbig, 17 x 24 cm, Klappenbroschur, 24 EUR, erscheint im September 2012
“Die Spaziergängerin” von Anke Feuchtenberger
Das zentrale Thema von Anke Feuchtenbergers neuem Buch ist der Mensch in der Stadt: Hamburg, Tel Aviv, Guiamares, Berlin – obschon Atmosphäre und Architektur auf den ersten Blick im Zentrum zu stehen scheinen, lassen die sehr persönliche Gedanken und Impressionen der Künstlerin tief hinter die Fassaden von Stadt und Mensch schauen.
“Die Spaziergängerin” sammelt eine stilistisch weite Auswahl an Geschichten aus verschiedenen Schaffensphasen von Anke Feuchtenberger. Das Gros erscheint erstmals in deutscher Sprache.
Über die Jahre hat Anke Feuchtenberger mit der ihr eigenen Ästhetik die Bildsprache des Comics radikal erweitert. 2008 wurde sie auf dem Comicsalon Erlangen als “Beste deutschsprachige Comic-Künstlerin” ausgezeichnet. Anke Feuchtenberger unterrichtet an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
Die Spaziergängerin, ISBN 978-3-943143-39-3, 56 Seiten, teilweise farbig, 21,5 x 29 cm, Klappenbroschur, 20 EUR, erscheint im August 2012
“Goliath” von Tom Gauld
Im trostlosen Niemandsland zwischen dem Heerlager der Philister und der Israeliten hockt der ratlose Riese Goliath und weiß nicht wie ihm geschieht. Die ihm befohlenen täglichen Drohgebärden gegen die feindliche Armee überfordern den schlichten und sanftmütigen Mann.
Indem er die Geschichte von David und Goliath aus der Perspektive des Riesen erzählt, gibt Tom Gauld diesem nicht nur seine Menschlichkeit zurück, sondern stellt zugleich unsere Weltsicht auf den Kopf. Lakonisch in Wort, Bild und Witz zeigt der britische Autor den biblischen Hünen als Sinnbild für die Absurdität für die Absurdität des Krieges.
Tom Gauld lebt und arbeitet als Autor, Illustrator und Humorist in London. Goliath ist seine erste Graphic Novel. Zusätzlich zu zahlreichen Veröffentlichungen in Anthologien und Ausstellungen in Galerien, zeichnet er einen wöchentlichen Cartoon für die britische Tageszeitung “The Guardian”.
Goliath, ISBN 978-3-943143-26-3, 96 Seiten, zweifarbig, 15,5 x 21 cm, Klappenbroschur, 15 EUR, erscheint im August 2012
“Hicksville” von Dylan Horrocks
Als der amerikanische Journalist Leonard Batts in Hicksville eintrifft, um über die Comic-Legende Dick Burger zu recherchieren, erwartet er von dem verschlafenenen Nest und seinen Bewohnern nicht mehr, als Füllmaterial für seine Reportage über den berühmtesten Sohn der Stadt. Stattdessen findet er sich an einem Ort der Wunder, Versprechen und Überraschungen wieder. Einem Ort, der ein dunkles Geheimnis hütet…
Dylan Horrocks’ literarische dichte Geschichte über ein neuseeländisches Küstenstädtchen, in dem jeder, vom Briefträger bis zum Schafhirten, Comics liebt, ist eine funkelnde, hakenschlagende Hommage an die Comics und das Erzählen.
In den Neunzigerjahren wurde Dylan Horrocks über die Grenzen Neuseelands hinaus mit seinem Magazin “Pickle” bekannt, in dem auch “Hicksville” zum Abdruck kam. Die 1998 veröffentlichte Buchausgabe von “Hicksville” geriet zum internationalen Erfolg, der diverse Veröffentlichungen bei namhaften US-amerikanischen und kanadischen Verlagen nach sich zog.
Hicksville, ISBN 978-3-943143-33-1, 264 Seiten, schwarzweiss, 15 x 23 cm, Klappenbroschur, 24 EUR, erscheint im September 2012
“Der Winter des Zeichners” von Paco Roca
Im franquistischen Spanien der späten 1950er-Jahre wagen sich fünf Comiczeichner an die Verwirklichung ihres Traums: Sie verweigern sich den großen Verlagen mit ihren Fließbandproduktionen und der Beschneidung jeder künstlerischen Freiheit, und gründen ihr eigenes Comicmagazin. Doch ihr Schritt verheißt nicht nur Unabhängigkeit…
Vor dem Hintergrund der erschreckend aktuell wirkenden tiefen Wirtschaftskrise im Spanien der Fünfzigerjahre erzählt Paco Roca in lebendigen, atmosphärisch dichten Zeichnungen die wahre Geschichte der spanischen Vorkämpfer für die Anerkennung des Comics und die künstlerische Selbstentfaltung.
Paco Roca ist einer der erfolgreichsten Comiczeichner Spaniens. Seine Graphic Novel “Arrugas” (dt. Runzeln), in der er eindringlich den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung nachzeichnet, wurde 2008 vom spanischen Kulturministerium mit dem Nationalen Comic-Preis bedacht. Die Verfilmung des Stoffs, für die Paco Roca selbst das Drehbuch verfasste, ist mehrfach preisgekrönt.
Der Winter des Zeichners, ISBN 978-3-943143-38-6, 128 Seiten, farbig, 17 x 24 cm, Klappenbroschur, 20 EUR, erscheint im September 2012
“Nausea” von Robert Crumb
Mit Robert Crumb findet einer der bedeutendsten Autoren und Zeichner, die der Comic bis heute hervorgebracht hat, eine neue verlegerische Heimat bei Reprodukt. Mit seinen oftmals schonungslos persönlichen Geschichten hat Robert Crumb seit 1967 im Alleingang die Grenzen dessen erweitert, was im Comic erzählbar ist, und ganze Generationen von Comiczeichnern nachhaltig geprägt.
“Nausea” bildet den Auftakt zu einer Neuausgabe des Crumb’schen Oeuvres in bibliophiler Aufmachung und in der Übersetzung von Harry Rowohlt. Robert Crumb beschäftigt sich in dieser Sammlung von Geschichten aus den frühen 1980er-Jahren auf ganz unterschiedliche Weise mit Literatur: Ob er nun “Der Ekel” von Sartre illustriert, Philip K. Dick ins Bild setzt oder Richard von Krafft-Ebings “Psychopathia Sexualis” – stets ist die Relevanz für das eigene Leben spürbar.
1967 zog Robert Crumb ihn ins Herz der Flower-Power-Bewegung nach San Francisco. Hier entwickelte er sich zum Enfant terrible des zeitgenössischen Comics und hob seine stilprägende Anthologie “Zap Comix” aus der Taufe.
Nausea, ISBN 978-3-943143-29-4, 112 Seiten, schwarzweiss, 22 x 29 cm, Hardcover, 29 EUR, erscheint im Oktober 2012
“Das Gemetzel” von Bastien Vivès
Zärtliche Berührungen, verliebtes Tagträumen und Nähe – gefolgt von Verletzungen, Unverständnis und Schmerz. Bastien Vivès’ Autopsie einer Romanze, deren Unbeschwertheit und Hoffnung nach und nach gegenseitigen Grausamkeiten, Sprachlosigkeit und Liebeskummer weichen, verbindet das individuelle Erleben eines Paars mit der universellen Dynamik von Liebesbeziehungen.
Die Intensität seiner Beobachtungen kontrastiert Bastien Vivès mit der Leichtigkeit seines Strichs und den fast ätherischen Farben seiner Buntstiftzeichnungen, die wie seine Figuren zwischen Glück und Verzweiflung changieren.
Mit dem preisgekrönten “Der Geschmack von Chlor” sowie “In meinen Augen” etablierte sich Bastien Vivès als Vorreiter einer neuen Generation französischer Comicschaffender. Eine Position, die er 2011 mit seinem Ballettcomic “Polina” eindrucksvoll gefestigt hat.
Das Gemetzel, ISBN 978-3-943143-35-5, 104 Seiten, farbig, 15 x 21 cm, Klappenbroschur, 15 EUR, erscheint im Oktober 2012
“Vakuum” von Lukas Jüliger
Es sind die ersten Sonnenstrahlen des Sommers: Ein Junge langweilt sich. Erst als ein Mädchen auf ihn zukommt, scheint das Leben mit einem Mal interessant. Sie verbringen Zeit miteinander, die Welt wird verwirrend. Plötzlich erschüttet eine Tragödie die Stadt – ein junger Mensch stirbt. Als die beiden sich auf seine Spuren begeben, ahnen sie bald, dass es nicht nur ihre Schulzeit ist, die gerade zu Ende geht…
In seiner mitreißenden Erzählung um eine Reihe von Teenagern geht Lukas Jüliger der Verunsicherung und diffusen Angst nach, die jenes Alter prägen. Dabei bettet er das vermeintlich alltägliche Geschehen in eine surreale, teils bedrückende Welt voller Geheimnisse ein.
Lukas Jüliger, geboren 1988, studiert Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. “Vakuum” ist sein Buchdebüt. Lukas Jüliger, der auch als Kurzfilmmacher aktiv ist, hat allerdings mit einigen kürzeren Comics (unter anderem für den WWF) auf sich aufmerksam gemacht.
Vakuum, ISBN 978-3-943143-15-7, 112 Seiten, farbig, 18,5 x 27 cm, Klappenbroschur, 20 EUR, erscheint im Oktober 2012
Anfang Juni und somit rechtzeitig zum Comic-Salon Erlangen 2012 erscheint bei Reprodukt mit “Brigitte und der Perlenhort” ein neues Buch der Berliner Comiczeichnerin Aisha Franz (“Alien”). “Brigitte und der Perlenhort” ist die Gesamtausgabe einer ursprünglich selbstverlegten Comic-Serie in vier Teilen, die sämtlich auf der Website von Aisha Franz vorgestellt werden und als Einzelhefte über My Own Press zu beziehen sind.
Brigitte hat eine wichtige Mission: Sie soll die “Margarita”, eine sagenumrankte Perlenmuschel von unschätzbarem Wert, vor den gierigen Händen eines Mafia-Bosses bewahren. Fest entschlossen begibt sie sich auf die Jagd, doch ihre Schwäche für stürmische Romanzen erweist sich als gefährliches Hindernis…
Eine abenteuerliche Geschichte über Verlust, Rache und das Wunder der Liebe.
Aisha Franz wurde 1984 als Tochter kolumbianisch-chilenischer Einwanderer geboren. Obwohl sie eigentlich Eiskunstlaufen und Zeichentrickfilme wie Walt Disney machen wollte, studierte sie bei Hendrik Dorgathen an der Kunsthochschule Kassel Illustration und Comic. 2011 erschien ihr erster Comic “Alien” bei Reprodukt und wurde bereits als “Petite Terrienne” (Editions çà et là) ins Französische übersetzt.
Ansonsten veröffentlicht Aisha Franz ihre gezeichneten Geschichten in Anthologien wie “Orang”, “Kuti Kuti” und “Strapazin” und ist leidenschaftliche Selbstverlegerin. Zusammen mit ihren sechs Zeichner-Kollegen des Selbstverleger-Kollektivs The Treasure Fleet und vielen bunten Mini-Comics im Gepäck bereist sie die verschiedensten Comic-Festivals.
Brigitte und der Perlenhort, ISBN 978-3-943143-13-3, einfarbig, 21 x 16 cm, Klappenbroschur, 16 EUR, erscheint im Juni 2012 bei Reprodukt
Die am Freitag ausgestrahlte Folge der Kultursendung “Der Marker” auf zdf.kultur befasste sich in drei Beiträgen mit aktuellen Comic-Themen. Neben einer Tanztheater-Inszenierung, basierend auf Figuren und Motiven aus den Comics von Osamu Tezuka (“Buddha”, Carlsen) standen zwei Comic-Autoren und ihre Arbeiten im Mittelpunkt: Sowohl Guy Delisle als auch Arne Jysch befassen sich mit aktuellen politischen Themen, wobei sich die Art der Recherche der beiden bereits unterscheidet: Guy Delisle berichtet in seinen “Aufzeichnungen aus Jerusalem” von seinem längeren Aufenthalt in Israel, Arne Jysch war nicht vor Ort in Afghanistan, sondern verlässt sich in “Wave and Smile” (Carlsen) auf Recherche.
Für die gestrige “Berliner Morgenpost” hat sich Redakteurin Christine Eichelmann anlässlich des Gratis Comic Tags in der Berliner Comic-Szene umgesehen und unter anderem mit den Comic-KünstlerInnen Aisha Franz (“Brigitte und der Perlenhort”, Reprodukt), Arne Jysch (“Wave and Smile”, Carlsen) und Paula Bulling (“Im Land der Frühaufsteher”, avant-verlag) gesprochen.
Die Berliner Comic-Community ist “überschaubar, aber quicklebendig”, die kulturellen Rahmenbedingungen sind vielfältig: “Kleine Galerien stellen Comic-Zeichner aus, Lesungen werden auch in der Welt der Sprechblasen immer populärer.” Christine Eichelmann spart aber auch nicht aus, dass die meisten Akteure der Comic-Szene nicht von ihrer Kunst leben können: “Gerade für Freunde des Independent-Comics sei Berlin attraktiv, glaubt Aisha Franz. Vielleicht auch deshalb, weil günstige Lebensbedingungen einer Sparte entgegenkommen, in der es viel Leidenschaft, aber kaum echten Broterwerb gibt.” Der komplette Artikel findet sich unter dem folgenden Link: “Berlins Comiczeichner bringen ernste Stoffe zu Papier”
Im Zürcher Verlag Walde+Graf – frisch vom Aufbau-Verlag übernommen und in die Neugründung metrolit überführt – wurde jüngst das neue Buch von Chester Brown (“Fuck”, Reprodukt) veröffentlicht. In “Ich bezahle für Sex – Aufzeichnungen eines Freiers” legt Brown dar, wie es dazu gekommen ist, dass er die Dienste von Prostituierten in Anspruch nimmt und warum er das für eine gute Sache hält.
Auf “Spiegel online” wird der Band heute vorgestellt. Stefan Pannor sieht in Brown den “Freier von der traurigen Gestalt”, dessen Plädoyer für die Prostitution mehr zu einem Dokument der eigenen emotionalen Verarmung geworden ist.
Chester Brown ist nicht nur einer der besten Comic-Künstler der Gegenwart, er ist auch einer der kompromisslosesten Meister dieses Genres. Sensibel und schonungslos erzählt er im vorliegenden Buch von seinem Leben mit Prostituierten. Dabei stellt er nicht nur das Ideal der romantischen Liebe infrage, er schildert auch provokant und verblüffend sachlich, dass er die Inanspruchnahme von käuflichem Sex nicht nur legitim findet – sondern sinnvoll, besser und ehrlicher.
In der heutigen Ausgabe der “Neuen Zürcher Zeitung” bespricht Christian Gasser das deutschsprachige Debut des finnischen Autoren Ville Ranta, “Paradies” (Reprodukt). Dabei lässt Gasser auch ausführlich Ranta selbst zu Wort kommen, der seine Motivation, den biblischen Sündenfall in einem Comic zu verarbeiten, erläutert: “Die Lust am Sündenfall”.
Es ist schwer, dem Herrn alles recht zu machen. Kaum haben Adam und Eva ihr Schicksal als göttlichen Plan akzeptiert, empört dieser sich über ihr Verhalten. Dabei hatten sie sich, umgeben von Engelstrompeten und Cherubim, doch nur dem Reiz der körperlichen Liebe hingegeben. Kurzerhand zerstört Gott den Garten Eden und jagt die vermeintlich missratenen Geschöpfe zum Teufel.
Wieso hat der liebe Gott uns mit Neugier geschlagen, wenn er nicht will, dass wir vom Baum der Erkenntnis essen? Auf diese grundsätzliche Frage weiß auch Ville Ranta keine Antwort – aber sein “Paradies” ist dennoch tröstlich in seiner Heiterkeit und Farbenpracht.
In der gestrigen Ausgabe der in Berlin erscheinenden “Tagesspiegels” widmete sich wieder eine Seite im Feuilleton ausschließlich Comics. Neuigkeiten wurden vorgestellt, auf das Comic-Symposium in Saarbrücken hingewiesen und auch der am Samstag bundesweit stattfindende Gratis Comic Tag erwähnt.
Lars von Törne besprach dort auch ausführlich “Packeis” von Simon Schwartz (avant-verlag), dem er vor Allem zugute hält, wie darin eigene Einschätzungen des Autors den historischen Stoff auch für diejenigen LeserInnen interessant macht, denen weniger an der Geschichte liegt, auf der das Buch basiert. Der Artikel lässt sich nun auch online nachlesen: “Auf dünnem Eis”.
Bereits am Montag wurde auf tagesspiegel.de eine Besprechung von David Smalls “Stiche” (Carlsen) veröffentlicht, für Redakteur Waldemar Kesler einer der herausragenden Comics des Jahres, wie er in “Stummer Schreie, heile Wunden” schreibt.
Anfang Juni wird der aus Ägypten stammende Comic-Autor Magdy El-Shafee (“Metro”, Edition Moderne) in Berlin erwartet. Dort wird er am von der Heinrich-Böll-Stiftung organisierten Kulturfestival “Wider die Müdigkeit” teilnehmen, zu dem Gäste sus dem Nahen Osten, Mittel- und Osteuropa sowie Deutschland eingeladen wurden.
Die Literaten, Wissenschaftlerinnen, Musiker, Malerinnen, Comic-Zeichner und Kuratoren erzählen über ihren Widerstand in Unterdrückungsregimen. Sie präsentieren künstlerische und intellektuelle Reaktionen auf die gesellschaftlichen Schwingungen, die letztlich zu großen Veränderungen führten – ob vor einem Jahr in Ägypten und Tunesien oder seit 1989 in den Ländern Osteuropas. Ausgangspunkt für “Wider die Müdigkeit” ist die These der “Müdigkeitsgesellschaft”, die der Karlsruher Philosoph Byung-Chul Han dem Westen anheftet. Am ersten Juniwochenende wird statt Müdigkeit ein aufgeweckter Austausch der Meinungen die Räume besetzen.
Am Abend des 2. Juni wird eine Ausstellung mit Originalzeichnungen aus “Metro” eröffnet (18 Uhr), tags darauf nimmt El-Shafee zusammen mit dem tunesisch-palästinensischen Multimedia-Künstler Checkpoint 303 an einer Podiumsveranstaltung zum Thema “Graphic Novel – ein politischer Resonanzraum?” teil (Beginn: 16 Uhr, Moderation: Daniel Gerlach).
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Genauere Informationen finden sich auf der Veranstaltungshomepage.
Der US-amerikanische Autor Charles Burns hat mit “Black Hole” einen modernen Klassiker des Gegenwartscomics geschaffen, einen albtraumhaften Trip durch die Hölle amerikanischer Vorstädte. Nun meldet er sich zurück mit “X” und “Die Kolonie”. In seinem neuen, mehrteiligen Drama erzählt Charles Burns verstörend, suggestiv und bildgewaltig von Adoleszenz, Drogen, Sex und – Comics.
Tickets zur Veranstaltung am Dienstag, dem 12. Juni, ab 20.30 Uhr im Studio des Heimathafen Neukölln sind ab sofort im Vorverkauf zu erhalten. Durch den Abend führt Christian Schlüter (“Berliner Zeitung”, “Frankfurter Rundschau”).
VVK im Heimathafen Neukölln Büro | Karl-Marx-Straße 141, VH 3. Stock, D-12043 Berlin
Infos unter Tel. (030) 56 82 13 33
VVK ohne Gebühr für ausgewählte Veranstaltungen im Heimathafen Neukölln Hugendubel am Hermannplatz | Mo- Sa 10-20 Uhr Hugendubel Neukölln Arcaden | Mo-Sa 10-21 Uhr
Vom 7. bis zum 10. Juni wird Erlangen erneut zur Comic-Metropole. An diesen vier Tagen werden wieder viele tausend Besucher auf dem Comic-Salon Erlangen, dem größten Comic-Festival im deutschsprachigen Raum erwartet. Das gewohnt umfangreiche Programm – von Ausstellungen über Podiumsdiskussionen, Filmprogramm und natürlich der Verlagsmesse – wird für Freunde aller Spielarten der Comics etwas zu bieten haben.
Ein Schwerpunkt wird auch bei der 15. Ausgabe des Comic-Salons auf Graphic Novels liegen. Alle wichtigen Verlage sind mit Ständen vertreten, viele Neuheiten werden vorgestellt und schon jetzt haben hunderte Künstlerinnen und Künstler ihre Teilnahme angekündigt. Festivalleiter Bodo Birk beantwortet ausführlich unsere “Fünf Fragen” und gibt an dieser Stelle erstmals öffentlich Auskunft über einige der Programmpunkte des Comic-Salons Erlangen 2012. Vielen Dank dafür nach Erlangen!
Worauf kann man sich in diesem Jahr besonders freuen?
Auf einen ungewöhnlich politischen Comic-Salon. Comics aus dem sogenannten Arabischen Frühling, über die gesellschaftlichen Realitäten in Russland und Indonesien, das Black.Light-Project über die Charles-Taylor-Kriege in Westafrika, Auseinandersetzungen mit Krisengebieten wie Palästina oder Afghanistan, Beschäftigung mit der Geschichte Deutschlands und Europas. Die grafische Literatur scheint Politik und Geschichte als zentrale Themen entdeckt zu haben und teilweise – zum Beispiel im arabischen Raum oder in Russland – Gesellschaft auch mitgestalten zu wollen. Eine bemerkenswerte Entwicklung, der wir beim 15. Internationalen Comic-Salon Erlangen in Ausstellungen, Projekten und Gesprächen nachspüren wollen.
Natürlich werden wir auch in diesem Jahr wieder versuchen, die ganze Breite und Vielfalt der Comic-Landschaft widerzuspiegeln: Von den schon seit Jahren stark vertretenen Graphic-Novels über die Renaissance der klassischen Alben, die Superhelden-Universen, denen aufgrund des aktuellen DC-Relaunches in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird, bis hin zu Manga und Anime. Die äußerst lebendige Comic-Branche wird sich auf der Messe mit rund 150 Ausstellern präsentieren, bereits jetzt sind rund 400 Künstlerinnen und Künstler gemeldet. Über zwanzig Ausstellungen werden sich im ganzen Stadtgebiet verteilen und widmen sich beispielsweise dem arabischen Raum, dem Comic-Pionier Winsor McCay, dem 50. Geburtstag von Spider-Man, Charles Burns (“Die Kolonie”, Reprodukt), David B. (“Die heilige Krankheit”, Edition Moderne), Manuele Fior (“5000 Kilometer pro Sekunde”, avant-verlag), Projekten der Goethe-Institute in Moskau, Kairo und Jakarta, deutschen Zeitungs-Strips oder dem zehnjährigen Jubiläum von Tonto-Comics.
Das Comic-Podium soll in Vorträgen, Gesprächen und Diskussionen die Themen des Salons vertiefen, die Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) wird sich daran mit einer eigenen Programmschiene maßgeblich beteiligen. Das Comic Film Fest in den Erlanger Kinos kann mit Joann Sfars “Die Katze des Rabbiners” und “Das Leben an der Angel” nach Pascal Rabatés “Bäche und Flüsse” (Reprodukt) mit mindestens zwei deutschen Erstaufführungen aufwarten. Dazu zeigen wir in diesem Jahr aus gegebenem Anlass eine Reihe von Dokumentationen zum “Arabischen Frühling” aber auch Rosa von Praunheims “König des Comics”. Das Lesungs- und Bühnenprogramm des Salons wird ausgebaut: das Theater Maß & Fieber OST von Brigitte Helbling wird beispielsweise zwei Mal im Markgrafentheater mit “Fall Out Girl“ eine “Radioaktive Roadshow” über Spider-Mans Schwester präsentieren. Ein Traumpaar haben wir in diesem Jahr für die Moderation der Max und Moritz-Gala gewinnen können: Hella von Sinnen, die die Comic-Szene bereits vor zwei Jahren mit Ihrem aufrichtigen Interesse überraschte und der über alle Zweifel erhabene Schweizer Comic-Experte Christian Gasser. Und natürlich kommt auch das Feiern nicht zu kurz: Reprodukt-Party, Zwerchfell-Soiree und die große Salon-Party von Ehapa, Carlsen und Panini. Die Nächte werden wieder sehr kurz…
Mit “Comics aus dem nahen Osten” ist eine Ausstellung angekündigt, in der Comics und ihre Macher vorgestellt werden, die im deutschsprachigen Raum tendenziell eher unbekannt sind. Darüber hinaus verspricht das Thema Aktualität. Was wird dort zu sehen sein?
Die Ausstellung ist einer unserer Schwerpunkte in diesem Jahr. Ausgangspunkt dafür war ein mehrwöchiger Workshop, den Barbara Yelin (“Gift”, mit Peer Meter, Reprodukt) mit ägyptischen Comic-Künstlerinnen und Künstlern im Goethe-Institut Kairo gegeben hat. Das Goethe-Institut liegt in unmittelbarer Nähe zum Tahrir-Platz, Barbara Yelin und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben quasi “mit Blick auf die Revolution“ gearbeitet. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Kairo haben wir uns daran gewagt, unsere Recherchen auf weitere arabische Länder in Nordafrika und im Nahen Osten auszuweiten. Paul Derouet, der erfahrene Ausstellungskurator aus Hamburg, mit dem wir seit vielen Jahren eng zusammen arbeiten, und Anna Gabai, eine junge Comic-affine Arabistin aus Italien, die in Berlin lebt, haben in den letzten Wochen und Monaten im Auftrag des Internationalen Comic-Salons Ägypten, Algerien, Marokko, den Libanon, Jordanien und die Palästinensischen Gebiete bereist, Künstler besucht, Exponate für Erlangen ausgewählt und über zwanzig Zeichnerinnen und Zeichner nach Erlangen eingeladen.
Die Ausstellung im großen Saal des Kongresszentrums Heinrich-Lades-Halle soll einen Einblick in die zeitgenössischen Comic-Szenen dieser Länder gewähren und vom Leben, vom Alltag, den Sorgen und Nöten und natürlich von der gesellschaftlichen Veränderung in diesen Ländern erzählen. In diesem Zusammenhang werden wir versuchen, in der Ausstellung zusätzlich zu den Comic-Exponaten Hintergrundinformationen zu liefern. Wir bemühen uns, dafür ein Konzept mit einer zusätzlichen digitalen Ebene zu entwickeln, was ja auch der Rolle, die das Internet und die die sozialen Netzwerke in den Revolutionen der letzten Jahre gespielt haben, entsprechen würde.
Tatsächlich werden viele der ausgestellten Künstler dem deutschen Besucher kein Begriff sein. Dem interessierten Comic-Leser sind vielleicht der Marokkaner Abdelaziz Mouride, die Ägypter Mohammed Shennawy und Magdy El-Shafee oder das libanesische Comic-Magazin “Samandal” ein Begriff. Magdy El-Shafee hat vor einigen Jahren die erste ägyptische Graphic Novel “Metro” veröffentlicht, die von Korruption und organisiertem Verbrechen im vor-revolutionären Kairo handelt und sofort verboten wurde. Das Verbot wurde übrigens bis heute nicht aufgehoben. “Metro” wird zum Salon bei der Edition Moderne in deutscher Sprache erscheinen. Und beim avant-verlag erscheint ebenfalls zum Salon “Chronik einer verschwundenen Stadt” von Golo (“B. Traven – Portrait eines berühmten Unbekannten”, avant-verlag), der seit den 70er-Jahren in Ägypten, inzwischen in einem Dorf nahe Luxor, lebt und das Verschwinden des alten Ägyptens zeichnerisch und erzählerisch dokumentiert.
Seit dem letzten Comic-Salon haben noch mehr Verlage Graphic Novels veröffentlicht und damit zum Teil beachtliche Erfolge bei Kritikern und Publikum gefeiert. Wird sich das auch auf den Comic-Salon auswirken?
Die Veränderungen in der deutschen Comic-Landschaft spiegeln sich natürlich immer automatisch auch im Programm des Internationalen Comic-Salons wider. Schon allein dadurch, dass die Verlage ja mit ihren Neuerscheinungen und ihren Künstler-Einladungen maßgeblichen Einfluss auf die Programm-Gestaltung des Salons haben. Das Kulturprojektbüro legt zwar großen Wert auf die programmatische Unabhängigkeit des Salons – im Gegensatz zu anderen Messen beispielsweise, können die Verlage in Erlangen keine Zeit-Slots für eigene Veranstaltungen buchen – und auch die Auswahl der Salon-Ausstellungen wird von uns ausschließlich nach inhaltlichen Kriterien getroffen. Andererseits ist es natürlich unser Anliegen, Trends aufzugreifen und Entwicklungen zu begleiten, vielleicht sogar zu befördern. Insofern greifen wir natürlich gerne Vorschläge auf, die sich aus den Programmen der Verlage ergeben.
Das Thema Graphic Novels spielt auf dem Salon ja jetzt schon seit einigen Jahren eine sehr wichtige Rolle. Vor zwei Jahren beispielsweise haben wir exemplarisch unter anderem an den Serienmörder-Geschichten von Peer Meter, Isabel Kreitz, Barbara Yelin und David von Bassewitz die Entstehungsweisen von Graphic Novels und die Zusammenarbeit zwischen Szenaristen und Zeichnern dokumentiert. In diesem Jahr tauchen tatsächlich erstmals die Literaturverlage mit ihren Graphic-Novel-Publikationen verstärkt im Programm des Internationalen Comic-Salons auf. Titel der Verlage Voland & Quist, Suhrkamp, Eichborn, mareverlag und Droemer Knaur sind für den Max und Moritz-Preis 2012 nominiert. Am von JNK organisierten Gemeinschaftsstand der Buch-Verlage werden unter anderem Eichborn, Knesebeck, die Süddeutsche Zeitung Bibliothek, Rowohlt, Atrium, Voland & Quist, Suhrkamp, der mareverlag, Brockhaus Literatur-Comics, Dressler und der Verlag Antje Kunstmann auf der Messe vertreten sein. Vielleicht wird sich der eine oder andere dieser Verlage in Zukunft auch mit einem eigenen Stand nach Erlangen trauen…
Überhaupt wurde in der jüngeren Vergangenheit immer häufiger in den Medien über Comics und deren AutorInnen berichtet. Merken Sie bereits im Vorfeld des Salons auch ein höheres Medieninteresse?
Nicht unbedingt im Vorfeld dieses Salons, aber schon in den vergangenen Jahren. Vor zwei Jahren waren 3sat, das Fernsehen der Deutschen Welle und die Aspekte-Redaktion mit Kamerateams auf dem Salon unterwegs. Außerdem war Flix anlässlich der Salon-Eröffnung Gast im ZDF-Morgenmagazin und das Bayerische Fernsehen hat mehrfach über den Salon berichtet. Das Interesse der Printmedien und des Hörfunks ist schon seit Jahren anhaltend hoch. In der Regel sind Redakteure der meisten großen deutschsprachigen Tageszeitungen in Erlangen präsent, wir erwarten auch in diesem Jahr wieder die Akkreditierung von rund 200 Medienvertretern.
Das eigentlich bemerkenswerte finden wir aber gar nicht unbedingt die Medienaufmerksamkeit während oder im Vorfeld des Salons, sondern vor allem auch in der Zeit zwischen den Salons. Das Medieninteresse konzentriert sich erfreulicherweise inzwischen nicht mehr in erster Linie auf das alle zwei Jahre stattfindende Festival, sondern ist konstant und nachhaltig hoch. Über das ganze Jahr hinweg erreichen uns zahllose Anfragen nach Kontakten, Informationen oder Bildmaterial. Manchmal fühlen wir uns schon ein wenig wie ein “offizielles deutsches Comic-Zentrum”, was uns natürlich organisatorisch wie inhaltlich maßlos überfordert…
Rund zwei Drittel aller für die Max- und Moritz-Preise nominierten Titel sind Graphic Novels. Wie erklären Sie diese Popularität bei der Jury, der Sie auch angehören?
Ja klar, dass Sie das so sehen. Gegenthese: Von 25 nominierten Titeln sind mit “Annas Paradies“, “Dédé“, “Der Mann, der seinen Bart wachsen ließ“, “Der Staub der Ahnen“, “Das tapfere Prinzlein und die sieben Zwergbären“, “Fennek“ und “Lou!“ sieben dem Albenbereich zuzuordnen, vier davon sind Serien, drei für Kinder. “The Walking Dead“ und “Essex County“ sind ebenfalls Serien. “Baby Blues“, “Riekes Notizen“ und “Schöne Töchter“ sind Zeitungs-Strips, “Grablicht“, “Pluto“ und “Summer Wars“ Mangas. “Aufzeichnungen aus Jerusalem“ ist ein Comic-Tagebuch, “Gaza“ eine Reportage, “Die Ballade von Seemann und Albatros“ ist – egal wie das Buch vermarktet wird – kein Roman, sondern die Adaption eines Langgedichts und selbst die philosophischen Betrachtungen von Thomas Bernhards “Alte Meister“ mag ich nicht wirklich unter die Graphic Novels einordnen. Bleiben also mit “Alois Nebel“, “Asterios Polyp“, “Castro“, “Fünftausend Kilometer in der Sekunde“, “Haarmann“ und “Packeis“ sechs lupenreine Graphic Novels in der Liste, was ungefähr einem Viertel aller nominierten Titel entspricht.
Natürlich führen uns Definitions-Spitzfindigkeiten nicht wirklich weiter. Ich wollte nur einmal deutlich machen, wie interpretationsbedürftig solche Einschätzungen sind und dass es für die Jury bei der Entscheidungsfindung überhaupt keine Rolle spielt, ob ein Titel als Graphic Novel vermarktet wird oder nicht. Die Max und Moritz-Jury möchte Büchern breite Wahrnehmung verschaffen, die künstlerische und inhaltliche Relevanz haben. Dass dabei – neben einer dem Thema angemessenen und ansprechenden Grafik – gute Geschichten zu gesellschaftlich wichtigen Themen besondere Beachtung zukommt, ist naheliegend. Und nicht zu bestreiten ist sicherlich die Tatsache, dass es der Bereich ist, den Sie und wir in Ermangelung tauglicherer Begrifflichkeiten “Graphic Novel“ nennen, in dem sich in den letzten Jahren die spannendsten und wichtigsten Entwicklungen vollzogen haben und in dem riesengroße Fortschritte für die öffentliche Wahrnehmung von Comics erzielt werden konnten. Wenn man den Graphic Novel-Begriff also nicht gattungsspezifisch gebraucht, sondern auf Comics mit hohem inhaltlichen und literarischen Anspruch anwendet, dann können wir uns gerne darauf einigen, dass Graphic Novels beim Max und Moritz-Preis eine sehr wichtige Rolle spielen.
17-21 Uhr Internationale Masterclass Maximilien Le Roy | HBKsaar, Dachatelier
Freitag 11.05.12
13-17 Uhr | Internationale Masterclass Ulli Lust | HBKsaar, Dachatelier
18 Uhr | Vernissage der Ausstellung Comicaleidoscop – Studierende der HBKsaar | HBKsaar, Foyer
Kuratorinnenteam: Ajkune Hoxhaj, Joni Marriott, Barbara Yelin
ab 23 Uhr L.I.N.S. Edition Release und Illustrationsparty | Blau niteclub, Saarbrücken
Samstag 12.05.12
9 Uhr | Eröffnung | VHS Festsaal, Saarbruecken
● Doris Pack, Vorstand der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse
● Ivica Maksimovic, Rektor HBKSaar
● Bruno Merckx, Ministère de la Communauté française Service général des Lettres et du Livre
9:30-13 Uhr | Präsentationen Autor/inn/en (inkl. Pause)
● Fabienne Loodts
● Vincent Burmeister
● Ulli Lust
● Maximilien Le Roy
Moderation:
● Kai Pfeiffer, Comic-Künstler, Dozent Illustration & Zeichnen, Kunsthochschule Kassel
● Prof. Dr. Rolf Sachsse, Designgeschichte & Designtheorie, HBKsaar
Die Präsentationen/Diskussionen werden simultan (de<>frz) übersetzt.
Am heutigen Mittwoch ist die in Berlin lebende Comic-Autorin Ulli Lust (“Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens”, avant-verlag) zu Gast bei der Berliner Sektion der BücherFrauen, dem beruflichen Netzwerk für Frauen aus Buchhandel, Verlagen, Agenturen und allen anderen Arbeitsbereichen rund ums Buch.
Unter dem Label “Graphic Novel“” sind Comics inzwischen auch für Erwachsene salonfähig geworden. Dabei sind es zunehmend Frauen, die in den letzten Jahren die eher männlich dominierte Szene aufmischen. Die 1967 in Wien geborene Wahl-Berlinerin Ulli Lust hat mit ihrem 2009 erschienenen Band “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“ Furore gemacht. Der Band erschien im Berliner avant-verlag und schildert die Erlebnisse zweier Punk-Mädchen, die sich Mitte der Achtzigerjahre nach Italien aufmachen: ein “komödiantisches Drama über den Preis der Freiheit, Geschlechterkonflikte und Vertrauensverluste“.
Das Gespräch mit Ulli Lust im Literaturhaus Berlin unter dem Titel “Die neue Lust am Comic” führt Carola Köhler. Beginn ist um 20 Uhr.
Literaturhaus Berlin, Fasanenstr. 23, D-10719 Berlin www.buecherfrauen.de
Eintritt: frei für BücherFrauen, 5 Euro / 2,50 Euro für Nicht-BücherFrauen
Ende Mai erscheint bei Reprodukt mit “Die Sputnik-Jahre” von Baru ein Werk, in dem er auf seine Kindheit in einer lothringischen Kleinstadt zurückblickt – das Hochofenwerk seines Heimatortes war in den Fünfzgerjahren Anziehungspunkt für Arbeitssuchende aus Italien, Polen, Algerien, Deutschland und anderen Ländern. Das Aufeinandertreffen der Kulturen auf engstem Raum bietet immer wieder Anlass auch für blutige Auseinandersetzungen – sowohl untereinander als auch mit der französischen Staatsmacht.
1957. Während die Menschheit neuerdings Nacht für Nacht in den Himmel starrt, um die Metallkugel zu entdecken, die die Russen in den Orbit geschossen haben, gilt Igors Begeisterung wesentlich weltlicheren Dingen: Fußball. Indianerspielen. Den Trotteln aus der Unterstadt auf die Mütze hauen. Bis das Weltraumfieber auch den 13-Jährigen und seine Kumpels packt: So schwer kann es doch wohl nicht sein, Professor Bienleins Rakete aus “Reiseziel Mond” nachzubauen…
Baru gelingt es mit leichter Hand, die Fünfzigerjahre in einem lothringischen Industriestädtchen aufleben zu lassen. Mitreißend erzählt und ohne jede nostalgische Verklärung.
“Baru beweist ein enormes Gespür für Atmosphäre und Authentizität.” – Siggi Seuss, Die Zeit
Baru, das ist Hervé Barulea, geboren 1947 in Thil (Meurthe-et-Moselle) in Lothringen, fand erst spät seine Berufung. Er debütierte in den frühen 1980er-Jahren als Comiczeichner im Magazin “Pilote” und veröffentlichte 1984 sein erstes Album “Quéquette Blues, Part Ouane”. In der Folge etablierte Baru sich mit Büchern wie “Cours, Camarade” (dt. “Lauf, Kumpel!”, Carlsen 1989) und “Le Chemin de l’Amérique” (dt. “Der Champion”, Carlsen 1991) als eine der wichtigsten Stimmen des europäischen Comics. 1991 begann Baru mit “Autoroute du Soleil” (Carlsen) eine umfangreiche Erzählung für das japanische Verlagshaus Kodansha, die exemplarisch für sein Schaffen steht und den Beweis erbringt, dass relevante gesellschaftliche Themen und rasante, unterhaltsame Geschichten auch im Comic wunderbar Hand in Hand gehen. “Die Sputnik-Jahre” erschienen von 1999 an zunächst in vier Alben, die auf Deutsch erstmals bei Carlsen verlegt wurden.
Barus Werke der jüngsten Zeit – “Wut im Bauch”, “Elende Helden” (mit Szenarist Pierre Pelot), “Hau die Bässe rein, Bruno!” oder “Schönes Neues Jahr” – erscheinen in deutscher Sprache bei Edition 52. Im Jahre 2010 wurde Baru mit dem “Grand Prix de la Ville d’Angoulême” geehrt, der höchsten Auszeichnung des europäischen Comics.
Die Sputnik-Jahre, ISBN 978-3-943143-10-2, 208 Seiten, farbig, 25,5 x 15 cm, Klappenbroschur, 29 EUR, erscheint im Mai 2012 bei Reprodukt
Anlässlich der Neuerscheinungen “Mach’s gut, Chunky Rice” von Craig Thompson, “Portugal” von Cyril Pedrosa und “Brigitte und der Perlenhort” von Aisha Franz gibt es bei Reprodukt neue Streifenplakate für den Buch- und Comichandel.
Die neuen Streifenplakate können über die Verlagsauslieferungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bezogen werden.
• “Mach’s gut, Chunky Rice”-Streifenplakat (LKG-Titelnummer 9040)
• “Portugal”-Streifenplakat (LKG-Titelnummer 9039)
• “Brigitte und der Perlenhort”-Streifenplakat (LKG-Titelnummer 9042)
Eine Übersicht zu sämtlichen lieferbaren Werbemitteln bei Reprodukt gibt es hier.
Einen erklärenden Satz haben wir kürzlich im Text “Über uns” geändert. “Auf dieser Website finden interessierte Leser Informationen zu Comics und Graphic Novels”, hieß es zunächst. Nun steht dort: “Auf dieser Website finden interessierte Leser Informationen zu Comics, insbesondere zu Graphic Novels.”. Das mag nur als kleines Detail erscheinen, dahinter steckt jedoch ein etwas komplexerer Sachverhalt.
Auf Buchmessen oder im Vertriebsgespräch war in den letzten Jahren ein stetig steigendes Interesse gegenüber Graphic Novels zu verzeichnen. Viele Leserinnen und Leser haben über Graphic Novels – zum Teil wieder – einen Zugang zur Erzählform Comics bekommen. Ab und an war dabei jedoch der Satz zu hören, dass man ja keine Comics lese, sondern nur Graphic Novels. Dahinter stecken einige Missverständnisse, die wir gerne auch an dieser Stelle korrigieren möchten.
Auch wenn der Begriff “Comic” durch seine Fixierung auf das Komische nicht besonders geeignet scheint, um auch vielschichtige Themen und kunstvolle grafische Umsetzungen zu benennen, ist er doch der Oberbegriff für die Erzählform, zu der auch Graphic Novels gehören. Und darüber hinaus für noch Vieles mehr: Strips wie die “Peanuts” sind Comics, Alben-Reihen wie “Asterix” sind Comics, regionaler Humor wie “Zürich by Mike” ebenso, Mangas wie “One Piece” sind Comics und Graphic Novels wie “Aufzeichnungen aus Jerusalem” eben auch.
Viele Comic-AutorInnen bewegen sich mühelos zwischen Genres und Formaten. Ein gutes Beispiel dafür sind die französischen Autoren Joann Sfar und Lewis Trondheim, die bei der klamaukigen Fantasy-Albenserie “Donjon” zusammenarbeiten und darüber hinaus von autobiografischen Inhalten (“Außer Dienst”) hin zu Erzählungen aus dem jüdischen Leben zur russischen Zarenzeit (“Klezmer”) auch im Graphic Novel-Bereich aktiv sind. Oder Émile Bravo, der sowohl klassischen, frankobelgischen Funny-Stoff beherrscht (“Spirou – Porträt eines Helden als junger Tor”) wie auch das nachdenkliche Kinderbuch (das mit dem Deutscher Jugendliteraturpreis 2010 ausgezeichnete “Meine Mutter”). In jeder Sparte der Comics sind großartige Werke zu finden.
Gegenwärtig werden, wie schon in den vergangenen Jahren, gesellschaftlich relevante Themen, die ein großes Publikum finden, vornehmlich in Form der Graphic Novel aufgegriffen. Und es gibt – wie nicht zuletzt auch das neue Engagement von Suhrkamp (“Alte Meister”) zeigt – stetig neue Mitstreiter in diesem Segment, darunter eben auch die großen Publikumsverlage, die beginnen, Graphic Novels zu veröffentlichen und damit dem Comic neue Leser erschließen. Darüber werden wir auch weiterhin mit Freude berichten.
Wer sich über die vielfältige Welt der Comics – von der Superhelden-Geschichte über den Manga bis hin zur Graphic Novel – informieren will, dem bietet der Gratis Comic Tag, der an diesem Samstag zum dritten Mal stattfinden wird, die beste Gelegenheit, wieder einen örtlichen Comic-Shop aufzusuchen und Comics jeder Couleur zu lesen (und auch gratis mitzunehmen).
Im Mai werden im Rahmen der Illustrationskurses von Professorin Anke Feuchtenberger an der HAW Hamburg zwei weitere Vorträge zum Thema Comic gehalten. Am 24. Mai referiert die in Berlin lebende Comic-Autorin Ulli Lust (“Fashionvctims, Trendverächter”, avant-verlag) zum Thema “Von der Vorstellung magischen Denkens analog zur dramaturgischen Arbeit – Überlegungen zum weiblichen Erzählen”. Am 31. Mai folgen die aus Indonesien stammenden Imansyah Lubis , Azisa Noor, Galang Tirtakusuma und Is Yuniart, die über sich und ihre Arbeit – “ComickünstlerInnen aus Bandung und Surabaya” – vorstellen werden. Beide Veranstaltungen beginnen um 18 Uhr.
Derzeit laufen zwei Ausstellungen, die sich mit Comics befassen. Noch bis Ende Oktober zeigt das BernhardHaus in Ohlsdorf in Österreich eine Ausstellung zu Nicolas Mahlers Umsetzung von Thomas Bernhards “Alte Meister”, die als Buch bei Suhrkamp erschienen ist.
Die sechs Jahrhunderte umfassende Ausstellung vereint verschiedene Bildgattungen aus drei asiatischen Ländern: Tibet, Indien und Japan. Gemeinsames Thema aller Exponate sind Geschichten von Figuren, in denen kulturelle Werte und Ordnungssysteme sichtbar werden – von der Bewältigung des Hiroshima-Traumas bis zu den kulturstiftenden Gestalten Krishna und Buddha.